Flüchtlinge: Drei verschiedene Blicke

Drei Gastbeiträge füllen blinde Flecken in der Medienberichterstattung auf: Wie helfen wir denen, die wirklich Hilfe benötigen - brauchen wir ein "Ministerium für humanitäre Angelegenheiten"? Wie ist die berufliche Qualifikation der Flüchtlinge und ihre Fähigkeit und Bereitschaft zu Integration? Mehr Tote seit Beginn der Rettungsaktionen - warum die Mittelmeerhilfe mehr Elend produziert statt lindert.

3. Deutlich mehr Mittelmeertote nach Beginn der Rettungsbemühungen

Sebastian Richter ist als Arzt in Krisenregionen unterwegs und hat einen kritischen Blick auf die Realität der Krisenhilfe.Ein Aufschrei ging vor wenigen Jahren durch Europa – Hunderte nach Europa strebende Migranten waren im Mittelmeer ertrunken. Die Medienberichte wurden immer kritischer und vor allem das linke politische Spektrum forderte ein stärkeres Eingreifen, um die Mittelmeermigranten vor dem Ertrinken zu retten. Die Bemühungen der Europäischen Union und anderer zur Rettung sollten dringend verstärkt werden.

Rettungsmissionen laufen an

Aufgrund des öffentlichen Drucks wurden zahlreiche Rettungsmissionen gestartet, um die so genannten Flüchtlinge zu retten. Das erklärte Ziel der Missionen war bzw. ist es, Menschen auf dem Mittelmeer vor dem Ertrinken zu retten. Im Kontrast zu den Forderungen vor allem linker Politiker gab es auch kritische Stimmen, die auch den Anreiz zur illegalen Einreise in die Europäische Union sahen, der durch derartige Hilfsmissionen entsteht. Auch war bekannt, dass die Migranten Tausende Euro für den Transfer über das Mittelmeer zahlen und sich dadurch vor allem bzw. ausschließlich sehr Privilegierte aus Krisen- und Entwicklungsländern eine Flucht leisten können. Wie haben sich die Zahlen entwickelt, haben die Missionen ihr Ziel erreicht? Wurden mehr Menschen vor dem Tod im Mittelmeer gerettet? 2012 sind 500 Migranten auf dem Mittelmeer gestorben, 700 im Jahr 2013.

Nach der Intensivierung der Rettungsbemühungen sind 2014 laut IOM 3.279 und 2015 bis August 3.250 Migranten während ihrer Schleppung über das Mittelmeer ums Leben gekommen. Wir müssen also klar feststellen, dass die Zahl der Todesopfer auf dem Mittelmeer nach Beginn der Rettungsbemühungen deutlich zugenommen hat. Als realistische Erklärung bietet sich an, dass die Rettungsbemühungen den Anreiz zur Migration gesteigert haben.

Zahlreiche Analysen und Erfahrungswerte deuten darauf hin, dass es sich auch bei der Migration aus Afrika in vielen Fällen um Armutsflucht handelt, Asylbegehren werden regelmäßig abgelehnt. Unter Anraten sogenannter Hilfsorganisationen und Schlepper geben zahlreiche Mittelmeerflüchtlinge falsche Tatsachen an, beispielsweise zu Identität, Herkunft und Alter. Personaldokumente werden vernichtet. Ein Großteil der Ankommenden sind junge Männer. Wie kann man die verfahrene Situation lösen?

Die Hilfe fehlt vor Ort

Den in größter Not lebenden Menschen dieser Welt hilft das derzeitige System nicht. Im Gegenteil, werden doch in den meisten europäischen Ländern große Teile der Asylausgaben mit den Entwicklungshilfsausgaben verrechnet. Je mehr wir also in Europa für die Versorgung von Asylbewerbern zahlen, desto weniger wird vor Ort in die nachhaltige Lösung von Problemen investiert. Wir können beispielsweise ein modifiziertes Flughafenverfahren wieder einführen, Abschiebungen konsequent durchführen, Mittelmeerflüchtlinge direkt nach ihrer Rettung in nordafrikanische Auffanglager bringen und dort ihre Asylanträge bearbeiten.

Hierdurch würde die Motivation für eine lebensgefährliche Flucht über das Mittelmeer, die wir durch unsere fragwürdigen Aktionen aufgebaut haben, deutlich abnehmen. Wir würden tatsächlich Menschen vor dem Ertrinken retten. Realismus sollten wir auch in Bezug auf linke Akteure in Politik und Medien behalten – ihnen geht es weniger um das Retten von Menschen, als vielmehr um die Ideologie einer Welt ohne Grenzen mit Niederlassungsfreiheit für alle. Sonst würden sie auf fundierte Einwände zur derzeitigen Politik eingehen.

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