Die neurotische Nation

Im kommenden Jahr begehen wir den 70. Geburtstag der Bundesrepublik. Wer die Zeichen des Wandels zu lesen versteht und sich mit der Geschichte dieser Republik befasst, wird nicht umhinkönnen, sich mit ihren Neurosen zu befassen.

"Grenzen überwinden": Installation von Ottmar Hörl in Wiesbaden und Frankfurt zum Tag der Deutschen Einheit

Ich wurde am 8. Mai geboren, dem Tag der Befreiung (unbestreitbar meiner Mutter), ein knappes Jahr nach Gründung der Bundesrepublik. Ein Kind dieser Bonner Republik. Nicht bloß kalendarisch. Ihre Geschichte ist Teil meiner Biografie.

Der erste Bundespräsident, den ich als junger Journalist kennenlernte, war Gustav Heinemann, der auf die Frage, ob er sein Land liebe, antwortete, er liebe seine Frau. Es gab keinen Skandal. Die Entspanntheit der Bonner Republik kam auch davon, dass es keinen Nationalstaat mehr gab. Wir waren damals alle nur Verfassungspatrioten und hatten nach Berlin bloß Sehnsucht, weil es dort im Westen keine Sperrstunde gab und im Osten billige Schallplatten und gute Theateraufführungen.

Mein erster Kanzler als Bonner Korrespondent war Helmut Schmidt. Jedermann konnte ihm am Rheinufer sonntags beim Spazierengehen begegnen – vor dem deutschen Herbst, dann nicht mehr. In den Stunden der Landshut-Entführung hatte ich Dienst im ARD-Radio-Nachtprogramm. Nachrichtensperre in Bonn, aber es gab ja noch den israelischen Geheimdienst als zuverlässige Quelle. Schmidts Sturz durch Kohl und Genscher unter gar nicht klammheimlicher Mithilfe des linken SPD-Flügels war das erste Machtspiel, das ich aus unmittelbarer Nähe mitbekam. Ich habe auch die großen Debattenredner, die Streitgiganten erlebt: Herbert Wehner und Franz Josef Strauß, den beinahe heiliggesprochenen Melancholiker Willy Brandt und den schon fast zur Ehre der Nation kanonisierten Helmut Kohl, unversehens berührt vom „Mantel der Gechichte“.

Vom Streit zur Hofberichterstattung

Das Land war im Streit um den richtigen Weg vereint, nicht wie heute gespalten in Wahrheitsbesitzer und Populisten. Der öffentlich geäußerte Wunsch, den Kanzler abzusägen, galt als Teil des Spiels, nicht als moralisch verwerflicher Angriff auf die Demokratie. Die Medien, auch die öffentlich-rechtlichen, stritten mit, rechte wie linke befeuerten den Diskurs. Heute zählt Hofberichterstattung zum guten Ton. Und es gilt als nicht mehr ganz normal, wer die Kanzlerin für unfähig hält. Er muss zusehen, dass er vom Mainstream nicht ausgebürgert wird.

Kennst Du das Land, wo die Neurosen blühen?
Die Deutschen brauchen mehr Vernunft dringender als mehr Vaterlandsliebe!
Ja, die in früher Kindheit von Hamburg in die DDR verschleppte Pastorentochter kenne ich auch, seit sie dem letzten DDR-Regierungschef, Lothar de Maizière, den Bratscher mit der nassen Aussprache, als stellvertretende Regierungssprecherin diente und danach unaufhaltsam durch die Institutionen pflügte wie kein Achtundsechziger zuvor – und die Republik veränderte wie kein Kanzler vor ihr.

Mir fällt auf, dass die gegenwärtige Kanzlerin, wann immer sie über Adenauer schwadroniert oder Ludwig Erhard missversteht, sich als Erbin aufspielt, aber dabei über die Bonner Republik redet wie die Blinde von der Farbe. Noch nicht einmal richtig angelesen hat sie sich das, was Erhard unter sozialer Marktwirtschaft verstand. Dennoch maßt sie sich die Deutungshoheit an. Die alten Eliten machen es ihr leicht. Sie widersprechen nicht einmal.

Ein spießiges kleines Provisorium

Doch ist die Kanzlerin und Vorsitzende dessen, was einmal Adenauers Christlich Demokratische Union gewesen ist, mit ihrer Geschichtsklitterung nicht allein. Ob in den Broschüren der Zentralen für Politische Bildung, ob in Dokumentationen des Gebührenfernsehens, ob in Feierstunden: Es wird stets so getan, als sei die Geschichte der Bundesrepublik vor dem Mauerfall bloß Vorgeschichte gewesen. Nichts als ein spießiges kleines Provisorium, das auf der Weltbühne nicht viel zu melden hatte. Nicht viel anders als die DDR, nur eben besser weggekommen.

Also musste ich mir die Geschichte meiner, der Bonner Republik, notgedrungen selbst schreiben, so wie ich sie persönlich erlebt hatte. Meine Version der Geschichte schwelgt nicht in Nostalgie. Ich weiß, dass die Bonner Republik zwar kein Nationalstaat, dafür aber das Beste gewesen ist, was die deutsche Geschichte für ein selbstbestimmtes Leben seiner Bürger jemals hervorgebracht hat.

Die Bonner Republik ist einmal mein Land gewesen, ich musste keine Minute nachdenken über das, was Identität genannt wird. Heute bin ich eher auf Distanz zur real existierenden Bundesrepublik. Mir passte damals auch nicht alles, aber jetzt kommen mir Zweifel an der Richtung, die das Land nimmt. Doch ist mir klar, dass diese Fehlentwicklung nicht erst mit Merkel begonnen hat. Die Kanzlerin ist eher Symptom als Ursache. Warum ist Angela Merkel Kanzlerin geworden und kann sich in diesem Amt so lange halten? Es hat mit der Mentalität der deutschen Wähler zu tun. Mit ihren Ängsten und Wünschen.

Der Titel meiner kleinen Geschichte der Bundesrepublik spielt darauf an: „Die neurotische Nation“. Das ist alles andere als polemisch gemeint. Schließlich ist es in der Psychologie unbestritten, dass die Persönlichkeit aller Individuen auch von neurotischen Stilen bestimmt wird. Sie sind unterschiedlich stark ausgeprägt und gemischt. In der Regel balancieren sie sich aus. Neurotiker dagegen sind ängstlich, erregbar, verletzlich, unsicher.

Minderwertigkeitsgefühl prägt

Neurosen – nicht zu verwechseln mit krankhaften Psychosen – sind die Folge schlecht verarbeiteter traumatischer Erlebnisse. Die gibt es im individuellen Leben ebenso wie in der Geschichte von Gemeinschaften (wie Familien, Firmen, Gesellschaften), also auch von Nationen. Es ist ganz klar, dass die Katastrophe der Naziherrschaft das Trauma ist, das Deutschland als neurotische Nation bis heute prägt, sie ist der Dreh- und Angelpunkt der jüngeren deutschen Geschichte.

Das Minderwertigkeitsgefühl der Schuld wird durch ein moralisches Überlegenheitsgefühl kompensiert. Egal, wo die Deutschen stehen, sie stehen nur noch auf der richtigen Seite. Sie machen sich keine Feinde mehr. Sie haben alle Lektionen musterhaft gelernt.

Gespräch
Boris Palmer: „Ich bin kein Merkel-Fan“
Mal erscheinen die Deutschen niedergedrückt von „German Angst“, mal wie besinnungslos vor Begeisterung von sich selbst wie im Jubel ihrer Willkommenskultur und übernehmen sich. Mal steigern sie sich in Verdrossenheit über Politik und Parteien hinein, mal besingen sie die Großartigkeit ihrer Kanzlerin. Stets wollen sie mehr, als sie kriegen können, und haben am Ende immer weniger, als sie bekommen könnten. Denn ihr Missvergnügen resultiert aus dem Missverhältnis zwischen Realismus und Wunschdenken, zwischen Pragmatismus und Moral.

Die Deutschen werden von zwei dominanten neurotischen Stilen gepeinigt, sie sind hin- und hergerissen und wissen nie, für welchen Weg sie sich entscheiden sollen (sie sind schizoid), und sie sind zwanghaft.

Politik ist neurotisch, wenn sie aus Angst auf bestimmte Gefahren fixiert ist und dabei andere, gravierendere Bedrohungen verkennt. Die Angst vor „rechts“ führt dazu, dass die Folgen unkontrollierter islamischer Zuwanderung unterschätzt werden, auch die Gefährdungen des Sozialstaats. Mangelnder Realismus bei der Einschätzung von Risiken ist neurotisch.

Vor allem ein neurotischer Stil prägt die deutsche Politik. Sie ist zwanghaft. In einer zwanghaften Organisation wird alles bis ins letzte Detail geplant, selbst das, was nicht planbar ist. In Deutschland wird nichts dem Zufall überlassen. Beherrschbar ist der Lauf der Dinge trotzdem nicht. Alle Seiten bedauern die Überregulierung des Staates, halten aber zugleich die Abschaffung jeder einzelnen Vorschrift für nicht angebracht, ungerecht oder unzumutbar. Eine neurotische Strategie besteht darin, innere Zwänge zu Sachzwängen zu erklären.

Utopien und Konformismusfalle

Ewig sucht der deutsche Mensch nach dem Perpetuum mobile, nach dem Erdklumpen, aus dem sich Gold machen lässt, nach der eisfreien Passage zwischen den Kontinenten der Freiheit und der Gleichheit. Er träumt von einer Gesellschaft in vollkommener Harmonie und Gerechtigkeit. Gelegentlich hat diese romantische Utopie totalitären Ideologien das Terrain bereitet. Nur haben die Deutschen diese Ursache des Verhängnisses niemals begriffen: Es ist ihr Unbehagen an der Freiheit.

Der Sozialstaat, der Steuerstaat reduzieren die Freiheit des Einzelnen. Nur empfinden es die meisten Deutschen nicht so. Der Freiheit des Individuums haben sie immer misstraut und ihr einen geringeren Wert zugemessen als dem Kollektiv. Zwar sind sie immer wieder Opfer kollektivistischer Ideologien geworden, haben aber daraus nichts gelernt. Sie glauben noch immer an das Heil in der Gemeinschaft. Die Deutschen stecken in der Konformismusfalle. Das individuelle Streben nach Glück, „pursuit of happiness“, wie es in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung steht, bedeutet hierzulande wenig. Das individuelle Glück hat sich in Deutschland stets dem kollektiven Glück unterzuordnen.

Auch deshalb gilt Zivilcourage in Deutschland traditionell nur dann etwas, wo sie dem Mainstream folgt. Viele in der DDR sozialisierte Bundesbürger haben nach der Wende in Westdeutschland vertraute Verhaltensweisen wiedererkannt. Duckmäusertum in den Redaktionskonferenzen ebenso wie in Parteigremien.

Gleichheit wichtiger als Freiheit

Es ist der Nanny-Staat, der von der Mehrheit klaglos akzeptiert wird. Die Deutschen verlangen auch mehr als gewöhnliche Gerechtigkeit, nämlich „gefühlte Gerechtigkeit“. Auch ist ihnen Gleichheit wichtiger als Freiheit. Das kommt daher, dass in Deutschland die negative Freiheit mehr zählt als die positive. Nicht Freiheit zu etwas, sondern Freiheit von allen Übeln, in der Regel mittels staatlichem Zwang.

Höchste Zeit zur Entbürokratisierung
Gerechtigkeit treibt Komplexität, die der Wohlfahrt schadet
Sozialpolitik aber taugt wenig, wenn sie nur dafür sorgt, die Hoffnungslosigkeit materiell erträglicher zu machen. Die Gerechtigkeitsdiskussion ist sinnlos, solange der Staat soziale Benachteiligung nicht mit Aufstiegschancen beantwortet. Ein moderner Staat steckt sein Geld in Fahrstühle. Die Deutschen bauen stattdessen die Keller aus. Sie sind keine Aufstiegsgesellschaft mehr.

In den Untergeschossen der deutschen Gesellschaft steckt auch das eigentliche Zuwanderungsproblem. Jahrzehntelang führte die Weigerung, Migration zum Nutzen des Landes zu gestalten, zu einer ungeregelten Form der Einwanderung.

Auch die Einheit ist den Deutschen von jeher wichtiger als die Freiheit. Sie verehren den Konsens. Eine demokratische Gesellschaft zeichnet sich nicht dadurch aus, dass sie weniger Konflikte produziert, sondern dadurch, dass sie diese Konflikte offen austrägt. Nichts ist alternativlos. Nur wer streiten kann, ist frei; nur wer frei ist, kann streiten. Die Deutschen aber lieben Geschlossenheit. Das erklärt auch die Degenerationserscheinungen der parlamentarischen Demokratie, wie sie gegenwärtig zu beobachten sind. Diese aber sind wiederum die Hauptursache der Politikverdrossenheit. Sie hat sich weitgehend in Resignation verwandelt. Aber auch Resignation kann Freiheit zerstören.

Im kommenden Jahr begehen wir den 70. Geburtstag der Bundesrepublik. Wer die Zeichen des Wandels zu lesen versteht und sich mit der Geschichte dieser Republik befasst, wird nicht umhinkönnen, sich mit den Neurosen der deutschen Nation zu befassen. Sie sind heilbar. Mentalitäten sind langfristig änderbar. So war es auch schon in der Vergangenheit. Aus den militaristischen Reichsdeutschen sind Pazifisten geworden. Aus Nationalisten Europäer. So wie sich Flugangst verhaltenstherapeutisch abbauen lässt, sind auch andere Ängste überwindbar. Ich habe Adenauer in diesem Sinne als Therapeuten im Kanzleramt beschrieben.

Dieser Staat ist auch heute überfrachtet mit Gefühlen und Erwartungen. Deshalb bin ich überzeugt: Die Deutschen haben praktische Vernunft nötiger als mehr Vaterlandsliebe. Vermutlich provoziert schon dieser einfache Satz auch viele Leser dieses Beitrags. Genau dies ist meine Absicht. Frei sein kann nur der, der auch frei ist von Neurosen. Darüber sollten wir streiten. 

Weiterlesen: Wolfgang Herles, Die neurotische Nation. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von Adenauer bis Merkel. Edition Tichys Einblick, 320 Seiten, 22,99 €.


Empfohlen von Tichys Einblick. Erhältlich im Tichys Einblick Shop >>>

Unterstützung
oder

Kommentare ( 69 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Andere bringen wir ungekürzt.
Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

----

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
Verehrter Herr Herles, der 8. Mai 1945 war kein Tag der „Befreiung“, sondern ein Tag der ultimativen Niederlage, des Besiegtseins, des Verlustes von Ehre, Selbstbestimmung und Selbstwertgefühls. Richards von Weizsäckers Rede 1985, mit der dieser Unfug staatspolitische Dimension bekam, hat mich damals fast so getroffen wie der 4. September 2015 – ein Gefühl von Fassungslosigkeit und Hilflosigkeit angesichts der Anmaßung eines Politikers. Kann schon sein, daß schon ich an diesem Tag zu einem AfD-Wähler wurde, denn meine Faust in der Tasche bei Wahlen ging erst 2013 wieder auf. Und nein, ich habe nie die NPD gewählt. Die Umdeutung dieses bis… Mehr

sehr geehrter herr hellerberger,

ich war zunächst mindestens so empört wie sie – aus den selben beweggründen. dann habe ich den absatz nocheinmal gelesen und den in klammern gesetzten zusatz berücksichtigt.

gleichwohl dürften wir hinsichtlich der legende der „befreiung“ einer meinung sein, schließlich hat deutschland (gott sei dank) bedingungslos kapituliert.

Vielen Dank,
lieber Herr Hellerberger für diesen mehr als zutreffenden Kommentar,
der das ganze Dilemma der Deutschen aufzeigt.
İnsbesondere dieser „Mythos“ von einen „Tag der Befreiung“, der schon
seit Jahrzehnten durch die Republik geistert, ist eigentlich das Nichteingestehen
einer vollkommenen Niederlage, einhergehend mit allen was dieses für das Land
damals und auch danach bedeutete…

Eine Ergänzung zu Ihren Ausführungen: Die Kinder dieser gedemütigten Generation, die sog. Babyboomer, haben zu ca 70% die ganze Härte einer Erziehung durch tieftraumatisierte Eltern erlebt, die weder den Kriegshorror haben verarbeiten können noch die Kraft hatten, sich liebevoll ihrem Nachwuchs zuzuwenden. Lesenswert dazu: Sabine Bode, Kriegsenkel. Wer sich selbst verachtet, verachtet eben auch seinen Nachwuchs. Dass sich eine sehr hohe Zahl der Angehörigen dieser Kriegsenkelgeneration gegen eine eigene Familie entschieden hat (dies betrifft nicht nur die Frauen, sondern auch jede Menge zeugungsverweigernder Männer) und sich stattdessen in Konsum und „Gutsein“ geflüchtet hat, hat offenbar eine ihrer Ursachen in Elternhäusern,… Mehr

@Thomas Hellerberger
Nein, wir sind nicht verloren. In der Zuspitzung trennt sich die Streu vom Weizen.
Ich kann das Grundgefühl nicht sogut in Worte fassen.
Deshalb hat mich diese junge Dame auch so beeindruckt.
Mit solchen jungen Leuten ist mir um Deutschland nicht bange, auch wenn es wiedermal schwer wird.
Aber sehen Sie selbst:
https://www.youtube.com/watch?v=hFrpzZTKm8M
Gruß
H.D.

was für eine beeindruckende, junge Frau.
Vielen Dank für den Tip.

Ein ebenso bewegendes wie Mut machendes Dokument! Danke, Herr Druchschnitt, für den Hinweis!

Wenn Herr Herles nun schon quasi zur Gegenthese aufruft, dann ist hier eine: Die Katastrophe der Naziherrschaft ist es nicht, die Deutschland als neurotische Nation bis heute prägt. Vielmehr ist das Dritte Reich, unter der Vorraussetzung der hysterischen Disposition des Deutschen Archetypus, überhaupt erst möglich geworden. Wir Deutsche haben, von wem auch immer, mehr von dieser hysterischen Dispostion abbekommen als andere Archetypen. Letztlich ist so ziemlich alles was die Deutsche Geschichte bis heute prägt, auf das Engste mit dieser Disposition verbunden, weil eine solche natürlich ein Ventil sucht. Der deutsche Minderwertigkeitskomplex ist ja nichts anderes, als der Ausschlag des Pendels… Mehr
„Die Deutschen haben praktische Vernunft nötiger als mehr Vaterlandsliebe. “ Die Deutschen brauchen praktische Vernunft nötiger als alles andere! Nötiger als ein Grundeinkommen und nötiger als eine Energiewende, die langfristig ein Ehergiemangel sein wird. und es mag sein, dass auch Resignation die Freiheit beschneidet, aber sie läßt die Realität besser ertragen. Wenn man nicht mehr darauf hofft, dass es besser wird, kann man auch nicht mehr enttäuscht werden. Ich sehe nun mal am Horizont keinen Sonnenaufgang sondern nur dunkle Gewitterwolken, die von Westen und Süden auf uns zu ziehen. Das macht ein Stück weit Angst – da bekommt mir die… Mehr

Herr Herles, was Deutschland plagt sind keine „Neurosen“, das sind der Niedergang und die Selbstzerstörung!

Allerdings sorgen die meiner Meinung nach durchaus vorhandenen „Neurosen“ dafür, dass Niedergang und Selbstzerstörung Platz greifen können. Leider.

Ja aber Niedergang und Selbstzerstörung haben doch eine Ursache und eine kollektive Neurose ist doch sehr plausibel,wie ich finde.

Als neurotisch würde ich das Verhalten nicht bezeichnen. Ich denke politische Auseinandersetzung wird in Deutschland mit kämpfen, bekämpfen verwechselt. Kampf richtet sich gegen Feinde. Aber in einer politischen Diskussion geht es nicht darum, die andere Meinung als Feind zu bekämpfen, sondern gemeinsam alle Möglichkeiten eines Themas auszuloten. Nur so kann man zu einer für alle Beteiligten sinnvollen Problemlösung finden. Beim politischen Streit/ der politischen Diskussion soll niemand vernichtet werden. Wer politische Diskussion verhindern will, hat ganz offensichtlich Angst vor den Argumenten der anderen Seite. Die große Herde der Klatschhasen sollte endlich Mut fassen und einsehen, dass in einem demokratischen Staat… Mehr
Werter Herr Herles, Freiheit geht nur über Zwang, so die Doktrin der Grünen/Linken und Teilen der CDU/CSU der FDP sowieso. Man schränkt die Freiheiten der Mehrheit ein um den Minderheiten mehr Freiheiten zu geben. Über die Mehrheit wird nichts berichtet aber um so mehr über die Minderheiten. Der Genderismus ist nur für die Minderheiten da die aber als Mehrheit dargestellt werden. Homoehen, Unisextoiletten, Toiletten nach orientalische Sitte mit einem Loch im Boden aber die vorgezeichneten Fußsymbole mit den Zehnspitzen gen Mekka, damit beim sche… nicht der Ar… nicht Richtung Mekka zeigt. Was die Neurosen betrifft. In der alten BRD hatte… Mehr
Auf das Grundthema des Artikels habe ich eine andere Sicht. Ich denke, dass die Hauptursache nicht nur in Deutschland in eher generellen menschlichen Eigenschaften liegen und daraus folgenden Strukturen. Z.B. haben die meisten Menschen eine eher geringe Neigung, sich mit Öffentlichen Angelegenheiten zu befassen, vor allem, wenn es ihnen nicht zu schlecht geht. Auch haben Sprachorientierte eine Neigung, in die Medienbranche zu gehen. Sprachorientierte wiederum sind tendenziell z.B. nicht zahlenorientiert, auch nicht wissenschaftlich oder wirtschaftlich orientiert. In Deutschland sind diesen beiden Punkte in extremer Weise ausgeprägt. Die relativ gute wirtschaftliche Lage vieler macht viele von diesen eher noch ungeneigter, sich… Mehr

Diese Überorientierung an Ordnung und Obrigkeit hat aber schon etwas neurotisches.

Sehr interessante, kluge Betrachtungen, lieber Herr Herles! Doch Sie ahnten es schon, der Satz: „Die Deutschen haben praktische Vernunft nötiger als mehr Vaterlandsliebe“ irritiert. Wo ist da ein Gegensatz? Völker mit ausreichend praktischer Vernunft wie etwa die angelsächsischen zeigen durchaus große Vaterlandsliebe. Im Gegenteil, das Vertreten von Landesinteressen, das man in der Politik heute schmerzlich vermisst, wäre ebenso pragmatisch wie vernünftig. Schön ist der Satz: „Ein moderner Staat steckt sein Geld in Fahrstühle, die Deutschen bauen den Keller aus.“ Dahinter steht das ganze Dilemma des wachsenden Sozialstaats und zugleich die Unfähigkeit deutscher Politiker, Motive und Verhaltensweisen von Menschen in ihre… Mehr
„Die Deutschen haben praktische Vernunft nötiger als mehr Vaterlandsliebe.“ Besteht denn die deutsche Neurose nicht eben in mangelnder Vaterlandsliebe? Die praktische Vernunft wird hierzulande ausgeschaltet, weil die Deutschen neurotisch „gut“ sein wollen, und „gut“ ist hierzulande de facto gleichbedeutend mit beschämt. Ich widerspreche ihrer These und behaupte: Verlandsliebe ist praktische Vernunft. Sogar im evolutionären Sinne. Keine menschliche Gemeinschaft, die sich nicht selbst feierte, hat je zusammengehalten (überlebt). Mag Vaterlandsliebe ohne Grund und Anlass auch proximal irrational erscheinen, so sieht die Sache bei Betrachtung der distalen Ursachen anders aus. Ganz ohne diese „irrationale“ Eigenliebe funktioniert nämlich kein Fußballclub, kein steinzeitlicher Nomadenstamm… Mehr
„Besteht denn die deutsche Neurose nicht eben in mangelnder Vaterlandsliebe?“ treffen eingebildete schuldgefühle und mangeldes selbstbewusstsein nicht eher zu? ich bin nun einigermaßen rumgekommen in der welt und lebe freiwillig überwiegend in osteuropa. bis heute hat mir niemand vorwürfe zur ns-zeit/dieser deutschen gemacht, die menschen anderer nationen kümmern sich um die gegenwart und zukunft. bis ende 2015 wurde ich eher „darum beneidet“ deutscher zu sein oder mir wurde „respekt gezollt aus einer nation zu stammen“, die ein sehr hohes ansehen genießt. seit der von merkel angezettelten migrationskrise ist diese euphorie mehr oder minder dahingehend umgeschlagen, das ich mich veralbern lassen… Mehr

„treffen eingebildete schuldgefühle und mangeldes selbstbewusstsein nicht eher zu?“

Ich würde es eher so formulieren: Eingebildete Schuldgefühle sind die Ursache, mangelndes Selbstvertrauen ist die Folge.

„Das Land war im Streit um den richtigen Weg vereint, nicht wie heute gespalten in Wahrheitsbesitzer und Populisten“. Der Satz gefällt mir nicht so ganz. Er impliziert, dass ein Teil der Gesellschaft im Besitz der Wahrheit ist und der andere Teil lügt. Tatsächlich aber, wissen einige was gespielt wird, es aber nicht veröffentlichen, weil sie sonst ihre Macht einbüßen würden oder sogar ganz verlieren. Die anderen, also die Populisten, sind nach Ihrer Meinung ahnungslose, die bösartig Unwahrheiten verbreiten. Ein entschiedenes NO, Herr Herles. Das Land ist gespalten worden durch die Agenda 2010 und dort im Speziellen durch die Hartz Gesetze.… Mehr

Wie kann man das nur so falsch verstehen.

„Der Satz gefällt mir nicht so ganz. Er impliziert, dass ein Teil der Gesellschaft im Besitz der Wahrheit ist und der andere Teil lügt.“ – Nein, dass der eine Teil sich im Besitz der Wahrheit glaubt.

Oh wie schön. Ihre Korrektur nehme ich dankend an. Ihr seid weit und breit die Besten und TE sollte sich mal Gedanken darüber machen, ob man nicht langsam mal anfangen sollte, Artikel und Kommentare zu übersetzen, um der Weltöffentlichkeit die gute Seite Deutschlands zu zeigen. Am besten Sie beginnen mit arabisch und Türkisch, damit die Damen und Herren endlich begreifen, dass die Zeit der Täuschung und Ausplünderung bald vorbei sein wird. Hiermit bewerbe ich mich als Architektin und Projektmanagerin öffentlich um eine Stelle bei Ihnen. Sie wissen, dass Architekturstudium, vor Schröder und Fischer versteht sich, war ein Studium Generale und… Mehr

gehört die REDAKTION überhaupt zur redaktion?