Maas als Posterboy im Möbelladen

Die Sensationsstory des Wochenendes kommt von Bild am Sonntag. Die Wohnung von Justizminister Heiko Maas wird fotografiert - und dann sind die Bilder plötzlich gelöscht. Es müffelt - nicht in der Wohnung, aber im Bundeskabinett.

© Andreas Rentz/Getty Images

Dafür also ist Geld geflossen: Das Möbelportal Westwing veröffentliche zuerst eine Home-Story über die Wohnung der Schauspielerin Natalia Wörner und ihres Lebensabschnittsgefährten, Justizminister Heiko Maas. Es ist eine Werbe-Kooperation, man kennt das: Prominente erhalten Geld, wenn ihre Wohnung gezeigt werden darf, etwa wie in diesem Fall mit Möbeln eines ganz bestimmten Anbieters. Ein Minister als Poster-Boy in einem Möbelladen, wenn auch nur virtuell? Das kostet sicherlich einige Peanuts.

Nun könnte man sich darüber aufregen, dass ein Minister Geld einsteckt für Werbung. Man könnte das „Korruption“ nennen, wenn er in einer von anderen bezahlten Laube wohnt und als Justizminister Entscheidungen fällt, die auch Westwing-Interessen beträfen. Ja, so wäre es früher gewesen. Heute formuliert ein Mediendienst, die sei „Berichterstattung aus niederen Motiven.“ Denn wer Politiker kritisiert, handelt aus niederen Motiven, auch wenn früher, das ostzugegeben schon lange her, Minister ihr Amt an den Nagel hängen mussten, wenn sie von anderen Geld genommen haben. Und das hat er. Für den Mediendienst Meedia aus dem Hause Handelsblatt aber reicht das Versprechen, dass die Vorteilsnahme, und um die handelt es sich augenscheinlich, korrekt versteuert wurde. Früher hätte das die Opposition im Bundestag aufgeregt. Aber nicht mehr im neuen deutschen Bundestag, in dem von manchen nicht solches Verhalten, sondern die Kritik daran kritisiert wird.

Private übernehmen die Rechtspflege

Nur wurde in diesem Fall die Reklame-Show schnell wieder aus dem Netz genommen. BamS rekonstruierte sie aus dem Zwischenspeicher, kurz danach war der auch geleert. Nein, der Minister hat nicht löschen lassen, obwohl er sonst mit Löschen hauptberuflich gewissermaßen beschäftigt ist. Das wäre Verdächtigungsjournalismus. Vermutlich hat nur Natalia zu voreilig ihren Minister vermarktet. Und wurde zurückgepfiffen, vermutlich, wie gesagt. Es ist aber auch zu blöd: Wenn Maas ab September nicht mehr Minister ist, interessiert sich auch niemand mehr für seine Wohnung von Innen. Und dummerweise ist es auch nicht möglich, Strafgelder, die neuerdings von privaten Unternehmen eingetrieben werden, in die private Kasse umzuleiten. Da besteht noch Handlungsbedarf. Wozu ist man schließlich Justizministers-Partnerin, wenn man nichts davon hat von dieser Rechtsdurchsetzung, die so viel Zeit in Anspruch nimmt. Immerhin sollen nach dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz wenigstens zukünftig Private darüber entscheiden, wann die Grenze der Meinungsfreiheit überschritten ist – was bisher nur Richter durften. Nach der Privatisierung der Rechtspflege wäre es doch ein konsequenter Schritt, auch die daraus resultierenden Strafen zu privatisieren, ist doch logisch, oder? Es besteht also noch Hoffnung. Auch, wenn die Zeit für Vermarktung knapp wird, sehr, sehr knapp. Die Zeit läuft davon für Nebeneinkünfte.

BamS listet auf, was im Katalog zu sehen war und bei Maas/Wörners als Heim des Ministers und seiner Schauspielerin vorgeführt wurde: Der Samt-Polsterstuhl „Manhattan“, 6 Stück, à 429 Euro, der dazu passende Lehnstuhl, 2 Stück zu 499,—; bis hin zu Pendelleuchte und Wandspiegel. (129,—). Alles in allem Möbel im Wert von 9.104,— Euro. Zu sehen nicht mehr bei Westwing, da wurde es schnell wieder gelöscht, aber bei BamS. Ein geradezu gräßliches „Deko-Objekt“ für 34 Euro darf nicht fehlen – ministerielle Staubfänger. Das Ganze wirkt unpersönlich, aufgesetzt, eben wie ein Möbelhauskatalog. So unpersönlich wie gelackt – ganz der Minister. Vermutlich wohnt er anders, das weiß man nicht – möchte man das überhaupt? „Jede Wohnung hat so ihre kleinen Geheimnisse“, flüstert Natalia noch dazu. Oder anders herum: Zu glauben, dass das Glamour-Paar so wohnt ist Fake News.

Fake News vom Glamour-Paar

Es soll sich um eine ganz normale Kooperation handeln, wie gesagt, da fließt Geld. Für Schauspielerinnen mag das üblich sein – dass Politiker ihr Privatleben gegen Honorar vorführen, ist bisher weniger vorgekommen. Wörner läßt mitteilen, dass sie die Einnahmen ordnungsgemäß versteuern werde, da hat sie ja noch Zeit.
Der Minister himself soll in die Kooperation nicht verwickelt gewesen sein. Gründe für deren Löschung werden nicht genannt. Es bleibt fadenscheinig. Und es bleibt ein müffelnder Geruch. Ja, Maas ist in Not. Er läßt sich wohl für Natalia Wörner scheiden, das ist teuer. Da bleibt weniger zum Leben nach Abzug für Ex-Frau und zwei Kinder. Das muss man doch verstehen. Oder?

Was kostet so eine Regierung?

Immerhin bekleidet der Minister ein hohes Staatsamt, dafür wird er angemessen alimentiert. Das sind keine Fake News.

Das sollte zum Wohnen reichen, trotz aller außerordentlichen Belastungen. Oder sollte man lockerer mit der Mode gehen? Als Sandwich-Man mit Reklametafel oder Posterboy in eigener Sache: Jeder gibt sich die ihm gemäße Form. Vielleicht hebt Maas demnächst im Deutschen Bundestag den Daumen mit Hilfe eines Plakats von Facebook? Oder verschickt Twitter-Herzchen, wenn ihm sein eigenes Gesetz gefällt? Bandenwerbung im Kabinettssaal? Es erscheint doch alles käuflich. Gerne verweisen wir darauf, dass im vergangenen Jahr das ZDF veröffentlichte, dass Unternehmen und Lobbygruppen bei einer parteieigenen Agentur Der SPD für 3.000 bis 7.000 Euro Termine mit Ministern, Staatssekretären und Funktionären der Sozialdemokraten buchen konnten. So billig war noch keine Bundesregierung zu haben.

Mit von der Partie: Arbeitsministerin Andrea Nahles, Umweltministerin Barbara Hendricks, Ex-Familienministerin Manuela Schwesig, Fraktionschef Thomas Oppermann und Ex-Generalsekretärin und neue Familienministerin Katarina Barley. Und selbstverständlich: Heiko Maas.

Sozialdemokraten seien aber trotzdem nicht käuflich, erklärte damals Parteichef Sigmar Gabriel. Ja wenn das so ist:
Vielleicht erleben wir dann auch bald, wie Angela Merkel wohnt in der Großen Koalition der kleinen Abkassierer, welche Babynahrung bei Außenminister Sigmar Gabriel im Einkaufswagen landet oder welche Sorte Gras Innenminister Thomas de Maizière raucht, ehe er wieder einen seiner gefürchteten Sprüche raushaut. Alles ist möglich, folgt man diesen Vorbildern der SPD.

Ja, das ist ungerecht. Aber ein unangenehmer Geruch legt sich über ein Kabinett, das solche Stückchen durchgehen läßt, und zwar über die gesamte Veranstaltung.

Aber Rücktritt? Sicherlich nicht. Die Zeiten sind längst vorbei, in der eine Opposition da hingelangt hätte. Das könnte ja die zukünftige Koalitionsbildung erschweren.

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Kommentare ( 42 )

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42 Kommentare auf "Maas als Posterboy im Möbelladen"

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Wir sollten eigentlich ruhig abwarten, auch er wird im Leben seine Strafe für sein Handeln kriegen, ob privat, siehe seine „Flamme“ oder beruflich oder gesundheitlich. Das Resonanzgesetz git auch für Politiker, für solche allemal.

Wünschenswert. Nur sehe ich dafür kaum Anhaltspunkte

Also nix gegen die Wohnung – die hätte wohl jeder gern, der in Berlin
lebt und arbeitet.
Nur kann sich die nicht jeder leisten und soviel Zeit und Geld für Maßanzüge hat man als Normalo auch nicht.
Schauspielerin mit 50 sucht Minister mit Freizeit… – na geht doch!

„Das könnte ja die zukünftige Koalitionsbildung erschweren.“

Sehr schön zusammengefasst, warum die Kampflinie heutzutage weniger zwischen Regierungs- und Oppositionspartei(en) verläuft, sondern zwischen den etablierten Parteien und Normalvolk.

Es braucht wirklich frischen Wind „von ausserhalb“ in Form der AfD für mehr Bürgerbeteiligung. Innerhalb des Parlaments ist sicher nicht mehr mit der Förderung echter parlamentarischer oder gar direkterer Demokratie zu rechnen.

Glauben Sie wirklich das Anstand heute noch in der Politik karrierefördernd ist?

Liberale, tolerante Leser von TE sind gegen Sippenhaft.

Allerdings sollte nicht vergessen werden: nationale Sozialisten von rechts außen und die Kahane-Sozialisten von links außen sind dafür – und praktizieren sie auch.

Nun, die Gattin ist ebenfalls aus ganz linkem Beritt und bestens versorgt als Leerkraft, ein Sohnemann verdient gerade seine ersten Politsporen als Zündelfrieder in der Antifa-Szene. Ich denke, in solchen Kreisen hält man eheliche Niedertracht eher für normal und die wird sich besonders schmerzhaft bemerkbar machen, wenn es um Unterhalt geht- da sollte er mal seinen Ziehvater Fontaine fragen, den seine Christa wegen „entgangener Karriere“ anständig bluten lassen darf. Oder das Knispelchen Wulff, den Tattoo-Betty dermaßen über den Löffel balbiert, daß er in einem Käseblättchen trotz weiterlaufendem Bundespräsergehalt seine mißliche finanzielle Lage beweinte. Obwohl sonst der Kampf gegen die Unterhaltssklaverei… Mehr

Die Chargen haben gute Anwälte und bei jeder neuen Ehe einen Ehevertrag, der auch der geschiedenen Ehefrau verbietet,
etwas von der gelebten Wirklichkeit zu äußern.

Jep. Mit fürnehmen Worten die Wirklichkeit in den Mantel des gnädigen Schweigens gehüllt.

Hier sollte es Polsterboy heißen.

Warum treten Politiker nicht mehr zurück – wie früher –, wenn sie versagt haben? Möglicherweise weil Frau Merkel mit wirklich schlechtem Beispiel voran geht? Sie tritt selbst bei Totalversagen nicht zurück. Vielleicht auch, wie im Falle der SPD, weil man sie in der neuen Sprachreglung nicht mehr „kaufen“ kann, sondern nur noch „mieten“ – oder „leasen“. Man besitzt sie also nicht mehr richtig, sondern nur zum zeitweisen Gebrauch. Vielleicht auch, weil der Einfluss der Parteien immer stärker wird. Was müssen Politiker sich antun, damit sie dahin kommen wo sie sind? Alle kommen über Parteien. Und da lernt man wie man… Mehr

Geht mir auch gerade durch den Kopf. Maas scheint das selbe „Verantwortungsbewusstsein“ bei der Ausführung seines Amtes an den Tag zu legen, wie seinerzeit Scharping.

Zurückgetreten trifft es nicht ganz. – Ausgeklinkt würd ich sagen.