Covid-19, die Demokratie, die Impfung und das Leben

Ein vernünftiger Diskurs über den Umgang mit Covid-19 wird durch das derzeit seuchenhaft um sich greifende Moralisieren abgewürgt. Aber auch ohne Covid-19 wird gestorben. Von Chris Veber, Ex-Grüner, Innsbruck.

imago images / Steinach

Tedros Adhanom Ghebreyesus, der Generaldirektor der WHO, wurde am 3. August in den BBC News mit den Worten zitiert, es könne durchaus auch nie eine Impfung gegen Covid-19 geben – “… there might never be”. Nachdem es eher unwahrscheinlich ist, dass Covid-19 uns von selbst verlässt, ist es wieder mal Zeit, uns zu fragen, wie wir mit dem Corona Virus leben wollen.

In Zeiten, in denen alles, auch der Umgang mit Viren, nur noch in “moralischen” Kategorien bewertet wird, möchte ich vorausschicken: ja, Corona ist eine schwere Erkrankung die man keinem Menschen wünscht. Aber über den Umgang mit dem Virus muss hinterfragend nachgedacht werden.

Nehmen wir das Präventionsparadox. Laut unserer Regierung sterben nur deswegen so wenige Menschen in Österreich, weil wir so super Maßnahmen haben. Weswegen wir das Virus nicht ernst nehmen und die Regierung kritisieren. Eine Katastrophe zu verkünden, Maßnahmen zu verhängen, um sich dann als Verhinderer der Katastrophe darzustellen, ist logisch nicht haltbar. Die Regierung hätte uns auch vor Vampiren warnen, Ausgangssperren nach Einbruch der Dunkelheit verhängen und Knoblauch verteilen können. Um anschließend das Ausbleiben der Vampirtoten zu feiern. Mit Verlaub, das ist wirklich paradox.

Rechnen wir statt dessen nach, wie viele Tote es im maximalen worst case Szenario in Österreich geben könnte. 2/3 der Bevölkerung erkranken über die Jahre, danach sollte Herdenimmunität erreicht sein. Bei einer Fallmortalität von 0,26% (Ischgl Studie) und 8.6 Mio Einwohnern wären das 15.000 Tote. Mit einem Durchschnittsalter von über 80 Jahren. Eine enorme Zahl.

Aber in Österreich wird auch ohne Covid-19 gestorben. Im Jahr 2018 starben 84.000 Menschen mit einem Durchschnittsalter von 81 Jahren. Und nach der Entwicklung der Übersterblichkeit in Österreich sieht´s sehr danach aus, dass die Covid-19-Toten in der Gesamtsterbezahl aufgehen und diese nicht bzw. marginal erhöhen.

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Warum werden also all die anderen Toten nicht mit ebenso großer Aufmerksamkeit bedacht wie die Covid-19-Toten? In Österreich sterben jedes Jahr ca. 5.000 Menschen an multiresistenten Keimen, die u.a. durch industrielle Tierhaltung begünstigt werden. Die industrielle Tierhaltung wird nicht abgeschafft. 400 Verkehrstote ließen sich durch ein generelles Tempo 30 Limit wohl großteils verhindern. Tempo 30 wird nicht eingeführt. Laut Statistik Austria stirbt ein Prozent der Über-80-Jährigen jedes Jahr an Stürzen. Warum sperren wir die Menschen nicht im Heim ein, um diese Unfälle zu verhindern, wie wir´s bei Corona tun? Wir sind offensichtlich überall bereit, Kompromisse einzugehen und Leben zu riskieren, um unser Leben führen zu können. Nur bei Covid-19 nicht.

Dabei führen auch die Maßnahmen gegen Covid-19 zu Todesfällen. Inzwischen treten vermehrt Mediziner in die Öffentlichkeit, die auf die medizinischen Opportunitätskosten der Maßnahmen hinweisen. Mehr Krebstote, mehr Herzinfarkte, mehr Suizide. Es ist unsicher, dass die Corona Bekämpfung in absoluten Zahlen Leben rettet.

Was sicher ist, die Maßnahmen beeinträchtigen unsere Möglichkeit, gut zu leben. Unser Freizeitverhalten ist beschnitten, unsere sozialen Kontakte beeinträchtigt, unsere Bewegungs- und Wirtschaftsfreiheit eingeschränkt. Wir riskieren die Ausbildung und Sozialisation unserer Kinder. Den Untergang des Kultur- und Nachtlebens.

Warum? Eine Erklärung ist die Ersetzung des Diskurses über den Umgang mit Covid-19 durch das derzeit seuchenhaft um sich greifende Moralisieren. Wissenschaftler wie Christian Drosten werden auf der Seite der Guten verortet, ihre Thesen in religiöse Höhen und den Status der Unfehlbarkeit erhoben. Abweichende Meinungen, die zum Beispiel der Oxforder Epidemiologe Carl Heneghan oder John Ioannidis von der Stanford University vertreten, werden bestenfalls ignoriert oder dämonisiert. Covidleugner! Aluhutträger! Dabei ist die Möglichkeit der Falsifikation einer These eine Grundbedingung der Wissenschaft. Selbstgerechtigkeit hat hier nichts verloren und verhindert das Finden von Problemlösungen.

Eine andere Erklärung ist die Unfähigkeit und Unwilligkeit der Politik, Fehleinschätzungen einzugestehen. Und dann wäre da noch die Lust am uneingeschränkten Regieren per Verordnung, ohne Rücksicht auf Parlament, Gesetze und Verfassung nehmen zu müssen. Es herrscht ja Notstand.

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Da eine Impfung möglicherweise nie kommen wird, sollte das Handeln unserer Regierung wieder stärker juristisch hinterfragt und parlamentarisch gelenkt werden. Sonst sind wir sehr nahe dran an Orwells permanentem Ausnahmezustand. Dann hätte das Virus zwar nicht uns, aber unsere Demokratie getötet. Meiner Meinung nach sind die Einschränkungen unserer Freiheiten und Grundrechte überschießend und durch die Bedrohung durch Covid-19 nicht zu rechtfertigen. Siehe die Fallmortalität von 0,26%.

Jüngsten Forschungsergebnissen nach wird Covid-19 auch durch Aerosole verbreitet. Hält sich in Räumen bis zu 5m von einem Infizierten in der Luft. Trotz Lüftung und Filter. Masken helfen nicht gegen Aerosole. Also haben wir jetzt 2 Möglichkeiten: einen ausgewachsenen afrikanischen Elefantenbullen von unseren Mitmenschen Abstand halten. Oder uns gleich daheim einsperren. Oder wir lassen die Hysterie hinter uns und leben unser Leben. Ich für meinen Teil habe mich entschieden.

Abschließend noch zur sehnsüchtig erwarteten Impfung. Sollte diese wirklich bis zum Ende des Jahres verfügbar sein (die Russen “haben” sie ja schon …) wäre ich überrascht, dass die Pharmaindustrie bis jetzt ebenso altruistisch wie unnötig Zeit und Geld in klinische Tests investiert hat, die eigentlich nicht nötig waren. Oder es hat doch einen Grund, warum im Schnitt 9 Jahre in klinische Tests eines Wirkstoffs investiert werden. Dann wären die 9 Monate, die dem Covid-19-Impfstoff zugestanden werden, sehr kritisch zu sehen. Denn Geld und Druck können Zeit nicht ersetzen.


Chris Veber, Ex-Philosoph, Ex-Grüner, Unternehmer, freier Journalist.

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Kommentare ( 40 )

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40 Kommentare auf "Covid-19, die Demokratie, die Impfung und das Leben"

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Der meisten Menschen, die bei Verkehrsunfällen zu Tode kommen sind Fußgänger. Weshalb schreibt dann nicht vor, dass Fußgänger nur dann unterwegs sein dürfen, wenn sie sich zum Schutz einen Airbag umschnallen. Außerdem hätten die Polizisten dann eine weitere Möglichkeit Bußgelder zu kassieren. Vielleicht hat Söder diese Chance noch nicht erkannt?

Corona wird von der globalistisch ausgerichteten Politik brutalst instrumentalisiert, um deren Agenda zu beschleunigen.

Ich glaube nicht, das das nur mit moralisieren zu tun hat. Es gibt noch weitere Gründe für diese kollektiv Psychose. Ein wichtiger Grund für das krampfhafte Festhalten an dieser Situation ist die aufgebaute mentale Dissonanz. Der größte Teil der Corona Paranoiker ist nicht deshalb fakten- und diskussionsresistent, weil er den Kritikern nicht glaubt, sondern gerade weil er ahnt das die Recht haben. In der Folge müssten sie dann nicht nur zugeben das sie massiv verarscht wurden, sondern vor allem wie leicht sie sich haben verarschen lassen. Und das ist für viele Menschen nur schwer zu ertragen. Gerade die hysterische Reaktion… Mehr

@ thinkSelf
exakt meine Gedanken!!!!

Interessant bzw. bedenklich ist aber, dass die Nummer auch in Ländern wie Frankreich , Italien etc geklappt hat, ja, sogar noch schlimmer durchgezogen wurde,

Nie im Leben hätte ich es für möglich gehalten, dass die Franzosen das mit sich machen lassen.

Mit Corona-Angst und masivem Polizeieinsatz und rigorosem Einzug von Bußgeldern für angebliche Verstöße hat Macron „seine“ Gelbwesten und wegen der sog. Renten- und Arbeitsrechtsreform Generalstreikenden elegant von der Straße weg in den engen Hausarrest verbannt. Und merkwürdigerweise (oder auch nicht, wenn man die verordnete häusliche Enge als krankheitsfördernd beurteilt) haben die Länder mit den rigorosesten Quarantänemaßnahmen die höchsten Sterberaten verkündet, angefangen mit Belgien ganz vorn (im Verhältnis jeweils zur Bevölkerung).

Mit der mentalen Dissonanz treffen Sie den Nagel auf den Kopf. Anders lässt es sich wirklich nicht erklären, dass Leute absolut nicht von ihrer Paranoia anzubringen sind. Auch nicht, wenn man mit Zahlen des RKI (!) operiert, um Sie zu überzeugen.

Ich hoffe noch darauf, dass das irgendwann stillschweigend im Sand verläuft, bzw. das ach offizieller Lesart mit den Super-Maßnahmen alles in den Griff bekommen wurde.

Aber das von Ihnen skizzierte Szenario ist auch denkbar.

Corona ist eine Agenda. Daß es auch ein Virus ist , ist dabei Nebensache.

Nostradamus Lauterbach – köstlich. 😀
Und so treffend.

Und ja – Drosten rudert zurück, weil er ahnt, dass er sich mal wieder getäuscht hat, Dan denke ich auch.

Es geht nicht mehr um Covid-19, sondern um eine andere Gesellschaftsordnung, die sich über strengere Regeln definiert und die individuelle Freiheit beschränkt – zumindest in der Masse. Covid-19 hat die Möglichkeit geschaffen ohne Diskurs zu regieren. Nur, wohin wollen denn die Herrschaften hin regieren? Sozialismus der DDR2.0? Sozialismus chinesischer Prägung? Was ist mit Klimawandel und Dunkelflaute? Was ist mit der Landwirtschaft in Deutschland und Europa, dem Hunger in der Welt und der steigenden Bevölkerungszahl? Vielleicht hat die sozialistische Intelligenzia gar keine Idee, wie es weiter gehen soll, außer dass es nicht so weiter gehen darf wie nach 2015. Und daher… Mehr
Herr Veber – das Problem ist das Vorsorgeprinzip. Entsprechend dem Vorsorgeprinzip dürften wir gar nicht mehr das Bett verlassen. Schon der Stürze in der eigenen Wohnung (Unfallursache Nr.1) wegen. Und dann die vielen anderen Gefahren, vergiftete Nahrung, vergiftete Kleidung, Ausdünstungen von Teppichen, Lacken, Reinigungsmitteln, Autoinnenräumen, Abgasen, Laserdruckern, Büromöbeln, Strahlung vom (CRT-) Computermonitor, Mobiltelefon, …, … ! Und dann schlägt das Präventionsparadoxon zu: Der gefährlichste Ort im Leben ist das Bett – weil mit großem Abstand die meisten Menschen im Bett sterben. Die einzige Lösung aus diesem Dilemma: Rückkehr zum Prinzip der Risikoabwägung. Das hatten wir in Deutschland – bis die… Mehr

Das Leben ist eben lebensgefährlich.

@“Die Regierung hätte uns auch vor Vampiren warnen, Ausgangssperren nach Einbruch der Dunkelheit verhängen und Knoblauch verteilen können. Um anschließend das Ausbleiben der Vampirtoten zu feiern“ Rächter Vampirleugner, was? (Statt den strengen Vampirschutz der eigenen Regierung zu loben.) Das Einschränken des Fliegens nicht vergessen – es sollte gegen die neue Eiszeit helfen (verkündet in den 1970er Jahren), gegen Klimaerwärmung (verkündet kürzlich), gegen Corona (verkündet ebenso kürzlich – Polen verhängt den eigenen Bürgern gar Flugverbote in über 60 Länder, dort umstrittene). Warum also nicht behaupten, das Luftverkehr-Einschränken würde die Vampire-Verbreitung eindämmen? Wir schaffen das. Neben Corona läuft allerdings die Klima-Kiste weiter… Mehr

In Australien ist es doch schon so weit: Auslandsflüge nur zum Businessticketpreis, und einer Genehmigung durch die Behörde, die in 3/4 der Fälle nicht erteilt wird.

Das sind doch die feuchtgrünen Träume, mit denen wir letztes Jahr dauerbeschallt wurden.

Währenddessen bauen die Chinesen über 200 Großflughäfen für die eigenen reiselustigen Bürger – auch die einst kommunistische Partei kommt nicht auf die Idee, die Leute in dieser Hinsicht umzuerziehen. Bereits in der Corona-Zeit las ich weitere Meldungen über neue Ausbaupläne. Derzeit ist es zwar mit Auslandsflügen knapper (die Chinesen wurden zur Geisel ausbleibender Immunität), aber China ist so groß wie ein Kontinent. Die letzten mir bekannten Meldungen (vor Monaten) lauteten: Verbindungen werden reaktiviert, um 2/3 des Standes vor Corona, Airlines werben mit Billigstpreis-Aktionen. Die letzte Meldung aus Europa – 30-40% der Verbindungen wie vor Corona. Wegen der „Zweite-Welle“-Panik wird es… Mehr

China lacht sich eh schlapp ueber uns.
Selbst wenn das Virus nicht im Labor entstand (wie mittlerweile 3 Nobelpreistraeger behaupten) und auch nicht bewusst von denen freigesetzt wurde, so ist doch immer offensichtlicher dass die Chinesen a) die grossen Profiteure sind und b) diese Gelegenheit von Anfang an begriffen und ganz bewusst so gesteuert haben:
Erst die (Fake) Panikbilder, -news und zahlen, dann der Lockdown und die Fake-Erfolgszahlen damit wir es nachmachen und uns so ruinieren.
Resultat: kein Geld und keine Lust mehr im Westen um China in die Quere zu kommen.

Es ist verharmlosend, von einem „Impfstoff“ zu sprechen.

Es handelt sich um eine Gentherapie mit gentechnisch veränderten Adenoviren aus Schimpansen, denen ein Genschnipsel aus SARS-CoV-2 eingesetzt wurde.

Machen Sie sich mal kundig, bevor sie hier so einen Aluhut-Stuss verbreiten.
Es gibt diverse Ansätze in der Impfstoffentwicklung.

Allen gemein ist, dass sie voraussichtlich nicht ausreichend geprüft auf denn Markt kommen werden. Das ist schlimm genug.

Das ist Unsinn!