Prof. Weidenfeld: Europa ist zum Kontinent der Fragezeichen geworden

Die alten Ziele der EU sind Geschichte: Es braucht eine neue Vision.

Die Europäische Union muss unter der neuen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eine neue Vision der europäischen Idee entwickeln, sonst werden sich die Bürger in der EU „frustriert und verängstigt weiter abwenden“. Der Politikwissenschaftler Werner Weidenfeld, Direktor des Zentrums für angewandte Politikforschung an der Universität München, sieht die EU aktuell im Krisenmodus und in einer „Ära strategischer Sprachlosigkeit“. In einem Gastbeitrag für das Meinungsmagazin Tichys Einblick schreibt Weidenfeld: „Die Europapolitik begegnet den großen Herausforderungen – von der neuen Völkerwanderung über die terroristischen Gefahren, von der Klimadiskussion bis hin zur aktuellen welt­politischen Krisenlandschaft – entweder mit Ratlosigkeit oder mit situativem Krisenmanagement. Die Sehnsucht der Bürger nach strategischen Zukunftsperspektiven bleibt unerfüllt. Die poli­tische Elite bleibt sprachlos.“

Trotz existentieller Herausforderungen biete die Politik keine strategischen Lösungen. „Europa zeigt sich vielmehr als ein Kontinent der Fragezei­chen.“ In den fehlenden Lösungen und dem Vertrauensverlust in Politik und Demokratie sieht Weidenfeld einen Grund für das Erstarken linker und rechter populistischer Parteien. Weidenfeld: „Der Kontinent wirkt im Blick auf seine Gestaltungskraft müde, pessimistisch.“ Es sei jetzt wichtig, Europa eine neue Zielorientierung zu geben. „Es existiert keine Agenda, die Europa in Krisen und Konflikten eine zuverlässige Orientierung geben könnte. Erst wenn es gelingt, eine Kultur strategischen Denkens zu entwickeln, wird es eine markante gestalterische Relevanz nach innen und außen erhalten. Dazu bedarf es einer Neubegründung des europäischen Integrationsprojekts.“


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Kommentare ( 34 )

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34 Kommentare auf "Prof. Weidenfeld: Europa ist zum Kontinent der Fragezeichen geworden"

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Und mit welchem Personal soll Europa eine neue Zielorientierung gegeben werden? In Deutschland (und Deutschland ist in der EU ein Land mit großem Einfluss) sehe ich niemanden, nichts, null, nada an Personal, das irgendetwas anderes machen wollte als mehr vom Selben (das ja jetzt schon nicht mehr funktioniert). Und der deutsche Wähler will es so. Es wird nicht gut gehen.

Es ist noch schlimmer. Ich sehe niemanden, der mindestens verstanden hätte, dass er Vieles anderes machen sollte.

Das politische Mantra der EU-Hörigen

Alles ist prima so, wie es ist
Es gibt keinen Grund, etwas anders zu machen
Wir brauchen nur noch mehr von demselben

Und das soll mit dem derzeitigen Personal auf den Weg gebracht werden? Bevor er sich dem „Wunschdenken“ hingibt, sollte Prof. Weidenfeld eine gründliche Analyse der derzeitigen „Gegebenheiten“ vornehmen. Womöglich muss er dann feststellen, das die Voraussetzungen für die Umsetzung seiner Ratschläge nicht gegeben sind. In Deutschland steht nicht mehr der Chirurg am OP Tisch, sondern der Hausmeister, der sich die OP zutraut und endlich beruflich aufsteigen will.

Wenn es denn der Hausmeister wäre. Der kann mit Zange und Säge ja noch umgehen. Gut die Nähte sind nicht so schön hinterher…. aber was sich da am offenen Herzen dieser Republik versammelt hat, läßt mich an Dieter Nuhr und ’seinen‘ Schamanen mit dem Otterfell denken.

Zitat: “Die poli¬tische Elite bleibt sprachlos.”

Was mir seit Jahren auffaellt: Unter den Wenigen, deren Urteilskraft ich noch vertraue und die von Zeit zu Zeit noch ihr Stimmchen ertoenen lassen, ist keiner bereit, sich fuer eine politische Partei einzusetzen. Ich verstehe und billige das, aber es laesst ganz boese Ahnungen in mir aufkeimen.

Die Vernunft hat laengst das Feld fuer den Dilettantismus geraeumt. Es ist nicht eimal mehr moeglich, Verstaendige zur Zusammenarbeit und zum Widerstand gegen die bizarrsten Auswuechse deutscher Politik zu bewegen.

Ich habe es versucht. In drei dieser Vereine, pardon, mit drei dieser Vereine. Zweimal blieb mir die Mitgliedschaft erspart. Als Fazit zitiere ich Salomon Baer (habe ich letztens hier auf TE gelesen): „Wer den Kampf aufnimmt gegen die Dummheit, der wird auch immer die Klugen zu seinen Gegnern haben, die von ihr leben.“

Volle Zustimmung. Solange Ideologie und Machtkalkül vor Vernunft und Hysterie vor kühlem Sachverstand regieren, wird sich gar nichts ändern, und das wird von einschlägigen Medien noch bejubelt.

Man muss das mit der EU nicht übertreiben. Wer in einem Mehrfamilienhaus wohnt, der schließt ja hinter sich auch die Tür ab, und lässt sein Geld nicht auf ein Gemeinschaftskonto überweisen. Wenn man nett zueinander ist, freundlich auf der Treppe grüßt, und mal dem Nachbarn mit einem Ei aushilft, so sollte das reichen, und ist genug des Edelmutes. Ansonsten ist so eine Hausgemeinschaft wie die EU mit ihren Völkerfamilien. Niemand überweist dem Anderen am Monatsende Geld, nur weil er das größere Auto fährt, und irgendwo gibt es immer einen lauten Nachbarn, den alle nicht leiden können. Damit muss man leben,… Mehr

Zitat: “… muss unter der neuen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eine neue Vision der europäischen Idee entwickeln, …”

Ich wuerde die nicht mal die Huehner fuettern lassen!

Das brächte sie ohne Berater auch nicht fertig.

Das europäische Projekt wurden von Linken gekapert und wird gerade in ein sozialistisches Konstrukt, als Nachfolgestaat der UDSSR plus Westeuropa, transformiert.

Nur leider, oder besser gesagt Gott sei Danke, haben sie die Rechnung ohne die ehemaligen Satellitenstaaten der UDSSR gemacht, die noch genau wissen, wie es sich anfühlt in Abhängigkeit und Gängelei zu leben. Und vielleicht wacht doch noch der eine, oder andere, Westeuropäer auf……

Wenn man das Ergebnis der letzten Tätigkeiten von von der Leyen betrachtet, braucht man aber keine Angst zu haben, denn diese Person schafft es, jede von ihr geleitete Institution, zuverlässig an die Wand zu fahren.

In einer korrekten EU könnte ich den Strom aus Frankreich kaufen und die Zigaretten aus Tschechien, so wie die Firmen ihre Buchhaltung nach Tschechien outsourcen.

Diese EU ist eine EU der „Herrschaften“, keine EU des Volks. Da nützen auch keine neue Visionen.

Das europäische Integrationsprojekt ist gescheitert, ebenso wie der Multikultiwahn. Es gab ein Europa des friedlichen Zusammenlebens, des Wohlstandes und der Souverenität einzelner Demokratien. Ratlosigkeit oder Sprachlosigkeit bei den Politikern ist auch nicht zu erkennen. Sie brechen Gesetze nach Belieben und betreiben kein situatives Krisen-, sondern permanentes Missmanagement. Der innere Frieden und Zusammenhalt unserer Gesellschaft war einst begründet auf dem Vertrauen in den Rechtsstaat. Das Vertrauen ist nicht nur verloren gegangen, es ist verspielt. Die größten Populisten finden wir in den allsamt links orientierten Altparteien, die nicht mal mehr vor Volksverhetzung zurückschrecken, siehe Chemnitz, Dunkelland Sachsen, das Pack usw. Sie hetzen… Mehr
Es geht ja auch nicht um Integration sondern um Assimilierung, der große europäische Schmelztopf ist das Ziel. Die Nationen sollen verschwinden, eigene Identitäten sollen ausgelöscht werden wie es jetzt schon DL vorführt. Erinnern sie sich? Wir hatten keine Nationalmannschaft mehr, die Benennung deutsches Volk soll weg, der Begriff Heimat soll verschwinden, der Begriff Nation ist Nazi usw.usf. Die Lüge, wir haben nur deshalb 70 Jahre Frieden, weil es die EU gibt wird immer wieder widerholt als wenn die Völker blutrünstig übereinander herfallen würden ohne EU. Das ganze Konstrukt ist nicht mehr zu retten, die Völker wollen Frieden, Wohlstand und Zusammenarbeit… Mehr

Sie haben Verständnis dafür, daß die Leute keine Deutschen mehr sein wollen, weil ihre Vorturner und viele ihrer Mitbürger so dämlich und/oder verbrecherisch sind? Verstehe ich das richtig? Aber was bleibt dann übrig, Bayern und Sachsen vielleicht und der Rest ein Gaza-Streifen in Groß? Also mir fehlt da jegliches Verständnis, aber vielleicht bin ich auch einfach noch nicht so weit. 🙂

Das europäische Integrationsprojekt war bis 2007, also bis zum Beginn der Finanzkrise, eine Schönwetterveranstaltung, die in der reinen Umverteilung von Geld bestand, das scheinbar zur Genüge vorhanden war. Im Zuge der (unbeeendeten) Finanzkrise, als es darum ging, wer für die dadurch entstandenen Schäden haftet, zeigte sich, dass es mit den gemeinsamen Interessen doch (noch???) nicht so weit her ist. Und das betrifft bei Weitem nicht nur die Finanzen. In ganz entscheidenden Politikfeldern, bestehen diametrale Interessengegensätze, die nicht im Wege einer Konsenspolitik, sondern durch brutale Erpressung in Form national(sozial)istischer Alleingänge, insbesondere Deutschlands, durch das Schaffen von Fakten „gelöst“ werden sollen. Wo… Mehr

Ob das die großartigen linken Gutmenschen auch im Jahre 1980 gesagt haben? In den damals besten Ländern der Welt im Osten Europas.