Wirtschaftslobby für Willkommenskultur

„Wir schaffen das!“ – Neu aufgelegt vom Arbeitgeberpräsidenten.

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Wirtschaft ist käuflich. Sie muss es sein, denn ihre Produkte und Dienstleistungen muss man kaufen können. Aber muss auch Wirtschaftslobby käuflich sein, gar politisch käuflich sein? Nein, eigentlich nicht, zumindest nicht in einem Staat, der sich demokratischer Rechtsstaat mit sozialer Marktwirtschaft nennt. Trotzdem gibt sich Wirtschaftslobby als Fähnchenwinker- und Claqueur-Lobby immer wieder und gerne den politisch Mächtigen hin; weil sie sich Steuererleichterungen, geringere Umweltauflagen, Exportchancen, billige Arbeitskräfte und anderes mehr erwartet. Schlicht: Weil sie auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Das ist im Grund nicht illegitim, solange es nicht auf Kosten des Gemeinwesens und des Gemeinwohls geht.

Kein "MASTERPLAN MIGRATION"
Spurwechsel: Fachkräftezuwanderung erklärt den Bankrott der Einwanderungspolitik
Nun hat einer der obersten Wirtschaftslobbyisten wieder einmal den Kotau vor einer Kanzlerin gemacht, die auch drei Jahre nach einer rechtswidrigen Grenzöffnung immer noch nicht einsieht, was sie damit aus diesem Land gemacht hat. Ingo Kramer (65) heißt der Mann, seit November 2013 ist er Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA). Was sein Motiv ist, sich wie folgt in einem Interview zu äußern, bleibt sein Geheimnis. In einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen vom 14. Dezember 2018 hatte man ihn gefragt: „Schaffen wir das also mit der Integration der Flüchtlinge, wie Kanzlerin Angela Merkel gesagt hat?“ Kramer antwortet: „Mit dieser Annahme liegt Frau Merkel richtig. Und ja, wir schaffen das mit der Integration. Die meisten jungen Migranten können nach einem Jahr Unterricht so gut Deutsch, dass sie dem Berufsschulunterricht folgen können. Von mehr als einer Million Menschen, die vor allem seit 2015 nach Deutschland gekommen sind, haben heute bald 400.000 einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz, die große Mehrheit in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, und sind damit integriert …“

Wäre Kramer parteipolitisch halbwegs ausgewogen gewesen, dann hätte er noch andere Säulenheilige der „no-borders“-Bewegung gelobt: Martin Schulz (SPD) mit seinem Spruch „Was die Flüchtlinge uns bringen, ist wertvoller als Gold.“ Oder die „grüne“ Katrin Göring-Eckardt mit ihrem „Wir kriegen jetzt plötzlich Menschen geschenkt.“

Aber lassen wir das. Bieten wir dem Herrn BDA-Präsidenten einfach ein wenig Nachhilfe. Dann wird er – vielleicht – einsehen, dass nichts zum Besten steht. Drei Belege nur! Die Kriminalstatistik lassen wir politisch korrekt mal außen vor.

Erstens: Im August 2018 waren im SGB II 4,10 Millionen Personen im erwerbsfähigen Alter leistungsberechtigt – darunter 609.000 Schutzberechtigte, rund 4 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Siehe hier.

Zweitens: Im November 2018 waren 459.000 geflüchtete Personen bei der Bundesagentur für Arbeit oder einem Jobcenter als arbeitsuchend gemeldet. Die Mehrheit von ihnen befand sich in Integrations- oder Ausbildungsmaßnahmen und stand somit dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung. 177.000 Geflüchtete waren als arbeitslos registriert. Das heißt: Sie standen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung.
Siehe hier.

Drittens: Nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erreichen mehr als 80 Prozent der Flüchtlinge in Sprachkursen nicht das Sprachniveau B1, das Jobcenter und Arbeitsagenturen als Mindestanforderung für einen Helfer-Job oder eine Ausbildung bezeichnen. Das berichtet die Zeitung „Bild am Sonntag“ und beruft sich dabei auf Informationen des BAMF. Besonders schlecht schnitten demnach Teilnehmer aus Eritrea und dem Irak ab. Jobcenter und Arbeitsagenturen seien besorgt über eine wachsende Zahl von Analphabeten unter den „Flüchtlingen”. Zwar hätten im ersten Halbjahr 2017 rund 43.000 an einem speziellen Integrationskurs für Analphabeten des BAMF teilgenommen, was einem Plus von rund zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspreche. Allerdings hätten trotz extra kleiner Lerngruppen und bis zu 1.300 Unterrichtsstunden danach immer noch vier von fünf „Flüchtlingen” so schlecht Deutsch gesprochen, dass sie keine Aussicht auf einen Helfer-Job oder eine Ausbildung hätten.
Siehe hier.

Zahlen liefern Fakten
Zuwanderer: Saldo von Hartz IV-Empfängern und Beschäftigten deutlich negativ
All das ficht Ingo Kramer nicht an. Er hofft wohl immer noch darauf, die Fachkräftelücken mit „Schutzsuchenden“ zu schließen. Merkels Migrationspakt lässt grüßen. Aber langsam: „Schutzsuchende“ suchen ja eigentlich Schutz in Deutschland, und zwar – so meint es wohl der Begriff – so lange, bis sie des Schutzes nicht mehr bedürfen und die „Fluchtursachen“ entfallen sind. Merkel und Kramer aber ticken wohl anders. Sie wollen unter den „Schutzsuchenden“ für den deutschen Arbeitsmarkt die Sahne abschöpfen, also diejenigen, die die leistungsfähigsten und fleißigsten sind. Gerade die sind es aber, die ihre Herkunftsländer am nötigsten brauchen.

Da ist man denn doch versucht, solche „Politik‘“ mit Kolonialismus zu assoziieren. Früher ging es Kolonialherren um die Ausbeutung von Rohstoffen und die Gewinnung von Sklaven. Diese Zeiten sind offenbar noch lange nicht vorbei. China beutet die Rohstoffe in Afrika aus, arabische Länder tun das, was sie schon vor Jahrhunderten taten: sie holen sich Arbeitssklaven. Und die deutsche Wirtschaft holt sich Arbeitskräfte, und zwar aus dem Fünftel der vermittelbaren „Schutzsuchenden“. Die anderen 80 Prozent alimentiert ja der Steuerzahler qua Sozialstaat. Mit der Bekämpfung von Fluchtursachen hat das nichts zu tun, und mit Humanitarismus auch nicht, sondern mit Eigennutz. Also doch nichts anderes als Kolonialismus 2.0?

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Kommentare ( 96 )

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96 Kommentare auf "Wirtschaftslobby für Willkommenskultur"

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Heute berichtet die Bild, dass 2 von 3 Flüchtlingen von Hartz4 leben. Und das noch immer nach drei! Jahre hier im Lande. Also nix mit Erfolg und so…

Die FAZ schrieb vor Monaten mal in einer Überschrift „Flüchtlinge rutschen in Hartz IV“. Dabei dürfte Hartz IV für die meisten der sogenannten Flüchtlinge finanziell kein Abrutschen, sondern ein finanzieller Aufstieg in der Biographie sein. Sonst wären sie ja auch nicht in den grenzenlosen deutschen Sozialstaat gekommen. Armut und Wohlstand sind eben relativ und auch die Ärmeren hierzulande leben immer noch weitaus besser als der größte Teil der Weltbevölkerung.

Mittlerweile sind fast alle diese Organisationen start linksgerichtet, linksradikal oder gar linksextrem. Gerade die Spitzenfunktionäre wollen unbedingt fester Bestandteil des Linkssyndikats sein, sie selbst wieseln geschmeidig zwischen verschiedenen Funktionärsposten hin und her; nur darum geht es ihnen, sie wollen gut dotierte Posten haben, sich öffentlich wichtigtuerisch aufspielen und bloß keine echte Verantwortung übernehmen (Verantwortung = Macht + Haftung). Wäre ich Arbeitgeber und Mitglied bei diesem Linkssaftladen, würde ich den Funktionären eine Frist von 24h setzen, alles zu widerrufen und zurückzutreten. Kämen sie dem nicht nach, würde ich sie delegitimieren und ich sofort austreten. Für die Wirtschaft sprechen heutzutage glaubhaft nur… Mehr

Mangelhaftes Verantwortungsgefühl („Macht + Haftung“) gilt in einer Demokratie zwangsläufig auch für die Regierenden aus demselben Grund. Für vier oder fünf Jahre gewählt, kommt sowas nicht auf. Ein Eldorado für Möchtegerns, die es nicht zum Fürsten schaffen würden. Dann doch lieber einen richtigen König. Immerhin ein Familienbetrieb mit Identifikationspotential.

Warum erinnert mich das nur immer wieder an die Gleichschaltung der Nazizeit?

Weil Nazis halt auch Sozialisten waren! Ob National Sozialismus oder International Sozialisten die Art und Beweggründe sind die Gleichen. Auch eben das Verhältnis zur Demokratie

Die Idee, ein Motiv in der Arbeitskräftebeschaffung zu suchen, habe ich lange für unplausibel gehalten, angesichts des Auseinanderklaffens von benötigten und gebotenen Qualifikationen. Aber wenn ich erlebe, welchen Bedarf beispielsweise Transportdienste an ungelernten und nicht sprachmächtigen Zustellern haben, und sehe, daß wirklich dort kaum noch jemand arbeitet, der mehr kann als Autofahren und Buchstabenerkennung, dann fange ich an, das Motiv der Lohndrückerei und Gewinnung von Billiglohnarbeitern langsam ernst zu nehmen. Es korrespondiert mit der sinnlosen Idee, mehr als 50% eines Schülerjahrgangs an die Universitäten zu locken, die dort zu erheblichen Teilen mit allerlei Ideologie und anspruchslosen Gaga-Studiengängen beschäftigt werden, die… Mehr
Hallo Herr Pflueger, wir haben es im Handwerk mit einer Zweiteilung zu tun. Auf der einen Seite werden dort Leute ausgebildet, die überhaupt keine Chance haben die Ausbildung zu schaffen. Ca. 50 %. Und dann haben wir Leute, die z.B. Maschinenbau studiert haben, im Fach Thermodynamik (Durchfallquoten um die 90 %) ihren 3. Versuch nicht geschafft haben und nun eine Ausbildung machen. D.h., 50 % dieser Auszubildenden, gilt für alle Bereiche, haben ein Topniveau. Diese Leute werden später entweder Unternehmer oder werden weit über Tarif bezahlt werden müssen, um sie zu halten. Vom Niveau her liegen diese Leute erheblich über… Mehr

Gut, das ist jetzt nicht die große Neuigkeit, dass die Unternehmen für „Billigarbeit ohne Grenzen“ kämpfen, und dass dem globalen Teil der Unternehmen das Schicksal der einzelnen Nationen überhaupt völlig am A vorbeigeht.

Vielen Dank, für die Ergänzung „globalen Teil der Unternehmen“. Der bodenständige und mit der Umgebung verwurzelte Mittelstand, sieht die ungezügelte Zuwanderung, meist in die Sozialkassen, nämlich völlig anders, als Herr Kramer und Konsorten. Und viele meiner mittelständischen Kollegen haben, weil Arbeitskräfte z.B. im Handwerk händeringend gesucht sind, schon ihre Erfahrungen mit den „Fachkräften“ gemacht. Und zwar ausnahmslos schlechte. Nach mehreren Gesprächen mit dem Arbeitsamt meiner Heimatstadt (Großstadt), hat man bisher 1 Baggerfahrer aus Syrien längerfristig bei einem deutschen Großunternehmen unterbringen können. Und wenn Herr Kramer mal die Brennpunktschulen in unseren Großstädten besucht, von denen es reichlich gibt, der Ausländeranteil liegt… Mehr
Ich habe die Meldung gestern oder vorgestern auch im DLF gehört. Ich traute meinen Ohren nicht! Offensichtlich läuft Herr Kramer exakt in der Spur der Merkelisten (Globalisten). Denen geht es nicht um Deutschland, sondern darum, aus dem riesigen Migranten-Zustrom die völlig unbraucharen von den einigermaßen brauchbaren Arbeitskräften auszusieben. Und Merkel geht es um Ideologie: Um Deutschlands Denationalisierung, zugleich in der Konsequenz, Deutschland sturmreif für einen Bundesstaat innerhalb einer EU-Autokratie zu schießen. Konzerne arbeiten sowieso supranational. Insofern entspricht Merkels Migrationspolitik völlig der Agenda des Herrn Kramer. Die gigantischen Sozialkosten für die Unbrauchbaren zahlen sicherlich nicht die Konzerne und auch nicht die… Mehr

Es ist doch verständlich das Herr Ingo Kramer mit seinen Geschäftsfeldern Schiffsbetriebstechnik, Offshoreindustrie, ( WINDPARKS ) Chemie, Energiewirtschaft, (ERNEUERBARE ENERGIE( )Müllverbrennung,( EU FÖRDERUNG ) )Windkraft, Dampferzeugung, Lebensmitteltechnologie und Pharmaindustrie , die doch sehr nahe am Subventionstopf ihr Dasein fristen., das Lied zwitschert, wessen Brot ich esse dessen Lied ich singe. Nun ist Bremerhaven , das neue Silicon Valley, auch der Ort wo die zukünftige Migranten – Elite Schlange vor den Toren seiner Firma stehen wird , um einen der vielen subventionierten Arbeitsplätze zu bekommen. Bayern wird neidvoll gen Norden schauen.

Das Bamf kommentiert die aktuellen Daten (Sep 2018) dagegen sehr nuechtern: [url]https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Statistische-Analysen/Statistische-Sonderberichte/Generische-Publikationen/Fluchtmigration.pdf[/url] „Die mit 31,6 Prozent vergleichsweise geringen Beschäftigungsquoten von Beschäftigten aus den nichteuropäischen Asylherkunftsländern – Angaben nach dem Aufenthaltsstatus liegen hierzu nicht vor – zeigen, dass die Integration in den Arbeitsmarkt einen langen Atem braucht. Für alle Ausländer lag die Beschäftigungsquote im September 2018 bei 50,3 Prozent, für Deutsche sogar bei 69,4 Prozent“ In diesen 31.6% ist auch ein hoher Anteil sozialversicherungspflichtiger Praktika enthalten, ohne diese duerfte die Beschaeftigungsquote bei nur rund 20% liegen.Und selbst da ist auch Teilzeit mit drin! Ausserdem duerfte der Familiennachzug Quoten noch senken, den… Mehr

Wenn es Herr Kramer mit 65 noch nötig hat auf Knien zu leben, dann ist er wohl genau aus dem Grunde da, wo er jetzt ist.

@Det
Und es gibt Millionen von Deutschen, die direkt neben ihm knien. Ich wundere mich, wie tief sich die Wähler bücken können. Wohl nur eine sehr kleine Minderheit ist bereit, aufrecht zu Grunde gehen, für seine Überzeugungen auch persönliche Risiken eingehen. Bei Wirtschaftsunternehmern fällt mir nicht ein einziger ein, der das Rückgrat aufrecht kriegt. Klarer Nachteil der sogenannten sozialen Marktwirtschaft und der Wirtschaftsförderung/ Subventionierung.

Kramer spricht wie ein begeisterter Anhänger von Merkels Willkommenspolitik, also wie ein Grüner, aber nicht wie ein seriöser Wirtschaftsführer, dem die Fakten der gescheiterten Integration von bildungsfernen Menschen aus DritteWelt-Ländern eigentlich bekannt sein sollten. Mit solch krudem Geschwätz, das die Realitäten völlig außer Acht läßt, machen sich Wirtschaftsvertreter wie Kramer bei den Bürgern nur noch lächerlich, aber nicht glaubwürdiger. Er erweist dem Ansehen seines Berufsstandes einmal mehr einen Bärendienst.