Hubertus Knabe – Er darf nicht, er darf, er darf nicht …

Die SED in Gestalt ihrer Rechtsnachfolgerin »Die Linke« und die CDU wollen wieder Dissidenten jagen. Der Titel eines Buches von Hubertus Knabe: Die Täter sind unter uns!

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Neuester Stand: Hubertus Knabe darf doch nicht an seinen Arbeitsplatz Stasi-Gedenkstätte in Berlin Hohenschönhausen zurückkehren. Das hat heute die Vertreterkammer der eigentlich zuständigen Zivilkammer 63 des Landgerichts Berlin beschlossen. Die Einstweilige Verfügung vom vergangenen Freitag darf also nicht vollzogen werden. Das bedeutet: Knabe darf »vorerst« nicht wieder in seinem bisherigen Aufgabenbereich tätig werden, wie es in der Pressemitteilung des Kammergerichtes heißt.

Wie berichtet, hatte das Berliner Landgericht auf Antrag Knabes in der vergangenen Woche mit einer einstweiligen Verfügung den Weg für den Direktor der Stasi-Opfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen zurück an seinen Arbeitsplatz freigemacht. Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) darf ihm unter Androhung von 25.000 € Ordnungsgeld nicht seine Arbeit in der Gedenkstätte verwehren.

Lederer wiederum hatte bekanntlich am 25. September entschieden, dass der langjährige Direktor der Gedenkstätte und zugleich einer der besten Kenner des SED-Unrechtsregimes nicht mehr die Gedenkstätte leiten darf.

Knabe: »Das Landgericht hat dem Kultursenator Herrn Dr. Klaus Lederer aufgegeben, mich wieder als Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen tätig werden zu lassen.« Die Kosten des Verfahrens hat die Stiftung Gedenkstätte zu tragen. Stiftungsratsvorsitzender: Klaus Lederer.

Die Berliner Zeitung ( Schlagzeile: »Lederer will Knabe vom Schreibtisch verjagen«) zitiert den tobenden Kultursenator: »Ich werde jetzt im Interesse der Gedenkstätte größtmögliche Gelassenheit an den Tag legen.«

Die Stiftung unter dem Vorsitzenden Lederer hatte Widerspruch gegen die Entscheidung des Landgerichtes eingelegt und zunächst beantragt, dass die erlassene Einstweilige Verfügung eingestellt werden soll.

Die Kammer: »Diesem Eilantrag hat die Vertreterkammer heute entsprochen und angeordnet, dass der Beschluss vom 22. November 2018 einstweilen bis zur Entscheidung über den Widerspruch nicht vollzogen werden dürfe.«

Die Stiftung habe nach Auffassung des Gerichts »glaubhaft gemacht«, dass der Stiftungsrat in einer außerordentlichen Sitzung am 25. November 2018 einstimmig beschlossen habe, den Antragsteller mit sofortiger Wirkung als Vorstand und Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen abzuberufen. Als »zumutbar« erschien dem Landgericht, dass Knabe bis zur Entscheidung über den Widerspruch der Stiftung nicht wieder tätig werden solle.

Die zuständige Zivilkammer 63 dürfte demnächst entscheiden ob und wann ein Termin zur mündlichen Verhandlung anberaumt wird, in dem über den Widerspruch der Stiftung entschieden wird.

Am Sonntag twitterte Hubertus Knabe: »Ich freue mich, dass ich mich ab Montag wieder meiner Lebensaufgabe widmen kann: der Aufarbeitung des in der DDR begangenen Unrechts. Zusammen mit den Zeitzeugen und dem wunderbaren Team der Gedenkstätte möchte ich wieder mit ganzer Kraft meinen gesetzlichen Aufgaben nachkommen und dabei mit dem Stiftungsrat vertrauensvoll zusammenarbeiten. Ich danke allen für den großen Zuspruch, den ich in den letzten Wochen erhalten habe.«

Heute früh sah der Empfang von Hubertus Knabe vor dem Eingang der Stasi-Gedenkstätte in Berlin Hohenschönhausen sehr ergreifend und eindrucksvoll aus. Vertreter von Opferverbänden des Stasi-Unrechtes begrüßten ihn mit vielen Blumen und dankten ihm in bewegenden Worten für seine Arbeit und betonten, dass er erst durchgesetzt hatte, dass das ehemalige Gefängnis zur Gedenkstätte eingerichtet wurde.

Er wies in einer kurzen Ansprache die ominösen Vorwürfe zum »strukturellen Sexismus« zurück und ebenso, dass ein Klima der Angst geherrscht habe. Das herrsche jetzt in der Gedenkstätte. Knabe: »Führungskräfte haben gekündigt und suchen eine andere Beschäftigung.«

Hubertus Knabe legte die Einstweilige Verfügung des Landgerichtes vor, ließ sich die Schlüssel zu seinem Büro geben und betrat um kurz vor neun Uhr wieder sein Büro in dem ehemaligen Stasi-Gefängnis. Das Türschild »Raum 300-301, Direktion Dr. Hubertus Knabe« hängt noch.

Der Berliner FDP-Abgeordnete Stefan Förster begleitete den nervenstarken und mutigen Hubertus Knabe bei seinem rechtmäßigen Gang in sein Arbeitszimmer.
Heute Mittag dann die Entscheidung des Landgerichtes, dass die Verfügung ausgesetzt ist. Knabe musste seinen Arbeitsplatz wieder verlassen.

Mit allen Mitteln will Kultursenator Lederer in unheiliger Allianz mit der Kulturstaatsministerin Monika Grütters von der Berliner CDU einen der kompetenteste Kenner der SED-Geschichte mundtot machen.

Damit hat auch der Kampf um die Deutungshoheit über die Stasi-Vergangenheit eine neue Stufe erreicht. CDU und »Die Linke«, die lediglich den Namen SED gewechselt hat, wollen offenkundig die schlimmsten Gräuel vergessen machen.

Ein besonderer Dorn im Auge ist dem linken Kultursenator, dass in der Gedenkstätte Zeitzeugen die Besucher führen und aus eigener Erfahrung eindrucksvoll und glaubwürdig das unglaubliche Unrecht schildern. Das ist der wichtigste Teil der Gedenkstätte; den will die Linke zerstören.

Diese Zeitzeugen sollen, so wird auch in Zuschriften zu TE berichtet, rausgedrängt und durch jüngere Besucherreferenten mit „wissenschaftlicher Ausbildung“ ersetzt werden. Damit sollen zu negative Schilderungen und einige besonders heftige Ausstellungsstücke über die kommunistische Diktatur aus der Gedenkstätte entfernt werden. Die Erinnerung soll verwässert und der Boden für die SED-Nachfolger bereitet werden. Es soll alles nicht so schlimm gewesen sein.

Die SED in Gestalt seiner Rechtsnachfolgerin »Die Linke« und CDU wollen wieder Dissidenten jagen. Der Titel eines Buches von Hubertus Knabe: Die Täter sind unter uns!

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Kommentare ( 44 )

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Schon merkwürdig, die Allianz zwischen CDU und Linkspartei. Lederer als Altstalinist muss förmlich Schaum vorm Mund gehabt haben ob der Entscheidung des Gerichtes von Freitag. Das angeblich so zerrüttete Vertrauensverhältnis bringt er nun zur Abberufung als Grund vor. Das ist alles so offensichtlicher Unsinn und parteipolitisch motiviert, dass kein Gericht dem stattgeben dürfte. Was für neue Gründe will Lederer gefunden haben? Es gab schon von Anfang an keine! Man mag Knabe mögen oder nicht, sein Führungsstil hat nicht jedem gepasst. An realen Gründen liegt jedenfalls nichts belastbares vor, um ihn zu entlassen. Der „Tagesspiegel“ hat sich gestern erneut in die… Mehr

Ich dachte ernsthaft, wir hätten dieses Kapitel ein für allemal mit der Wende abgeschlossen.
Als Ex-Ossi bekommt man es mit der angst zu tun. Die Wessis sehen nicht, was da auf uns alle zurollt. Dabei war es 1933 ganz ähnlich.

Bei diesem 1933-Gedanken ist mir sehr unwohl. Ich vertraue eigentlich mehr oder weniger auf diejenigen, die Recht und Unrecht noch unterscheiden.
Bei einigen wird diese Wahrnehmung allerdings durch Schmiermittel und Eigeninteressen relativiert.
Meine Hoffnung, wenn auch zaghaft ist, daß man diesem Zustand noch durch Wahlen begegnen kann.
Wenn nicht, stecken wir voll im Sumpf von DDR 2 mit Folgen.

Manche Wessis sehen es, glauben Sie mir. Leider gibt es im Westen weniger Sehende als im Osten. Ich bin über viele meiner Mitwessis auch entsetzt.

Tja, da wird gerade das von MP Günther ins Gespräch gebrachte Bündnis von Union und Linke vorbereitet. Einer wie Knabe stört da nur. Und jetzt würde mich nicht wundern, wenn die Referenten mit wissenschaftlicher Ausbildung diverse Verbindungen zu JU, RCDS, Linkspartei, Adenauerstiftung u.ä. hätten. Schön regierungsunkritisch, aber mit wackligen befristeten Verträgen und Bedarf für ein gutes Zeugnis nach einem Studium, dessen Fachrichtung am Arbeitsmarkt nicht ganz so begehrt ist…

Eine einstweilige Verfügung des Landesgerichts darf also nach Entscheidung des Landesgerichts einstweilen nicht vollzogen werden. Noch Fragen?

Das diabolische Werk von Frau Merkel mit ihren kreischenden Grün**innen und Link**innen (so schreibe ich es nur einmalig, versprochen) nimmt weiter seinen Lauf. Die Blaupause zum „Fall Maaßen“ ist unverkennbar. Wann kommen weitere Kritiker auf die Abschussrampe zum Abschuss? Wie konnte eine FDJ Sekretärin Deutschland so sehr verändern, das man es kaum mehr wiedererkennt? Wo ist der Widerstand geblieben in den 13 Jahren ihrer Regierung gegen geltende Rechte in Deutschland und Europa? Wann kommt die Dämmerung bei den Deutschen mit noch einigermaßen gesundem Menschenverstand, um alle diese Skandale um Recht und Wahrheit zu erkennen und entsprechend zu handeln? Die, die… Mehr

Das haben wir nun davon, dass wir das SED-Pack vor 28 Jahren nicht als kriminelle Vereinigung verboten haben. Jetzt lümmeln sie sich auf Steuerzahlers Kosten in den Parlamenten und Amtssesseln rum und schikanieren wieder ihre Opfer.

Ob sie es glauben oder nicht, dass das nicht geschehen ist hat mich damals sehr erstaunt. Und ich wäre fast vom Glauben abgefallen, als ich das erste mal zum AA mußte, Massenentlassungen, Betriebsschließungen, saß mir als Sachbearbeiter ein ehemaliger Parteioffizier gegenüber. Als dann sich auch noch die SED Schergen breit machen konnten und sich als Wolf im Schafsfell in dieser Republick einschleichen konnten wußte ich, das wird ein schlimmes Ende nehmen. Auch die Mitläufer der Blockparteien wie CDU, LDPD, DBD und NDPD wurden in den entsprechenen Pandants der BRD mit Freuden aufgenommen, es ging ja um Wählerstimmen. Dass das nicht… Mehr

Hätten die Deutschen nicht sich vernünftiger die letzten hundert Jahre verhalten, dann müßten wir uns nicht mit inflationären Gedenkstätten jeglicher Art herumschlagen, die nichts anderes sind als sichtbare Ohrfeigen ohne erzieherischen Wert aber dafür ewiglich und auch nur bei uns in dieser Form beheimatet, woanders bedauert man sich selbst und hier bedauert man nur andere und eigene Opfer, ob schuld oder nicht schuld kennt man nicht.

Es wird alles aufgefahren was geht, um einen Mann und sein Lebenswerk zu zerstören.
Wenn einer nicht passt.

Gleiches hat ja auch zur Zerstörung von Herrn Maaßen geführt.

Alles von der Presse klatschend begleitet.

Die Aufarbeitung der DDR-Geschichte kann man nicht Hubertus Knabe überlassen. Mir ist selten ein so undifferenziert hassender Mensch begegnet.
Seine Absetzung war überfällig.

Gebe Ihnen Recht: Zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte bedarf es profunder Kenntnisse, die Knabe, da im Westen aufgewachsen nicht hat. Ich schlage eine gewisse Kahane vor!

Was wollen sie denn an einer kommunistischen Diktatur „differenziert“ betrachten? Sollen die Opfer etwas die Errungenschaften der SED-Diktatur preisen? Komisch das bei linken Schlächtern immer relativiert wird, irgendwie scheinen Selbstschussanlagen und Schiessbefehl, Knast wegen „Republikflucht“ und Zwangsadoption wg. abweichlerischer Gesinnung nur noch Petitessen, war doch nicht alles schlecht im Arbeiter und Bauernstaat. In der Hinsicht gleichen sich Rechte und Linke fatal, nur das den Linken jede noch so grässliche Untat irgendwann als kleiner Ausrutscher vergeben wird. Sie haben es ja nur gut gemeint.

Es ist die unbegründete Verwendung des Wortes „Hass“, welches den Denunzianten heutiger Zeit verrät; auch wenn Sie sich das Wort „Hetze“ verkneifen konnten – zu offensichtlich ist es ja auch genau das, was die Ex-SED und ihre Adlaten an den Tag legen.

Können Sie Beispiele nennen, die Knabes undifferenziertes Hassen belegen? Was ist undifferenziertes Hassen, wenn Sie das vielleicht erklären könnten.

1963: Der Staat gegen Fritz Bauer
2018: Der Staat gegen Hubertus Knabe

Rot versucht (nicht nur in Berlin) wieder an die Macht zu kommen, und/oder die errungenen Posten zu sichern, erhalten und aus zu bauen. Wenn dann noch Grün und SPDrot dazu kommt, dann gnade uns….., ja was sagt dann ein Atheist?….die frühe Geburt.
Als Gegengewicht und Opposition zu den C-Parteien wäre Rot-Rot ja zu gebrauchen. Aber niemals an Beschluss/gesetzesentscheidender Stelle. Gleiches sehe ich persönlich, auch für Grün, nur, dass diese keine Opposition darstellen. Zu opportunistisch.