Zur Bayernwahl offenbart Habeck sein Verständnis von Demokratie

Er hat recht. Wer eine bürgerlich rechtsstaatliche Demokratie bevorzugt, darf, wie Robert Habeck in seinem Tweet darlegt, nicht grün wählen.

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Wer der Illusion anhängt, dass im Freistaat Bayern Demokratie herrscht, wird nun vom Grünen-Chef Robert Habeck via Twitter eines besseren belehrt, denn der einzige Weg, die Demokratie in Bayern herzustellen, besteht seiner Ansicht nach darin, Grün zu wählen.

Robert Habeck ist allen Ernstes davon überzeugt, dass in Bayern eine Diktatur herrscht, und zwar die Diktatur der CSU, die demzufolge nur eine undemokratische Partei sein kann. Wie er nach der Wahl möglicherweise in eine Koalition mit einer in seinen Augen undemokratischen Partei eintreten kann, hat er auch schon verraten. Ganz einfach: die CSU muss sich verändern, und zwar so, dass sie eine grüne Partei wird. Bemüht sich die CSU nachweislich, grün zu werden, stellt Habeck großzügig Koalitionsverhandlungen in Aussicht.

Nun besteht ein Hauptmerkmal einer Demokratie darin, dass regelmäßig freie und geheime Wahlen stattfinden. Die wurden in Bayern abgehalten, mit dem Ergebnis allerdings, dass die Wähler mehrheitlich die CSU wählten. Würde Robert Habeck das Verfahren, das Wählervotum in Frage zu stellen, als demokratisch bezeichnen, nur weil sich die Bürger in ihrer Mehrheit anders entschieden haben, als sich das der Grünen-Chef wünscht? Findet der Grünen-Chef die Bestätigung seiner steilen These darin, dass die früheren Wahlergebnisse nicht seiner Ideologie entsprachen? Ist nur derjenige ein Demokrat, der Robert Habeck oder in Bayern Katharina Schulz wählt?

Dass alle das wählen dürfen, was ich will, ist allerdings nicht das Kennzeichen einer bürgerlichen, sondern einer sozialistischen Demokratie, wo der Diktator bestimmt, wo das Volk das Kreuz machen darf. Wenn der Grünen-Chef nur mit einer Partei koalieren will, die seine Vorstellungen übernimmt, dann haben wir es de facto mit einem Einparteiensystem oder wie in der DDR mit einem Blockparteiensystem zu tun. Beides hat mit einer wirklichen Demokratie nichts zu tun.

Vielleicht hat Robert Habeck aber auch recht, dass es am Sonntag um die Demokratie geht, um eine bürgerliche oder um eine sozialistische Demokratie a la Habeck, dessen neostalinistische Denkansätze ich in einem früheren Artikel bereits skizziert hatte. Wer eine bürgerliche Demokratie bevorzugt, darf, wie Robert Habeck in seinem Tweet darlegte, nicht grün wählen.

Das eigentliche Problem besteht jedoch nicht in den Grünen, wer genau hinschaut und hinhört, weiß, woran er mit ihnen ist. Das eigentliche Problem ist die CSU, die zu einem unsicheren Kantonisten wurde.

Dass Habeck inzwischen zu seinem Video sagt, er habe „zu lasch formuliert” (siehe letzter Tweet), macht in keiner Weise wett, was er gesagt hat, so denkt er nämlich auch, wenn er weniger „lasch formuliert”. Insofern danke für die Aufklärung.

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Kommentare ( 96 )

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96 Kommentare auf "Zur Bayernwahl offenbart Habeck sein Verständnis von Demokratie"

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Jedenfalls kann keiner nachher behaupten, es nicht gewusst zu haben. Insofern herzlichen Dank Herr Habeck, deutlicher gehts nimmer.

das „Demokratieverständnis“ der Grünen (und aller anderen Linken) offenbart sich vor allem in der Zusammenarbeit mit der Antifa.

Ich glaube, die Grünen laufen sich warm, um die CDU und weite Teile der SPD aufzusaugen und zwar durch genau das gleiche seelenlose, opportunistische Surfen auf den aktuellen Aufreger-Zeitgeisthemen und durch gebetsmühlenartiges Repetitieren von sinn-entleerten Kalenderweisheiten, das auch Angela Merkel über Jahre an der Macht gehalten hat. Ein McDonalds-Manager hat einmal einem kritischen Kunden, der monierte, dass ihm die Burger nicht mehr schmecken würden, entgegnet: „Essen müssen sie sie ja nicht. Uns reicht es, wenn sie sie kaufen.“. So verhält es sich auch aktuell mit dem Grünen „Top-Personal“: Originär Grün muss deren Politik nicht mehr sein. Es reicht Ihnen, wenn… Mehr

Jetzt haben auch Nazis ne linke und rechte Alternative. Demokratie für Anfänger sozusagen. Geht doch!

Diese Entgleisung entspricht genau der verschobenen Realitätssicht der Grünen, die sich als diejenigen sehen, die als einzige die Wahrheit mit dem Löffel gefuttert und nur das Beste für den dummen Rest der Republik im Sinn haben.

dass es sich bei den Grünen, aber auch bei der Linke und SPD um linke „Demokraten“ handelt, dürfte ja schon zu genüge bewiesen sein bei deren antidemokratischen „Kampf gegen rechts“. Auch die Bündnisse dieser Parteien aus dem linken Parteispektrum z.B. mit der vom Verfassungsschutz beobachteten Interventionalistischen Linke lassen keinen Zweifel, dass sie sich nicht mit der freiheitlichen westlichen Demokratie verbunden fühlen sondern eher der linken Demokratie der „Deutschen Demokratischen Republik“. Eigentlich ein Fall für den Verfassungsschutz, der aber spätestens seit dem Abgang Maaßens politisch gebunden ist und sich den linken „Demokraten“ weiter öffnen wird.

Die Grünen = grün angestrichene Kommunisten und Feinde des gemeinen Wählers.

Mir kommt da diese schlüssige Sloterdijk Theorie vom Stalinismus in den Sinn, der sich als Habitus erhalten hat und einen langen Schatten werfe. Und bei Habelck fällt mir nur ein modifizierter alter Spontispruch ein: Habeck macht keine Fehler, er ist der Fehler…

Für Ihn ist Demokratie demnach „denkunmöglich“ oder so….

Habeck ist Kinderbuchautor – und so ist sein Denken: gefangen in der eigenen Welt. Demokratie ist das, was die Grünen machen … und die Annalena passt mit ihren naturwissenschaftlichen Statements mehr in den Sandkasten. (Das Netz kann als Stromspeicher dienen und sie protestiert gegen die schlechte Diesel – Luft, indem sie einen alten Diesel – Stinker fährt)

„Wenn der Grünen-Chef nur mit einer Partei koalieren will, die seine Vorstellungen übernimmt, dann haben wir es de facto mit einem Einparteiensystem oder wie in der DDR mit einem Blockparteiensystem zu tun.“ ––> Das haben wir doch schon längst. Die CDU hat unter Merkel schon längst die Vorstellungen der Grünen und Roten (bis Tiefroten) übernommen (wichtig: Merkel selbst musste nichts übernehmen; die war schon immer tiefrot). Der gemeinsame Nenner heißt „universelle Solidarität“, was nichts anderes als bedingungslose Teilhabe für alles und jeden am vom deutschen Steuerzahler erarbeiteten Volksvermögen, insbesondere am Sozialstaat, oder kurz: Plünderung Deutschlands, heißt.