Einmal Bundespräsident, SPD-Medienholding ddvg, Madsack Mediengruppe und zurück

Der kleine Blick hinter den Vorhang des Medien-Netzwerks der SPD: Ob so mancher Zeitungskäufer weiß, dass ein Teil des Preises in der SPD-Kasse landet, und warum wer über wen wie schreibt?

© Carsten Koall/Getty Images

Jetzt stellen Sie sich bitte kurz vor, Sie wären Abonnent der Zeitung „Märkische Allgemeine“ oder lesen einfach gern deren Website. Was heißt, Sie wohnten irgendwo in der Westhälfte des Landes Brandenburg, dem Vertriebsgebiet des Blattes oder Sie sind sogar Fan des Märkischen von Außerhalb.

Nun lesen Sie im Nachrichtenteil/Medien einen Artikel „Ihrer“ Zeitung über eine Veranstaltung am Mittwoch im Schloss Bellevue. Bundespräsident Steinmeier und die Bertelsmann Stiftung hatten im Rahmen ihrer gemeinsamen Reihe „Forum Bellevue zur Zukunft der Demokratie“ dorthin eingeladen, um über die Medien zu diskutieren und die Frage, wie sie weiterhin als Basis liberaler Gesellschaften fungieren können. „Fakt oder Fake?“

"Forum Bellevue zur Zukunft der Demokratie"
Medien-Mission gegen Meinungsfreiheit: Bundespräsident und Bertelsmann Stiftung
Sie lesen also interessiert und stellen dann erstaunt fest: Die Bertelsmann Stiftung wird in ihrer Märkischen mit keinem Wort erwähnt. Aber Sie halten das für durchaus wichtig. Irgendeinem Transparenz-Gedanken folgend möchten Sie aber wissen, warum eigentlich nicht. Erster Anhaltspunkt: Der Autor des Artikels mit der Überschrift „Sind Fakten nur noch Ansichtssache?“ heißt Jean-Marie Magro. Also fragen Sie einfach mal bei Herrn Magro nach, ob er vielleicht ein nicht ganz unwichtiges Detail etwa vergessen hätte. Sie rufen bei der Märkischen an, die nette Dame am Telefon möchte Sie gerne ans Service Center verweisen, die wären morgen ab acht Uhr wieder verfügbar, aber Sie sind hartnäckig und möchten eine Verbindung direkt in die Redaktion zu Herrn Magro. Die Verbindung wird Ihnen gewährt.

Nun kennen aber auch die Kollegen in der Redaktion keinen Herrn Magro. Einer weiß dann aber doch: Magro arbeitet im Berliner Büro. Nein, dass sei nicht das Exklusiv-Büro der Märkischen, da gäbe es keinen eigenen Berlin-Korrespondenten. Aber dort sitzt das RND-Büro und in diesem Büro Ihr Herr Magro.

Betreutes Meinen
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Sie bedanken sich und googlen RND. Sie werden fündig: RND steht für RedaktionsNetzwerk Deutschland. Das ist die zentrale Redaktion der Madsack Mediengruppe in Hannover. Nun klärt sich auch auf, warum im Impressum der Website der Märkischen aus Brandenburg die Madsack GmbH aus dem  niedersächsischen Hannover verantwortlich zeichnet. Ihr gehört nämlich das Blatt. Und dieses RedaktionsNetzwerk mit ihrer modischen Binnenmajuskel bieten den zum Verlag gehörenden Zeitungen in acht der 16 Bundesländer Inhalte an, auf die die Redaktionen täglich zurückgreifen können, um ihre Seiten zu füllen. Wenn man so will also ein interner Wettbewerber zu den alteingessenen Nachrichtenagenturen wie dpa oder Reuters. Insgesamt profitieren so vom RedaktionsNetzwerk bis zu eine Millionen Leser (Zahlen von 2012), wenn man die Inhalte, die an weitere Anzeigenblätter, TV-Produktion, den Hörfunk und weitere Dienstleistungsbereiche geliefert werden, nicht auch noch mit einrechnet.

Jean-Marie Magro hat seinen Artikel über die Steinmeier-Veranstaltung in der er vergaß, die Bertelsmann Stiftung zu erwähnen, also auf Halde geschrieben. Die Redaktion der Märkischen fand das am Abend spannend genug, den Artikel zu veröffentlichen und hat also zugegriffen. Oder hat Hannover so entschieden? In Neudeutsch auf jeden Fall so etwas, wie ein internes Content-Geschäft.

Und da Sie nun aber auch Wikipedia (mit der nötigen Vorsicht) bei Ihrer Recherche bemüht haben, konnten Sie dort lesen, dass diese Verlagsgesellschaft aus Hannover mit Content-Lieferant aus Berlin zu rund 23,1 % der SPD-Medienholding ddvg (Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft, zu 100 Prozent im Besitz der SPD)  gehört. Die Partei ist Anteilseigner. Und diese ddvg machte im Jahr 2016 einen Gewinn von 8,2 Millionen Euro; davon konnten sogar vier Millionen Euro an die SPD überwiesen werden. Anderswo (Sächsische Zeitung, Morgenpost Sachsen) hält die SPD-Tochter sogar bis zu 40 Prozent.

So, das war nun das Ergebnis Ihrer ganz privaten Recherche zum Artikel über den SPD-Bundespräsidenten und Ihrer immer noch unbeantworteten Eingangsfrage, warum nicht berichtet wurde, dass die private Bertelsmann Stiftung Mitveranstalter im Schloss Bellevue war. Der Artikel eines Redakteurs mit dem wohlklingenden Namen Jean-Marie Magro.

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Neugierig geworden? Also ab auf den Magro-Twitter: in den letzten zehn Tagen finden sich da u.a. Tweets zu einem Interview mit Doris Schröder-Köpf, etwas über  Juliane Seifert, zuletzt SPD-Bundesgeschäftsführerin, die neue Staatssekretärin von Franziska Giffey im Familienministerium werden soll, darüber, dass Seehofer die Finger weg lassen soll von Schengen, ein Interview mit Hubertus Heil zur Rente und ein Hinweis an Peter Altmaier, dem Magro mitteilt: „Auch die @spdde ist laut Hamburger Programm eine Partei des Demokratischen Sozialismus.“

Und vor ein paar Tagen bot Jean-Marie Magro der Madsack-Content Maschine einen Artikel an, der so ging: „So geht es nach dem „Ja“ der SPD weiter“: „66 Prozent der SPD-Mitglieder haben für den Koalitionsvertrag mit der Union gestimmt. Damit steht der Neuauflage einer Großen Koalition nichts mehr im Wege. Wie geht es nach der Bekanntgabe des Ergebnisses weiter? Ein Blick auf die wichtigsten Fragen.“ Die Hannoversche Allgemeine fand es toll und hat zugegriffen. Steinmeier ohne Bertelsmann wollte man an der Leine dann zwar nicht haben, dafür nahm man am Mittwoch ein Interview, das Magro mit Karamba Diaby, einem Politiker vom linken Parteiflügel der SPD führte.

Und für diese ganze Recherche haben Sie nun kaum mehr als eine Stunde benötigt und doch einiges erfahren, das Ihnen vielleicht hilft, sich eine eigene Meinung zu bilden. Möglicherweise haben Sie sogar eine Idee davon bekommen, warum die Bertelsmann Stiftung nicht erwähnenswert ist, wenn ein SPD-Bundespräsident die Presse zum Gespräch einlädt. „Im Schloss Bellevue diskutierte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit Journalisten über Fake News. Es stellten sich dabei Fragen, die tief ins Mark gingen.“, schreibt Jean-Marie Magro. Und sein Artikel liest sich so, das man annehmen kann, er war höchst selbst zu Gast bei Steinmeier und der Bertelsmann Stiftung. Letztere war ihm leider kein einziges Wort wert. Ach, macht ja nichts.

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Kommentare ( 41 )

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Der Artikel fast alle Gründe zusammen warum ich mein Abo bei der Märkische Allgemeine Zeitung gekündigt habe. Bin eigentlich nur entsetzt, es gibt (insbesondere bei den sogenannten regionalen Medien) keine eigene Meinung.

Die größte Unverschämtheit ist der Untertitel, den diese Recycling-Zeitungen tragen: „Überparteilich – Unabhängig“! Das Abonnement meines regionalen Käseblattes würde schon vor langer Zeit entsorgt, da ist die Unterstützung von TE eine lohnenswertere Zukunftsinvestition!

Linkssyndikat in Reinkultur.
Ich würde die Medien zwingen, direkt fett unter dem Titel zu veröffentlichen, wer die Eigentümer sind. Parteizeitungen sind schon OK. Nicht aber Zeitungen, die (implizit) vorgeben, unabhängig zu sein, es aber nicht sind.

Ich lese keine Zeitungen mehr. Nur noch im Netz. Tichys, Achgut, The European, ab und zu Cicero. Dazu einige Blogs, wie Dirk Müller und Vera L., sowie Börsennews. Bei Welt und Focus Online die Kommentare. Leider gibt es nichts Alternatives im TV. Außer Strunz bei SAT1.

Die MAZ ist auch meine Lokalzeitung. Und beim Fleisch und den Eiern soll es regional zugehen, jede Herkunft bis zum Stall ist transparent, nur 100km Tranport ein Gütezeichen werden. Während die gesellschftlich wichtige Ware Information in einem Dickicht von Interessen vermarktet wird, die keinen Stempel, sondern nur Fragmente der Herkunft und der jeweilige Eigner und Interessensnetzwerke zeichnen.

Moin moin,
Joo, Von Medien-Mogul Sylvio Bunga -Berlusconi lernen heißt Siegen lernen. Wieso denn Werbeminuten bezahlen, wenn es für das gleiche Geld einen kompletten Sender, Verlag, …etc.etc. gibt?
Um „Bätschi-Pippinahles“ leicht abgewandelt zu zitieren: Ich „zeige“ euch die Welt, wide-wide-wie sie mir gefällt.

Viel schöner, als Wikipedia, ist die Wahrheit und fast nichts als die Wahrheit.

Denn auch die dd.vg, die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft lässt auf ihren Webseiten manches im Dunkeln. Obwohl sie doch zu 100% der der Wahrheit und der Gerechtigkeit verpflichteten SPD gehört, die Spötter auch als Spitzen-Politiker Deutschlands oder als Spezialdemokraten veräppeln.

Die SPD ist sogar in China aktiv und macht in Rundfunk.

Ein Link: http://www.ddvg.de/wirueberuns/unserebeteiligungen/

Jeder Euro für eines der dd.vg-Erzeungnisse ist auch eine Spende an die SPD – ohne Spendenquittung. Man könnte es fast verdeckte Parteienfinanzierung nennen.

Cuius regio, eius religio – das gilt ganz besonders für die „gesellschaftsrelevanten“ Medien! Wie stark eine freiheitlich verfasste Gesellschaft mit demokratischen Entscheidungsstrukturen der manipulierten Meinungsbildung ausgesetzt ist, hat bereits Tocqueville in seinem Werk „Über die Demokratie in Amerika“ dar, wo er beklagt, dass eine neue Tyrannei von Seiten „der Geldmacht und der Staatsmacht“ im Werden sei, „die sich das Zeitungswesen teilen“; ein Journalist wird damit aus seinen Augen zum reinen Befehlsempfänger degradiert. Was haben wir heute? Meinungsbildende Zeitungsverlage, die einer großen Volkspartei gehören, und die im Zusammenspiel mit zwangsfinanzierten Bildmedien (NDR, WDR etc.) „Meinungsbilder“ produzieren und vertreiben! In einem solchen… Mehr
Der Test beinhaltet jedoch die weitaus wichtigere Frage: warum gibt es die Lüge? Warum ist sie so gemein? Nach Tocqueville sollten Sie mal (den bereits leider verstorbenen) Neil Postman lesen. Eine Ausnahmeerscheinung unter den Soziologen, die nur alles zerreden und nie handeln wollen. Und den Einfluß der Psychosekte auf unsere Gesellschaft sollten Sie ebenfalls mal gegenprüfen. Eine knallharte Beleuchtung der Sekte der Psychos. Der größte Betrug überhaupt. Wenn eine Gruppe von angeblichen Fachleuten, immer recht haben kann, dann kann damit etwas nicht stimmen. Und wer redet dem Menschen sein „schlechtes“ Gewissen aus? Nicht der Priester sondern der Psycho. Und den… Mehr

Sie haben ja recht!
Nur ist es vielleicht „psycho“, ganz sicher aber keine Sekte.
Auch nicht Mehrheit, leider aber die den „Ton“ in diesem Land samt seinen Medien angebende, verdammt etablierte und perfekt vernetzte … ja was sag ich nur um mich nicht dem Vorwurf der Beleidigung auszusetzen??? –

Warum spricht man bei Linken (und ganz besonders
bei Genderastinnen) so gern von VERNETZUNGEN
(Netzwerken, „vorzüglich vernetzt“ usw),
bei alten, weißen Männern lediglich von SEILSCHAFTEN ?

Vielleicht ist das Thema ein bisschen hoch gehangen. Dieser Mensch hat nur keine Ahnung von diesem Beruf. (Journalist) Dummheit ist manchmal die einfachste Erklärung.
Unwissende kann man für viele Dinge missbrauchen.
Egal ob Märkische Volksstimme —> Märkische Allgemeine, so war und ist die Forderung der Tierschützer berechtig, Fischen die darin eingeschlagen werden, vorher die Augen zu schließen. Damit diese vom Inhalt keinen geistigen Schaden nehmen können.

Schlichte Dummheit?
Mag sein bei den vielen „Praktikanten“ in der Branche.
Vielleicht auch der Wunsch eines Vieles und Diverses und lange studiert Habenden
der E N D L I C H nen festen Job haben möchte und die dezenten Hinweise seines Redaktionsleiters auf erwünschen und unerwünschen Tenor verstanden hat. –
– Also schlichter Opportunismus. –

Nein, nein, nicht schlichter sondern schlechter Opportunismus. Wenn der sein Handwerk verstehen würde, hätte er sich, bei der Marktmacht der Bertelsmann Stiftung und dem Steinmeier SPD Medien Imperium, karrieremäßig denen angedient, die Zusammenarbeit hervorgehoben und diese über den grünen Klee gelobt.
Das Problem, außerhalb von Tichy und diversen weiteren „Inseln der Glückseligkeit“ hält die Mehrheit (z. B. der durchschnittliche SPD orientierte MAZ-Leser)diese Vorgänge, Steinmeier und Bertelsmann sind ja kein Einzelfall, für völlig in Ordnung.

Hier findet sich eine wunderbare Ausarbeiten der rechtlichen Probleme der Beteiligung politischer Parteien an Medienunternehmen:
http://www.presserecht.de/index.php?option=com_content&task=view&id=46

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