Falsche Freunde, Beschwichtiger, Verschwörungstheoretiker

Eine „Political Correctness“, die selbst das Augenscheinlichste nicht sehen und benennen darf, bereitet den Extremisten den Boden für ihre Taten. Man kann vor den Gefahren, die vom salafistischen Extremismus ausgehen, niemals genug warnen, nur zu wenig.

© David Ramos/Getty Images
A woman holds a banner with a pencil painted during a gathering of people showing their support for the victims of the terrorist attack at French magazine Charlie Hebdo, in front of the Consulate of France on January 7, 2015 in Barcelona, Spain.

Bei den Terroranschlägen von Madrid, London, Istanbul, Ankara, Paris und Brüssel haben sich radikalislamistische Dschihadisten und Extremisten gezielt so genannte weiche Ziele ausgesucht, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Der 7. Januar 2015 ist eines der erschreckenden Beispiele für solch ein einschneidendes Erlebnis für die Menschen in Europa. Mit dem direkten Angriff auf Journalisten war der Anschlag von einer anderen, einer größeren Dimension. Er zielte direkt auf unsere Werte, auf die Grundfesten unseres friedlichen Zusammenlebens in Europa, denn ohne Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschenrechte wäre Europa nicht das Vorbild in der Welt, als das es heute gilt.

Dennoch sind nach solchen Anschlägen für mich immer wieder die gleichen Fehler zu beobachten, die uns seit Jahren unterlaufen im Kampf gegen den extremistischen Salafismus. Jeder mörderische Anschlag führt dazu, dass sich auf einmal Leute zur Verteidigung der Opfer berufen fühlen, die bei genauerer Betrachtung nicht ins Bild passen. Nehmen wir die „falschen Freunde“. Es verging zum Beispiel nicht viel Zeit nach dem Anschlag im Januar 2015 und die getöteten Journalisten bekamen ungewöhnliche Unterstützung von Menschen, die ihnen aufgrund ihrer links-liberalen und links-kritischen Einstellungen in den Jahren zuvor noch die Pest an den Hals gewünscht hatten. Dieses unaufrichtige Mitgefühl von rechts außen, das wir immer wieder beobachten können, ist vielmehr Wasser auf die Mühlen der Salafisten, als dass es hilft, solche Anschläge in Zukunft zu verhindern.

Während die Einen sich am falschen Mitgefühl laben und sich heimlich darüber freuen, dass ihre Ressentiments wahr werden, beschwichtigen die Anderen so lange, bis das Problem des salafistischen Extremismus wieder unter den Teppich der Geschichte gekehrt wurde. Damit spielen wir all denen in die Karten, die versuchen unsere Gesellschaft auseinanderzudividieren, die unsere Werte aushöhlen und untergraben. Wir können ein Problem nur erfolgreich angehen, wenn wir uns trauen, es offen anzusprechen. Eine „Political Correctness“, die selbst das Augenscheinlichste nicht sieht, bereitet den Extremisten den Boden für ihre Taten. Man kann vor den Gefahren, die vom salafistischen Extremismus ausgehen, niemals genug warnen, nur zu wenig. Wer den Kopf in den Sand steckt und hofft, die Salafisten würden ihn verschonen, wenn er nur ganz leise ist, begeht einen schlimmen Fehler, der letztlich tödlich enden kann.

Es ist von großer Bedeutung, dass wir offen und ehrlich mit dieser Gefahr umgehen. Die Gesellschaft muss über das Ausmaß der Bedrohung informiert werden. Hinweise müssen deutlich gemacht werden. Tuen wir das nicht, bietet das den Extremisten jeglicher Art einen nährreichen Boden. Eine dieser Erkenntnisse, die nicht deutlich angesprochen werden, ist die Ausnutzung des Flüchtlingsstroms durch den IS: Es gibt deutliche Hinweise, auch laut Bundesverfassungsschutz, dass viele Gefährder durch die Flüchtlingswelle nach Deutschland eingeschleust wurden, um mögliche Anschläge in Deutschland oder in Europa auszuführen. Es ist bereits ermittelt worden, dass zwei Attentäter und zwei Helfer aus Paris auch den Flüchtlingsstrom für ihre verbrecherischen Taten ausgenutzt haben. Es wäre grob fahrlässig, wenn wir diese Gefahr nicht erkennen würden. Wir müssen sie offen ansprechen und reagieren. So etwas nicht wahr haben zu wollen und zu ignorieren, wäre falsch.

Genauso hilft es uns nicht, wenn immer wieder betont wird, diese Extremisten haben mit dem Islam nichts gemein, denn so ist das nicht richtig. Es gibt Menschen, ich nenne sie Hassprediger, die jungen Menschen ein völlig falsches, pervertiertes Verständnis des Islams ins Ohr setzen. Dennoch versuchen sie, dieses Verständnis aus dem Koran abzuleiten, indem sie diesen bewusst fehl interpretieren. Daher müssen die Muslime in Europa ihren eigenen Islam finden. Es ist der Islam, den 99 Prozent der Muslime bereits leben, der tolerant, liebevoll, karitativ und so wie die anderen Buchreligionen vorwiegend im Privaten gelebt wird. Dieser Islam muss das Leitbild für alle Muslime in Europa sein. Nur so können wir verhindern, dass der Islam von „falschen Freunden“ oder „Hasspredigern“ missbraucht wird und unsere Gesellschaft mit Hass und Misstrauen infiziert.

Hass und Misstrauen säen auch diejenigen, die sofort zu Verschwörungstheorien greifen und die Attentäter als Teil einer angeblichen jüdischen Weltverschwörung sehen. Auch diese Menschen tragen ihren Teil dazu bei, dass das Klima in unseren Gesellschaften vergiftet wird. Der damit einhergehende Antisemitismus zählt zu verbindenden Elementen zwischen Salafisten auf der einen und Rechts- oder Linksextremisten auf der anderen Seite. Es ist erschreckend, dass auch in der heutigen Zeit, „der Jude“ am eigenen miserablen Leben, an undurchsichtigen Geschäften, an der Gewalt in Nahost, an bösen Banken, schuld sein soll. Wir müssen das jüdische Leben in Europa in jedem einzelnen Staat schützen und verteidigen, denn es steht der zivile Zusammenhalt unserer Gesellschaft auf dem Spiel, wenn es Extremisten gelingt, unter unseren Augen wieder Jagd auf Juden zu machen.

Der Staat alleine reicht hier als Hilfe nicht aus, vielmehr braucht es ein starkes Signal, das von Katholiken, Protestanten, Muslimen, Angehörigen anderer religiöser Gruppen, aber auch von den weltlichen Gesellschaftsgruppen ausgeht. Wir müssen klar stellen, dass Angriffe auf Einzelne immer ein Angriff auf uns alle sind, auf unsere Werte, auf unsere Traditionen, auf unsere Errungenschaften eines modernen Rechtsstaats und der Demokratie. Erst wenn wir alle das verstanden haben und dementsprechend handeln, ohne zu beschwichtigen, ohne falsche Freunde und ohne eine falsch verstandene „Political Correctness“, erst dann werden die Täter und ihre Hintermänner keine Chance mehr haben.

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