Von gutem und schlechtem Mut

Die Kieler Festveranstaltung zum 3. Oktober war der Versuch, einen politischen wie auch einen geschichtspolitischen Dammbruch abzuwenden. Während Ministerpräsident Günther versuchte, eine Verteidigungslinie gegen die jüngsten AfD-Wahlkampagnen aufzubauen, protestierte Angela Merkel in fast unmerklicher Weise gegen den Ärger und die Wut ihrer Wähler.

imago images / Willi Schewski

Es war wie fast immer am 3. Oktober, der noch stets Anlass zu einem Zwischenresümee (aber nicht zu viel mehr) gibt, einer Selbstbefragung der politischen Eliten zu den Fragen: Wo steht das vereinte Deutschland heute, wo die Einheit der Deutschen? Gastgeber war diesmal das Land zwischen den Meeren, Schleswig-Holstein, in dem – so verriet es das eingeschobene PR-Video – der Seewind den Leuten das Gehirn tüchtig »frei bläst«, so dass sich hier angeblich jede Menge Charakterköpfe finden.

Auch Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) neigt bekanntlich zur offensiv ausgetragenen Kontroverse, wobei das Ziel des Linken-Freunds und Merkel-Unterstützers die Weichzeichnung des konservativen Profils seiner Partei bleibt. Das ließ sich auch am Motto der diesjährigen Einheitsfeier ablesen. Unter der Devise »Mut verbindet« konnte man herrlich für ein harmonisches Miteinander im schwarz-gelb-rot-grün-roten Parteienspektrum werben und zugleich den Versuch starten, der AfD einen politischen Kampfbegriff zu entreißen. Das wurde zwar nicht so offen gesagt, war aber der unausgesprochene Subtext von Günthers Rede.

Mut 1.0 und Mut 2.0

In den ostdeutschen Wahlkämpfen dieses Herbstes ist zu dem schon fast traditionellen »Mut zu Deutschland« das Schlagwort von der »Wende 2.0« hinzugekommen. Gemeint ist damit offenbar eine zweite Befreiung der Ostdeutschen, nun vom westdeutsch beherrschten Zeitgeist und Meinungsmonopol der Republik. Der AfD-Slogan ist zugegebenermaßen ziemlich geschickt und hinterhältig – eine knappe Parole mit vielen Voraussetzungen. Gegen diesen Zungenschlag suchte man nun in den anderen Parteizentralen nach einem Mittel, wobei der Einheitsfeiertag ganz gelegen kam. Das Anknüpfen der AfD bei der Wende von 1989 und dem dazu benötigten Mut sei eine Verhöhnung der friedlichen Revolutionäre, käute nun auch Günther die älteren Wortmeldungen seiner Kollegen wieder. Der Mut der Demonstranten von einst sei »singulär« gewesen und allein mit dem Ende der DDR zu verbinden. Erster Szenenapplaus für das Puppenspiel »friedliche Revolution« gegen AfD.

Zur Einstimmung war zuvor Leonard Bernsteins Ouvertüre zu »Candide« erklungen, jener Operetta nach dem gleichnamigen Roman Voltaires, in dem sich ein westfälischer Halbedelmann auf Anraten seines Lehrers Dr. Pangloss einer optimistischen Philosophie hingibt – dem Glauben, in der besten aller Welten zu leben. Dieses Ideal wird in der folgenden Handlung (durch Inquisition, Erdbeben und andere Schicksalsschläge) recht gründlich erschüttert, bevor es zu einem bescheidenen Happy End kommt. Die heiter-hektisch über sich selbst herpurzelnde Musik des Amerikaners bereitete uns ganz gut auf die Mischung aus gewolltem Optimismus und eigentlicher Planlosigkeit vor, die die folgenden Reden Günthers und Merkels charakterisierte.

»Candide«, oder: Leben in der »besten aller Welten«

In Deutschland sei, so Günther weiter, durchaus »nicht alles perfekt«: Digitalisierung und Infrastruktur (brauchen mehr Tempo), Integration (»läuft noch nicht alles rund«) und Klimawandel (»macht vielen Menschen große Sorgen«) sind die Themen, die hier in Windeseile zu einem bunten Problemstrauß zusammengebunden werden (ähnlich, nur langatmiger wird es die Kanzlerin später machen). Als Antwort fällt Günther aber vor allem weniger Kritik am politischen Konkurrenten und stattdessen »mehr Zeit für gemeinsame Lösungen« ein (was ein bisschen wie »mehr Zeit für die Familie« klang). Die Riege seiner Amtskollegen von Müller (SPD) über Ramelow (Linke) bis Hans (CDU) blickt da eher skeptisch, gehören sie doch alle einem alten Bedenkenträgergremium namens Bundesrat an. Trotzdem brandet hier ein zweites Mal zögerlicher Applauses für Günthers Gemeinschaftsgeist auf.

Nun aber machte sich Günther bald langsam aber beständig ins Taka-Tuka-Land der »besten aller Welten« auf, um ausreichend positive Gegengewichte zu seiner kleinen Problemübersicht zu liefern: »Wir leben in einem Land der Ideen« (in der Tat, da sind wir nicht ganz schlecht); »wenn jemand arm ist, kann sein Kind Abitur machen und studieren« (na ja, geht so); »andere beneiden uns um unser verlässliches Gemeinwesen« (soweit nicht irgendeine Mafia oder eingewanderte Clanstrukturen dasselbe aushebeln); »wir haben Richter, die unabhängig Recht sprechen« (Einwände hier); »wir haben Journalisten, die frei und ungehindert berichten« (das lassen wir jetzt einfach mal so stehen; auch die ›Qualitätspresse‹ weiß schon seit längerem anderes zu berichten). Und all das, so Günther weiter, seien heutzutage keine Selbstverständlichkeiten, »leider nicht einmal mehr in Europa«. Dritter Applaus für den Kinnhaken gegen Polen und Ungarn.

Günther verkündet die neue deutsche Hyggeligkeit

Hier schloss sich logisch ein erneutes Eingehen auf die AfD und die »Menschen in Ostdeutschland« an, denen man mit Verständnis, aber auch »Mut« begegnen müsse: auch mal eine andere Meinung aushalten (und wenn es mit einem Kinnhaken einhergeht), gerade mit Blick auf die Ostdeutschen, für die Günther sich in typischem Westpaternalismus ein wenig »Sensibilität und Verständnis« aufgrund der »biographischen Brüche« durch zwei Diktaturen wünscht. Der Ostdeutsche als verwirrter Wähler, der es schwer hatte. Olaf Scholz überlegt derweil im Zuschauerraum, ob ihm solche Formulierungen den Weg ins Kanzleramt ebnen könnten.

»Mut und Optimismus« seien notwendig, um etwas zu reißen in dieser Welt – zum Beispiel durch das »Einheitsbuddeln«, bei dem jedes Jahr am 3. Oktober überall in Schleswig-Holstein Bäume gepflanzt werden. Günther macht deutlich, dass Applaus zu einem seiner moralischen Gemeinplätze das Publikum zum Handeln verpflichtet (»Jetzt müssen Sie aber auch alle einen Baum pflanzen«). Nur so entstünde jedes Jahr ein neuer Wald für den Planeten. Mit diesem »zukunftsoptimistischen« Schlussakkord entlässt der Kieler Candide sein Publikum (kann man eigentlich auch über die Vergangenheit optimistisch sein?).

Nach diesen für die Fans eines hyggeligen Deutschland äußerst anregenden elf Minuten lässt Günther sich im eingespielten Video noch von Schauspieler Alex Prahl als kurzer und knackiger Redner belobigen (darum hat er sich also so beeilt), bevor Klimaforscher Dr. Mojib Latif sich über das schleswig-holsteinische Wetter äußern darf. Ermutigend immerhin die Präsenz des Plattdeutschen an der Küste, das hier noch (oder schon wieder) Sprache der Jugend ist. Mit der niederdeutschen Kernigkeit war es allerdings auch schnell wieder vorbei. Das Lied »Lütt Matten, de Has« darf nicht so ausgehen, wie es sein Dichter Klaus Groth gewollt hatte: Der naive Tanzschüler Matten, der Hase, wird von seinem »Lehrer« Reineke Fuchs und der fiedelspielenden Krähe verspeist. Soviel kernige Volksliedtradition und artgemäßes Fressverhalten dürfen freilich nicht mehr sein. Eine verhochdeutschte Version korrigierte das blutige Ende. Der grün-hippe Veganismus lässt grüßen.

Eine ebenso detailverliebte wie schwammige Kanzlerin

Angela Merkel hat es natürlich etwas schwerer als die wechselnden Gastgeber der Einheitsfeier; sie musste schon viele, vielleicht zu viele dieser Wiedervereinigungsreden halten. Die Aktualisierung ihrer Erinnerungen an den 3. Oktober 1990 fällt ihr merklich schwer. Das macht sich vor allem bemerkbar, als sie – mit herabsinkender Stimme – von der »großen Kraftanstrengung« spricht, durch die man die neubegründeten Bundesländer mit der westdeutschen Republik vereinen wollte. Zu den sorgenvollen Mienen der bundesrepublikanischen Spitzen des Staates verliest Merkel einige niederschmetternde Zahlen zur Akzeptanz der Einheit in Ostdeutschland: Nicht mal 40 % der Ostdeutschen (nur rund 20 % bei den Unter-40-Jährigen) halten die Vereinigung für gelungen, mehr als die Hälfte ist mit der Demokratie in Deutschland unzufrieden.

Schwer fiel der Kanzlerin wohl auch, sich des eigenen liberalen Programms von vor 15 Jahren zu erinnern, als sie über die 1989 errungene Mündigkeit der Ostdeutschen und die »Mühe der Freiheit« sprach. Es folgt der aktuelle Sorgen- und Abgehängtenbericht, der eher an Merkels Kanzlerjahre und ihre Themen erinnert: ungleiche Lebensverhältnisse zwischen Ost und West, aber auch Nord und Süd (nun ja, wir haben Föderalismus), Überalterung auf dem Land, Wohnungsknappheit in den Städten, Leerstände hie, Verkehrsinfarkt da. Diese Liste gleicht einem Schuldbekenntnis, vor allem wenn eine gleichermaßen detailverliebte wie schwammige Kanzlerin »Maßnahmen ausreichender Gesundheitsversorgung«, den Breitbandausbau, die Ermöglichung unterschiedlicher Lebensentwürfe und anderes mehr als die (offenbar uneingelösten) Aufgaben ihrer Regierungszeit nennt, die irgendwann für ein gedeihliches Miteinander im Lande sorgen sollen.

»Konkretes politisches Handeln« darf keinesfalls zu Ärger oder Wut führen

Während das Publikum noch über den tieferen Sinn dieser an Wirrheit grenzenden Ausführungen rätselt, holte die Kanzlerin bereits zum Gegenschlag aus und hielt ihrem Wahlvolk den erhobenen Zeigefinger entgegen. Durch die Befriedigung und – so möchte man in einer viehwirtschaftlichen Metapher sagen – ordnungsgemäße Abfütterung der Bürger erhofft sich Merkel deren Zähmung zu staatspolitischer Verantwortung (bitte nicht AfD wählen!) und gesellschaftlichem Engagement (vielleicht lieber in die CDU eintreten). Es folgte eine gut maskierte, moralisierend über allen Wassern wabernde Selbstrechtfertigung: »Niemals darf konkretes politisches Handeln (lies: meine Politik der offenen Grenzen), sei die Enttäuschung darüber auch noch so groß (lies: die Wutbürger waren los), als Legitimation dafür akzeptiert werden, andere wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Religion, ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung auszugrenzen, zu bedrohen oder anzugreifen (lies: Chemnitz im August 2018, obwohl es da natürlich nicht um Homophobie ging).« Pflichtschuldiger Applaus der Merkel-Gemeinde.

Von hier ist wiederum der Weg nicht weit zu den Vokabeln »Blase«, »Echokammer« und »gefühlte Wahrheiten«, die bei manchem die Oberhand gegenüber Fakten gewonnen hätten – all das soll aber anscheinend nur auf die Gegner der Kanzlerin bezogen werden. (Dass ihr eigener Umgang mit dem Chemnitzer Video im Grunde in den Bereich der »Filterblase« gehört, wird natürlich verdrängt.) »Offenheit« sei eine Grundvoraussetzung des demokratischen Diskurses. Dem wird kaum jemand widersprechen, nur war Daniel Günther da schon einen Schritt weiter, wenn er auch den realen Dialog als Teil dieser Offenheit zumindest ansprach. Etwas gewollt scheint nun der Übergang von den alternativen Fakten zur Bewältigung kommender Herausforderungen wie Digitalisierung, Krieg, Terror und Flucht sowie – er darf nicht fehlen – der drohende Klimawandel (da passte der Übergang wieder). Dass die Kanzlerin inzwischen weit weg von Deutschland ist und sich an Treffen mit Donald Trump und anderen Weltenlenkern erinnert, zeigt ihr Bekenntnis zum Multilateralismus. Pflichtschuldiger Applaus der außenpolitischen Gemeinde.

Am Ende noch etwas CDU pur: Persönliche Freiheitsrechte, Rechtsstaat und soziale Marktwirtschaft bilden demnach das untrennbare Fundament unseres Staates. Vor allem die persönlichen Freiheitsrechte dürften nicht dem staatlichen Handeln geopfert werden. Das war wohl als rettender Deich gegen die Flut grüner Polit-Projekte, vielleicht aber auch schon wieder gegen den ›neuen Autoritarismus‹ von rechts gemeint. Die Dinge werden so ununterscheidbar im Merkelschen Technokratenstil… »Freuen wir uns an der Vielfalt dieses Landes«, mit diesen Worten beschloss erneut die Selfie-Kanzlerin vom Herbst 2015 ihre Rede. »Eine sehr grundsätzliche Rede« der Kanzlerin erkannte der ZDF-Kommentator. Na ja, eher grundständig: Bericht zur Lage und Bilanz, vor allem eine Rückschau auf die eigenen Misserfolge und die – wie es so schön heißt – bleibenden Herausforderungen. Der Bodendecker unter den Politikerreden.

In der abschließenden Nationalhymne dominierte wiederum der Kinder- und Jugendchorklang vom Theater Kiel. So jugendlich klingt also Deutschland in seinem höchsten Norden? Ja, so kraftlos sind die Stimmen der versammelten Prominenz aus Politik und Gesellschaft. Infantilisierung allerorten. Und eine »bunte Party«, das berühmte »Bürgerfest«, das seit Jahren als Franchise-Unternehmen durch die Landeshauptstädte zieht, gab es dann natürlich auch noch.

AKK als Sidekick der Einheitsfeier

In Kiel hatte sich an diesem Tag auch die erkorene Nachfolgerin eingefunden, natürlich nur in ihrer Funktion als Verteidigungsministerin, der zur eigens eingelaufenen Fregatte »Schleswig-Holstein« nur gesamtdeutsche Geschichtsfloskeln einfielen: »Vor fast 30 Jahren wurden Angehörige aus zwei Armeen vereinigt. Über Nacht wurden so aus Gegnern Kameraden.« So sprach – man sah es deutlich vor Augen – die künftige Bundesvorsitzende der Kriegsgräberfürsorge, vielleicht auch des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Zufällig gipfelte ihre kleine »Tagesschau«-Ansprache in dem Motto der Kieler Gedenkveranstaltung (»Mut verbindet«). Soviel zur gedanklichen Originalität einer immer weniger möglich erscheinenden Kanzlerkandidatin, die bemüht staatstragend in die Kamera blickte.

Daniel Günther hatte seine Elf-Minuten-Rede, wie schon angedeutet, in einer Hektik herabgerattert, der auch das erlauchte Publikum aus Politik und Gesellschaft kaum folgen konnte. Man erinnerte sich der Charakterisierung der »modernen Wissenschaft« in Nietzsches »Zur Genealogie der Moral« (immer wieder lesenswert, wenn man etwas über die Ursprünge unseres Ethos erfahren will). »Diese Verneinenden von Heute, diese Unbedingten in Einem«, heißt es da, »diese harten, strengen, enthaltsamen, heroischen Geister, welche die Ehre unsrer Zeit ausmachen, alle diese blassen Atheisten, Antichristen, Immoralisten, Nihilisten, diese Skeptiker, Ephektiker, Hektiker des Geistes (letzteres sind sie sammt und sonders, in irgend einem Sinne)« – sie alle glauben sich zwar frei vom alten asketischen Ideal, seien aber eigentlich dessen letzte, »unfasslichste« Vertreter.

Nun mögen die Politiker von heute nicht die »heroische« Blüte unserer Zeit sein; sie sind auch nicht notwendig unsere schärfsten Geister. Aber sie – gerade auch die Verwalter des links-grünen Zeitgeistes, der bekanntlich auch die CDU ergriffen hat – erscheinen als heutige Ausprägungsform des von Nietzsche beschriebenen asketischen Ideals. Später macht der Denker deutlich, dass er in diesen Heroen der Moderne keineswegs die »Reichen im Geiste« sieht. »Hektiker« bedeutet das Gegenteil: das Eingeklemmtsein zwischen verschiedenen Forderungen der Moral, des vorgeblichen Fortschritts sowie auch einer gewissen Amoral, dem modernen Nihilismus, der sich als Verlangen nach »Normalverteilungen« auch heute wieder in Politik und Gesellschaft zeigt.

Deutschlands politische Klasse als »Hektiker des Geistes«

Das beständige Absehen von den eigenen, realen Interessen des Gemeinwesens, das Vermeiden des Wörtchens »wir« (womöglich auch noch »wir Deutschen«) im öffentlichen Reden, das ausdauernde Sprechen von der Warte des »Weltgeistes« deuten darauf hin. Auszusondern sind hier Redewendungen wie »wir müssen / wir dürfen nicht«, in denen das »wir« jeweils neuen, vom einsamen Verstand der Weltmoral erdachten Regeln unterworfen wird. Was in diesen Politikerreden fehlt, ist eine wirkliche, aktivierende Ansprache der Bürger (was ist eigentlich mit unserem »wir wollen« los?). Deshalb sind sie so unanhörbar, unverständlich und erzeugen schließlich Langeweile und manifestes Gähnen. Das ist vielleicht sogar ihre Aufgabe und tiefere Absicht: das Publikum zum Pflichttermin in trügerischer Sicherheit zu wiegen.

Die Pflicht zur Ansprache des demokratischen Souveräns, die ein Politiker, gar ein Staatsmann auch und gerade am Nationalfeiertag hat, kam nun nirgends zur Geltung, außer in den ebenso wohlfeilen wie inhaltsleeren Forderungen nach mehr »Zusammenhalt«. Woher soll der aber kommen, wenn die fraktionierten Teile des Wahlvolks nicht in den Dialog kommen, wenn ein solcher Dialog teils mit Verweis auf die eigene »demokratische« Gesinnung von vornherein abgelehnt und ausgeschlossen wird? Insofern gebührt dem bald aus dem Bundestag ausscheidenden Sigmar Gabriel ein gewisses Verdienst: Er hatte im Januar 2015 zumindest zeitweilig den Mut, mit der ihm diametral gegenüberliegenden Fraktion ins Gespräch zu kommen (die Kommentierung von damals zeigt, warum er später zurückwich). Anderen wurde eine ähnliche Offenheit jüngst zum Stolperstein auf dem Weg zum Parteivorsitz.

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Kommentare ( 40 )

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40 Kommentare auf "Von gutem und schlechtem Mut"

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Dass ausgerechnet die Ouvertüre zu Candide gespielt wurde – ist das noch Unbildung, oder ist das schon offene Verhöhnung?

Deutschland, „die beste aller Welten“! Ich würde auf Hybris tippen

Es ist einfach unerträglich, sogar in der Zusammenfassung (vielen Dank dennoch dafür!)

Zuerst habe ich über die Hohlheit gelacht, die Banalität des Blöden, diese ungelenken Verdrehungen. Dann aber vor Wut geweint, und das buchstäblich,

Früher gabs den Hofnarr, dieser hat seinen Gebieter belustigt, heute heißt er anders.

Günther ist selbst in „seinem“ Land, dem echten Norden, zur absoluten Lachnummer verkommen. Merkels Gelaber ist und war nie erträglich! Erstaunlich war allerdings, wie die Organisatoren es hinbekamen, am Nationalfeiertag in Kiel fast ohne Deutschlandfahnen auszukommen. Der federführende NDR blamierte sich mit künstlichen Jubelarien über ein „tolles“ Bürgerfest nach Kräften.

Dieses Gesülze ist ja widerlich. Wo lebt denn ein Herr Günther? In einer anderen Dimension? „Integration (»läuft noch nicht alles rund«)“ Nichts läuft rund, alles läuft falsch. Integration ist eine Bringeschuld, die diese illegalen Migranten mehrheitlich nicht dem Gastvolk, dass sie gezwungener Maßen pampern muss, bringen will. Im Gegenteil. Eine Fahrt eines syrischen Migranten in einem gestohlenen LKW auf Autos wurde als Terrorakt eingestuft. Das ist ja nicht der einzige. Wöchentliche Aufschläge gibt es von Messerangriffen, Diebstählen, ausufernden Schlägereien dieser sogenannten Migranten, Angriffe auf Hunde und deren Besitzern. Deutschland hat sich zur Kultstätte der Kriminalität entwickelt, zu der jeder Kriminelle… Mehr

Der verzweifelte Versuch, die eigene Machtzeit ein klein wenig zu verlängern. Die Ausbildung in Propaganda kann die BK nicht verleugnen und nutzt alles, was man ihr mal diesbezüglich beigebracht hat. Reden vor handverlesenem Publikum inklusive Hofpresse können aber das Bild bzw. die Wahrheit nur bedingt verzerren und verschleiern. Diese BK wird keinen einzigen „neuen“ Wähler hinzugewinnen, sie kann sich nur darauf konzentrieren, möglichst von dem verbliebenen Potential so wenig wie möglich weiter zu verlieren. Die „Sehenden“ jedenfalls hören ihr gar nicht mehr zu. Soll sie doch labern.

Ich wünschte, ich hätte Ihre Gelassenheit. Mich lässt das noch jedes Mal fassungslos zurück – schon allein die Unverschämtheit, mit einer derartig unterkomplexen Sprache aufzutreten. Von den brutalen Verdrehungen der Wahrheit einmal ganz abgesehen.

Vielen Dank für die Blumen, aber den äußerst langen Zeitabschnitt der offenen Wut habe ich überwunden und bin nunmehr angelangt bei absoluter Verachtung. Die „Gelassenheit“ scheint nur so.

Ja, wie eine Volkskammeransprache… woher solls auch anders kommen. Unsere DDR ist schön und toll für alle Werktätigen, sozialismusfeindliche Elemente müssen bekämpft werden blabla…die DDR lebe hoch, hoch hoch… Wie schon dort reden die ideologischen Narzisten in ihren Angsträumen und Filterblasen vor ihren Klatschhasen und sind von Realitäten und dem Volk so weit entfernt wie Marxismus-Leninismus von Humanität, Demokratie und Freiheit. Wer das anschaut ist geistiger Masochist, das reale Leben ist dort längst gestorben und tobt in der politisch geschaffenen Brandung der Einen, die sich wieder einmal resigniert eingerichtet haben mit den Widerwärtigkeiten und den Anderen, die physisch und psychsich… Mehr

@“macht vielen Menschen große Sorgen“

Dann muss man halt den Leuten erklären, auf welch unsicheren Grundlagen die Klima-Horrormärchen beruhen – und schon sind die Sorgen weg. Längere Zeiten sinkender Temperaturen nach dem Zweiten Weltkrieg trotz CO2, früher ähnlich – und keine vernünftige Erklärung der Klimatologen dafür. Hysterien und Demos sind in den Naturwissenschaften kein Beweis.

Sie spricht immer von einer „großen Kraftanstrengung“. Egal, ob es die AKW’s sind, die Kohle, die Neubürger, das Klima, Strom, Autos einfach alles. Es findet sich aber keiner, der diese „große Kraftanstrengung“ auf sich nimmt. Da fragt man sich doch warum? Warum werden Probleme nicht mehr gelöst, sondern verschärft? Kann es sein, dass man an Problemen viel Geld verdienen kann, wie es der City- Group- Report beschreibt? Ja, das ist leider so „in der besten aller Welten“. Ihr Wunsch, eine „aktivierene Ansprache“ von der Macherin Angelika Merkel zu hören, ist nicht mein Wunsch. Am liebsten würde ich von Ihr gar… Mehr
Zitat: „Nun aber machte sich Günther bald langsam aber beständig ins Taka-Tuka-Land der »besten aller Welten« auf, um ausreichend positive Gegengewichte zu seiner kleinen Problemübersicht zu liefern: »Wir leben in einem Land der…““ > So So, wir leben in einem Land der…blablabla“. WELCH ein Schöngerede und Blöde-Geschwätz. Bei auch solchen Reden überlege ich dann immer und frage mich, ob die sich nicht blöde u. lächerlich vorkommen? Genauso wenn diese Politik-„Elite“ nun über Fachkräfte spricht und diese fordert nachdem sie diese Fachkräfte doch schon 2015/16 zu 100000de bestätigt haben. ICH an deren stelle würde mich jedenfalls schämen und dämlich vorkommen wenn… Mehr
Das ist es, was mich an diesen Reden so fertig macht. Diese Lalala-Unbekümmertheit, was das eigene Geschwätz von gestern angeht. Übrigens nicht nur bei Politikern, Ich erinnere mich noch daran, als ich bei der Auswahl der ankommenden – hun ja, Flüchtlinge, darauf hinwies, dass junge Männer kriminell am auffälligsten sind, wie so viele Klügere als ich auch. Das war damals Nazi. Einige Monate späer wurde genau DAS von den früheren „Nazi“-Schreiern benutzt, um eben diese vorhergesagte und nun eingetretene Kriminalität zu relativieren. Es ist nicht einmal mehr das Gefühl, man kämpfte gegen Windmühlenflügel. Man steht einfach einem riesigen Wackelpudding gegenüber.… Mehr