Bei Lanz punktete Hamed Abdel-Samad

Das Ergebnis hatte Markus Lanz nicht geplant. Hamed Abdel-Samad erklärte den Deutschen ihre nicht gemachten Hausaufgaben.

Screenshot: Youtube

Ulrich Kienzle (Sie erinnern sich? „Noch Fragen, Kienzle? Ja, Hauser!„) führte es jedem vor Augen und Ohren, dem es noch nicht aufgefallen ist. Die Identität von „Linken“ und „Linksliberalen“ besteht immer öfter nicht mehr in einem eigenen Standpunkt, den es zu beschreiben und begründen gilt, sondern in der Ersatz-Identität „Abgrenzung“ von der AfD oder einfach von „Rechts“. Da gilt Begründung als nicht notwendig.

Bei Markus Lanz, höflich formuliert: keinem politischen Profi, war Kienzle zwar, wie er mehrfach betonte, mit Hamed Abdel-Samad einer Meinung. Sogar bis hin zur unmissverständlichen These, dass der Islam höchstens in Teilen reformierbar sei. Aber in seiner Gesamtheit nicht davon abginge, dass Frieden in der Welt erst dann herrschen könne, nachdem durch Gewalt und Töten der Islam über die ganze Welt herrsche. Doch dann formulierte Kienzle zwei höchst denkwürdige Abgrenzungen.

Der Islamkritiker aus dem ägyptischen Imam-Haushalt hätte seine Mohammed-Kritik doch nicht mit dem Säbel oder dem Vorschlaghammer vortragen müssen, sondern mit dem Florett. Dieses Florett stand Kienzle nicht zur Verfügung, als er Abdel-Samad vorwarf, er hätte seine Ansichten über den Islam nicht bei der AfD vortragen dürfen.

Er sei in letzter Zeit oft in den U.S., erzählte Hamed Abdel-Samad. Dort dürfe er selbstverständlich überall reden, wo er wolle: „In Amerika werde ich daran gemessen, WAS ich sage, nicht WO.“ Na, da hatte Kienzle das verlangte Florett, touché. Wie andere weiß er nicht, dass Florett die gefährlichere Waffe ist als Säbel, wenn der Stich sitzt. Der Zuschauerapplaus gehörte Abdel-Samad.

Mit bei Lanz saß Nikeata Thompson, Choreografin und Tänzerin, die als Andersfarbige in ihrer Schule in Wermelskirchen fünf Jahre Mobbing ertrug, bis sie diesem als 14-Jährige ein Ende setzte. Lanz fragt wie? Die ansteckend fröhliche Lady antwortete trocken und mit gewinnendem Lächeln, ich habe zugeschlagen, habe mir einen geschnappt. Näheres wollte Lanz nicht wissen. Und auch sonst fragte keiner. Aber offensichtlich gibt es die Welt und den Schulhof weiterhin, die ich kenne. Auch im vordergründig abgerüsteten Deutschland.

Vor Lanz hatte ich mir Illner angeschaut, weil ich nicht sicher war, ob Stephan Paetow dazu kommt. Tat er aber und berichtete hier heute früh. Mein Blick auf die Illner-Runde gestern ist einfach der: Jene Zuschauer, die ausgeharrt haben, sahen und hörten Parteipolitiker, für die kein Thema so ernst sein kann, dass sie sich nicht darin erschöpften, die Schuld für alles jeweils anderen Parteien zuzuschieben. Die ganze Veranstaltung das Gegenteil von Vertrauensbildung.

Lanz war im Ergebnis erhellend, Illner verdunkelnd.

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Kommentare ( 94 )

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94 Kommentare auf "Bei Lanz punktete Hamed Abdel-Samad"

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Nun bei einer Behauptung ist da ja etwas: Die Behauptung, die These.

Wissenschaft will eben den überprüfbaren Vorgang des Beweises das als Ergebnis haben kann: Das Behauptete stimmt oder das Behauptete stimmt nicht. Das (wissenschaftliche) ist nebenbei juristisch sehr eng formuliert. Darüberhinaus gibt es keine endgültigen wissenschaftlichen Erkenntnisse. Ein Theorem (Lehrsatz) wird durch ein richtigeres ersetzt, sobald bewiesen (!) ist, dass es überholt ist.

Wohlan…

Naja, ich will ja niemandem den Glauben nehmen, aber ich habe gehört es gibt auch den Weihnachtsmann und den Osterhasen nicht.

Habs leider nicht gesehen (schaue Lanz generell nicht; Spack). Aber das im Artikel angesprochene Problem, daß es nicht mehr darauf ankommt was man sagt, sondern wer es vor oder zu wem sagt, ist ein Grundproblem unserer Gesellschaft, das von der Presse (MSM, ÖR) noch verschärft wird, weil die ideologisch nur in Gut und Böse (Schwarz und Weiss) einordnet. Sonst funktioniert das mit dem Stigmatisieren nicht mehr (z.B. AfD, deren Forderungen die Blockparteien klandestin, inkrementell übernehmen). Daß jemand, der sonst problematische Dinge äussert eine gute, diskussionswürdige Idee haben könnte, oder jemand, der sonst gute Ideen hat auch mal vollständig daneben liegen… Mehr
Danke an Hamed Abdel-Samad. Er brachte es genau auf den Punkt. Mir fehlt jedoch der Glaube, dass sich die Parteien davon beeindrucken lassen. Er erklärte nnachvollziehbar, wie Moslems sich zum Grundgesetzt und unseren Gesetzen insgesammt stellen, wenn sie zu uns kommen. Das war sehr einfach und verständlich, so dass selbst der roteste Genosse oder grüne, Verklärte es verstehen kann. Ob es hilft ist die zweite Frage. Ich behaupte NEIN. Solche Sachverständeigen werden in der Politik nicht gern gehört. Hoffentlich lässt er sich seine Meinung nicht nehmen. Herr Tippy hat sich bereits zurück gezogen, was sehr Schade ist. Unsere Politik verträgt… Mehr

Sie schildern einen Kriegszustand. Noch dazu einen, in dem der Angegriffene über keinerlei Mittel der Gegenwehr verfügt.
Stimme Ihnen umfänglich zu. Wer kann, wird abhauen, die anderen können sich warm anziehen.

Eine Heuchelei, die den „Steigbügelhaltern“ in ihrer Selbstgerechtigkeit gar nicht mehr auffällt – im Grunde ist dies für rhetorische Florettfechter eine gute Zeit.
Ich selber kann das nicht so gut, benutze fallweise lieber „Skalpell“ oder „Keule“. Aber eines weiß ich ganz genau: ich werde mich nicht
z w i s c h e n Özoguz-SPD und Doppelpass-CDU entscheiden – sondern dagegen.

Nein. Im Gegenteil. Wir sollten uns darüber im klaren sein, wo wir leben. Und das ist nicht mehr die BRD.

Nähe zur „AFD“! Kann es etwas schlimmeres geben im demokratischstem Land der gesamten Erde?
Selbst Herrn Abdel Samad bekommen die noch klein.

„Alle unsere alternativlosen Parteien sind fehlerlos. Wenn diese alle eine ganz ganz grosse Koalition bilden und sich auf ihre eigenen Stärken und nicht auf die Fehler der anderen konzentrieren, dann haben wir von allem das beste und insgesamt das allerallerbeste.“

Ach, tun sie das nicht längst? Ich meine natürlich das mit der „ganz ganz großen Koalition“, nicht das Besinnen auf eigene Stärken (welche eigentlich?).

Die CDU natürlich. Wer beim ZDF ein Lied für die CDU singt, bekommt ein paar Münzen in den Klimperkasten.