„Dagegen sind arabische Clans Schülerlotsen“

Im Gespräch mit TE kritisiert Polizeigewerkschafts-Chef Rainer Wendt die Verharmlosung krimineller Großfamilien – und warnt vor der Zuwanderung neuer gefährlicher Gruppen aus Osteuropa.

imago images / Sven Simon

TE: Herr Wendt, die Linkspartei-Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke bezeichnete die polizeiliche Verfolgung von Clan-Kriminalität kürzlich als „rassistisch“, der Redaktionsleiter von „Monitor“ Georg Restle warf seiner Kollegin Dunja Hayali vor, Clan-Kriminalität in ihrer Sendung zu thematisieren.

Geraten Polizisten jetzt unter Rechtfertigungsdruck?

Rainer Wendt: Dahinter steckt die Strategie, die Polizei in ihren Möglichkeiten einzuschränken. Der Vorwurf des Rassismus eignet sich dafür besonders gut. Wenn wir uns an die zweite Silvesternacht in Köln zum Jahreswechsel 2016/17 erinnern: damals führte die Polizei gleich am Hauptbahnhof Kontrollen durch, als dort wieder eine große Gruppe von Migranten angereist war. Und sofort lautete der Vorwurf aus einer bestimmten politischen Richtung: „Racial Profiling“. So, als wären die Kontrollen das Problem gewesen und nicht die Ansammlung junger Männer an diesem Platz.
Und was den Vorwurf an Dunja Hayali angeht: Ich bin ja nun nicht mit allem einverstanden, was sie sendet. Aber diese Frau in die Nähe von Rassismus zu rücken – das ist nun wirklich an Absurdität nicht mehr zu überbieten.

TE: Ein Einwand derjenigen, die Bekämpfung krimineller Clans kritisieren, lautet: bei den meisten Razzien in Sisha-Bars kommt kaum etwas heraus – außer Kleinigkeiten wie Verstößen gegen das Nichtrauchergesetz und ein paar Gramm Haschisch. Haben sie damit nicht Recht?

Rainer Wendt: Das war auch die Argumentation dieses unseligen Anwalts in der Hayali-Sendung. Aber in einem Rechtsstaat kann es nicht die Strategie der Polizei sein, überall mit dem Sondereinsatzkommando einzureiten. Die so genannte Taktik der Nadelstiche soll den Clans deutlich machen: wir haben euch immer im Blick. Es stimmt, dabei werden meist Kleinigkeiten festgestellt, geringfügige Delikte. Aber auch daraus ergibt sich ein Gesamtbild. Und es ist ja nicht so, dass nur Kleinigkeiten ermittelt werden. In Berlin wurde der spektakuläre Goldraub aufgeklärt, der mutmaßlich auf das Konto eines Clans geht. Und in Bremen ist es gelungen, den Chef des Miri-Clans in den Libanon abzuschieben. Es hat 30 Jahre gedauert, bis die Polizei anfangen konnte, gegen kriminelle Clans vorzugehen, viel zu lange. Das ist spät, aber es ist gut, dass es jetzt überhaupt passiert. Wenn es nach Politikern wie Jelpke ginge, sollte damit gleich wieder Schluss gemacht werden.

TE: Jahrelang zeigten auch die Politiker der größeren Parteien kaum Interesse an der Bekämpfung der Clankriminalität. Warum wachen sie jetzt auf?

Rainer Wendt: Es stimmt, lange Zeit haben sehr viele Politiker die Warnung von Fachleuten ignoriert, die auf die systematische Ausbreitung des Miri-, des Remmo- und anderer Clans hingewiesen haben. Es hieß dann oft: das gehört zur Vielfalt und Buntheit, das wollen wir so. Was sich dort entwickelte, war tatsächlich vielfältig, bunt – aber eben auch kriminell. Erst ist Berlin zu klein für die kriminellen Clans geworden. Einige setzten sich im Ruhrgebiet in Bremen fest. Jetzt wollen weitere Clans und Großbanden auf den Markt in Deutschland, aus Osteuropa, aus Tschetschenien. Jetzt, wo es offene Bandenkriege mit Toten gibt, sehen Politiker, dass sie das Problem nicht mehr ignorieren können, und geben der Polizei endlich die nötige Unterstützung. Die Taktik der Nadelstiche, wie sie der Innenminister Herbert Reul in Nordrhein-Westfalen verfolgt, ist genau richtig.

TE: In letzter Zeit sprechen Polizeimeldungen dafür, dass kriminelle Banden aufrüsten. In Auseinandersetzungen werden schon einmal Maschinenpistolen eingesetzt. Sehen Sie hier eine neue Qualität?

Rainer Wendt: Bisher waren die Clans hier in Deutschland bemüht, möglichst nicht aufzufallen. Sie wollen ihre Geschäfte möglichst auf Höhe der Grasnarbe betreiben, mit so wenig Außenwirkung wie möglich. Seit einiger Zeit drängen extrem gewaltbereite Banden aus dem Osten in die deutschen Reviere, beispielsweise aus Tschetschenien, gegen die arabische Clans in Deutschland wie Schülerlotsen wirken. Wenn die sich jetzt stärker bewaffnen, dann tun sie das, um ihr Leben zu verteidigen.

TE: In Berlin ist es der Staatsanwaltschaft gelungen, mehr als zwei dutzend Immobilien des Remmo-Clans zu beschlagnahmen, die mutmaßlich mit illegal erwirtschaftetem Geld gekauft wurden. Beeindrucken solche Maßnahmen die Szene?

Rainer Wendt: Die Mieteinnahmen der Häuser gehen jetzt tatsächlich auf ein Sonderkonto der Staatsanwaltschaft. Sie sind allerdings nur vorläufig beschlagnahmt. Jetzt muss die Staatsanwaltschaft nachweisen, dass das Geld für ihren Kauf tatsächlich aus kriminellen Geschäften stammt. Das hat mit der Umkehr der Beweislast, wie wir sie für diese Fälle seit 30 Jahren fordern, nichts zu tun. In anderen Ländern funktioniert eine solche Beweislastumkehr zur Bekämpfung von Geldwäsche schon gut.

TE: Wo zum Beispiel?

Rainer Wendt: In Italien. Deshalb bringen kriminelle Organisationen aus Italien ja ihr Geld zunehmend nach Deutschland. Wir haben eine europäische Union, das heißt, keine Binnenkontrollen mehr an den Grenzen. Das muss dann aber auch dazu führen, die Polizei in den Mitgliedländern mit ähnlichen Kompetenzen auszustatten.

TE: Sie selbst sind wegen ihrer Haltung zur Clankriminalität und zur Einwanderung krimineller Banden schon öfters als Rechtspopulist beschimpft worden. Wie gehen Sie damit um?

Rainer Wendt: An der Universität in Köln bin ich einmal niedergebrüllt worden. Da war die Antifa mit 60 Leuten aufmarschiert. Es war mir nicht mehr möglich, dort zu sprechen. Begriffe wie ‚Rechtspopulist’ und ‚Rassist’ werden heute aber derart inflationär benutzt, dass sie sich abnutzen.
Wenn ich so beschimpft werde, dann nehme ich das mit stoischer Gelassenheit hin.


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Wenn man sich die letzten Jahrzehnte so anschaut, muss man eigentlich Mitleid mit der Polizei haben. Ich unterstelle mal, dass die Mehrheit der Polizeibediensteten Recht und Gesetz an die erste Stelle setzen – aber dafür in der Politik kaum Rückhalt genießen. Sie sind oft nur Spielball der jeweils an der wirklichen Macht Sitzenden. Eine Strategie der kleinen Nadelstiche halte ich auf lange Sicht für nicht besonders wirksam – erstens wird das Land rasant von Clans überschwemmt und zweitens richten die sich auf die Nadelstiche ein und sind der Polizei dann wieder um einige Meilen voraus. Was wir wirklich brauchen, wäre… Mehr
Wenn -wie aktuell- ein Status im Lande der in jeder Beziehung offenen Grenzen erreicht ist, in dem Verwaltungsbeamte, Polizeibeamte, auch schon mal Richter und Staatsanwälte clanseitig mit dem Spruch bedacht werden, daß man wisse „wo sein Haus wohnt“, dann ist da nichts mehr zu retten, ein Stand wie zu Hochzeiten der Mafia in Süditalien erreicht. Es soll auch vorgekommen sein, daß dazu Fotos der Kinder des Angesprochenen im Umfeld ihrer Schule vorgelegt wurden. Da kann „uns“ nur noch ein Herkules retten, der den Augiasstall bis auf die Fundamente entkernt. Das ist aber mit dem vorhandenen Politpersonal und Gesetzger nicht zu… Mehr

Restle und Jelpke, zwei „Hardcore Ideologen“ die sich die „Messerrepublik Deutschland“ leistet.
Totalitäre politische Ideologien mit umfassendem Wahrheitsanspruch weisen oftmals Elemente von Mythenbildung, Geschichtsklitterung, Wahrheitsverleugnung und Diskriminierung konkurrierender Vorstellungen auf.

Warum äußert sich eigentlich immer nur der Polizeigewerkschafts-Chef zu den genannten Zuständen und nie einer der Polizeipräsidenten. Das ist doch eigentlich garnicht seine Aufgabe. Der Gewerkschafter hat in der Regel die Aufgabe, die Interessen der Polizeimitarbeiter zu vertreten.

Weil diese sog. „Polizeiführer“ keine Polizei sind, sondern Politdarsteller, die nach Parteibuch bestimmt und ihnen vorgesetzt werden, quasi die AKKs der Polizeibehörde, schon mal die Sporen als langjährige Gewerkschafter verdient. Mehr muß man zu deren Nichtqualifizierung u. wem sie sich verantwortlich fühlen, wohl kaum ausführen.

Es liegt doch wohl im Interesse der Polizisten wenn die immer größer werdende Problem endlich gelöst wird. Die Polizeipräsidenten sind doch Politiker in Uniform.

Dieses Thema ist eines der heissesten Themen, die wir einer Politik zu verdanken haben, der immer mehr von dem, was uns als fester Grund diente, unter den Füssen weggezogen wurde. Einer wie Seehofer, der noch vor zwei Jahren von“der Herrschaft des Unrechtes“ sprach, dem kann man. auch wenn man möchte, nicht mehr über den Weg trauen. Dieser Staat ist mittlerweile so stark unterwandert von subversiv tätigen Individuen, dass hier bei der Strafverfolgung nichts vertraulich bleibt und somit die Arbeit der Polizei konterkariert wird. Wenn direkt erwischte Straftäter nach Vorführung beim Haftrichter wieder schneller auf freiem Fuß sind, als die Beamten… Mehr

Deutschland, das sicherste Land für Kriminelle!

Gesucht: ein 20-30 jähriger Mann mit asiatischen Aussehen. Falls die Polizei kein racial profiling durchführen darf, soll sie dann die 80jährige Oma Emma überprüfen? Ein Punkt wird allerdings selten aufgegriffen: was hier als Rassismus bezeichnet wird, ist eigentlich Tribalismus. Kein Türke kann einem deutschen Rassismus vorwerfen, da beide kaukasisch/weiss. Allerdings kann der „Aktivist“ dem Polizisten dies vorwerfen. Gemeint ist aber, dass der andere etwas gegen den eigenen Stamm (Tribe) unternimmt. Der angesprochene Anwalt spricht auch sehr schnell von Rassismus, jedoch meint er, du diskriminierst meinen Stamm in seiner Entfaltungsfreiheit. Wendt als Vertreter der Justitia (blind) muss gegen alle Stämme ermitteln,… Mehr

Wo bitteschön wird denn gehandelt? Wenn ein paar Schitt-Raucher aufgeschrieben werden, sie Platzverbot erhalten, dann ist das doch nicht das Handeln, was benötigt wird. Mehr kommt doch letzten Endes aus den kleinen Nadelstichen nicht heraus. Die erwähnten Tschetschenen werden doch den Deutschen noch als Russen untergejubelt, obwohl die mehrheitlich mehr Harcore-Muslime sind.

Flüchtlingscamp Deutschland 2016: „ … Die Kriminalitätsrate unter echten Flüchtlingen war damals übrigens wirklich nicht höher. Wer sie in die Höhe geschraubt hat, das waren die illegalen Einwanderer die ihre Bereitschaft, geltendes Recht zu mißachten, ja schon mit dem unerlaubten Grenzübertritt bewiesen hatten. Es mehrten sich Zeitungsnotizen über Brandstiftungen, Vergewaltigungen, alte Damen, denen beim sonntäglichen Kirchgang die Goldkettchen vom Hals gerissen wurden und mit schöner Regelmäßigkeit passten die Täterbeschreibungen der Opfer auf neunundneunzig Prozent unserer Maghrebinischen Schlitzohren im Flüchtlingscamp. Am Ende der Berichte dann jedes Mal die obligatorische Bitte, sich mit Hinweisen vertrauensvoll an die Polizei zu wenden. Als bräuchten… Mehr

Mein Vorschlag für Seehofers Grabstein-Inschrift:
WENN DEINE BAHNSTEIGE BESSER BEWACHT WERDEN ALS DEINE LANDESGRENZEN DANN WEISST DU, DASS DU VON IDIOTEN REGIERT WIRST

Das Sprachbild mit den „Schülerlotsen“ ist doch arg verunglückt. Ich verstehe ja, was Herr Wendt damit sagen will. Für mich aber sind Schülerlotsen eine positive Einrichtung, Clans, auch arabische, dagegen nicht.

Also bitte, jeder weiß was er damit gemeint hat (die Tschetschenen sind deutlich radikaler als die Clans vor Ort) und jetzt legen Sie das auf die berühmte Goldwaage?! Das ist ja schon fast wie bei der grünlinken Sprachpolizei.

Wenn er die arabischen Clans so bezeichnet, sollte man schon erkennen können welche Gewaltwelle da auf uns zurollt, oder?

Natürlich. Ich fand ja nur das Sprachbild verunglückt. Wenn ich jetzt einen Gegenvorschlag mache, kann man den natürlich auch auseinandernehmen. Ich tu es trotzdem: „Dagegen sind arabische Clans Schwarzfahrer.“

Das trifft es nicht. Schülerlotsen helfen, der Begriff ist positiv belegt. Wenn jemand der an und für sich ein Krimineller ist, mit einem positiven Begriff belegt wird, dann zeigt das die Dimension, die über uns hereinfällt.
Schwarzfahren ist Alltäglichkeit, gab es schon immer und ist für manche gar ein Sport oder man sagt sich im Lustigen: eine Haltestelle ist kostenlos. Da wird die Steigerung ins Extreme niemals verdeutlicht.

Wer nimmt solche jämmerlichen Figuren wie Restle,Jelpke u.s.w. überhaupt noch ernst?Das Publikum das Restle mit dem Framing-Staatssender noch erreicht dürfte überschaubar sein.Und die scheinbar völlig verwirrte Jelpke von der SED dürfte da noch weit hinten dran stehen.Man sollte deren verbalen Absonderungen nicht auch noch Beachtung schenken.

Solche Leute verachtet man, missachten ist schon zuviel Referenz.

Nur leider habe ich den Eindruck, dass diese „jämmerlichen Figuren“ immer mehr Einfluss gewinnen. Gerade so Leute wie Restle und Co., die überall Rassismus wie ein Trüffelschwein wittern, sind m.E. verantwortlich dafür, dass zahlreiche Medien- und Kunstschaffende sich als Kämpfer gegen „rechts“ oder das, was sie als rechts erachten, produzieren, um auf Seiten der vermeintlich Guten zu stehen. Solche unerträglichen Leute wie Jelpke machen mir insofern Angst, weil die Linken immer mehr Deutungshoheit gewinnen. Da die AFD der Paria unter den Parteien ist, wird sich selbst bei der CDU die Linke als Koalitionspartner schön geredet.