Kind mit Kopftuch: Vorbereitung auf die WM 2022 in Katar?

Vielleicht liegt die wahre Motivation aber auch darin, uns allmählich auf die WM 2022 in Katar vorzubereiten und an Kopftuch tragende Einlaufmädchen zu gewöhnen – falls es doch noch nicht für alle ganz normal ist.

Screenprint: ZDF

Beim letzten Länderspiel England gegen Deutschland trug eines der mit den deutschen Nationalspielern eingelaufenen Mädchen ein Kopftuch. Erstaunlicher Weise haben sich der Islamismus-Experte Ahmad Mansour sowie Hamed Abdel-Samad als wenige bisher dazu öffentlich geäußert (siehe die Facebook-Einträge am Beitragsende). Nicht einmal für einen Vertreter der AfD war es ein Wort wert.

Das bedeutet: Das Kopftuch ist in unserer Gesellschaft normal geworden. So normal, dass ein Mädchen bei einem sportlichen Wettkampf zwischen zwei europäischen Ländern, der im Fernsehen übertragen wird, ein Kopftuch trägt, ohne dass dies überhaupt bemerkt und kommentiert wird. Ganz im Sinne von: Normal ist etwas, wenn man nicht mehr darüber spricht.

Zum Schutz des Mannes

Dabei sollte darüber gesprochen werden. Keines der anderen Kinder wurde so brutal „entblößt“ wie dieses eine Mädchen – obwohl es äußerlich das verhüllteste von allen war. Bei keinem der anderen Kinder erkannten die Zuschauer die Religionszugehörigkeit; bei keinem der anderen Kinder wurden sie so direkt auf das Geschlecht hingewiesen. Das alles interessiert Fußballinteressierte grundsätzlich auch gar nicht, wurde ihnen bei diesem Kind jedoch im Fernsehen präsentiert.

Dieses Kind wurde durch ein Stück Stoff vor einem Millionenpublikum in einem von Männern dominierten Sport auf sein weibliches Geschlecht reduziert und damit streng genommen zu einem Sexobjekt degradiert. Auch wenn manche Frauen argumentieren, das Kopftuch würde von muslimischen Frauen getragen, um eben nicht als Sexobjekt wahrgenommen zu werden: Dieses Stück Stoff sexualisiert die Person, die es trägt. Es „markiert“ sie sozusagen als das weibliche Geschlecht, das im Islam weniger wert ist als das männliche und das zudem verführerisch ist.

Auch wenn für das Tragen des Kopftuchs in der Regel religiöse Gründe angeführt werden: Dieses Mädchen verhüllt sich, um mit seinen sexuellen Reizen nicht zu verführen, damit Männer nicht in Gefahr geraten, sich vor Allah zu versündigen. Der Mann soll also geschützt werden. „Ich bin es leid, immer wieder zu erklären, dass das Kopftuch nicht aus Gottgefälligkeit, sondern dem Mann zum Gefallen getragen wird“, so Seyran Ates, die bekannte Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin.

Kopftuch: Das Gegenteil von Integration

Das Vorführen dieses Mädchens im Fernsehen grenzt an Kindesmissbrauch. Das Kind wurde – gewollt oder ungewollt – instrumentalisiert, um zu zeigen, wie tolerant und vielfältig die deutsche Nationalmannschaft als Abbild unserer Gesellschaft ist. Doch unsere Gesellschaft verkennt, dass das Kopftuch nicht viel mit Integration zu tun hat. Hier wird rigoros getrennt: zwischen Mann und Frau, zwischen „unehrenhaften“ und „ehrenhaften“ Mädchen und Frauen, zwischen Muslima und Nicht-Muslima.

Kopftücher und Jahresendflügelfiguren
Kopftuch: zwei Urteile des EuGH
Das Kopftuch erzeugt eine Spaltung in der Gesellschaft, angefangen in der Schule, wo muslimische Mädchen mit Kopftuch nicht am Schwimm- und Sportunterricht teilnehmen können und dürfen. Deshalb kämpfen Kritiker wie Seyran Ates seit Langem dafür, dass Kopftücher an Schulen verboten werden. Zumal der Staat laut Verfassung verpflichtet ist, die Gleichberechtigung von Mann und Frau zu fördern. Dazu gehört auch, Kinder in diesem Sinne zu erziehen. Das Gegenteil davon ist es, wenn Mädchen durch das Kopftuch früh in ein Rollenbild gezwängt werden. „Damit sie später als stolze Studentinnen sagen können, dass sie das Kopftuch ‚freiwillig‘ tragen“, so Seyran Ates.

Und sich möglicherweise selbstbewusst für eine Stelle im öffentlichen Dienst bewerben: So spricht das Bundesverwaltungsamt aktuell auf großflächigen Plakaten Bewerberinnen mit Kopftuch an und fordert sie auf: „Bewirb Dich so wie Du bist“ (da fehlt übrigens ein Komma). Man muss noch nicht mal islamkritisch sein, um das zu hinterfragen. Es reicht, religionskritisch und für eine säkulare Gesellschaft zu sein.

Die Gleichberechtigung beim Fussballverband

Ein Klassiker
Hamed Abdel-Samad zum Thema: Ist Religion Privatsache?
Unsere freiheitliche Gesellschaft kann und will das Kopftuch nicht verbieten. Aber muss sie unbedingt zulassen, dass eine Religion in der Öffentlichkeit immer sichtbarer wird? Muss sie Kopftuch tragende Frauen darin bestärken, auf diese Art und Weise von ihrem Recht auf Selbstbestimmung und Religionsfreiheit Gebrauch zu machen? Wie kann man von Selbstbestimmung und Freiheit sprechen, wenn Frauen woanders, aber auch in Deutschland – teilweise mit brutaler Gewalt – gezwungen werden, sich zu verhüllen.

Was tun Befürworter von Kopftuch und Burka den Frauen und Mädchen an, die sich dagegen wehren, sich zu verhüllen, sich gegen ihre Familie und ihr soziales Umfeld auflehnen und damit in Gefahr bringen? Wie sollen hierher geflüchtete Frauen darauf vertrauen können, dass sie das Kopftuch hier ablegen dürfen, und den Mut dazu aufbringen? Sollte unsere Gesellschaft Frauen, die für ihre Freiheit und Gleichberechtigung kämpfen, nicht unterstützen in ihrem Kampf, anstatt ihn zu erschweren? Während „Feministinnen“ einerseits anprangern, dass Frauen sich immer noch häufig genug gegen den Vorwurf wehren müssen, selber schuld an ihrer Vergewaltigung zu sein, weil der Rock zu kurz war, verteidigen sie andererseits, wenn sich Frauen vor Männern verhüllen, damit diese ihre Triebe im Zaum halten?

So weit sind wir mitten in Deutschland
Seyran Ates - Eine liberale Muslima braucht seit Jahren massiven Polizeischutz
Das Länderspiel Deutschland – England wurde vom englischen Fußballverband FA ausgerichtet. Der DFB hatte auf die Auswahl der Kinder vermutlich keinen Einfluss. Dennoch trug das Mädchen das DFB-Trikot. Der DFB sollte dies nicht gleichgültig hinnehmen, schließlich hat auch er keine rühmliche Vergangenheit in Sachen Gleichberechtigung. Erst 1970 hob er sein 1955 eingeführtes Fußballverbot für Frauen auf. 1982 wurde die Frauennationalmannschaft gegründet, die seitdem viele Erfolge aufweisen konnte: Für ihren EM-Sieg im Jahr 1989 bekamen die Spielerinnen ein Kaffee-Service geschenkt. Und immer noch trainieren Frauen und Mädchen unter schlechteren Bedingungen als ihre männlichen Kollegen. Inzwischen ist – so könnte man wohlwollend sagen – der DFB jedoch auf einem guten Weg; erstmals darf in dieser Saison sogar eine Frau Bundesliga-Spiele pfeifen. Er sollte diesen Weg jetzt nicht verlassen und zulassen, dass Mädchen benutzt werden, um Vielfalt und Toleranz zu beweisen.

Vielleicht liegt die wahre Motivation aber auch darin, uns allmählich auf die WM 2022 in Katar vorzubereiten und an Kopftuch tragende Einlaufmädchen zu gewöhnen – falls es doch noch nicht für alle ganz normal ist.


Natalie Furjan ist Volkswirtin und wissenschaftliche Mitarbeiterin.

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Nein, das Kopftücher hat nichts mit Toleranz und Integration zu tun. Es steht für Intoleranz und dümmlichen ReligionsFanatismus.

Vorweg, ich bin grundsätzlich gegen religiöse Indoktrinierung und explizit gegen religiöse Symbolik in der Öffentlichkeit (insbesondere in staatlichen Einrichtungen). Das Problem ist schlicht, dass wir – rein juristisch gesehen – nicht das Recht haben, der einen Religion etwas zuzugestehen, was wir der anderen vorenthalten. Wenn ein Mädchen Kopftuch trägt, dann dürfen andere Mädchen auch Kreuze tragen – und umgekehrt. Ich nehme in beiden Fällen an, dass das nicht freiwillig geschieht. Moralisch ist es darüber hinaus fragwürdig, ein Mädchen für die Gräueltaten von Terroristen verantwortlich zu machen. Ich mache streng gläubige Evangelikale auch nicht für die Taten der Lord´s Resistance Army… Mehr

Sehr gut! 😀

Genau!!!!! Neuer, Hummels, Ter Stegen, Müller, Wagner, Plattenhardt, Halstenberg, Rudy, Kroos, Draxler u.v.m.

Übetragen wir das Kopftuch-Beispiel auf eine andere Situation: Was wäre, wenn ein Mann oder eine Frau in der Öffentlichkeit eine braune oder schwarze Uniform aus der Nazi-Zeit tragen würde, natürlich ohne die verbotenen Abzeichen? Der Aufschrei wäre groß, obwohl die Uniformträger sich ebenso darauf berufen könnten, dass die Uniform selbst nicht verboten ist und sie nur von ihrem Recht, sich zu kleiden, wie sie wollen, Gebrauch machen. Aber da diese Uniformen mit dem Nationalsozialismus und seinen Verbrechen assoziiert werden, sind sie eben nicht einfach nur der Ausdruck der Persönlichkeit des Trägers über die Kleidung, sondern zeigen – gewollt oder nicht… Mehr
Wer das Kopftuch als religiöses Symbol ablehnt, muss sich folglich auch gegen das Tragen des Kreuzes oder einer jüdischen Kippa in der Öffentlichkeit aussprechen. Fragt sich, ob wir tatsächlich ein Land sein wollen, das seinen Bürgern strikte Bekleidungsvorschriften macht und Religion zur reinen Privatsache degradiert? Ein Land, welches die Gläubigen verdächtigt einer politischen Ideologie zu folgen? Ich möchte an dieser Stelle nicht missverstanden werden. Die Vollverschleierung ist sicherlich auch aus Sicherheitsgründen abzulehnen, aber alles andere sollten wir als freiheitliche Gesellschaft akzeptieren können! Wie sagte doch Sebastian Kurz: „Es darf keinen Widerspruch geben, sich zugleich als gläubiger Muslim und stolzer Österreicher… Mehr

Genialer Kommentar!! Und keine der Sexismusbeauftragtinnen empört sich ob diesen Zwanges zur Verhüllung.

Ernst gemeinte Frage: Ich habe in meiner Klasse zwei Mädchen, die ein Kreuz um den Hals hängen haben. Wie soll ich mich verhalten?

Das ist ein sehr wichtiger Artikel, denn er zeigt, wie bestimmte Interessen zum Nachteil der Frauen ineinander greifen: zum einen die Interessen der fundamentalistischen Muslime, schön dargelegt in diesem Video von Pierre Vogel: https://www.youtube.com/watch?v=Fw0heXamGCA Vogel erklärt in der ihm eigenen bestechenden Logik (Ironie), dass junge Frauen sich aus Solidarität verhüllen sollen, weil sie nach der Geburt von Kindern hässlich werden und ihren Männern nicht mehr gefallen und dann auch nicht mehr wollen, dass unverhüllte junge Frauen ihre Männer verführen. Alles klar soweit – für diese Koran-wortwörtlich-Nehmer ist es natürlich logisch, dass das Fußball-Mädchen sich verhüllt. Dazu kommen aber die Interessen… Mehr

Durch Unterwürfigkeit und vorauseilendes Gehorsam kann eine Nation wie Deutschland weder Respekt bei Muslimen noch Christen erzeugen. Eher betrachten die Muslime solche Inszenierungen als sich prostituieren der europäischen Eliten. Oder erwartet jemand in Katar Kreuze zu sehnen?

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