Blasphemie-Gesetze: Wie Christen kriminalisiert werden

Einige islamisch geprägte Länder nutzen Blasphemie-Gesetze, um Andersgläubige zu unterdrücken – Eine Analyse.

ASIF HASSAN/AFP/Getty Images
Karachi. Pakistan's Supreme Court on October 31 2018 overturned the conviction of Asia Bibi, a Christian mother facing execution for blasphemy, in a landmark case which has incited deadly violence and reached as far as the Vatican.

Im Schatten des bekannten Falls Asia Bibi, die unter dem Vorwurf der Gotteslästerung acht Jahre lang in einer pakistanischen Todeszelle saß, leiden weltweit noch viel mehr Menschen unter Einschränkung der Meinungsfreiheit durch sogenannte Blasphemie-Gesetze.

Zur Erinnerung: Im Wesentlichen war es ein Satz, der Asia Bibi in die missliche Lage brachte: „Ich glaube an meine Religion und an Jesus Christus, der für die Sünden der Menschheit am Kreuz gestorben ist.“ Mehrere hundert Männer, Frauen und Kinder sitzen oder saßen seit Ausweitung der entsprechenden Gesetze Mitte der 80er Jahre in Pakistan hinter Gittern, weil ihnen die Beleidigung der islamischen Religion zur Last gelegt wurde oder wird. Schwerwiegend ist besonders der Vorwurf der Beleidigung des islamischen Propheten Mohammed, für den laut Paragraph 295 C im Strafgesetzbuch die Kapitalstrafe zu verhängen ist.

Texte bei Facebook werden zum Aufhänger

Migrationskrise und Meinungsdruck
Wie der Gefährdung des sozialen Friedens durch Hassorgien auf Facebook und Co. zu begegnen wäre
Das christliche Ehepaar Shafqat Emmanuel und Shagufta Kausar wurden am 4. April 2014 hinter Gefängnismauern zum Tode verurteilt, nachdem sogar die Klägeranwälte mit Fememord gedroht hatten. Als Analphabeten sollen sie auf Englisch eine despektierliche Textnachricht an den örtlichen Imam verschickt haben. Dem knapp 17-jährigen Christen Patras Masih droht dasselbe Schicksal: Vor einem Jahr soll er über Facebook-Messenger das Bild eines Mannes verschickt haben, der die Kuppel einer der heiligsten Stätten zum Gedenken an den islamischen Propheten mit Füßen tritt. Polizisten schlugen Patras und erniedrigten ihn sexuell beim Verhör, sein Prozess verläuft aktuell zäh.

Auch wenn sie, wie Patras, weder lesen noch schreiben können, nutzen junge Leute aus armen christlichen Familien in Pakistan gerne Kurznachrichtendienste und soziale Netzwerke zum Austausch von Fotos und Piktogrammen. Wer ihnen etwas Böses tun möchte, kann ihnen dort leicht etwas unterschieben, so wie es Patras geschehen ist. Menschenrechtler sprechen von Cyber-Blasphemie-Fällen. Vor zwei Jahren kam es in Pakistan sogar zu Entführungen von Bloggern, die sich für Menschen- und insbesondere Minderheitenrechte stark gemacht hatten. Eine islamistische Gruppe zeigte sie, während sie noch vermisst waren, wegen Cyber-Blasphemie an.

INDONESIEN – WOHIN GEHST DU?
„Gotteslästerung“ – die Waffe des indonesischen Islam
Ende März 2017 berief die pakistanische Regierung Vertreter von 27 islamischen Ländern ein, um die Möglichkeit der Einführung eines globalen Blasphemie-Gesetzes für soziale Medien zu besprechen. Dabei werden Islamkritik, Hassrede und Blasphemie vielfach nicht voneinander unterschieden. Imran Khan, seit vorigem Jahr Premierminister, möchte dieses Ziel auf UN-Ebene weiterverfolgen.

Diese Bestrebungen werden weltweit unterstützt. Am vergangenen Freitag forderte etwa der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu nach dem Anschlag in Christchurch, „Hasssprache“, die sich gegen Muslime richte, dürfe nicht durch die Meinungsfreiheit gedeckt sein.

Die christliche Hilfsorganisation „Barnabas Fund“ aus Großbritannien kritisiert die europaweit gültige Vereinbarung, der zufolge Betreiber sozialer Netzwerke binnen 24 Stunden Einträge zu löschen haben, die private Organisationen für Hassrede halten, die Beleidigungen gegen Religionen mit einschließt. Unter den in Islamabad versammelten muslimischen Repräsentanten war auch die Palästinensische Autonomiebehörde vertreten, die am 11. Juli 2017 ein Verbot von sogenannter „Hassrede im Internet“ erließ und diese mit Gefängnisstrafen zu ahnden sucht. Schon ein „Like“ auf Facebook kann einen Internetnutzer demnach hinter Gittern bringen, selbst wenn der tatsächliche „Tatort“ im Ausland liegt.

Hat nichts mit nichts zu tun
Weltweit werden immer mehr Christen verfolgt. Die Kirchen schweigen dazu
Am 24. Januar wurde Basuki Tjahaja Purnama aus dem Gefängnis entlassen, Indonesiens prominentester Blasphemie-Fall. Die internationale Öffentlichkeit horchte auf, als der Ex-Gouverneur der Hauptstadt Jakartas am 9. Mai 2017 unter dem Jubel islamistischer Massen nach fünfmonatigem Prozess von einem Distriktgericht zu zwei Jahren Haft verurteilt wurde, nachdem der Staatsanwalt lediglich eine Bewährungsstrafe gefordert hatte. Er hatte im Wahlkampf vor einer wörtlichen Auslegung der 5. Koransure gewarnt, worin steht, Muslime sollten mit Christen oder Juden keine Freundschaft schließen. Mit dem Prozess wurde klar: Basuki hat als Korruptionsgegner sowie auch als Christ Feinde.

Nicht nur Christen geraten ins Visier

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte in Frankfurt setzt sich seit vorigem Jahr für die Freilassung des evangelischen Pastors Abraham Ben Moses, alias Saifuddin Ibrahim, ein, weil er am 7. Mai vorigen Jahres zu vier Jahren Gefängnis wegen Gotteslästerung verurteilt wurde. In sozialen Netzwerken kursiert ein Video, das den ehemaligen Muslim bei einem eifrigen Glaubensgespräch mit einem Taxifahrer zeigt. Er sprach von Widersprüchen in der islamischen Lehre und warb für den Übertritt zum Christentum. Aber nicht nur gläubige Christen geraten ins Visier von Eiferern mit dem Gesetzbuch in der Hand: Der Fall einer Buddhistin ist aktuell vor dem Obersten Gerichtshof anhängig, die für 18 Monate ins Gefängnis gehen soll, weil sie sich über die Lautstärke des Muezzinrufs beklagt hatte. Fanatiker nutzten das offen bekundete Ruhebedürfnis der Frau als Steilvorlage, um buddhistische Tempel anzuzünden, wie Amnesty International berichtete. Wegen Hassrede saß Zweifler Alexander Aan 2012 bis 2014 hinter Gittern, der auf Facebook seine Gedanken angesichts des Leids in der Welt öffentlich machte und die Rede von Himmel und Hölle, Engel und Teufel als Mythen bezeichnete.

In manchen Ländern droht die Todesstrafe

Unerträglicher Präsident
„Zeige mir Deine Freunde“ – Steinmeier und die Mullahs
In Algerien wurde voriges Jahr zu Ostern der berberische Christ Slimane Bouhafs nach 18 Monaten im Gefängnis freigelassen. Er hatte am 21. Juni 2016 auf Facebook geschrieben, das Licht Christi strahle über seiner Heimat, der Kabylei und Algerien. Den islamischen Glauben aber, den er für eine Lüge halte, sehe er auf dem Rückzug. Zudem hatte er sich für Demokratie und Religionsfreiheit eingesetzt, nachdem er sich im Jahr 2006 hatte taufen lassen.

Knapp ein Prozent der mehr als 40 Millionen Einwohner Algeriens sind Schätzungen zufolge Christen, überwiegend ehemalige Muslime. In 18 von 20 Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas wird Kritik am Islam als Straftat geahndet. Außer in Pakistan schreibt auch das Gesetz im Iran die Todesstrafe für Gotteslästerung vor. Saudi-Arabien aber verhängt sogar grausame Körperstrafen, die letztlich einer Todesstrafe gleichkommen. 71 Länder der Erde verfolgen Gotteslästerung laut der zuständigen US-Kommission für internationale Religionsfreiheit als Straftatbestand, überwiegend mit Gefängnisstrafen, auch in Lateinamerika und Europa.


Dieser Beitrag von Michaela Koller erschienen zuerst in Die Tagespost. Katholische Wochenzeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur, der wir für die freundliche Genehmigung zur Übernahme danken.

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Kommentare ( 31 )

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„In 18 von 20 Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas wird Kritik am Islam als Straftat geahndet.“
Zu wievielen dieser Länder unterhalten denn Hr. Steinmeier, Fr. Merkel, Herr Maas et al. von der GroKo allerbeste freundschaftliche Kontakte mit regelmässigen Besuchen, ergebensden Grussworten und natürlich auch großzügigsten Entwicklungshilfeleistungen?
Und wie sieht es demgegenüber mit den „freundschaftlichen“ Kontakten der GroKo zu den USA, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Dänemark, Österreich, Italien und Polen aus? Alle christlich-sekular.
Deutet sich hier etwa ein Freund-Feind-Muster in der Politik der GroKo an? Ich denke Ja.

Steht schon in der Bibel, wohin der Trend geht. Seit der Gründung Israels im jahr 1948 befinden wir uns in der biblischen Endzeit… Und die überhannehmende Chrisenverfolgung wird in der Offenbarung, den Evangelien und vielen weiteren Büchern ausführlich beschrieben. Man kann nur hoffen, dass diese Entwicklung langsamer geht, als gedacht. An sich ist es ein Armutszeugnis, wenn sich nicht Gläubige über die Diskriminierung gläubiger Christen echauffieren. Es ist schön, dass man darauf hinweißt. An sich ist es aber einfach nur heuchlerisch. Denn alle tragen dazu bei. Es gibt mittlerweile mehr Muslime in Deutschland, als Christen. 2,3-2,5 Millionen gläubige Christen. Der… Mehr

das Buch der Bücher sagt seit 2000 Jahren, dass es eine Gruppe Menschen gibt, die „das Salz der Erde“ sein soll. Und die gewarnt wird „Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten“. Das ist auch eine Deutung der Dinge, die bevorstehen.

Was ein Unterschied in den Religionen. In Pennsylvania fühlte sich schon die erste Muslimin „diskriminiert“ weil es beim Beten vor ihrer Vereidigung im Repräsentantenhaus um Jesus ging: https://www.welt.de/politik/ausland/article190912289/Pennsylvania-13-mal-Jesus-vor-Vereidigung-von-Muslimin.html#
Ob sie wohl wie Ilhan Omar von den Demokraten auf den Koran schwor und ob alle anderen wissen, was das für die USA und alle bisher freien Länder bedeutet?

…sie schwören alle eher auf ihre Parteibücher.

Was ist der Koran anderes als ein Buch voll mit der Ideologie der Welteroberung auf rücksichtslose Weise?

Als einfacher Mensch, der in einer religiös (noch!) halbwegs freien Region lebt, kann ich nicht viel gegen Fanatismus in entlegenen Teilen der Welt unternehmen. Aber immerhin, eine Kleinigkeit (ist das eine Kleinigkeit?) geht: Nämlich niemals „Muslime“ schreiben, wenn Mohammedaner bzw. Moslems gemeint sind. Ich halte den Begriff für ebenso vorauseilenden wie auch unnötigen Gehorsam (Unterwerfung!) gegenüber einer Ideologie, die mir so ganz und gar nicht gefällt und die man meines Erachtens nicht noch stärken sollte, indem man deren sprachlichen Vorgaben folgsam nachgibt. Mohammedaner mag als Beleidigung empfunden werden – nun gut, halte ich zwar für abwegig, aber bitte, verkneif ich… Mehr

Schwer zu sagen, ob man sich in die Angelegenheiten anderer Staaten einmischen sollte, aber wissen, mit wem man es zu tun hat, sollte, man schon. Es macht einfach keinen Sinn Angehörige einer faschistoiden Religion zu importieren.

Ich beobachte die islamische Welt schon sehr lange, aber ihre Entwicklung schreitet nicht voran.

Dafür aber ihre „Ausbreitung“.

Tut sie schon, in Berlin Bsw. sieben ca. sieben mal am Tag.

Christen sind eine der am meisten aktiv verfolgten Minderheiten der Welt. Mag halt hier nur niemand hören.

So wie es jetzt aussieht, macht sich der Islam die ganze Welt zum Feind. Es wird zu einem Weltkrieg (einem heißen oder kalten, wer weiß), zwischen dem Islam und Allen Anderen kommen. In Asien (Burma, China, Indien), traut man sich schon, den Islam offensiv zu bekämpfen. Wenn sich die westliche Bereitschaft zu Toleranz endlich abgenutzt haben wird (das wird noch eine Weile dauern, und vielleicht ist Westeuropa dann schon an den Islam verloren), dann wird dieser Weltkrieg voll entbrannt sein. Da der Islam unproduktiv und wirtschaftlich/technisch unterentwickelt ist und bleibt, kann er diesen Krieg eigentlich nicht gewinnen. Wegen seiner hohen… Mehr
Es gehört zu den Grundprinzipien der Mohammedaner, dass die Welt nur aus dem „Haus des Islam“ und dem „Haus des Krieges“ besteht. Wer von einem „Euro-Islam“ schwadroniert oder akademische Exegesen schreibt, ist entweder ein Lügner oder ein Belogener. Nur von Japan über China bis nach Indien entsteht derzeit eine antiislamische Achse, geführt von Leuten, die genau das begriffen haben und das Wohl ihres Landes über billige Ehrungen des Westens stellen (Birma). Westeuropa ist jetzt schon so gut wie verloren; eine Chance haben allenfalls die Länder, die sich im Rahmen der „Neuen Seidenstraße“ an China anlehnen, das bei den Uighuren kompromisslos… Mehr

Und so ein Artikel in einer katholischen Zeitung, da werden die Marxens aber schimpfen!
Kaum zu glauben im Jahre 2019 und noch weniger zu glauben, dass *Linksgrüngenderuniversaltolerante* so etwas in Deutschland protegieren!

Wahrscheinlich nur solange es sie selbst nicht betrifft. Momentan dienen diese Neubürger den Guties für das wunderbare Gefühl als Ikone der Selbstlosigkeit in der Sonne zu glänzen – möglichst medienwirksam versteht sich. Bis dieses Sonnenbad in der eigenen Herrlichkeit seine Wirkung verliert, bedarf es wohl noch krasserer Vorkommnisse als bisher… gruselig.

>>unter dem Jubel islamistischer Massen<<

Nicht "islamistisch". Islamisch reicht vollkommen.

Ja, ist theologisch dasselbe.

Ja…, jaaa… es ist benahe, wie unter dem Jubel christianistischer Massen.