Helmut Kohl und der Pfälzer Saumagen

Helmut Kohls Pfälzer-Deutschland gefällt vielen besser als das »mehr Schein als Sein«-Berlin mit peinlichem grünen Weltrettungsanspruch. Damals musste kaum etwas abgesperrt werden, heute wird eben mal Hamburg beim Staatsbesuch stillgelegt.

© Marcel Mochet/AFP/Getty Images

»Über die politische Bedeutung des Pfälzer Saumagens unter besonderer Berücksichtigung der deutsch-französischen Freundschaft« – diese Dissertation vermisse ich bis heute. Ich konnte nie wirklich über jene Häme lachen, die eine ehemals bedeutende Hamburger Wochenpublikation regelmäßig über »den Pfälzer« ausschüttete. Ich fand es ein sympathisches Mittel, gemeinsam bei einem hervorragenden volkstümlichen Essen im wunderschönen Deidesheimer Hof Staatsgästen zu zeigen, was Deutschland isst und gleichzeitig um Vertrauen zu werben, damals das wichtigste Gut, das Deutschland nötig hatte. Das exzellente Essen schmeichelte dem Gaumen, der Wein lockerte das Gemüt.

Jenes Pfälzer-Deutschland gefällt ( gefiel ) mir besser als das »mehr Schein als Sein«-Berlin mit peinlichem grünen Weltrettungsanspruch. Damals musste kaum etwas abgesperrt werden, heute wird eben mal Hamburg beim Staatsbesuch stillgelegt.

Kurzserie: Was bleibt von Helmut Kohl?
Helmut Kohl, der Phaeton der alten Bundesrepublik ist tot
ER regierte seine CDU zwar knallhart, auch mit »Bimbes«, vor allem aber mit persönlichem Einsatz und Kontakten zu Parteimitgliedern in allen Ebenen, griff selbst zum Telefon und sprach mit verdutzten Ortsvereinsmitgliedern: »Guten Tag, hier Kohl.« Heute wird »durchregiert«. Aus seelenlosen Neubauten, die auch schon wieder bröckeln. Der jahrhundertealte Deidesheimer Hof steht noch in alter Pracht. In meiner Erinnerung bleibt das Ungelenke in seiner Sprache, die komische Konstruktionen seiner Sätze, das Übertriebene, aber dann auch wieder deftige, kurze präzise Bemerkungen: »Sie hat nicht mit Messer und Gabel essen können!« Über Merkel.

»Jetzt kann man nur noch auswandern!« stöhnten seinerzeit viele frustrierte Genossen nach der Wahl Kohls, der seine »geistig moralische Wende« in schönstem Pfälzer Idiom erklärte. Diese Wende kam nie; ich denke, heute wären viele froh über solche Worte.

Nur eines muss jetzt offen bleiben: Warum hat Kohl ausgerechnet eine Merkel auf den Schild gehoben und damit jene Grundlagen gelegt, die er auch nicht wollte?

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Kommentare ( 20 )

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Kohl über Merkel (2001):
„Die Dame ist ja wenig vom Charakter heimgesucht“

mit Messer und Gabel zu essen kann man lernen, aber ihren Charakter hat Merkel leider behalten.

Das gefährliche ist, dass Sie mit ihrer unbeholfenen und linkischen Art nach aussen harmlos bzw. sogar bescheiden rüberkommt.

oh bitte, bitte, lasst uns eine geistig- moralische Wende haben! Die war noch nie so verzweifelt nötig wie heute.

„geistig-moralische Wende“ …
– wie soll so etwas gehen!?

Überzeugungen, Werte…
Wer heute die alte Ordnung verrät,
verrät auch morgen die neue.