Pharmaunternehmen in Erklärungsnot: Koran-Sure im Beipackzettel

Dürfen Katholiken Bibelzitate erwarten im Beipackzettel der Antibabypille, wenn Pharmaunternehmen ein passendes finden, das die Einnahme rechtfertigt? Was wäre empfehlenswert bei Hindus? Nun weiß man, dass gläubige Juden auch kein Schweinefleisch zu sich nehmen. Warum aber findet sich in einem jüdisch-christlichen Kulturkreis keine entsprechende Beruhigung für jüdische Patienten auf den Beipackzetteln? Was macht hier den Unterschied zum muslimischen Patienten?

Eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse ist keine Kleinigkeit, weil langwierig und schmerzhaft. Nun kann es trotzdem passieren, dass so ein Patient schmunzeln muss. Dann nämlich, wenn er seinen Beipackzettel fürs Pankreas-Pulver liest – und sich dort unvermittelt in einem religiösen Diskurs ausschließlich für Muslime wiederfindet.

So haben beispielsweise die Pharmaunternehmen Ratiopharm, Allergan oder Nordmark einen Abschnitt in den Gebrauchsinformationen eingeschrieben, der die religiöse Unbedenklichkeit des Pankreas-Medikaments, gewonnen aus der Bauchspeicheldrüse vom Schwein, bescheinigt. Wohlgemerkt, es geht hier im Beipack nicht um unerwünschte Nebenwirkungen, sondern darum, Muslime zu beruhigen oder zu ermuntern, Medikamente wie Panzytrat usw. einzunehmen.

Wie diese Überzeugungsarbeit geleistet wird, ist erstaunlich, wenn es beispielsweise bei Allergan in einem gesondert hervorgehobenen Abschnitt heißt:

Auch moslemische Patienten dürften Pantryzat 40.000 einnehmen. Der 173. Vers der 2. Sure des Koran würde besagen:

„Euch ist nur verboten: das, was verendet ist, und Blut und Schweinefleisch, was nicht im Namen Allahs geschlachtet (oder Götzen geopfert) ist. Wer aber (aus Not) gezwungen, unfreiwillig, ohne Absicht und nicht unmäßig davon genießt, der hat keine Sünde damit (begangen): den Allah verzeiht und ist barmherzig.“

Nun mag man das hilfreiche Zusatzinformation verstehen oder als gelungene Marketingaktion. Aber was passiert da tatsächlich? Verstehen sich da deutsche Pharmakonzerne als islamische Religionserklärer? Ratiopharm hat die Brisanz unserer Anfrage schnell erkannt, kann die Zuständigkeit aber an ein Partnerunternehmen weiterreichen, wenn die Senior Communications Managerin schreibt:

„Wir sind Ihren Fragen nachgegangen und es verhält sich dabei so: (…) Dass dieser Passus aufgenommen wurde, ging vom Pharmazeutischen Unternehmer und Hersteller Nordmark Arzneimittel aus. Kein anderes Arzneimittel, das von uns vertrieben wird, hat eine solche Zusatzinformation.“

Wir fragen nach. Und während also die Antwort von Nordmark noch aussteht, einmal weitergedacht: Dürfen Katholiken jetzt auch Bibelzitate erwarten im Beipackzettel der Antibabypille, wenn die Pharmaunternehmen ein passendes finden würden, das die Einnahme rechtfertigen würde? Und was wäre empfehlenswert bei Hindus? Nun weiß man, dass gläubige Juden auch kein Schweinefleisch zu sich nehmen. Warum aber findet sich in einem jüdisch-christlichen Kulturkreis keine entsprechende Beruhigung für jüdische Patienten auf den Beipackzetteln? Was macht hier den Unterschied zum muslimischen Patienten?

In einer Broschüre der Universität Mainz mit dem Titel „Medizinethische Aspekte im Umgang mit muslimischen Patienten“ wird – beispielhaft für die Problematik – eine Patientengeschichte erzählt, wo über einen Muslim in einem „Fallbeispiel“ berichtet wird:

„Einem unfreiwillig kinderlosen muslimischen Mann wird zu Therapiezwecken von einem deutschen Urologen ein Präparat verabreicht. Als er feststellt, dass dieses aus dem Schweinepankreas gewonnen wird, bricht er die Therapie ab. „Was kann man von einem Menschen erwarten, der mit Hilfe eines Präparats, das Schweineanteile enthält, gezeugt wurde?“ sagt er später. Da sein Vertrauen verletzt wurde, geht er nicht mehr zu diesem Urologen.“

Es ist also offensichtlich doch nicht so, wie es diese Beipackzettel erzählen. Man könnte es sich leicht machen und sagen, Religion sei nun mal keine Wissenschaft. Aber welcher Religionslehrer berät hier eigentlich die Pharmaindustrie, wenn es um halale Arzneien geht? Professor Martin Schulz ist Geschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände und hat dem Stern dazu schon 2015 Auskunft gegeben:

„Medikamente, die als Inhalts-, meist Hilfsstoff, verarbeitetes Schweinefleisch oder Alkohol enthalten, (können) für einen praktizierenden Muslimen problematisch sein. Eine sehr kleine Gruppe interpretiert das Speisegebot sehr streng und verzichtet vollständig auf Medikamente, die diesem Gebot nicht entsprechen.“

Es gibt hier also durchaus entgegen der Angaben auf dem Beipackzettel unterschiedliche Auffassungen. Aber warum lässt sich ein Pharmaunternehmen überhaupt auf solche religiösen Kapriolen ein? Man möchte glauben, da wird ein Fass ohne Boden aufgemacht, wenn weitere Religionen ihre persönlichen Befindlichkeiten, ihre Regeln und religiösen Gesetze widergespiegelt sehen wollen oder zuletzt gar ein Anrecht einfordern könnten, das entsprechende Informationen verpflichtend wären, so wie heue schon Infos für Veganer, Gluten-Allergiker usw.

Religiöse Gebote, Suren oder sonstige Zitate aus Buchreligionen, verpflichtend abgebildet in Beipackzetteln, formuliert gemäß EU-Norm? Nein, sicher nicht. Alle nötigen Informationen sind längst gegeben, wenn beispielsweise auf der Umverpackung des Pakreas-Medikaments gut sichtbar geschrieben steht: „Vom Schwein“. Wäre es hilfreich, für sprachfremde Patienten gleich welcher Religion noch ein Schweinchen als Graphik abzubilden, so wie die Kornähre bei Gluten?

Dann meldet sich auch schon Nordmark und die freundliche Dame am Telefon klärt erst einmal darüber auf, dass Nordmark einer der weltweit größten Hersteller von Pankreas-Pulver wäre. Und man hätte sich im Hause schon intensiv bemüht, die Fragen zu beantworten. Allerdings sei der Passus mit dem Hinweis an muslimische Patienten schon so alt, dass sich keiner der heute noch tätigen Mitarbeiter erinnern kann, wie er einmal entstanden ist, wie die Sure aus dem Koran den Weg in die Patienteninformation gefunden hätte.

Ein anderes Medikament des Hauses, das ebenfalls vom Schwein kommt, sei sogar schon in den 1930er Jahren produziert worden, da stände ähnliches. Ergo kann uns die Mitarbeiterin die Philosophie hinter dem Passus im Beipackzettel „nicht 1:1 beantworten“. In der Fachinformation für Ärzte stehe es übrigens nicht. Hier wäre allerdings die Frage berechtigt, warum dort und hier nicht?

Tatsächlich kann schon die Schreibweise „moslemische“ statt „muslimische“ darauf hinweisen, dass es sich bei besagtem Passus im Beipackzettel um einen antiquierten handelt.

Nun hat Nordmark, das dürfen wir gerne unterstellen, das Wohl des Patienten im Auge gehabt. Aber möglicherweise wird es Zeit, Jahrzehnte alte Elemente eines Beipackzettels einmal neu zu überdenken, nachzudenken, ob ein Pharmamunternehmen in der heutigen Zeit wirklich religiöse Schiedsstelle sein will oder möchte oder kann.

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Kommentare ( 82 )

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Und wenn ich ganz böse bin: Wenn einer eine Behandlung aus religiösen Gründen ablehnt, soll er das Problem halt anders ausbaden. Aber dann bitte ohne weitere vergemeinschaftlichte Unterstützung.
In dem Sinne wäre auch die Gleichbehandlung mit anderen religiösen Spinnern wie den Zeugen Jehovas etc. sinnvoll. Ausnahmen nur für Kinder.
Aber so schlichtes Denken übersteht kein Gutmenschentribunal.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass nicht nur Merkel weg muss.

Sie sind nicht böse! Wenn jemand eine medizinische Hilfe ablehnt dann muss er die Konsequenzen selbst tragen – aber bitte nicht weitere Probleme auf Kosten der Allgemeinheit. Ich wette, dass die Herrscher in den islamischen Staaten in diesen Fällen – wenn überhaupt – einen Imam zur Hand haben, der aus dem Koran die Erlaubnis locker herausliest. Wie so oft zahlen die einfach gestrickten Gläubigen drauf.

Wie kann ein halbwegst vernünftiger, gebildeter und aufgeklärter Mensch ein Tier als Unrein bezeichnen?? Das die Kuh dem Hindu heilig ist freut mich. Das eine Milliarde Allah Anhänger Schweine hassen ist mir einfach nicht begreiflich. Aber das sagt viel über diese Religion aus. Es ist und bleibt die Religion der Unterdrückung, des Zwangs und des Hasses.

Der Witz ist doch, dass Mohammed seinerzeit Recht damit hatte, seinen Gläubigen den Genuss von Schweinefleisch zu verbieten und das Tier als unrein zu bezeichnen. Schweine waren damals in den warmen Ländern extrem mit Trichinen verseucht, so dass der Genuss von Schweinefleisch meist tödlich endete. Auch andere religiöse Vorschriften hatten damals konkrete hygienische und gemeinschaftsfördernde Hintergründe, ausgehend von den damaligen Lebensbedingungen der Wüstensöhne. Anders als bei christlichen Kirchen wird von den Muslimen die Anpassung der religiösen Vorschriften an die heutigen Lebensbedingungen abgelehnt.

Es geht um Angst vor der Dummheit, die sie den Dummen macht. Und als Aufklärernation fühlen wir uns verpflichtet, auf das aufgeklärte Wissen vorerst zu verzichten. Dummheit färbt wohl auch ab. Das ist fatal. Seit geraumer Zeit befinden sich in bestimmten Supermärkten unverhältnismäßig große Abbildungen von Schweinen auf Schweinehaltigem, z. B. Wurstwaren. Es wirkt auf mich als Warnhinweis, ich kaufe diese Produkte nicht und ich schäme mich für dieses immer erbärmlicher agierende Volk.

Wäre doch nur positiv und integrativ, wenn entsprechende Arzneimittel ein Warnaufkleber tragen.

Ja.

Und sämtliche Lebensmittel den Hinweis: „Kann in Spuren Schwein enthalten“. Ein Schweinchenbildchen für leseschwache Kunden wäre sicher hilfreich.

Warum? Weil bei kaum einem Lebensmittel ausgeschlossen werden kann, daß ein Inhaltsstoff in irgendeiner Weise mit Schweingülle kontaminiert worden ist.

Gibt es eigentlich inzwischen eine Statistik darüber, in wie vielen Schweinemastbetrieben es seit 2015 deutschlandweit gebrannt hat?

Es wird mühselig werden, die Namen sich die Namen der Unternehmen zu merken um deren Produkte dann zu boykottieren, denen im Namen des Profits eine Unterwerfung vor dem Islam , geboten zu sein scheint.
Nur es bleibt uns das Einzige in unserer Hilflosigkeit , um unseren Unmut darüber zu Ausdruck zu bringen.
Ich habe begonnen, mir diese Firmen im Mobil abzuspeichern.
Und ich werde im konkreten Fall bei einer Verschreibung, meinen Arzt fragen, ob es den Wirkstoff nicht auch von einem anderen Hersteller gibt.

Sehr geehrter Herr Schroeter, Sie zeigen da einen sehr klugen Weg auf.
Ich werde mich genau danach richten. Vielen Dank für den Hinweis!

Ich bin wie Herr Wallasch geneigt, der Firma zu glauben und zugute zu halten, daß es sich bei dem fraglichen Zusatz noch um eine freiwillige Geste von Kultursensibilität handelte, aus einer Zeit, als wir uns noch nicht in einem Zustand der Dauernötigung von Berufs-Beleidigten befunden haben. Das ist ja das Verheerende am Wahn der politischen Korrektheit, daß ihr die kleinen Gesten freiwilliger Freundlichkeit zwangsläufig zum Opfer fallen.

Das wäre doch mal eine Aufgabe für all die Wissenschaftler aus der moslemischen Welt, ein Pankreas Medikament anstelle von Schweine Pankrea, aus Schafs oder Ziegen Pankrea zu synthetisieren .

Es gibt natürlich auch Medikamente mit Rinderpankreas, ganz übel für Hindus, oder Enzyme aus Pflanzen und Früchten, z.B. Ananasenzyme, gut zum Abnehmen. Da steht dann im Beipackzettel „Und bald schon klappert’s nachts im Bette mit der Ananastablette.“ 🙂 Wir wollen doch mal nicht so bierernst sein an Fasnacht, oder? Ich habe ein Aortenkläpperle vom Schwein im Herzen. Mensch gut, daß ich keine Islamistin bin! Und Rind, Schwein, oder Ziege sind da meines Wissens noch nicht auf dem Markt. Und eins aus Metall würde immer gleich so laut kläppern, wenn mir ein schöner, junger Mann über den Weg liefe. Narri, Narro,… Mehr
Das mit der Zeugungsbeihilfe scheint mir ein besonderes „ Schmankerl“ zu sein, aber – ähnlich wie beim Klima – gilt, er könnte ja Recht haben, Beweis oder Plausibilitäten hin oder her. Ich hoffe, dass ich in Anbetracht meiner Zweifel, dass das Mittel einen ( welchen ?) Einfluss auf den muslimischen Nachwuchs hat, nicht zum „Leugner „ erklärt werde. Ehrlich gesagt würde mich aber doch interessieren, wie sich der nun vielleicht nicht werdende Vati die Folgen konkret vorstellt. Offenbar würde über das Mittel ein schädlicher westlicher Einfluss vom Ungeborenen Besitz ergreifen und es würde – nach der Bezahnung – Schweinefleisch essen… Mehr

Und die ganzen BMWs und Mercedese erst einmal. Nicht zu vergessen das komplette Equipment und KnowHow, daß ihnen den Stoff, mit dem sie ihren Islamisierungsfeldzug überhaupt bezahlen können, aus dem Boden pumpt. Alles haram aber im Sinne des Korans und den Ausnahmeregeln dann auch wieder nicht (wenn’s nur der Umma und dem Djihad nutzt.) Schon praktisch. Aber mittlerweile haben sie ja schon Deutschland wieder aufgebaut. Die paar Narrativumschreibungen kriegen die auch noch hin.

Wann wird diesen „Gläubigen“ mal erklärt das Deutschland haram ist?

Eine Islamisierung findet nicht statt.

Oh doch, sogar jeden Tag etwas schneller. Wenn Sie mehr wissen wollen kann ich behilflich sein.

Das ist exakt was N.N. Taleb sagt wenn er von der Tyrannei der Minderheit spricht (https://medium.com/@Maximilian_H1/der-intoleranteste-gewinnt-die-tyrannei-der-kleinen-minderheit-22a738d56770).
„Jemand mit einer Erdnussallergie wird keine Produkte essen, die mit Erdnüssen in Berührung gekommen sind, aber eine Person ohne eine solche Allergie kann Speisen essen, die keine Spuren von Erdnüssen enthalten.“
Und da die potentiellen Kosten die in der Folge von anaphylaktischen Schocks entstehen könnten sehr hoch sind wird darauf geachtet, dass alle Produkte frei von Erdnuss sind. Oder analog frei von Schwein.

Danke für den Taleb-Artikel. Und wer kann, möge ihn weiter verbreiten. Was er schreibt ist grundlegend – und es scheint, wir sind hinsichtlich der Systemzerstörung hier in Deutschland bereits seit langem von innen und außen überrannt, wenn man betrachtet, welche Themen weiten Raum einnehmen. Zukunftsgerichtet ist da gar nichts. „Für Juden und moslemische Minderheiten wie Schiiten, Sufis und assoziierte Religionen wie die Drusen und Alawiten besteht das Ziel darin, dass die Leute sie in Frieden lassen, damit sie ihren diätetischen Vorlieben nachgehen können — größtenteils, mit historischen Ausnahmen hier und da. Aber wenn mein Tischnachbar ein sunnitischer Salafist gewesen wäre, hätte er… Mehr

Gerade die USA haben mit Peanuts Verbannung exorbitante Erfahrungen. Die Gruppe der hoch allergischen Kinder ist explodiert, dann würde die Ursache gefunden: die Meidung (bereits in Schwangerschaft). „Gefahren“ exponiert zu sein schützt mehr als ständige Abschottung.

Bei Kompendium und Sure geht es um etwas anderes: auch wenn du (tot-) krank bist, begehst du Sünde ein Schwein zu dir zu nehmen. Wobei die Sünde zu begehen schlimmer ist als der Tod.

Übrigens: „meine“ Feiertagsmuslime machen sich regelmässig darüber lustig, allerdings nur vor bestimmten Personen.