SPD mit Saskia Esken im freien Fall

Meint sie, die Partei führen zu können, wie sie dies in einem Elternverein tat: „ärgerlich, eisig, aggressiv, pöbelnd“?

imago images / Christian Thiel
Saskia Esken
Wenn „anno dazumal“ etwas überhaupt nicht gelingen wollte, wenn alles schieflief, wenn das Kind im Brunnen lag, meinten unsere Groß- und Urgroßeltern flehentlich: „Jetzt hilft nur noch beten!“ Das tat man denn auch, manchmal half es ein wenig.

Bei der SPD hilft selbst das nicht mehr. Schade um diese Partei, die über Jahrzehnte hinweg, ob in Regierung oder Opposition, alles in allem als Volkspartei doch ein stabilisierender Faktor war. Jetzt aber passen auf die SPD alle Niedergangsbilder, die einem so einfallen: SPD im freien Fall! Die Lust am Untergang! Genossen, gestern standen wir am Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter! Auf der nach unten offenen Richterskala ist die Talsohle noch immer nicht erreicht! Lasst uns sozialistisch-solidarisch Lemmige sein!

Dieser ab sofort zusätzlich beschleunigte Niedergang der SPD hat zwei Namen: Norbert Walter-Borjans (NoWaBo) und Saskia Esken. Weil man über NoWaBo, den vormaligen, gescheiterten NRW-Finanzminister wenigstens ein bisschen etwas, allerdings auch nur wenig Schmeichelhaftes, weiß, muss man seine Tandemfahrerin Saskia Esken genauer unter die Lupe nehmen. Die SPD-Parteigenossen wären gut beraten gewesen, dies vor der Urabstimmung getan zu haben.

Saskia Esken – was bringt sie mit, um in die Fußstapfen eines Bebel, Ebert Schumacher, Ollenhauer, Brandt, Schröder zu treten? Nichts, außer wohlfeilen sozialistischen Sprüchen aus der Mottenkiste: „Wer Sozialismus negativ verwendet, hat halt keine Ahnung“. „Echten Sozialismus gab‘s bisher noch nicht.“

Doch halt: Esken ist seit 2013 Mitglied des Bundestages und lupenreine Hinterbänklerin. Eine Wahl hat sie bislang nicht gewonnen, ihren Wahlkreis etwa noch nie direkt. Zuletzt kam sie auf 16,9 Prozent der Erststimmen (gegenüber 43,3 Prozent ihres CDU-Konkurrenten). Das sind noch einmal vier Prozent weniger, als die SPD bei den letzten Bundestagswahlen hatte. Als Vorletzte zog sie 2017 über die Liste dennoch in den Bundestag ein. Von 2013 bis 2015 war sie Vizevorsitzende der Südwest-SPD, 2016 wurde sie abgewählt. Weil sie annehmen musste, dass sie bei der nächsten Bundestagswahl keinen aussichtsreichen Listenplatz mehr ergattern würde, hat sie sich – so vermuten ihre Schwarzwald-SPD-Genossen – an die Spitze gesetzt. Auch in der Fraktion scheint sie nicht gerade eben beliebt zu sein: Ihre Anläufe, Chefin von SPD-Arbeitsgruppen zu werden, scheiterten allesamt. Man zweifelt an ihrer Teamfähigkeit und an ihrer Verlässlichkeit. Zum Beispiel wechselte sie in Sachen Grundrente ihre Positionen wie ihre Handtücher oder Schuhe. Selbst in ihrer Heimat-SPD polarisiert die Personalie Esken.

Aber, aber, aber: Eine (in Zahlen: 1) Führungserfahrung trägt Saskia Esken selbstsicher vor sich her: Von 2012 bis 2014 war sie Stellvertretende Vorsitzende des 16. Landeselternbeirates (LEB) in Baden-Württemberg. Das, so Esken, sei ein „einigermaßen zerstrittener Laden“ gewesen. Dort sei es nicht anders zugegangen als in der SPD, meint sie. Stimmt! Doch das hat eine Menge mit Saskia Esken zu tun.

TE liegen dazu Berichte und Einschätzungen von Mitgliedern des genannten Landeselternbeirates vor. Hier nur ein paar Auszüge: Eskens Wirken dort sei „höchst ärgerlich und unerfreulich, eisig und unfreundlich, latent aggressiv und pöbelnd“ gewesen. Es sei ihr in diesem, zur parteipolitischen Neutralität verpflichteten, Beirat vor allem darum gegangen, eine – sogar in der SPD bald in Ungnade gefallene und dann verabschiedete – maßlos überforderte SPD-Kultusministerin Warminski-Leitheußer zu stützen und für Baden-Württemberg die Gemeinschaftsschule zu pushen. Gegenteile Einschätzungen habe Esken „regelrecht torpediert“. Mit Esken sei eine sachliche Arbeit kaum noch möglich gewesen, es herrschte eine „vergiftete Stimmung“ im LEB. Mit ihr hätten im LEB „Parteipolitik und Ideologie“ Einzug gehalten. Entsprechend habe Esken im LEB-Magazin „Schule im Blickpunkt“ versucht, den Redakteuren einen „Maulkorb zu verpassen“. Erfahrene Redakteure und bewährte Mitglieder des LEB sind in der Folge zurückgetreten. Außerdem war sie beteiligt an einer rechtswidrigen, vom Kultusministerium aufgehobenen Entlassung einer LEB-Mitarbeiterin.

So, liebe Genossen, jetzt wisst Ihr, auf wen Ihr euch einlasst. Aber dieser LEB-Hintergrund wäre gar nicht notwendig gewesen. Was die „Persönlichkeit“ Esken ausmacht, dokumentiert sie hinreichend mit der Fahrigkeit ihrer Argumentation. Deshalb schreibt die Süddeutsche Zeitung über „NoWaBo“ und Esken nicht ganz zu Unrecht: „In Berlin glaubt kaum jemand, dass die beiden wissen, was sie da tun.“ Vor allem aber signalisiert Esken mit ihrer verkniffenen, nur hin und wieder künstlich aufgelockerten Mimik alles andere als eine Fähigkeit zur Auseinandersetzung mit „offenem Visier“. Sympathieträger treten anders auf.

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Kommentare ( 190 )

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190 Kommentare auf "SPD mit Saskia Esken im freien Fall"

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Also wenn die „Persönlichkeit“ Esken geeignet ist, das SPD-Wrack zu unterminieren, erfüllt sie doch einen sehr nützlichen Zweck. Sapeure an die Front!

Ich freue mich, wenn jetzt der „richtige Sozialismus“ probiert wird. Denn so wird die SPD ganz schnell der Vergangenheit angehören. Schon mein Großvater hat – mit Blick auf die 20er und 30er Jahren gesagt: „Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!“

Da bildet Esken mit Pöbel Ralle Ralf Stegner das Dream Team der SPD.
Auf das die Wahlergebnisse in ungeahnte Höhen steigen.

Frau Esken erinnert mich an alle linken Lehrerinnen die ich in den 80ern auf dem Gymnasium gehasst habe. Sozialkunde und irgendetwas dazu. Engagiert in einem Dritte Welt (später PC: Eine Welt) Laden, natürlich gegen den Kriegstreiber Reagan, die Erzkapitalistin Thatcher, die teuflische Atomkraft, die apokalyptische Nachrüstung und den furchtbaren Kapitalismus. Keine Argumente zwar aber stets viel Überzeugung. Die SPD hat sich nun entschieden, 2 Benzintonnen in ein brennendes Haus zu rollen und zu hoffen dadurch würde der Brand gelöscht. Ich finde es mittlerweile auf eine bizarre Weise beeindruckend, dass die SPD nach unten kein Limit kennt. Nach Kurt Beck, nach… Mehr

Ja, diesem Typus bin ich während des Studiums auch an den theologischen Fakultäten begegnet. Keine Ahnung von irgendetwas Wichtigem, aber davon jede Menge. Und optisch ein Genuss mit Birkenstock, Indien-Röcken und Latzhosen.

Die Lehrer waren kein deut besser, mit Vollbart, Strickjacke, Cordhose und Sandalen. Jetzt bin ich traumatisiert.

„… Eskens Wirken dort sei „höchst ärgerlich und unerfreulich, eisig und unfreundlich, latent aggressiv und pöbelnd“ gewesen. … Gegenteile Einschätzungen habe Esken „regelrecht torpediert“. Mit Esken sei eine sachliche Arbeit kaum noch möglich gewesen, es herrschte eine „vergiftete Stimmung“… Mit ihr hätten im LEB „Parteipolitik und Ideologie“ Einzug gehalten. Entsprechend habe Esken … versucht, den Redakteuren einen „Maulkorb zu verpassen“.“

WOW – gratuliere, Genossen!

Diese „sozialistische Zimmerflak“ (oder vielleicht besser: „Stalinorgel“…) ist die perfekte Besetzung zum perfekten Zeitpunkt für diese „Partei“!

Bringt wirklich alle Eigenschaften mit, die es braucht, um den Spezial-„Demokraten“ den wohlverdienten Todesstoß zu verpassen.

Frau Esken: “ Echten Sozialismus gab es bisher noch nicht „. Na, Gott sei Dank! Den echten Sozialismus wünsche ich allen LINKE, SPD, GRÜNE und MERKEL Wähler von ganzem Herzen.

Ich auch, aber ich möchte bitte verschont werden.

Naja, man hätte ihre „erfolgreiche“Historie wirklich nicht vorkramen müssen, um mitzubekommen, welche Art von „Vampir“ da zur Wahl stand. NoWaBo sieht dagegen aus, wie ein Teddybär aus dem Gruselkabinett. Aber – und das ist doch letztlich entscheidend: Hat eine solche Frau ihren persönlichen Niedergang vor Augen und packt den letzten erreichbaren „Zipfel nach oben“ und das mit Erfolg, so ist das doch nicht IHR Problem, sondern das Problem einer Partei, die mit diesem Witzbold Kühnert sich gemeinsam in Richtung Abgrund bewegt. Eine solche Null von Jusovorsitzenden mit absolut blöden Ideen – Nahles war das auch mal und die gleiche Null… Mehr
„Olaf Scholz, sicherlich als Smily nicht unumstritten, aber doch politischer Pragmatiker, “ – klar ist der pragmatisch, wenn es darum geht, mehr Geld dorthin zu transferieren, wo es dem Bürger am wenigsten nutzt. Wir brauchen – und da waren sich doch alle einig – mehr Bildung, mehr Bildung, mehr Bildung. Statt dessen haben wir mehr Sozialtransferleistungsempfänger ohne Bildung. Dieser Trend wird weiter befeuert. Zahlen aus Statistika Ausgaben im Bundeshaushalt: Ausgaben (geplante wohlbemerkt) Arbeit und Soziales + 6,8 % entsprechend nun 155,2 Mrd Euro. Bildung und Forschung (geplante wohlbemerkt) + 0,1 % entsprechend nun 18,3 Mrd Euro. im Vergleich: Bundeshaushalt 2013… Mehr
Ich finde es so unglaublich schade, dass nicht der inhaltsfreie steife Scholzomat gewonnen hat, der schon seit Jahrzehnten durch die politische Szenerie meandert, indem er einen Eindruck erweckt, schwache und vieldeutige Phrasen absondert und sich ansonsten ohne mit der Wimper zu zucken die Sachen einfach zurechtlügt, dass sich die Balken biegen. Immerhin hat er damit eine geraume Zeit lang schon Erfolg. Es wäre also noch ein richtiger Todeskampf geworden; Scholzomat hätte noch Steuern für Vereine und Firmen mit SPD-Parteibuch gesenkt, die SPD (gemeinsam mit Frank W.) für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen, eine SPD-Soliabgabe auf das Flaschenpfand erhoben, das Kurt-Schumacher-Haus an Beate… Mehr

Gelinde gesagt überkommt mich ein romantischer Schauer und ich befürchte die SPD geht wieder mit der SED zusammen und Lafontaine würde Kanzler werden,wenn er noch möchte.

Nebenbei fällt auf:

Entscheidungen von oben müssen nicht gut sein, sind aber immer noch relativ besser als Entscheidungen von unten.

Es gibt nun mal Unterschiede, warum oben oben ist und unten unten.