Hinein in den Höllenschlund – Dresden im Februar 1945

Für sein Buch über die Bombardierung Dresdens hat Sinclair McKay zahlreiche Augenzeugenberichte aus dem Dresdner Stadtarchiv herangezogen. Die Schilderungen unbekannter wie berühmter Zeitzeugen (darunter Victor Klemperer und Kurt Vonnegut) sind ebenso berührend wie erschütternd

Matthias Rietschel/Getty Images

Ihr Klang besaß eine industrielle Konnotation, er verhieß eine Dringlichkeit, aber auch Zweckmäßigkeit – im Gegensatz zu den Sirenen in England, deren hohe Tonlage schwach außerweltlich erschien wie der Schrei einer Banshee in der Dunkelheit, ertönten die Fliegeralarme in Deutschland eine Oktave niedriger. Sie hoben an und nahmen wieder ab, wie alle Sirenen, aber sie klangen eher wie eine Warnung oder gar die Werkssirene bei Schichtende: Sachlich, kein Grund zur Panik, jeder begebe sich ganz ruhig zum Ausgang. In ganz Dresden waren Sirenen auf Dächern und Mauern installiert, und im Februar 1945 hatte für viele Menschen ihr Geheul an Gefährlichkeit eingebüßt, hatten sie doch Nacht für Nacht mit den Fehlalarmen ihre ursprünglich furchteinflößende Wirkung verloren. Am 13. Februar 1945 um 21 Uhr 40 wurde erneute Fliegeralarm ausgerufen, und als sein Dröhnen von den engen Straßen der hohen Wohnblöcke widerhallte und die Luft der breiteren Alleen und der wohlhabenderen Vorstadtstraßen schwängerte, machten sich viele Einwohner nur noch resigniert auf den Weg in die Luftschutzkeller, auch wenn der Moderator sogar das laufende Radioprogramm unterbracht und den Zuhörern verkündete, dass eine Staffel feindlicher Flugzeuge entdeckt worden war, die auf die Stadt zuhielt.

Albert Fromme war immer noch auf einer Geburtstagsfeier, als das kehlige Heulen des Fliegeralarms ohne Voralarm einsetzte. Einer der Gäste schaltet das Radio ein, um zu hören, ob man sich ernsthaft Sorgen machen müsse. »Ich spürte sofort, dass etwas Bedeutendes vor sich ging«, schrieb Dr. Fromme später. Im Radio wurde angekündigt, dass sich tatsächlich Bomber auf dem Weg nach Dresden befanden. Die Feier löste sich umgehend auf, seine Nachbarn und er sammelten ihre »Luftangriff-Ausrüstung« ein und gingen hinunter in den Schutzraum im Keller.

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Solch gelehrsame Besonnenheit war Erwachsenen vorbehalten, aber bei kleineren Kindern war daran nicht zu denken. Georg Frank, der den Tag in seinem bunten Clownskostüm [der 13. Februar 1945 war Faschingsdienstag – Anm. d. Red.] verbracht hatte, lag in seinem Bett; seine Mutter hatte für seinen Vater das Abendessen zubereitet. Frank Senior hatte die Versammlung des Volkssturms hinter sich gebracht und lauschte nun, ebenso wie der verwirrt aus dem Schlaf hochgeschreckte Junge, dem Radio, aus dem mit allem Nachdruck der Befehl ertönte: »Achtung, Achtung! Starke anglo-amerikanische Bomberverbände im Anflug auf Dresden! Entfernung circa zwanzig Kilometer! Suchen Sie die Luftschutzräume auf!«

Frank konnte sich später nicht mehr daran erinnern, ob seine Mutter ihn noch im Halbschlaf aus dem Bett geholt hatte. »War es nur der Schreck, so plötzlich aus dem Schlaf gerissen zu werden, weshalb ich weinen musste?« Und mit dem Schreck kamen die Sirenen, die für den kleinen Jungen »scheußlich« klangen. In eine Decke gehüllt trug ihn seine Mutter eilig aus der Wohnung.

Ihr Luftschutzraum lag im Keller; ein langer Ziegelsteinkorridor mit kleinen Parzellen, die von ihm abgingen. Auf dem Weg hinunter registrierte er bewusst die »schwache Treppenhausbeleuchtung« und die absolute Dunkelheit vor dem Treppenhausfenster. Sein Vater hatte ein paar Wertsachen aus Familienbestand mitgebracht, und jetzt nahmen sie in der gewölbeartigen Parzelle an ihrem einfachen Tisch auf selbst gezimmerten Stühlen Platz, während sein Vater ihre kleinen Habseligkeiten in einer Ecke verstaute. Etwas Proviant, den sie mitgebracht hatten, wurde auf den Tisch gelegt. (…)

Einige Keller fielen bequemer als andere aus. Helmut Voigt verließ zusammen mit seiner Mutter und seinem älteren Cousin Roland ihren Wohnblock südlich des Bahnhofs und machte sich auf den Weg zum Eingang eines Lagerkellers, der sich unter einer regionalen Brauerei befand. Dieser moderne Luftschutzkeller – Treppen aus Beton, nackte Glühbirnen und kahle Wände – lag mehrere Geschosse unter der Erde. Voigt schätzte, dass er für etwas hundert Personen ausreichend Platz bot. Aber als in dieser Nacht die Sirenen aufheulten, bemerkte der Jugendliche mit einigem Unbehagen, dass es dieses Mal anders war: Der Keller füllte sich nicht nur mit vertrauten Nachbarn, sondern auch mit einer Flut von Fremden, die nicht abzureißen schien.

»Viele Menschen strömten herein, die ich noch nie dort gesehen hatte«, erinnerte er sich später. »Einige von ihnen waren die Fahrgäste einer Straßenbahn der Linie 6, andere waren Flüchtlinge, die plötzlich begriffen hatten, in welcher Gefahr sie sich befanden, weshalb sie sich anderen Dresdnern anschlossen und ihnen in die Luftschutzkeller folgten.« Mit jedem weiteren Neuankömmling, der die Treppe hinunterkam, verschob sich das Gefühl für den Raum spürbar. War der Keller ansonsten recht geräumig, waren nun alle Plätze besetzt; wer jetzt noch hier Schutz suchte, musste stehen. Es gab auch einen Vorraum und einen kurzen Korridor, aber auch hier drängelten sich mittlerweile die Menschen.

In all dem Trubel wusste niemand von denjenigen, die die Luftschutzkeller aufsuchten – Tausende von Menschen die sich so geordnet wie möglich verhielten -, wie viel Zeit ihnen blieb, bevor die ersten Bomben fallen würden. Die Sirenen und die Radiodurchsagen kündeten von einer Katastrophe, die kurz bevorstand, aber was bedeutete das genau? Sekunden? Eine Stunde? Viele Menschen versuchten, durch den unaufhörlichen Heulton der Sirenen hindurch das herannahende Gebrumm der Flugzeuge auszumachen. Tatsächlich gab es im Herzen der Altstadt viele Passanten, die mit zum Himmel erhobenen Blick noch immer in den engen Gassen unterwegs waren und das Gebrüll der Bereitschaftspolizei ignorierten. (…)

Die Distanz, die sich zwischen der kleinen Welt unten und den gepflasterten Gassen darüber auftat, war groß. Abgesehen von der ständigen Klage der tiefkehligen Sirenen war es auf der Straße, die zum reich verzierten Eingang des Zwingergartens führte und schließlich weiter zum heiteren klassizistischen Bau der Semperoper, nun ruhig geworden. Die letzten Nachzügler hetzten auf der Suche nach weniger gesicherten Luftschutzkellern vorbei an der Katholischen Hofkirche und die Freitreppe hinauf zur Promenade der Brühlschen Terrasse mit ihren Balustraden. Entlang dieser Terrasse ragten die eleganten Fassaden der Kunstakademie und des Albertinums auf, in dem die Stadtverwaltung ihren Sitz hatte. Das Albertinum verfügte über einen eigenen, großzügigen Keller, in den nun von der Straßenseite her Beamte und Zivilisten strömten, die sich zu weit entfernt von ihren üblichen Luftschutzkellern aufhielten.

Und nur wenige Meter davon entfernt lagen einige Judenhäuser. Nach einem qualvollen Tag, an dem Victor Klemperer seinen jüdischen Mitbürgern die »Evakuation für alle Einsatzfähigen« ausgehändigt hatte, trank er mit seiner Frau gerade einen Kaffee, als die Sirenen ertönten. Eine Nachbarin rief voll Bitterkeit aus, dass sie hoffte, die Bomber würden kommen, auf dass sie alles »zerschmissen«. Offensichtlich lag jeder andere Ausweg außerhalb ihrer Vorstellungskraft, und Klemperer schien von dem bitteren Nihilismus nicht im Mindesten schockiert.

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Es gab einen separaten »Judenkeller«, da den Juden nicht erlaubt war, mit »Ariern« Schutz zu suchen. Wie viele andere Keller in diesem Teil der Altstadt zeigte das Ziegelmauerwerk an den Wänden erste Risse; außerdem lag der Keller im Souterrain, mit Fenster zum Gehweg hin. Wie andere Keller in den benachbarten Straßen war auch hier die Einrichtung rudimentär: Stühle, Wassereimer, Decken. Klemperer, seine Frau und all die anderen, die in dem alten Fachwerkhaus wohnten, machten sich auf den Weg die Treppe hinunter. Dort unten gab es angesichts solcher Umstände wenig, was man tun konnte, außer still dazusitzen. (…)

Etwas nördlicher, wo die Schienen die Elbe überquerten und in den bescheideneren Bahnhof Neustadt führten, drängten sich unzählige Flüchtlinge, die auf Anweisungen warteten. Winfried Bielss und sein Freund Horst hielten sich ein paar Straßen weiter auf und waren noch für die Hitlerjugend unterwegs; gerade erst hatten sie eine Flüchtlingsfamilie zu einer provisorischen Unterkunft in einem requirierten Schulgebäude gebracht. Als die Sirenen losheulten, waren sie noch ziemlich weit von ihren Elternhäusern entfernt gewesen. Nun mussten sie sich sehr schnell entscheiden, wie sie vorgehen wollten.

In der Katharinenstraße, unter den eleganten Villen und Bürgerhäusern aus dem 19. Jahrhundert, fanden sie einen Luftschutzkeller; es war kaum mehr als ein einfacher Kellerraum, noch dazu unbequem und verständlicherweise überfüllt. Ungewöhnlicher war da schon, dass den Jungen gesagt wurde, sie könnten wegen Platzmangel nicht bleiben und müssten sich woanders umsehen. Sekunden später fanden sich Winfried und Horst auf der Straße wieder, inmitten des infernalischen Lärms der Sirenen.

Was tun? Sollten sie zum Bahnhof Neustadt zurück? Winfried zögerte, da war auch kein Platz mehr. Horst schlug vor, über die Brücke und durch die Gassen der Altstadt zum Haus seiner Familie in der Nähe der Kreuzkirche zu rennen, aber das bedeutete rund zwei Kilometer zu laufen, und Winfried glaubte nicht, dass die Zeit dafür noch reichte.

Während die Jungen unter dem schwarzen Nachthimmel beratschlagten, wurden sie von zwei Polizisten, die es sehr eilig hatten, aufgegriffen und zu einem anderen Luftschutzkeller gebracht. Draußen im Freien sei es viel zu gefährlich für sie, sagte einer der Beamten zu ihnen. (…) Aber Bielss versicherte ganz ungerührt, dass sich sein Zuhause nur eine Straße weiter befände und er fast da wäre. Davon war natürlich kein Wort war, aber die Polizisten gaben sich zufrieden und suchten selbst eilends den nächsten Luftschutzkeller auf. »Ich wollte einfach nur durch die ruhig daliegenden Viertel nach Hause gehen«, erinnerte sich Winfried Bielss später. (…)

Sie passierten nun einen kleinen Park, der dunkler als die Straße war und in dem die Jungen mutterseelenallein waren. Sie befanden sich auf der Alaunstraße, die unweit der Mitte des Knicks, den die Elbe in Dresden macht, in Richtung Norden sanft bergauf führt. Von hier aus konnten sie die Silhouette der Altstadt und die Wolken darüber sehen, und jetzt nahmen sie zum ersten Mal auch das Brummen bewusst wahr. »Die Propellergeräusche waren jetzt schon zu hören«, erinnert sich Bielss. (…)

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Als Winfried und Horst die breitere Allee der Jägerstraße erreichten, wurde das Dröhnen noch lauter, der tiefere Tonfall schwang noch stärker mit, sodass die beiden Jungs an Tempo zulegten. Dieses Geräusch stand unmittelbar für ein drohendes Unheil, es setzte geradezu Urängste frei. Die Jungen bogen in die Zittauer Straße ab, die etwas näher am Fluss lag, und hier bekamen sie ein Gefühl dafür, was auf Dresden zukam: unzählige Bomber, Tausende von Metern hoch fliegend, fast unsichtbar gegen die Dunkelheit; das immer lauter werdende Dröhnen, jetzt mit einem unerbittlichen und aggressiven Einschlag. Die Jungen blickten zum Horizont und sahen, wie zwei leuchtend rote Kugeln vom Himmel fielen, die über dem Stadion Ostragehege niedergingen. Die grüne und silberne Leuchtmunition bildete mit den roten Zielmarkierungen die faszinierenden »Christbäume«, die von den Führungsmaschinen, den Mosquitos, abgeworfen wurden, um das Zielgebiet für die nachfolgenden Bomber zu markieren.

»Jetzt rannten wir los«, erinnert sich Winfried Bielss. Die Jungen waren nicht mehr weit von seinem Haus entfernt. Beide zeigten sich augenblicklich fasziniert und entsetzt zugleich von der Art und Weise, wie der Himmel und die Stadt immer heller erleuchtet wurden. Aus den schwarzen Wolken und der Dunkelheit regnete es nun unzählige »Christbäume« hinab; das zu bombardierende Gebiet lag weit verstreut und erstreckte sich von der Altstadt bis zur Johannstadt. Bielss weiß noch von weiterer Leuchtmunition in verschiedenen Farben, darunter leuchtendes Blau, intensives Grün und sogar ein sehr helles Orange, das die Wolken über Dresden in ein kränkliches Gelb tauchte. Von diesem Aussichtspunkt, von dieser sanften Erhebung aus mag die Verlockung groß gewesen sein, stehen zu bleiben und dem Spektakel zuzuschauen, wenigstens für ein paar Sekunden. Aber die Jungen hatten nun endlich verstanden, vielleicht war die Erkenntnis durch die immer lauter werdende Kakofonie der herannahenden Bomber gereift, dass sie rennen mussten, sich im Laufschritt in Sicherheit bringen mussten.

Gekürzter Auszug aus:
Sinclair McKay, Die Nacht, als das Feuer kam. Dresden 1945. Aus dem Englischen übersetzt von René Stein. Goldmann Verlag, 560 Seiten mit Bildteil, 22,00 €.


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Kommentare ( 53 )

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53 Kommentare auf "Hinein in den Höllenschlund – Dresden im Februar 1945"

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Die historischen Fakten: Bereits seit Anfang der 1930er wurde die Royal Air Force nach den Doktrinen Giulio Douhets und Hugh Trenchards („Der Bomber kommt immer durch.“) massenweise mit leistungsfähigen Langstreckenbombern aufgerüstet, die denen der dt. Luftwaffe in Reichweite und Traglast weit überlegen waren. Die Pläne zur strategischen Bombardierung des Ruhrgebietes bestanden bereits seit dem 1. Weltkrieg. Mit dem Amtsantritt Churchills am 10.Mai 1940 erfolgte der Befehl zu den Flächenbombardements auf das Rhein-Ruhrgebiet, das fortan Nacht für Nacht angegriffen wurde. Von Mai 1940 bis zum Winter 1940/41 wurden wiederholt bombardiert: Oberhausen, Castrop-Rauxel, Wanne-Eickel, Dortmund, Gelsenkirchen, Bottrop, Hamm, Soest, Schwerte, Osnabrück, Münster,… Mehr
On 10 March Sir Charles Portal told Churchill that he had ordered heavy attacks on Sofia and other Bulgarian cities as soon as possible. [TNA, PREM 3/79/1, Portal to Churchill, 10 Mar 1944.] Ähnliche Meldungen gingen praktisch allen RAF-Großangriffen während des Kriegs voraus. Ich möchte bei dieser Gelegenheit darauf hinweisen, dass dieser Portal (Feldmarschall und Oberbefehlshaber der RAF) neben Churchill die treibende Kraft hinter allen Bombnenangriffen war. Die meisten Deutschen kennen weder Portals Namen noch seine Funktion. Ein weiterer hochrangiger Gangster war Friedrich Lindemann, ein naturalisierter Limey, der als wissenschaftlicher Berater Churchills mitverantwortlich für alle Schweinereien war, die die beiden… Mehr
„…bleibt das Bomben eine relativ humane Kriegsführung“. Das hat „Harris Bomber“ in seinen Memoiren geschrieben. Wenn 30-40 Tausend (oder wahrscheinlich mindestens das Doppelte) Tote Zivilisten auf einmal in nur einer Stadt rechtfertig die Absicht um „Moral des Feindes zu brechen“, dann der Westen hat sich vom Mittelalter nicht weit entfernt. Der Bomber Harris war ein Sadist, der endlich eine Rechtfertigung fand sein Gigantosadismus auszuleben und zu genießen. Abgesehen von Deutschland hat er z.B. Palermo in Schütt und Asche gelegt, obwohl bekannt war, dass es sich im Umkreis von 50 km der Stadt keine Militäreinheiten befanden. So werden die Monster der… Mehr
Kenne keinen einen Philosophen der liberale Demokraten für „ totale Kriege“ verantwortlich macht. Den totalen Krieg hat ein Österreicher ausgerufen. Wichtig ist, wie konnte es dazu kommen? Das Ergebnis braucht keine Diskussion . Wie konnte es dazu kommen? Wir haben auch einen Verursacher, einen Politiker der sich den „Führer“ nannte. Sollen wir deshalb alle Politiker abschaffen? Oder konzentrieren wir uns darauf wie es dazu kommen konnte! Welche Mechanismen hat er eingesetzt um ein ganzes Volk in eine moralische, ethische und humanitäre Sackgasse zu Peitschen? Es sind nicht die Worte die mich auf die Palme treiben es sind die Mechanismen die… Mehr

Sokrates sagte es, mit ihm Platon.

Des weiteren Kant, Mencken und Nietzsche, wenn auch nur indirekt. Und Hans-Hermann Hoppe wurde in seinem „Democracy – The God That Failed“ sehr deutlich bei diesem Thema.

Ich bin gerade ziemlich erschüttert, nachdem ich in der britischen Presse (Dailymail) die die Kommentare zum Gedenken an Bombardierung Dresdens gelesen habe. Die Topkommentatoren dort finden, dass das ‚bombing‘ gerechtfertigt war, weil die Deutschen ja den Krieg angefangen haben, die Deutschen mehr Leute umgebracht haben als die Alliierten und englische Städte schließlich auch bombardiert worden sind. Kann man Tote wirklich derart gegeneinander aufrechnen? Ein-und Ausgaben lassen sich gegeneinander aufrechnen, ja, aber ich halte es für verherrend das gleiche Prinzip auf Menschenleben zu übertragen. (Wenn man schon Tote gegeneinander aufrechnet, dann sollten nicht unerwähnt bleiben das Deutschland neben der Sowjetunion die… Mehr

Das mit dem totalen Krieg war aber jemand anderes. Da bringen Sie was durcheinander.

Statt einer langen Antwort gebe ich Ihnen eine Buchempfehlung auf den Weg:

Pat Buchanan’s „Churchill, Hitler, and The Unnecessary War: How Britain Lost Its Empire and the West Lost the World“

Der „totale Krieg“ ging in diesem Fall aber nicht von den liberalen Demokratien aus, sondern von Hitler-Deutschland. Das relativiert natürlich nicht die (eben auch) verbrecherische Kriegsführung der Alliierten. Geschichtsklitterung oder Revisionismus sind hier jedenfalls sicherlich fehl am Platze!

Herr Gausmann, das ist genau das, was man uns glauben macht, und zwar durch wiederkehrende einseitige Information, d.h. Auslassung der meisten Dinge, die man ins Schwarzbuch der Alliierten schreiben muss. Mit Churchills Regierungsantritt am 10.05.1940 setzte am selben Abend der Luftkrieg gegen zivile Ziele ein.
Es wurde von den Briten ja nicht bloß Deutschland bombardiert, auch Burma wurde in dem Krieg großflächig bombardiert. Die Ideen dazu stammen aus dem Ersten Weltkrieg! Gegen 1918 haben die Briten bereits erste Bomber gebaut. Der typische Brite ist eben ein Pragmatiker, und Churchill war ein völlig unmoralischer Kriegsbegeisterer.

Mit „Es war Krieg!“ soll alles erklärt und gerechtfertigt werden, es kann aber nichts entschuldigen. Und wenn ich mir die heutige Zeit und die Ereignisse gerade der letzten Wochen ansehe, bin ich geneigt, meinem im letzten Oktober verstorbenen Freund (und 96-jährigen Ostpreußen) Anton zuzustimmen, daß alle Opfer damals, auf allen Seiten, absolut und vollumfänglich umsonst waren. Nichts gelernt, nichts verstanden. „Aus der Geschichte lernen nur diejenigen, die unter der Erde liegen“ (Arno Surminski). Auch sei an dieser Stelle an die 75. Jahrestage der Städte erinnert, die nach Dresden zerstört wurden. Wie z. B. Pforzheim, das am 23.02.1945 mit 17.000 getöteten… Mehr

Woher wissen Sie das?
(Bevor Sie antworten: mit woher meine ich, von wem. Wer hat ihnen das gesagt? Und welche Dokumente standen bis zur Öffnung der Londoner Archive vor kurzer Zeit dafür zur Verfügung? Falls es Deutsche waren – gab es darüber etwa gesetzlich Vorschriften. Welche und warum? )

Habe etwas gewartet, um dem User nicht vorzugreifen.
Dann will ich Ihnen antworten.
Es liefen sogar ÖR mehrere Teile einer Doku darüber, mit Aussagen von Zeitzeugen und Betroffenen!
Deckt sich mit den Erinnerungen meiner Großeltern!
Interessant in dem Zusammenhang ist, daß sich der Bombenterror gegen die Zivilbevölkerung richtete.
Im „Militärviertel“ (Kasernen, Lazarette, etc.) schlugen gerade mal 5 Bomben (von 2000 to) ein!

Mit ein bisken gutem Willen hätten Sie selbst recherchieren können, sei’s drum:
erschienen 2004, immer noch im Handel erhältlich
Der Brand
Deutschland im Bombenkrieg 1940-1945
von Jörg Friedrich
ISBN 3-548-60432-3

Es war nie anders – auch in Hamburg machte man die Arbeiterviertel dem Erdboden gleich – die vielen Kasernen gibt es noch heute. Ist auch in Danzig nicht anders, obwohl es hier Stalins Bomber waren. Die riesengroße Kasernenanlage in Langfuhr wurde gerade abgerissen und machte einem schönen neuen Wohnviertel Platz. Die anderen Kasernen stehen noch und werden z.T. sinnvoll genutzt.

Nicht ganz richtig Wolodja=Wladimir= Woldemar 😉
Was Sie anführen geschah im Ja. ’45.
Aber bereits im Juli ’42 und Okt. ’43 flogen die Royal Air Force u. US Air Force Angriffe auf Danzig, damals allerdings waren es noch vorwiegend milit. Ziele.

Die Tage und Nächte von Dresden kenne ich von meiner Mutter und ihrer Schwester, die als ehemalige Wetterdiensthelferinnen in der Zeit der Bombardierung dort festsaßen und das ganze Elend leibhaftig mitbekommen haben und dabei überlebten. Was aber garantiert nicht stimmt sind die genannten Opferzahlen zwischen 25 – 35 TSD. Menschen, denn es waren weit mehr und warum diese Zahlen kleiner geschrieben werden ist völlig unverständlich und kann nur dazu dienen, die Greuel der Allierten im Nachhinein kleiner erscheinen zu lassen, weil es auch schon damals dem Völkerrecht entgegenstand und zivile Gegenden nicht mit einem Flächebombardement belegt werden durften und somit… Mehr

Die Bevölkerung Dresdens nahm Anfang 1945 schlagartig von etwa 570.000 auf 370.000 ab: https://de.wikipedia.org/wiki/Dresden#/media/Datei:Einwohnerentwicklung_von_Dresden_-_ab_1871.svg

Das ist eine Differenz von 200.000 Einwohnern. Zu behaupten, man habe alle sterblichen Überreste gefunden und es könne kaum unentdeckte Leichen gegeben haben, halte ich für anmaßend.

Zum Vergleich: Allein nach der Schlacht an der Somme 1916 wurden 70.090 britische und südafrikanische Soldaten nicht mehr gefunden. Davon zeugt das Thiepval Memorial. Und dort gab es keinen Feuersturm.

Lesen sie den Schlussbericht vom März:
„Aufgliederung der Personenschäden nach Geschlechtern mit Rücksicht auf bestehende Schwierigkeiten (Abwanderung großer Teile der Bevölkerung, Überführung eines großen Teils der Verwundeten nach außerhalb, vollkommene Verkohlung bzw, starke Verwesung der Leichen) noch nicht bzw. überhaupt unmöglich,“
Wahrscheinlich haben große Teile der Bevölkerung die zerstörte Stadt auf der Flucht vor der näher rückenden Roten Armee verlassen, zumal es nach den Angriffen 350000 Obdachlose gab.
http://www.cpgg.info/docs/schlussmeldung_dresden1945.htm

Interessanterweise sinken die „offiziellen “ Opferzahlen, je länger das Ereignis zurückliegt. Von Sonderlingen wie diesem weLt-Schreiber Sven Dingsbumms Kellerhoff abgesehen, der geradezu enthusiastisch die These vor sich her trägt, es hätte keine Tieffliegerangriffe auf Flüchtende gegeben. Zwar wurden überall im Reichsgebiet Zivilisten, Frauen, Kinder, Alte mit Bordwaffen beschossen, nicht aber in Dresden.

Im Ablauf des gesamten würde ich Ihnen zustimmen. Bei den Zahlen werfen Sie jedoch etwas zusammen um es dann auch noch zu verdoppeln. Die Erfassung der Toten wurde sehr gewissenhaft gemacht, wie im Übrigen alles im 3. Reich. Die Anzahl der erfassten Toten ist exakt 31.102 (diese Karteien existieren noch!). Diese Toten wurden auf 3 verschiedenen Dokumenten erfasst: 1. Totenliste 2. Kennzettel (von Polizei auszufüllen) 3. Straßenliste Bei den 31.102 stimmen alle Listen überein. Auch unbekannte Tote sind dort erfasst. Sie gehen von 1,2 Millionen aus, was Dresden jedoch nie hatte. Sie vergessen, dass unter Ihren 650Ts Einwohnern, ebenso schon… Mehr

»Bei der Enttrümmerung wurden dann wie vermutet, jedoch NUR 1846 Leichen geborgen.«

Wer je das zertrümmerte Dresden gesehen hat, kann da nur sardonisch lachen…

Ähnliches was sie hier schreiben hatte mein Vater mir erzählt, der damals 14 Jahre alt war. Er erzählte mir sogar von noch mehr Toten.

Scheinbar wird hier von den Historikern das Gedächtnisloch aus dem Roman „1984“ gefüttert. Anders nicht erklärbar.

Warum diese unsägliche Diskussion über Opferzahlen? Macht es wirklich einen Unterschied wieviele Menschen bei diesen Angriffen starben? Reichen 25000 tote Zivilisten nicht um zu trauern, oder geht es um Aufrechnung gegen deutsche Kriegsverbrechen? Wenn sie Historikern nicht glauben dann vielleicht der SS, die im März 1945, also einen Monat nach den Angriffen einen Schlussericht aus Dresden mit Zahlen erhielt. Wenn also nicht 200000 Menschen spurlos verbrannt sind erscheinen mir 25000 Tote realistisch.
http://www.cpgg.info/docs/schlussmeldung_dresden1945.htm

Es spricht nichts dagegen, auch mal die eigenen Links durchzulesen. Zitat: „Mehrere tausend Gefallene noch unter Trümmermassen.“ Es sprich aber einiges gegen Relativierung und Verharmlosung von Kriegsverbrechen – jedenfalls sofern man entsprechend sozialisiert ist.

Ich lese meine Links: ca. 18000 gezählte Tote und „mehrere Tausend unter den Trümmern“
„Die Gesamtzahl der Gefallenen einschl. Ausländer wird auf Grund der bisherigen Erfahrungen und Feststellungen bei der Bergung nunmehr auf etwa 25.000 geschätzt.“
Und ein Kriegsverbrechen bleibt ein Kriegsverbrechen, egal ob 25000 sterben oder 250000, gezielte Angriffe auf Zivilisten sind niemals zu rechtfertigen. Ich sehe da keine Verharmlosung.

Tatsächlich gezählt wurden 31.102. Und KEIN MENSCH weiß, wie viele verschüttet oder vollständig verbrannt wurden. Deshalb wurde jahrzehntelang die Opferzahl auf 35.000 geschätzt – bis dann eine dubiose „Kommission“ damit beauftragt wurde, die Opferzahlen künstlich herunterzurechnen und den Fakt, daß Dresden VOLL mit Flüchtlingen war, kleinredete. Das IST Verharmlosung und an Perfidie nur schwer zu überbieten.

Steinmeier: Ich finde es äußerst geschmacklos, wenn der Steinmeier das Thüringer Chaos in einer Rede zur Dresdner Bombardierung instrumentalisiert. Aber der wird es wohl nicht mehr lernen, wirklich staatsmännische Reden zu halten, weil er durch und durch rot-grüner Ideologe ist.

Meine Mutter hatte einen Tag vor der Bombardierung Dresden verlassen.

Sie war Flüchtling aus Oberschlesien und erfuhr später zu ihren Entsetzen, das eine Bekannte, die weniger Glück hatte, durch das was man damals wohl als Pressluftbombe bezeichnete, durch einen Maschendrahtzaun hindurch buchstäblich zu Brei zerquetscht wurde.

Meine Mutter auch. Sie war aus Ostpreußen. Kind, 8 Jahre alt. Ein seltener Zufall hat ihren Treck Zug nach Meißen und dann nach Leipzig/Halle weitergeleitet.

Auch meine Mutter war am 13.02.1945,
damals 12 Jahre alt, als Flüchtlingskind
aus Oberschlesien, wie der Zufall so spielt, nicht mit den meisten Flüchtlingen in der Innenstadt, sondern ganz nahe bei Dresden bei herzensguten Bauern untergebracht.
Jedes Jahr am 13.02. erzählte sie uns Kindern, dass sie in dieser Nacht von einem kleinen Hügel aus die Christbäume hat fallen sehen und, dass der Himmel über Dresden noch über Tage feuerrot glühte. Diese Bilder und die Bilder des zerbombten Dresden mit den vielen Toten haben sie ihr ganzes Leben lang verfolgt.

Nur damit niemand auf die Idee kommt, das verharmlosende und verlogene Gelabere vom Salonkommunisten Steinmeier ernst zu nehmen:
Into the inferno: Families boiled alive as they hid in water tanks and fleeing survivors trapped in molten tarmac… 75 years on, the most horrifically vivid account you’ll ever read of the Allied bombing of Dresden – by a British PoW who saw it all
https://www.dailymail.co.uk/news/article-7997465/Into-inferno-75-years-horrifically-vivid-account-Allied-bombing-Dresden.html

Beklemmendes Zeugnis eines 93-jährigen, der als englischer Kriegsgefangener im Räumdienst eingesetzt war. Selbst in der fremden Sprache lässt es mich erschaudern, was er erlebte, wie er seine Empfindungen beschreibt. Äußerst wichtiges Zeitdokument eines Miterlebenden, der über den Tellerand hinausblickt, jenseits des Freund-Feind-Schemas. Durch und durch ein menschliches Zeugnis. Danke.

Es folgt dem gleichen Prinzipien, wie heute Opfer von muslimisch-ausländischen Tätern kleingerechnet und geschrieben werden und die wenigen Opfer rechtsextremistischer Gewalt hochgeschrieben und mit nimmerendenden Gedenken bedacht werden. Ein Gedenken der Opfer von islamischer Gewalt findet praktisch nicht statt.