NASA: Brände im Amazonas-Becken im 15-Jahresdurchschnitt

Die NASA erklärt, dass die Brandaktivität im Amazonasbecken in diesem Jahr im Vergleich zu den vergangenen 15 Jahren nahe am Durchschnitt liegt, eher leicht unterdurchschnittlich einzustufen ist.

CARL DE SOUZA/AFP/Getty Images

»Feuer. Überall Feuer.« Die »Zeit« gerät regelrecht in Panik. »Nicht nur in Brasilien, sondern in ganz Südamerika brennt es im Wald.«

Auch Greta Thunberg ist über die Feuer im Amazonasbecken erschrocken. Mitten auf dem Atlantik auf ihrer Segelyacht, die sich gerade durch flaue Winde nach New York kämpft, erfährt sie, wie schlimm es um unsere gute alte Erde doch bestellt ist, wo jetzt auch noch Südamerika brennt.

So stark hat der Amazonas noch nie gebrannt, berichten die Medien. Die Brände brechen alle Rekorde – und CO2 allüberall. National Geographic schreit »Der Amazonas brennt in Rekordraten«. Das peinliche Panik-Portal »Weather.com« von Burda brüllt: »Die Welt scheint entflammt zu sein.«

Der britische Premierminister Boris Johnson ist »zutiefst besorgt«, Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mal wieder nichts weniger als die gesamte Welt im Auge. Sie hat die Feuer als »akuten Notfall« sowie »schockierend und bedrohlich nicht nur für Brasilien und die anderen betroffenen Länder, sondern auch für die ganze Welt« bezeichnet.

Doch Brasiliens Präsident Bolsonaro will »Kapitän Kettensäge« sein, wenn die Schreckensmeldungen alle wahr sein sollten, und entlässt wegen Panikmache gleich mal den Chef des brasilianischen Weltraumforschungsinstitutes.

Also: Was ist diesmal dran am Weltuntergang?

Ein Blick auf die Ergebnisse der amerikanischen Weltraumbehörde NASA erhellt. Deren Satelliten beobachten die Erde schon seit langem. Die NASA erklärt, dass die gesamte Brandaktivität im Amazonasbecken in diesem Jahr im Vergleich zu den vergangenen 15 Jahren nahe am Durchschnitt liegt, eher leicht unterdurchschnittlich einzustufen ist. Die Brände hätten im Amazonas-Gebiet und Rondonia zugenommen, dagegen in den Staaten Mato Grosso und Pará abgenommen.

Bilder sind hier zu finden.

Kein Wunder: Es herrscht Trockenzeit, Brände auch im Amazonaswald und in der Savannenlandschaft sind in dieser Jahreszeit nicht ungewöhnlich – wie in allen anderen Teilen der Erde auch.

Ein eindrucksvoller kurzer Film der NASA zeigt, wo es überall auf der Erde regelmäßig brennt, nämlich überall dort, wo es trocken ist, feuchte Regenwälder brennen eher selten.

Die Brände entstehen einmal durch natürliche Selbstentzündung. Sie werden aber auch häufig von Farmern gelegt, die damit Büsche und unerwünschte Pflanzen niederbrennen lassen. Aus der sehr mineralreichen Asche wächst rasch wieder verstärkt Grünland für die Viehhaltung. Viehzüchter roden den Wald häufig mit Feuer, das ist einfacher, als mit Motorsägen Bäume zu fällen. Illegal ist es in Brasilien, die Feuer während der Trockenzeit zu legen, weil sie dann leicht außer Kontrolle geraten. Präsident Bolsonaro wirft Umweltgruppen vor, Feuer absichtlich gelegt zu haben, weil er ihnen die staatlichen Mittel gekürzt habe.

Zwei wesentliche Quellen liefern derzeit Übersichten über die Brände in Südamerika: Das Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais INPE und das brasilianische Institut für Weltraumforschung. Mit ihrem Programm DETER kann das Institut mit Hilfe von Satellitenbildern den brasilianischen Regenwald beobachten und Veränderungen auswerten. Doch diese Daten, so schränkt DETER selbst ein, dürfen nicht als nicht verlässlich eingestuft werden. Sie liefern nur Hinweise.

Das Programm DETER ist als Schnellwarnsystem für Brände und nicht als System zur Zählung von Feuerstellen konzipiert worden. Es kann Feuer schon mal mehrfach zählen und es kann zudem nicht durch Wolken sehen. Das bedeutet weiterhin, wenn das System eine gerodete Waldfläche erkennt, »weiß« es nicht, ob diese Fläche schon lange zuvor gerodet wurde oder erst vor kurzem.

Es zeichnet die Daten zudem nur für vier Wochen auf. Erst die genaue Validierung mit einem anderen Programm – PRODES – gibt genaue Auskunft. Das basiert auf Daten der LANDSAT und anderer Satelliten und kann Vorher-Nachher-Bilder vergleichen. PRODES allerdings kann erst zu Beginn des jeweils nächsten Jahres die Ergebnisse liefern.

Aktuell geriet das INPE-Institut in die Kritik, als es ziemlich vorzeitig warnte, dass im ersten halben Jahr bereits 50 Prozent mehr Amazonas-Regenwald abgeholzt worden seien als im Vorjahreszeitraum. Präsident Bolsonaro wütete über den INPE-Chef, er würde für eine NGO arbeiten. INPE-Chef Galvão bezeichnete daraufhin den Präsidenten als »Feigling« und dürfte sich wohl nicht allzusehr gewundert haben, dass er entlassen wurde.

Eine durchschnittliche Brände-Saison zu erwarten

Dann liefert die amerikanische NASA genaue Informationen über den Zustand der Erde. Laut dem Earth Observatory der NASA vom 16. August 2019 ergab eine Analyse der NASA-Satellitendaten, dass alle Brandaktivitäten im Amazonasbecken in diesem Jahr im Vergleich zu den letzten 15 Jahren nahezu dem Durchschnitt entsprechen.

Eine Grafik zeigt auf den ersten Blick, dass die Brandsaison in Südamerika in diesem Jahr erst am Anfang steht, doch die bisherigen Daten erkennen lassen, dass sich eine ganz durchschnittliche Saison erwarten lässt.

Es ist nicht so einfach, den Verlauf der Feuer zu verfolgen. Die Satelliten liefern Bilder im sichtbaren und Infrarot-Bereich, Wolkendecken können die freie Sicht des Satelliten blockieren; die Programme müssen die Bilder kombinieren und mit denen vergangener Jahre vergleichen. Denn das Betrachten aktueller Bilder sagt nicht viel aus. Erst der Vergleich mit vergangenen Jahren erhellt, ob es mehr oder weniger brennt.

Feuer gehören zur Entwicklung der Natur. Brände beeinflussen die Vegetation und die Atmosphäre der Erde seit 350 Millionen Jahren. Ein Video der NASA zeigt eindrucksvoll, in welcher Regelmäßigkeit es rund um den Globus immer wieder brennt.

Feuerökologie

Die Bedeutung des Feuers für die Evolution der Lebewesen wie auch für das Klima ist jedoch weitgehend ungeklärt. »Feuerökologie« ist ein relativ junges Fachgebiet und liefert nicht besonders viele Erklärungen. Eine ist erstaunlich: Es gab in den Graslandschaften der Prärien Nordamerikas einen Rückgang der Artenvielfalt, weil der Mensch jahrzehntelange keine Brände mehr ausgelöst hat.

»Savannen-, Wald- und andere Vegetationsfeuer sind ein weltweites Phänomen«, betonen Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz. »Sie sind integraler Bestandteil verschiedenster Ökosysteme, in denen sich die Feuer in Abständen von einem Jahr bis zu einigen Jahrhunderten wiederholen. Vegetationsbrände treten natürlich auf, und können mit versteinerten Holzkohlefunden bis zum Devon zurückverfolgt werden.«

Sie verweisen auch auf die erheblichen Unsicherheiten in der Abschätzung der Vegetationsfeuer und in der Frage, wieviel und welche Emissionen sie produzieren. »Dies drückt sich zum Beispiel in der Streuung der mit verschiedenen Methoden berechneten regionalen Emissionen um bis zu einer Größenordnung aus. Die Analyse von Feuerbeobachtungen weiterer, insbesondere geostationärer, Satelliten wird die Unsicherheit in Zukunft verringern.«

Die Mainzer haben eine Kurve »Global Biomass consumption in Vegetation fires« für die vergangenen Jahre erstellt. Ergebnis: Die Kurve verläuft relativ sehr gleichmäßig. Dies bedeutet: Es handelt sich um regelmäßig wiederkehrende Ereignisse.

Und sie stellen fest: »Die regionale Variabilität ist deutlich ausgeprägter als die globale. So wurde 2014 eine zweifach überdurchschnittliche Feueraktivität in Nordamerika und im tropischen Asien durch circa 15 Prozent weniger Feuer in Afrika und Südamerika ausgeglichen.«

Weltweite Brände – nichts Ungewöhnliches also, jedenfalls überhaupt keine Rechtfertigung, um mit Panik Stimmung zu machen und Geschäfte mit wilder Panik anzuheizen. Das bedeutet natürlich nicht, die teilweise illegalen Brandrodungen in Südamerika gut zu heißen. Nicht umsonst schickt Präsident Bolsonaro Militär in die Regionen.

Panik ungerechtfertigt

Er hat es bisher allerdings vermieden, den Marktschreiern den Spiegel vor die Nase zu halten. Denn nicht vergessen werden darf, dass ebenso in Europa Brandrodung das Mittel der Wahl war, um Flächen für Ackerbau und Viehzucht nutzbar zu machen. Heute werden riesige Waldgebiete in Europa für Windräder abgeholzt, in Norwegen wird gerade eine Fläche so groß wie Belgien gerodet. Tausende von Windrädern sollen in dieser unberührten Landschaft entstehen – unter anderem für die Stadtwerke München, die ihren ökobeflissenen Kunden teuer »grünen« Strom verkaufen wollen. Sie müssen nur noch den Elektronen aus den Generatoren der Windräder sagen, dass sie nicht in Norwegen bleiben, sondern nach München sollen.

Mit den weit entfernten Bränden in Brasilien kann der französische Präsident Macron so schön von den wirklichen Gefahren in Europa ablenken, wenn er fordert »diesen Notfall« als ersten Punkt beim Gipfeltreffen in Biarritz zu besprechen.

Zur Beruhigung bleibt schließlich die Einsicht: Nicht nur Wälder, sondern auch das Plankton in den Meeren produziert Sauerstoff. Und zwar einen wesentlich größeren Anteil als Wälder. Die sind nicht die einzigen »Lungen des Planeten«.

Was, um dies klar hervorzuheben, keinerlei Freibrief für hemmungsloses Abholzen von Regenwäldern bedeuten kann. Auch nicht, um beispielsweise Palmölplantagen anzulegen. Die liefern Palmöl für »Biodiesel« – von Bundesregierung und EU ausdrücklich mit Nachhaltigkeitssiegel versehen.

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Kommentare ( 56 )

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56 Kommentare auf "NASA: Brände im Amazonas-Becken im 15-Jahresdurchschnitt"

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Brände im Amazonsgebiet?
Merkel fordert den sofortigen
Ausstieg aus Zündhölzern
und Feuerzeugen.
„Wir schaffen das“

„Ich will, dass ihr Panik kriegt“!
Daran wird fleißig gearbeitet, bei der „Zeit“ hat´s funktioniert und das kann sich fröhlich verbreiten. Insbesondere Freitags wird es dann ganz krass mit der Ansteckungsgefahr. Besonders Kinder sind hochgradig gefährdet. Ein Impfstoff wird nicht gesucht.

Deutschland war nach dem Mittelalter weitestgehend entwaldet, was heute vielfach in Vergessenheit geraten ist. Erst in der Neuzeit, so ab Ende des 18. Jahrhunderts, wurde im großen Stil wieder aufgeforstet.

Dass es etwa so viel Brände wie zuvor sind ist natürlich kein Grund die Brände als harmlos zu betrachten.
Es ist im Gegenteil höchst schädlich zusätzlich zu natürlichen Bränden auch künstliche zu legen. Es vernichtet die Artenvielfalt der Primärwälder, und vernichtet alle milliardenschweren Versuche innerhalb Deutschlands CO2 zu sparen.
Man könnte das ganze CO2-Problem, sofern es das überhaupt gibt, lösen mittels globaler Aufforstung. Ohne Zerstörung des Technologie-Standorts Deutschland.

Natürlich haben Sie recht, dass die Brände nicht als harmlos zu betrachten sind. Doch hinter den Satz „es vernichtet die Artenvielfalt der Primärwälder“ könnte man ein Fragezeichen machen insbesondere im Hinblick auf die Erfahrung der nordamerikansichen Prärien.

Also im statistischen Mittel „Alles im Lot auf dem sinkenden Boot“? Nein ich bin kein Greta-Jünger, glaube an keinen Klimawandel aber halte massive Wettermanipulation für den Hintergrund der Zunahme der Waldbrände: Die die Sonneneinstrahlung reflektierenden Aluminium-Nano-Partikel bedecken Pflanzen und gelangen in den Boden. Bei zusätzlich mangelnder Feuchtigeit werden diese noch brennbarer, mehr Blitze durch erhöhte Leitfähigkeit der „Schleierwolken“, mehr Waldbrände. Daß Waldbrände natürlicherseits schon immer Bestandteil von Sukzessionen von Lebensgemeinschaften sind und waren, ist nicht das Thema. Wo es sonst noch so brennt: https://www.zeit.de/wissen/2019-08/waldbraende-sibirien-russland-flammen https://www.wetter.de/cms/arktische-hitzewelle-temperaturrekorde-und-waldbraende-in-kanada-alaska-und-sibirien-4372363.html https://www.tagesschau.de/ausland/waldbraende-griechenland-105.html Durch zunehmende Zerstörung der Ozonschicht im Gefolge von Geoengineering , kommt es zu einem… Mehr
Das Feuer, das in Deutschland brennt, würde eine ordentliche Bilanz der Politik seit Merkel gezogen wird, wird viel schlimmer sein. Ja, „Unser Haus brennt“ schon lange, nur interessiert sich niemand dafür. Eine ordentliche Bilanz wird von den politischen Gauklern seit Jahren verweigert („wir haben gemeinsam in den Abgrund geschaut“), fürchten sie doch aus ihren komfortablen Nestern verjagt zu werden. Dem Volk erzählen sie das Märchen von der schwarzen Null. Die schwarze Null soll dem Volk suggerieren, daß alles in Ordnung sei. Würde man die Schulden und Kredite auf das Volk und die Zukunft der nächsten Generationen mitbilanzieren, ist die schwarze… Mehr

Sogar Wetteronline schreibt, dass es 2013 mehr Brände gab. Und die Seite ist sowas von Klimahype! Die Tiefsttemperatur wird, zumindest für meinen Ort, generell 2 bis 5 Grad zu hoch prognostiziert. Für die Höchsttemperaturen gilt ähnliches.

“ Die »Zeit« gerät regelrecht in Panik.“
die Zeit Journalisten sind Gretas willigste Gefolgsleute und die Zeit Leser sind die Lemminge der Zeit Journalisten. Wenn ich so die Artikel auf ZON lese und im Forum die Beiträge, dann weiß ich endlich, wie Massenhysterie aussieht. Verantwortungslos jedoch ist dieses Panik verbreiten und hysterische Gehabe unter dem Deckmantel Berichterstattung gegenüber den Kindern und Jugendlichen.

Das Erfolgsrezept der mittelalterlichen Ablasshändler

Mir als „Öko“ und „Baumumarmer“ blutet immer das Herz, wenn ich von Waldbränden oder Rodungen höre. Umso widerliche empfinde ich diese Desinformationen zum Zwecke ideologisch motivierter Propaganda – man weiß ja gar nicht mehr, was überhaupt noch glaubhaft ist. Präsident Bolsonaro weiß ich darum schon gar nicht einzuschätzen – der soll ja „rechts“ sein, gegen „Gender“ und für Waffenbesitz in Privathand. Also quasi selbstverständliches Ziel für Angriffe hiesiger Linksmedien, so wie auch Putin, Orban, Trump. Mithin bleibt mir nur zu hoffen, daß der Artikel richtig liegt und die Geschichten über Horrorbrände in Amazonien nur die übliche Hysteriepanikmache und nichts als… Mehr

Vielen Dank, ja, sehr schade um die Frösche und anderen Tiere. Es sind aber auch Hochzeiten für Feuerkäfer etc, die kilometerweit Feuer mit ihren Sensoren wahrnehmen und zu den Feuern eilen. Für sie gibt’s lecker Geröstetetes. Die Früchte vieler Bäume gehen erst bei Feuer auf, so können sich diese Bäume dann vermehren ( Mammutbaum ).

Zitat: „Savannen-, Wald- und andere Vegetationsfeuer sind ein weltweites Phänomen“. Zur Einordnung der ökologischen Wirksamkeit von Feuer vs. „gutmenschliche ökologischer Wirtschaftsweise“, wie sie den deutschen Bauern gerade aufgezwungen wird: Bis vor ca. 70 Jahren war es in den norddeutschen Mooren üblich, die Mooroberfläche abzubrennen. Das sah nicht schön aus. Im Frühjahr zogen Rauchschwaden über das ganze Land. Im Ergebnis passierte aber exakt dasselbe, was in den Wäldern passiert. Der Kohlenstoff verwandelt sich in CO2-Gas, die Nährstoffe verbleiben als Asche am Boden. Die Asche ist der Dünger aus dem reichhaltige Nutzpflanzen wachsen UND sie ist die Grundlage für die Humusbildung auf… Mehr

Vielen Dank für Ihre sehr wertvollen Hinweise auf die Praxis in norddeutschen Mooren und die biologische Bedeutung.

Die wissen nichts von Zusammenhängen.
Und dass sie nichts wissen, wissen sie auch nicht.
Schlimm zusehen zu müssen, wie es mal wieder Richtung Untergang geht.

Vielen Dank für Ihre Zuschrift!