Angriff auf die Schönheit

In Wirklichkeit kämpfen moderne Feministinnen nur für ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen, um Autorität, und darum, diese kompromisslos durchzusetzen – Freiheitsvernichtung nach Diktatorinnen-Art. Dabei gehen sie so clever vor, dass es kaum einer merkt.

 

Es gibt zwei Arten von Frauen. Die einen haben Spaß. Sie sind mit sich im Reinen. Handeln selbstbestimmt. Strahlen Zuversicht aus. Sie lieben das Frausein. Zelebrieren ihre Dekolletees und die Weiblichkeit. Die Anerkennung dafür nehmen sie dankbar an.

Die anderen, die sind neidisch. Frustriert. Hypersensibel. Dauerempört. Regen sich über Unterwäscheplakate auf, über lustige Werbung auch. Den Blick aufs Dekolletee halten sie für sexuelle Belästigung, ein Kompliment für einen Übergriff und den Hostessen-Job für die reinste Demütigung. Diese Frauen sind durchdrungen von dem Verlangen, alle Bereiche, in denen sie nicht mithalten können, abzuschaffen. Haben sie keinen Spaß, sollen ihn auch die anderen nicht haben. Wir sprechen von der vierten Welle der Feministinnen, und mit ihrem Angriff auf die weibliche Schönheit haben sie derzeit großen Erfolg.

Neulich bin ich über einen Artikel gestolpert. „Grüne wollen Miss-Wahl auch für weniger Schöne“ titelte die Berliner Zeitung B.Z. Die Grünen-Politikerin Marianne Burkert-Eulitz beschwerte sich, dass „Jugendliche, die nicht groß und schlank sind, bei Miss-Wahlen ausgegrenzt“ würden. Jeder solle eine Chance bei einem Schönheitswettbewerb bekommen – auch weniger schöne Menschen. Persönlich finde ich ja, man könnte noch weiter gehen: Damit sich niemand aufgrund seines Aussehens ausgrenzt fühlt, sollte man Teilnehmer von Schönheitswettbewerben nicht nach ihrem Aussehen, sondern nach ihren Bastel-Fertigkeiten beurteilen. Oder nach ihrem Umgang mit Entenküken. Ihrem Erfolg beim Biotomatenanbau.

Der Artikel ist zwar ein paar Jährchen alt, im Zuge der Miss-America-Neuerungen hat er aber neue Relevanz erlangt – auch meine Ideen wurden da übrigens mehr oder weniger zielstrebend in die Tat umgesetzt. Anfangs Juni teilte die Organisation mit, dass der Badeanzug-Teil, also der Höhepunkt der Schönheitswahl, künftig abgeschafft wird. Die Teilnehmerinnen müssen sich auch nicht mehr im Abendkleid und hohen Schuhen präsentieren, sie können anziehen „was immer sie wollen“. Der Wettbewerb werde neu für „Frauen aller Figuren und Größen“ sein. Statt auf physische Attribute werden die Juroren auf soziales Engagement und die Ziele im Leben der Frauen fokussieren. „Wir werden unsere Kandidatinnen nicht länger aufgrund ihrer physischen Erscheinung beurteilen, das ist riesig“, jubelte die Vorsitzende Gretchen Carlson beim TV-Sender ABC. Sie nannte es eine kulturelle Revolution.

Yaaaaay! Schlabberlook und flache Schuhe! So revolutionär, so fortschrittlich, so frauen-gerecht! Genau das, was die Zuschauer bei Misswahlen sehen wollen. Und wer dann die richtigen Gedanken auspackt (‚Ich bin gegen Diskriminierung‘) und sich für die richtige Sache engagiert (Frauen/ Transgender/ Schwule/ Lesben/ ethnische Minderheiten und Weltfrieden), gewinnt das Krönchen. Wenn man bedenkt, dass die allermeisten Frauen an dem Schönheitswettbewerb teilnehmen, weil sie eine Karriere als Astrophysikerin anstreben, macht der Entscheid durchaus Sinn. Konsequenterweise sollte man auch das Makeup bei dem Auftritt abschaffen.

Irgendwie passend zu der Sexismus-Thematik schrieb die deutsche Slam-Poetin und Spiegel Daily-Kolumnistin Sophie Passmann neulich einen Tweet, in dem die 24-jährige ein Foto kommentierte, das zwei Hostessen zeigt, die eine neue Tafel im deutschen Wirtschaftsministerium enthüllen. Der dazugehörige Minister, ein älterer Herr, steht daneben (und guckt der Enthüllung zu): „Haben wir 2018? Kann das auf dem Foto so schlecht erkennen, weil da 2 HOSTESSEN IM MINIKLEID im Wirtschaftsministerium stehen.“ Oh. Mein. Gott. UNERHÖRT. Zwei Hostessen machen einen Job, freiwillig, den sie sich irgendwann freiwillig ausgesucht haben, tragen obendrein erst noch freiwillig ein MINIKLEID. Und ein Mann steht daneben und schaut ihnen zu. Ein MANN. Die Schönen und das Patriarchat, die Herablassung gegenüber dem weiblichen Geschlecht, sie ist bildlich, schamlos, und sie dringt aus allen Pixeln. Reicht mir bitte jemand Baldriantropfen, bevor meine Empörung darüber spontan meinen Kopf auf die Tischplatte knallen lässt …?

Kriegen wir uns wieder ernsthaft ein. Man könnte nun einwenden, dass es doch keine Rolle spielt, was ein paar Feministen in Interviews und sozialen Medien und auch sonst wo von sich geben. Gelangweilte Mütter, Studentinnen mit Masterfach rhythmischer Ausdruckstanz, Moralistinnen, deren bröckeliges Gedankenhochhaus eh keiner ernst nimmt. Das Problem ist, es spielt eine Rolle. Passmanns Tweet hat mit über 4.000 Likes voll ins Schwarze getroffen und wegen der Empörungsschübe selbsternannter Frauenversteherinnen fallen derzeit einige der letzten Bastionen weiblicher Reize: die Formel 1-Gridgirls wurden abgeschafft (konkret: die Frauen haben ihren Job verloren), die Darts-Walk-On-Girls ebenso, Hostessen stehen zur Diskussion, die Cheerleader wackeln, Nummerngirls beim Boxen auch. Misswahlen werden in pseudo-intellektuelle Charityevents umgemodelt.

Feministen bekämpfen die Fokussierung auf äußere Merkmale, weil sie die Frau angeblich zum (Sexual)Objekt degradieren und jene ausgrenzt, die weniger schön, schlank und groß sind. Natürlich wissen wir alle, dass das nicht stimmt. Sie tun es, weil sie der Neid quält. Mit Ausgrenzung hat das nichts zu tun. Wer sich aufgrund seiner kleinen Statur und seiner großen Nase (meine eigene fällt im Übrigen auch in die Kategorie) irgendwo ausgegrenzt fühlt, der hat Probleme, die über das Frausein hinausgehen, die irgendwo beim Selbstwertgefühl angesiedelt gehören und die auch die Verbannung von sexy Anblicken aus der Öffentlichkeit nicht zu lösen vermag.

Der säkulare Islam
"Bevor die Scharia alles vermasselte"
Bei einer Miss-Wahl misst sich nun mal Schönheit, und auch wenns für manche schrecklich klingt, es gibt eine objektive, universelle Schönheit, nach der die Gesellschaft Individuen beurteilt. Der Protest dagegen ist so aussichtlos wie der Kampf gegen Zellulite, egal, wie viele Berufe man einstampfen wird. Bei Schönheitswettbewerben geht es um Attraktivität, so wie es beim olympischen Hammerwerfen um Kraft geht und dort wohl keinem in den Sinn käme, nach einem speziell leichten Hammer zu verlangen, damit ihn auch ein 50 Kilo-Frauchen werfen kann. Es ist Blödsinn, alles so anpassen zu wollen, damit alles für alle möglich ist. Unattraktive Menschen müssen nicht an Schönheitswettbewerben teilnehmen. Und ganz grundsätzlich, warum soll das Fokussieren auf physische Attraktivität schlecht sein? Warum ist Schönheit weniger wert als beispielsweise Intelligenz? Intelligenz wird durch Gene mitbestimmt, Schönheit auch. Außerdem schließen sich Eigenschaften wie Sexyness und Intelligenz oder Selbstbestimmung gegenseitig ja nicht aus, und Schach- und Bikiniwettbewerbe können wunderbar nebeneinander existieren.

Kaum ein Gridgirl oder eine Hostess sieht sich als würdeloses und diskriminiertes Sexobjekt. Es sind Frauen, die eine Entscheidung für sich getroffen haben. Feministen aber verbreiten dieses Bild seit Jahrzehnten, dabei ist es nicht nur eine schamlose Lüge, sondern auch eine Schmälerung der Verdienste jener Frauen, die sich für ihren Körper abrackern. Dass sich ihr Angriff gerade gegen ihre Selbstbestimmung richtet, ist in ihrer Säuberungswut wohl untergegangen.

Wenn Feministen uns in ihre vorgefertigte Frauenform pressen wollen, bestimmen wollen, wie wir zu denken und uns zu verhalten haben, was für uns gut oder schlecht ist, dann tun sie das ja im Namen der Gleichberechtigung. Genau deshalb hat die Feminismus-Bewegung nichts mehr gemein mit ihrer Ursprungsidee, als tapfere Frauen einst gegen ihre systematische Unterdrückung kämpften, später für das Recht auf politische Mitbestimmung, und sich dann gegen das Patriarchat auflehnten. Heute bekriegt die vierte Welle der Gretchen Carlsons dieser Welt alles, was nicht in ihr eigenes Konzept passt. Sie übermalen Gedichte, hängen Bilder ab, stampfen ganze Berufsgattungen ein – und wer das alles zu kritisieren wagt, wird als frauenfeindlich und reaktionär beschimpft und in eine ungemütliche politische Ecke gedrängt.

Ich habe darum meine eigene These: Dem Feminismus geht es längst nicht mehr um Gleichberechtigung. In den vergangenen Jahren hat man zwar hat so getan, als stünde man für Fortschritt bei den Geschlechtern, und solange man die Sorte Selbstbestimmung förderte, die nicht mit den eigenen Ansichten kollidierte, war es bequem und man selbst unverdächtig. In Wirklichkeit aber kämpfen die modernen Feministinnen nur für ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen, um Autorität, und darum, diese kompromisslos durchzusetzen – Freiheitsvernichtung nach Diktatorinnen-Art. Dabei gehen sie so clever vor, dass es kaum einer merkt.

Der Beitrag erschien zuerst in der Basler Zeitung.

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Kommentare ( 89 )

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89 Kommentare auf "Angriff auf die Schönheit"

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Einspruch! Ich habe als Studentin, um mir das Studium zu finanzieren, regelmäßig auf Messen als Hostess gearbeitet. Das war natürlich freiwillig -und auch nicht! Der Job war schlicht etwas besser bezahlt als das, was man damals üblicherweise als Studentin in der Gastronomie z.B. verdienen könnte. Außerdem ließ sich das meist gut mit dem Studium vereinbaren. Den Luxus von „#metoo-Empörung“ könnte ich mir damals nicht leisten. Für 8,50-10 €/h wurde mir dann aber auch regelrechte Folter durch das praktisch pausenlose Stehen von meist 10-12 h am Stück auf High Heels auf den Messenständen verordnet. Das ich dabei enge Kostüme mit kurzem… Mehr
Nachdem Sie sich nun in sehr vielen Sätzen selbst bemitleidet haben (und ich ehrlicher Weise bei der dritten verwendet des Wortes ‚Highheels‘ aufgehört zu lesen habe) möchte ich mal nachfragen was Sie denn studiert haben wenn Sie nur diese zwei Jobs zur Verfügung hatten. Kellnerin und Hostess. Das ganze erscheint mir wirklich sehr absurd. Viel Text wenig Inhalt. Ich habe jahrelang für Siemens gearbeitet – wohlgemerkt in den Semesterferien. Fabrikarbeit, dreischichtsystem, Minimum 10 h, maximum 15 h. DAS war Arbeit! Und dort gibt’s auch nicht nur einen Blick auf die Oberweite – nein, es gibt die ganze Zeit unangebrachte Witze… Mehr

Wer Schönheit nicht anerkennt oder erkennt ist grundsätzlich ein Hohlkopf. Immer.

„Und ein Mann steht daneben und schaut ihnen zu. Ein MANN.“
Was für eine Aufregung! Das ist doch nur der AlteMeier, dazu auch noch fläzig mit Händen in den Taschen. Dass der mal als „Mann“ aufgefallen sein soll, habe ich noch nie gehört! Das ist doch einer der enteierten Murkseleunuchen. Kochen soll er gut können – reicht das, sich über dieses „männliche“ Attribut zu echauffieren? Zumal so untypisch männlich?

Ich könnte die Empörung nachvollziehen, wenn „man“ genauso empört wäre,
dass Müllmänner zu fast 100% Männer sind.

Marianne Burkert-Eulitz googeln, Blick drauf werfen, keine weiteren Fragen.

Googlen Sie mal nach Richterin Ulrike Grave-Herkenrath – da wird ihnen erst richtig anders!

Bei dieser Richterin ist das Aussehn das geringste Problem.
Ihre Urteile zeugen von völliger geistiger Umnachtung und Menschenverachtung!!

Da braucht man gar nicht erst googeln, der Nachname sagt doch schon alles, welche Spezies tut sich denn so was schon an?

Sie haben mich erschreckt !!

Dominante (Alpha-)Männer, also die, die den gesellschaftlichen Diskurs bestimmen, sind also durch den Feminismus nicht bedroht und wehren sich daher nicht dagegen: Sie kriegen weibliche Frauen, die sich ihnen gern anpassen, weil diese Klasse Männer sonst nicht zu haben ist. Einen Gerhard Schröder kratzt derFeminismus nicht.

Wirklich leiden tun die Beta-Männer: der Durchschnitt, die nicht so Attraktiven, die, für die Frauen sich nicht extra bemühen müssen: die müssen sich auf der Nase rumtanzen lassen und zahlen sich nach unverschuldeten Scheidungen zu Tode. Und die Dominanten helfen ihnen kein Stück.

Ich kenne noch die Latzhosenzeit mit den Srüchen: „Ich bin so eifersüchtig auf deinen schwangeren Bauch!“ Da fing die Entmännlichung im negativen Sinne an. Kein Mitleid!

Ich bin keine Schönheit, aber ich bin auch nicht hässlich. Ich bin nicht mehr jung, aber auch noch nicht alt. Ich werde weiter in meinen gewohnten Klamotten durch die Gegend laufen. Ist bei mir unspektakulär – Röhrenjeans, engere Shirts, Hemd drüber, Turnschuh. Aber zwischendurch auch gerne mal kurzer Rock, tiefer Ausschnitt, High-Heels. Wie gesagt – auch das unspektakulär. Wer hinschaut, schaut hin. Wer nicht – okay. Noch geht es, glaube ich (für den normal sozialisierten Betrachter). Nur ist es absolut inakzeptabel (wenn ich dieses vergleichsweise vornehme Wort bemühen darf), wenn Migranten sich durch jegliche Form weiblicher ‚Darstellung‘ zu kriminellen sexuellen… Mehr

Liebe Frau Wernli, Ihrer Scharfsinnigkeit und Ihrem Intellekt unterlegen, sehen Sie mich alten weißen cis-hetero und vermutlich bestimmt auch sexistischen Patriarchen vor Demut und Ehrfurcht in tiefer Verbeugung vor Ihnen den Hut ziehend. Sie gehören zu den wenigen Frauen, die dazu beitragen, mein Glaube an Ihre Geschlechtsgenossinnen nicht vollends zu verlieren. Mein aufrichtiger Dank sei Ihnen gewiss!

Es wird wirklich Zeit, dass der Unsinn mit diesen Misswahlen aufhört. Ich schlage statt dessen vor Wettbewerbe abzuhalten, in denen Hausfrauen demonstrieren wie effektiv sie bei der Mülltrennung sind.

Nun ja, schaut man(n) sich die Frauen an die solche Forderungen stellen wird einem schlagartig bewusst woher dieser Wille kommt.. okay, ist chauvinistisch aber wahr.

Das Problem im Hintergrund ist: Es gibt viele alte, weiße, gutmütige, naive Männer, die diesen Sauertopfterror dulden. Die Sauertopfdamen erwirtschaften nichts, sie lassen sich aushalten. Papis, gebt Euch eine Ruck: Finanziert Eurer vierzigjährigen Tochter nicht länger das Genderstudium, tretet sie in die Welt hinaus.

Es gibt in der Tat solche vertrottelte Typen. Es fängt aber schon damit an, dass die Töchter vielfach als Prinzessinnen erzogen/behandelt werden – Gegenstück zu den Muslimen, die ihre Söhne schon mal mit 6 Jahren noch füttern!