Mit der Welt ist nichts los

Aber auch wenn sie oberflächlich reden, als sei nichts gewesen, als würde das nichts mit den Menschen machen, so wird dieser 19. Dezember doch seine Wirkung entfalten.

Wie schreibt man über das, was man selbst nicht fassen kann? Über dieses perfide Gefühl, es im ersten Moment gewusst zu haben und trotzdem so geschockt zu sein, als stünde man urplötzlich vor den Scherben einer heilen Welt.

Ja, wie fasst man die Gefühle über das zusammen, was zu erwarten war und trotzdem mit erbarmungsloser Härte trifft, weil man wie bei einer schlimmen Krankheit bis zuletzt gehofft hat, dass es einen schon nicht treffen wird? Über das, was auch Frankreich und anderswo auf der Welt geschehen ist und jetzt eben auch bei uns. In Berlin. Haben wir wirklich gedacht, der Kelch würde an uns vorbeigehen? Nein und irgendwie doch. Wie schafft man, dass es nicht abgedroschen klingt in einer Zeit der hohlen Phrasen, der sich ständig wiederholenden Parolen? In Zeiten, in denen schon so viel gesagt und so wenig gehandelt wurde. Sind wir der Worte nicht langsam überdrüssig? Mir geht das so. Ich will schon gar nichts mehr hören.

„Was ist mit dieser Welt los?“ lautete die Frage, die man gestern in unterschiedlichen Varianten von ratlosen, von fassungslosen Menschen zu lesen bekam. Aber mit der Welt ist gar nichts los. Mit mir ist gar nichts los. Mit meinen Nachbarn nicht und mit vielen anderen Menschen und ihrer Religion, ihrer Weltsicht und Kultur auch nicht. Und deshalb will ich nicht fragen, was mit dieser Welt los ist. Denn das würde ja bedeuten, dass es irgendetwas mit mir, mit uns zu tun hat. Als wären wir Schuldige, die wir nicht sind. Nein, ich bin nicht schuldig, auch wenn in solchen Zeiten immer gerne nach Schuldigen gesucht wird. Und meine Kultur, meine Weltsicht, das, wovon ich überzeugt bin und wie ich lebe, ist ebenso wenig schuld.

Der Einzige, mit dem was los ist, ist der Islamismus. Die Einzige, die ein Problem hat, ist diese Steinzeit-Ideologie. Mit ihrer Verachtung für die Freiheit, die Selbstverantwortung, dem individuellen Streben nach Glück, Erfahrung und Wissen. Mit ihren sexuellen Tabus, die aus Männern sexuell depravierte Geschöpfe macht. Die nicht nur uns so viel Leid, Zwang und Wut im Bauch beschert, sondern vor allem auch ihren Anhängern. Die in ihnen erst den Hass und den Wahn sät, der es möglich macht, dass einer vollkommen gefühlskalt in eine Menschenmenge hineinfährt. Alluha Akbar, Gefangene eures eigenen Wahns.

Und dennoch verdient diese Borniertheit kein Mitleid. Weil sie nicht einsehen. Weil sie alle, auch die Friedlichen von ihnen, nicht einsehen, dass das eben doch etwas mit ihnen, mit ihrer Kultur und Religion zu tun hat. Dass der Westen, die USA Fehler gemacht haben, dass die Frage nach den Ursachen aber nicht mehr dadurch zu beantworten ist, dass man anderen die Schuld gibt. Dass die Krisen und Konflikte in dieser Region älter sind als die USA selbst.

Wer fragt, was mit der Welt los ist, fragt sich im nächsten Moment zumeist auch, wie er diese Welt retten kann. Aber genauso wenig wie etwas mit der Welt los ist, können wir sie retten. Es wäre illusorisch, zu denken, es sei das einzige, das letzte Mal. Denn all das ist die logische Konsequenz einer Politik des Wahnsinns, die wir seit Monaten hier in Deutschland vorfinden. All das ist der Mensch in seiner ganzen zu erwartenden Abscheulichkeit, die uns dennoch jedes Mal auf’s Neue wieder ganz unvermittelt treffen wird. Weil auch wir Menschen sind und weil wir nicht dazulernen.

Es ist zum pathologischen Merkmal dieses Landes geworden, dass vor der Trauer, der Wut und vor allem der Benennung der Ursachen, die Relativierung kommt. Dass bevor der Täter genannt wird, jene  kritisiert werden, die diese Tat „für politische Zwecke instrumentalisieren“ könnten. Dass die zum Wahn verkommende reflexartige Angst vor dem Faschismus des 20. Jahrhunderts die Sicht auf den Faschismus des 21. gänzlich verdeckt.

Manche schreiben, der 19. Dezember 2016 werde ein Wendepunkt sein. Aber das wird er nicht. Stattdessen wird es munter weiter gehen im Gruselkabinett der Gutmenschlichkeit, in dem uns der Terror als unabänderlicher Bestandteil unserer Gesellschaft verkauft wird, als wäre er immer schon da gewesen. Sie alle, Medienvertreter, Politiker, deutsche Promis von A bis Z ebenso wie alle anderen, die es sich auf der vermeintlich guten Seite der bornierten Arroganz bequem gemacht haben, werden sich in ihrer Ignoranz nicht von ein paar Toten beirren lassen. Gegen jede Vernunft wird auch weiterhin das große Märchen des Multikulturalismus mit den rückständigsten Anhängern dieser faschistischen Ideologie durchgepeitscht werden. Weil die Ideologie, die auferlegte Schuld, die political correctness und vor allem die Angst davor, es nicht zu sein, mittlerweile vor der Freiheit kommt. Nicht wissend, dass es die Freiheit selbst ist, die diesen bigotten Luxus erst ermöglicht

Aber auch wenn sie oberflächlich reden, als sei nichts gewesen, als würde das nichts mit den Menschen machen, so wird dieser 19. Dezember doch seine Wirkung entfalten. Nicht so, dass man es ausspricht. Aber dass man es fühlt. Die Freiheit, die Unbeschwertheit und Sicherheit im öffentlichen Raum ist dahin. Geopfert im Namen einer naiven Weltphantasie, die immer mehr Menschen nicht mehr bereit sein werden, mitzutragen.

Hoffentlich irgendwann.


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