Schnarrenberger, Baum und Kubicki – Talkshow-Lieblingsgäste

Gestern bei Markus Lanz war – mal wieder – Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Sie beklagte, dass in Deutschland der Fokus zu sehr auf Härte gegen Straftäter liege und zu wenig auf deren Resozialisierung.

Screenprint: ZDF/Markus Lanz

Markus Lanz meinte, es gebe ja inzwischen die Forderung, Gefängnisse ganz abzuschaffen. So weit wollte Leuterheusser-Schnarrenberger zwar nicht gehen. Aber in Deutschland, so ihre Kritik, sei „der Gedanke der Resozialisierung viel zu wenig präsent in der Politik“. Ihr gefalle der Tenor gar nicht, wenn z.B. bei Menschen, die Kinder missbrauchen, gesagt werde, die müsse man „für immer wegsperren“: „Ich sehe das überhaupt nicht so.“ Zwar müsse „auch“ die Gemeinschaft geschützt werden, aber im Fokus solle viel stärker die Resozialisierung stehen. Linke Parolen der 70er-Jahre. Frage: Ist das große Problem in Deutschland wirklich, dass wir uns zu wenig um die Täter kümmern und ihnen zu wenig helfen? Oder liegt es nicht vielleicht umgekehrt gerade darin, dass wir uns zu wenig um die Opfer kümmern und denen zu wenig helfen? Was ist die Position der FDP dazu?

„Alibi-Liberale“ für die Medien

Leutheusser-Schnarrenberger gehört in letzter Zeit zu den am häufigsten eingeladenen „FDP-Politikern“ in Talkshows. Auch Gerhard Baum ist ständig präsent, ob bei Markus Lanz, „hart aber fair“ oder anderen. Dabei haben diese Ehemaligen mit ihren Positionen von vorgestern schon seit vielen, vielen Jahren keinerlei Funktion und Einfluss in der FDP. Sie werden jedoch gerne eingeladen, weil sie linke Positionen vertreten, die sich nicht von denen der Grünen unterscheiden. So wie (früher) der linke Attac-Anhänger Heiner Geißler gerne als CDU-Vertreter eingeladen wurde oder auch der Kapitalismuskritiker Norbert Blüm (CDU) ein hofierter Talkshowgast ist. Für die Medien eine wunderbare Sache: Wenn man sie kritisiert, weil ihr Lieblingsgast früher Gregor Gysi war und heute Sahra Wagenknecht, dann können sie kontern, sie hätten ja auch FDP- und CDU-Leute eingeladen. Hauptsache links, da ist es egal, welcher Partei sie angehören.

… und die FDP?!

Dass die Medien am liebsten Baum, Leutheusser-Schnarrenberger und Kubicki einladen, das kann die FDP nicht ändern. Es ist jedoch zu einseitig, nur den Medien Vorwürfe zu machen. Hätte die FDP mehr meinungsfreudige Politiker mit Ecken und Kanten, dann hätten diese auch eine Chance eingeladen zu werden. Aber wo sind diese Politiker? Kubicki vielleicht? Aber der vertritt ebenfalls in vielen Fragen Außenseitermeinungen in der FDP – wie zuletzt seine Äußerungen zu Putin oder zur Unterstützung der SPD-Ideen zum „Grundeinkommen“ zeigen. Lindner stellte selbst neulich fest, dass Kubicki eher für sich selbst spreche als für die FDP.

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Die FDP hat wieder Zustimmung gewonnen bei den Wahlen, aber nicht mit linken Parolen à la Leutheusser-Schnarrenberger oder Gerhard Baum. Viele liberale Wähler haben FDP gewählt, weil sie mit Merkel unzufrieden sind, aber ihre Stimme der AfD nicht geben wollten. Diese Wähler wurden vor der Wahl gezielt umworben. War da nicht Christian Lindner, der Merkels Einwanderungspolitik so scharf kritisierte, dass er vorübergehend in Umfragen bei AfD-Wählern (!) sogar beliebter war als Alexander Gauland? War da nicht die (längst vergessene) Forderung der FDP nach einem Untersuchungsausschuss zur Grenzöffnung durch Merkel 2015? Wer vertritt heute offensiv für die FDP diese Positionen, die im Wahlkampf noch eine große Rolle spielten?

Die FDP hat schon einmal ihre Glaubwürdigkeit verspielt, indem sie in einer Regierung nicht gehalten hat, wofür sie vor den Wahlen stand. Man kann die Glaubwürdigkeit aber auch in der Opposition verlieren, wenn die Themen, die vor den Wahlen eine zentrale Rolle spielten, auf einmal durch ganz andere ausgetauscht werden. Die letzten großen Schlagzeilen gab es für die Forderung der FDP nach Cannabis-Freigabe und für ein flammendes Plädoyer Lindners für mehr „Frauenförderung“ in der FDP. Doch wer für Cannabis-Freigabe und „Frauenförderung“ ist, kann auch die Grünen wählen.

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Kommentare ( 64 )

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Es steht zu vermuten, dass die FDP die nächsten Wahlen nicht überleben wird. Wenn ihre Repräsentanten außerstande sind, für klassische liberale Inhalte aufrichtig zu kämpfen, wird die Partei obsolet…….zu Recht, wie ich meine. Ein ausgesprochen tragischer Umstand.

Diese „Repräsentatnten“ haben sich ausschließlich wegen der zu erwartenden Bundestags-Pfründe und -Pensionen wählen lassen. Die machen keine Politik, die sitzen sich das Gesäß breit im Bundestag, bis dass die steuerzahleralimentierte Pension sie ereilt.

Wenn sie mal wenigsten analog zur höhe Ihrer Bezüge dort regelmäßig anwesend wären.

Leutheusser-Schnarrenberger hat ja immerhin darauf hingewiesen (wenn auch ganz schnell, in einem kleinen Nebensatz) dass die Gesellschaft zwar auch geschützt werden müsse, aber…..! Das war doch sehr nett von ihr! In ihren Augen ist der Täterschutz wichtiger als der Opferschutz, das hat man deutlich heraushören können! Mit dieser Denke ist sie unter den Polit-Juristen leider nicht die allein!

Moin moin,
Ich lege meine alte LP auf: Der besserverdienenden FangDenPosten – Partei und ihrem Personal traue ich nicht einmal von der Tapete bis zur Wand (Niebel, Rösler, Bahr, Atomausstieg-Plaudertasche – Brüderle, EU-Sylvana, …)

Auf den Punkt gebracht. 1000mal Daumen nach oben!!!!!

Lieber Fiete, Bahr war von der SPD, nicht von der FDP. Und was die „Besserverdienenden-Partei“ betrifft: Strengen Sie sich einfach mehr an, dann dürfen Sie auch so eine Partei wählen.

Quatsch
Bahrain war natürlich von der FDP
Vorschlag :erst informiert dann klugscheissern

Bahrain ist ein Staat, Klug*******.

es gab zwei: Sicherheits-Bahr = SPD ( 70-er-Jahre )
Gesundheits-Bahr = FDP ( letzte Regierungsbeteiligung FDP )

Und nun zum etwas gebildeteren und höflicheren Robert: Stimmt. Den hatte ich schon ganz vergessen.😱😱😱

Der Herr mit dem frittierten Schädel ist schlicht eine Medienhure. Es gibt Leute, die bei ihm in der Sendung waren, denen erzählte der feine Herr, dass er in vielen Bereichen eine andere „private“ Meinung hätte……… Guido Reil erwähnte das mal.

Schon in den Siebzigern waren das nur „Waagsch…ßer

schon in den siebzigern waren das nur „Waagscheißer“

Sehr geehrter Herr Zitelmann, wo sind die Leute wie Dr. Erich Mende in der F.D.P.? wo die Nationalliberalen? wo Leute wie Otto Graf Lambsdorf, die sich mit Wirtschaft auskannten, die wußten, daß im Industrieland Deutschland erst produktiv gearbeitet werden muß, um dann etwas zum Verteilen zu haben.? Heute nur Wendehälse wie Lindner und Kubicki, die nur ihre Schau in den üblichen Talk shows abziehen- im BT aber keine Opposition gegen das Merkelregime machen. Schade, die F.D.P. macht sich / ist überflüssig, die AfD wird immer wichtiger. Gruß PD.

…. wo sind die Leute wie Otto Graf Lambsdorf???
Lesen sie sich in die Personen Lambsdorf, Möllemann, Bangemann, Genscher nur oberfächig etwas ein, dann hoffen sie das sie hinter schwedischen Gardinen gesessen hätten, inkl. seinem „Neffen“.

Herr TOM, der Münchner hat von Dr. Mende und Graf Lambsdorff gesprochen. Nicht von Möllemann und Genscher. Und hat vollkommen recht mit seiner Beurteilung. Mir fällt kein einziger Politiker ein, der auch nur annähernd so viel Ahnung von Wirtschaft hat wie dereinst Otto Graf Lambsdorff. Eine Ausnahme gibt es vielleicht: Hermann Otto Solms. Aber der steht, wenn ich es richtig sehe, so ziemlich allein im FDP-Wald. Leider.

Ja, Lambsdorff (der Verstorbene, nicht der noch Lebende) und Solms sind in der Tat auch aus meiner Sicht die besten FDP-Politiker – mit einem klaren marktwirtschaftlichen Koordinatensystem das exakte Gegenteil zu Kubicki.

Tja, Uralt-Lavendel im Parfüm betäubt halt die Sinne. Da werden halt Raubritter schon mal zu Minnesängern. Sei’s drum – money makes the world go round, sagte sich so mancher der Strategen. War da nicht u.a. mal was mit einem Herrn Bangemann und Europa usw. usf.?

Es ist wie mit der Islam-Debatte. Das Land hängt dem Realismus um ca. 20 Jahre hinterher und blendet konsequent aus, dass sich seine Architektonik dramatisch verschoben hat. So wird man sich wohl auch erst – wenn überhaupt – in irgendeiner Retrospektive fragen, wie man selbst in der Post-BRD-Epoche, den immer gleichen, inkompetenten und in ihren Denkschablonen gefangenen Schwätzerinnen und Schwätzer, eine derart große Bühne bieten konnte. Die Antwort findet sich, denke ich, im 2. Satz oben.

Leutheusser-Schnarrenberger und Baum haben schon vor Jahren die FDP in die Bedeutungslosigkeit geführt, unter anderem auch wegen ihrer weltfremden linken Politik.
Kubicki ist ebenfalls stramm auf dem Weg nach links und dabei die liberalen Wähler der Partei zu enttäuschen.

K. ist für mich ein eitler Fatzke weiter nichts.

Jährlich wird die Anzahl der Gäste in den großen 4 öffentlich-rechtlichen
Talkshows aufgelistet…welche Partei stellt wieviele Vertreter und wen.
Machen sie das mal Stand jetzt 04/2018 und sie werden sehen,
welches Ungleichgewicht herrscht.
Nehmen sie noch Lanz dazu, geräte das Ganze völlig ausser Kontrolle.
Ein eindeutiger Wegweiser für die erwünschte Meinung im
öffentlich-rechtlichen TV.
Das die FDP auf den Rängen nun mehr und mehr nach vorne rückt ist
eigentlich ganz einfach zu erklären:

Promotion für den nächsten Mehrheitsbeschaffer, wenn es für Schwarz-Rot
alleine nicht mehr reicht bei den anstehenden Wahlen in Ländern und Bund.