Sind Frauen ihre eigenen größten Feinde?

Das Resultat der Erhebung unter 3.000 Frauen war ernüchternd: Fast 90% der befragten Frauen empfanden, dass "Strömungen von Gemeinheit und Negativität von anderen Frauen ausgehen".

 

Frauen sind wunderbare Wesen. Sie sind unermüdlich einfühlsam, können stundenlang zuhören, bei geschlechtsspezifischen Problemen sind sie im Stande, diese so lange zu analysieren, bis sie sich von alleine lösen, sie geben sich gegenseitig Halt. Und weil sie beim Sprechen rund 20.000 Wörter pro Tag benützen – Männer 7.000 – gehen Frauen schwungvoll kommunikativ durchs Leben. Clint Eastwood sagte einst: „Wenn eine Frau nicht spricht, soll man sie auf keinen Fall unterbrechen.“

Und dann gibt es noch ……. die andere Seite.

Die schwangere Herzogin Kate trug vergangenen Sonntag an der Bafta-Verleihung ein dunkelgrünes Kleid. Du liebe Güte. Schwarz wäre gewünscht gewesen, zumindest von der Feministen-Front, denn die Veranstaltung stand im Zeichen der „Time’s Up“-Initiative, als Protest gegen sexuelle Übergriffe in der Filmindustrie und die ungleiche Bezahlung bei den Geschlechtern. Die meisten Schauspielerinnen erschienen solidarisch in schwarz. Statt sich dem „Time’s Up“-Protokoll zu beugen, entschied sich Kate für das royale Protokoll: Die Tradition verlangt von Mitgliedern des Königshauses, politische Botschaften zu vermeiden.

Viele Frauen reagierten im Internet empört, warfen Kate vor, ihre Sache zu verraten. Journalistin Rachel McGrath twitterte: „Ich bin mir bewusst, dass die Royals nicht in ‚Proteste‘ involviert werden sollten… aber wäre es für Kate Middleton wirklich SO schlimm gewesen, schwarz zu tragen??? Ich fühle mich im Stich gelassen.“ Nikki Long schrieb: „Enttäuscht von Kate Middleton […]. Das ist keine politische Sache. Es ist eine Frauensache!“ Andere fanden, Kate sollte sich schämen, im grünen Kleid in der ersten Reihe zu sitzen, wenn sie ihre Unterstützung für Frauen nicht zeigen will, sollte sie zuhause bleiben. Dass die 36-jährige lediglich von ihrem Selbstbestimmungsrecht Gebrauch machte, sich so zu kleiden, wie sie möchte, haben die Damen in ihrer Dauerempörung vergessen. Man wird den Eindruck nicht los, dass es vielen mit ihrer Aburteilung gar nicht um die fehlende Solidarität ging, sondern um Kate-Bashing.

Generell scheint Kritik an Frauen häufig von Frauen zu kommen – hinter der Fassade der angeblichen Frauensolidarität steckt oftmals unbegründete Negativität und Grobheit gegenüber den Geschlechtsgenossinnen.

Dass Frauen ihre eigenen größten Nörgler und Kritiker sind, ist für mich persönlich nichts Neues. Seit ich im Berufsleben stehe, erlebe ich die bissigste Negativität von Vertreterinnen des eigenen Geschlechts. Neu daran ist höchstens, dass die sexistischsten Seitenhiebe im 21. Jahrhundert ausgerechnet von jenen Frauen stammen, die angeblich gegen Sexismus ankämpfen. Ein lustiges Beispiel lieferte neulich eine bekannte Basler Politikerin, die mich in ihrem Leserbrief als ein „modisches Vorzeigeweibchen mit Wallemähne“ beschrieb, ein „Männertraum der alten Art“, ich sei bestimmt nicht von jenem Sexismus betroffen, den „Businessfrauen erleben müssen.“ Frauen entscheiden also, welche Frauen von Sexismus betroffen sind und welche nicht – und wenn es ihrer Sache dient, bedienen sie sich desselben, ohne auch nur mit der getuschten Wimper zu zucken (aber garantiert mit lebhaft getönten Bäckchen).

Der Begriff „verdrehte Schwesternschaft“ umschreibt es ganz gut, leider stammt er nicht von mir. Vor einigen Jahren hat die Autorin Kelly Valen in ihrem viel beachteten Buch „The Twisted Sisterhood“ das Verhalten von Frauen gegenüber anderen Frauen untersucht. Das Resultat der Erhebung, für die sie über 3.000 Frauen befragte, war ernüchternd: Fast 90% der befragten Frauen empfanden, dass „Strömungen von Gemeinheit und Negativität von anderen Frauen ausgehen“. 84% gaben an, dass sie durch andere Frauen ernsthafte, lebensverändernde Seitenhiebe erlitten hatten. Die weibliche Freundschaft sei charakterisiert durch eine hinterhältige, „willkürliche Negativität“. Über 75% sagten, dass sie schon durch Eifersucht oder Konkurrenz anderer Frauen verletzt wurden.

Autorin Valen erklärte in der britischen Zeitung Guardian, dass die Kämpfe, die unter der Oberfläche brodeln, so erbarmungslos sind, dass Frauen sich untereinander unsicher fühlen: „Sie haben richtigerweise identifiziert, dass die primäre Bedrohung ihrer emotionalen Sicherheit von Frauen ausgeht.“ Und in vielen Fällen würden diese Kämpfe von genau jenen Frauen geführt, die ständig Loblieder auf Feminismus und Frauenpower singen. Oprah Winfrey und Arianna Huffington lobten Valen’s Mut und empfahlen das Buch zum Lesen.

„The Twisted Sisterhood“ folgte auf einen Essay, den Valen 2007 in der New York Times publizierte und darin ihre Theorie, dass Frauen die Co-Architekten ihrer eigenen Unzufriedenheit sind, erstmals äußerte. Dafür wurde sie auf feministischen Webseiten regelrecht fertiggemacht, als illoyal und verräterisch gegenüber ihren Geschlechtsgenossinnen abgekanzelt. Insbesondere weibliche Akademikerinnen und feministische Bloggerinnen hätten mit Wut reagiert: „Ich war anti-Frauen, eine weibliche Frauenhasserin und offensichtlich eine schlechte Mutter.“ Laut Guardian unterstützten namhafte Psychotherapeutinnen Valen’s Theorie und fügten bei, dass hinter dem Vorhang der Schwesternschaft eine Vielzahl von emotionalem Gewirr läge, das mit unserer Gesundheit und der Qualität unserer Leben verheerende Schäden anrichten könne.

Valen hatte für ihre Studie keine Männer befragt. Man könnte ihr also unterstellen, das Resultat sei verfälscht, weil es nicht zeigt, ob dasselbe Verhalten nicht auch unter Männern existiert und sie einfach menschliche Charakterzüge grundsätzlich beschreibt. Eine größere Studie der US-Fernsehsendung Today Show in Zusammenarbeit mit dem Self Magazine von 2011 kam aber zum selben Ergebnis: In der Online-Befragung, die mit 18.000 Frauen durchgeführt wurde, gaben 84% der Frauen an, eine „giftige“ Freundin gehabt zu haben, die ihnen mit ihrem hinterhältigen Benehmen das Leben schwergemacht hatte.

Wenn Hollywoodstars in sündhaft teure Roben steigen und durch deren Farbwahl glauben, menschliches Verhalten beeinflussen zu können, dann sollen sie das tun. Sie können schwarz tragen all day long, niemand hat etwas dagegen. Wenn Feministinnen täglich neue Hashtags ins Leben rufen und den Rest der Welt zum Mitmachen animieren wollen – heute sollst du schwarz tragen, morgen hüpfend über den roten Teppich springen – dann sollen sie das tun. Und auch wenn sie dabei das Paradox ihrer eigenen Hashtags nicht erkennen – die einerseits jedes Mal aufs Neue die Opferrolle der Frau unterstreichen sollen, wenn es anderseits Tatsache ist, dass eine einzige Frau heute aufgrund einer einzigen Behauptung das Leben eines Mannes innert Kürze zerstören kann, sie also scheinbar doch nicht so hilflos ist, wie von den Hashtag-Erfinderinnen stets dargestellt – dann ist auch das kein Allerwelts-Drama.

Wenn aber Frauen, die ihr eigenes Ding durchziehen und sich dem Gruppenzwang nicht beugen, von anderen Frauen wie Verräterinnen behandelt und aus Schwestern übergangslos Feinde werden, dann ist dieser weibliche Aktivismus grundsätzlich ungesund für die Gesellschaft. Nur weil sie andere Ansichten haben oder passiv bleiben, sind sie nicht Anti-Frau, auch nicht für Lohnungleichheit oder in Akzeptanz von sexueller Belästigung. Die Damen faseln zwar von Frauensolidarität, aber das Wort „Gleichschritt“ wäre passender, weil ihr Verhalten näher bei diktatorischer Unterdrückung liegt als bei femininer Unterstützung. Das honigsüße Miteinander unter Frauen – es bleibt jedenfalls eine Mär.

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Kommentare ( 107 )

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107 Kommentare auf "Sind Frauen ihre eigenen größten Feinde?"

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„Sind Frauen ihre eigenen größten Feinde?“ Eindeutig ja. Es sind Frauen, die ihre Söhne zu Machos erziehen und ihre Töchter zu angepassten Weibchen. Es sind Frauen, die die Vulva ihrer Töchter von anderen Frauen verstümmeln lassen. Es sind Frauen, die die frauenfeindliche katholische Kirche am Leben erhalten. …

Manchmal erinnert mich das an die Parabel von den Stachelschweinen (Artur Schopenhauer, um 1850): Weil es ihnen zu kalt war, rückten sie nahe zueinander, bald jedoch empfanden sie die Stacheln der anderen als lästig, rückten wieder mehr auseinander, bald jedoch empfanden sie die Kälte doch als schlimmer, rückten wieder mehr zusammen, bald jedoch … .
Das Leben ist eben ein dynamischer Prozess – in Bayern sagen wir allerdings verkürzt: Ein damischer.

There was a Young Lady of Kent
who said that she knew what it meant
when men asked her to dine
gave her Cocktails and wine.
She knew what it meant.
And she went.

and joined #metoo 30 years later.

Ich halte gerne die Tür für Frauen auf etc., ich wäre aber froh wenn die Frauen aus der Politik und Armee verschwinden würden bevor sie alles kapput machen!
Wir brauchen auch starke Frauen, solche Frauen wie Margaret Thatcher oder Golda Meir etc. werden aber selten geboren!

Sind die Männer denn stärker? Haben Sigmar Gabriel, Schulz und die ganzen Bundeswehr generäle mehr Rückrad? Stegner? Seehofer? Hofreiter?
Ich glaube das Problem ist (jedenfalls im Moment), dass wir ein System haben, in dem nur Narzissten, Opportunisten und Bettvorleger nach oben kommen.

Ich finde das Verhalten der Politik auch nicht weiblich. Es ist nicht weiblich, eine Horde von Feinden ins Land zu lassen. Weiblich ist eher ängstliche Abschottung vor dem Außen und Risikoaversion.

@Ferdinand: Und wer ist daran schuld, dass es in Mitteleuropa so viele kinderlose Frauen gibt?

Wie kommen sie auf die Idee, die von ihnen aufgezählten Figuren wären Männer? Forschen sie mal bei den möglichen zig Geschlechtern, welche die Genderverwirrten aufgelistet haben. Dort können sie diese -es- Gruppe sicherlich irgendwo zuordnen.

Das wissen wir Männer natürlich längst. Bekanntlich waren ja auch die einst geläufigen Blondinenwitze nicht etwa Mitbringsel vom Männerstammtisch, sondern durchweg Erfindungen dunkelhaariger Frauen.

Wir Frauen haben alles in der Hand wir bekommen die Kinder u. erziehen sie auch was
geben aber sehr viele den Kindern mit auf dem Weg das was sie selber erlebt haben die
Umstände in ihrem Zuhause RTL ist dafür Richtungsweisend es gibt soviel Dummheit
aber sie kennen es nicht anders so geht es immer weiter das Rad es nimmt keine andere
Richtung Ganztagsschulen sind eine Lösung mehr Bildung.

An den Schulen dominieren auch Frauen!

Magie: Mein Kind ist auf einer Ganztagsschule. Ich würde es das nächste Mal nicht wieder dorthin geben. Ganztagsschulen sind nicht per se das Allheilmittel, es muss auch gut gemacht sein.

Frauen sind Spezialistinnen im Psychokrieg: Liebesentzug ist das Mittel der Wahl, um Geschlechtsgenossinnen zu „bestrafen“. Da macht frau auch vor der besten Freundin nicht Halt.

…oder vor der eigenen Tochter!

Man muss Frauen natürlich grundsätzlich ernst nehmen…

Aber nicht immer.

Wir Männer sind doch selber schuld an den heutigen Zuständen, wachsweich haben wir es Stück für Stück zugelassen.

Wir hätten in vielen Dingen standhaft bleiben müssen, aber nein, wir Männer wollten auch mal zu den Guten gehören…

Tja … Frauen sind ein „kostbares Gut“ und sollten dementsprechend behandelt werden. Ekelpakete wie Weinstein und Konsorten gehören an den Pranger und in den Kerker. Den Opfern ist soweit es irgend geht zu helfen. 40 % des „www.“ sind angefüllt mit frauenunterdrückendem pornografischem Schwachsinn, der niedrige und niedrigste Instinkte anspricht. Nicht die der Frauen. Die Politik tut … nichts dagegen. Demütigungsfernsehen sucht sich gern und vornehmlich weibliche Opfer. Das ist die Ausgangslage. Das Frauen dadurch verängstigt sind, sich zu Solidaritätsgemeinschaften zusammenschliessen und männerfreie Räume schaffen wie „Frauenmessen, Unternehmerinnentreffs, andere Gemeinschaftszusammenschlüsse etc.“ kann da nicht verwundern. Dann ist es wie bei… Mehr

Was sind Lindenstrasse und all die anderen Telenovelas anderes als Frauen Pornos?
Bedienen die niedersten Instinkte der Frauen, genau wie das www die der Männer.

Ist Feminismus eigentlich nicht die reinste Form von Sexismus? Schließlich ist einziges Thema der Geschlechterunterschied, der in aggressiver Form unter Abwertung allen Männlichem mit ideologisch-diktatorischer Inbrunst verfolgt wird. Vielleicht ein Ausdruck eines gestörten Verhältnisses zum eigenen Geschlecht mit Folge einer Störung zwischen den Geschlechtern. Weiter nichts als eine weitere Ausprägung des grassierenden Wahn und Hysterie?