GroKo: Das Kabinett der Weihnachtsmänner, die Osterhasen sind

Bei der CSU fliegen wenigstens die Fetzen: Weil die Zahlen nicht stimmen, kommen neuen Köpfe. Bei CDU und SPD dagegen regiert der Beton. So funktioniert Demokratie nicht.

© Odd Andersen/AFP/Getty Images

Für die Liebhaber des absurden Theaters gibt es derzeit eine unendliche Serie in den Nachrichtensendungen. Weil Koalitionsgespräche nicht reichen, zunächst Sondierungsgespräche und neuerdings sogar „Vorsondierungen“. Während vorne also immer mehr sondiert und sinniert wird, kommt hinten eine neue Regierung frühestens zu Ostern heraus. Es ist eine Regierung der Weihnachtsmänner, die aus den Osterhasen des Vorjahres neu geschmolzen werden, und dann wieder zu Hasen mutieren.

Klar, das Wahlergebnis hat mit FDP und AfD zwei Parteien in den schläfrigen Bundestag gebracht, und der sitzt sicherheitshalber erst gar nicht mehr beieinander. Wer geglaubt hatte, die Schwäche der Bundesregierung würde zur Stunde des Parlaments, der sieht sich getäuscht. Abgeordnete geistern hilflos durch Berlin, weil ihnen keine Regierung sagt, wofür sie stimmen müssen. Wir haben uns daran gewöhnt, dass die Regierung das Parlament kontrolliert; dass das Parlament still vor sich hin wartet, bis es von der Regierung irgendwohin geschubst wird, gehört dazu. Darauf noch einen Glühwein vom Weihnachtsmarkt. Abwarten am Glühweinstand, bis es seine Kanzlerin wählen darf! Es kann auch bis zur Mai-Bowle dauern. In beiden Fällen hat man es satt.

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In der Zwischenzeit schaut diese Bundesregierung alt aus. Ja, das ist der Eindruck – dynamisch war dieses Kabinett ja nie. Aber jetzt wirkt es wie ein Politiker-Altersheim: Eine Kanzlerin, die keine Mehrheit mehr hat, ist ja keine. „Geschäftsführend“ ist ja nur die Beschönigung für: nicht nur im Amt gescheitert, sondern auch beim Versuch, eine neue Regierung zu bilden. Ihre (Selbst)Verteidigungs-Ministerin steckt bis zum Hals in ihrer eigenen Unfähigkeit: Die massive Attacke auf die Truppe hat sich in jedem Punkt als ungerechtfertigt herausgestellt: Kein Sexskandal, keine Hitlerbilder, keine Landserhefte, kein Franco A., der das Land mit Attentaten überzieht, nur eine Ministerin, die jede Latrinenparole zur Staatsaffäre hochzieht.

Innenminister Thomas de Maizière, die Unfähigkeit in Person. Nie war die innere Sicherheit so gefährdet, der Minister die Unsicherheit selbst.

Ein Entwicklungshilfeminister von der CSU namens Müller faselt von „erfolgreichen Sondierung mit den Grünen“; er macht in Entwicklungshilfe, leider nicht in eigener Sache.

Der Finanzminister – schon ersetzt durch einen Minister für Alles und Jedes, Hauptsache er kann es nicht wie die Bewältigung der Einwanderungskrise, namens Peter Altmaier. Bitte melden Sie sich bei ihm, sollte ihr Fahrrad in Berlin umgefallen sein.

Bei der SPD nicht besser: Siggi reist wie am Laufband durch die Welt und macht Versprechungen, von denen jeder weiß, sie sind so falsch wie nichts wert. Man freut sich ja für ihn. Wie ein kleiner Junge spielt er mit seinem schönen Außenamt und dem großen Flugzeug. Bang stellt man sich die Frage: Kann ihm jemand eine Modelleisenbahn schenken zu Weihnachten?

Andrea Nahles will „in die Fresse” hauen und klagt über von anderen „angerührte Kacke” – ihre Sprache spricht Bände über die große Unsicherheit, die sie umtreibt: Was passiert in der SPD, wer zieht die Fäden ohne mich und wo bleibe ich?

Barbara Hendricks hatte ihren Auftritt beim Klimagipfel; sie hat den Kritikern das Feld bereitet und sich selbst vorgeführt mit ihrem wirren Gerede und Gestammel und ihrer Hilflosigkeit.

Und so geht es weiter.

Jetzt also eine Neuauflage dieser GroKo der kleinen Geister? Mit Martin Schulz? In direkter GroKo oder getarnt im Kostüm einer schwarzgrünen Minderheitenregierung?

Niedergang der Volksparteien
Entstehung einer neuen Politik- und Parteien-Landschaft
Das Europa-Thema soll die Lösung bringen (so nennen sie den Plan vom ganz großen Nationalstaat EU). Das ist geradezu verantwortungslos, denn wenn diese Protagonisten von ihrem neuen Europa schwärmen, kann es nichts ein als die alte EU. Die Gestrigen färben auf das Europa von gestern ab, da helfen keine Argumente. Die publizistischen Büchsenspanner spinnen sich in ihrer Wunschwelt ein; nur moralisch unfähige Menschen, die ihren inneren Schweinehund nicht überwinden können, wählen NICHT die Grünen, belehrt uns die ZEIT.

In den Talkshows wird Politik simuliert und längst Gegessenes als neu serviert. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung will uns die GroKo damit schmackhaft machen, dass Alexis Tsipras, der Pleitesozialist aus Athen, unbedingt Martin Schulz im Amt sehen will. Wenn das nicht das beste Argument gegen die GroKo ist.

Da ist doch die CSU das derzeit Beste auf dem Markt. Ja, da fliegen die Fetzen. Es wird sich schon einer durchsetzen. So ist Demokratie – wer die Wahl verloren hat, geht oder wird gegangen.

So soll es sein, so ist es ehrlich. Nur in Berlin. Da wird nicht gegangen, sondern geblieben. Und so altert Merkel politisch jeden Tag mit ihrem Kabinett der toten Minister vor sich hin, grau und immer grauer, matt und immer matter, jeden Tag ein mattgrauer Graumatter. Es hat was komisches, diese Unfähigkeit, die Zeichen an der Wand zu sehen.

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Kommentare ( 111 )

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Auch hier kann Ich jedes ihrer Worte unkommentiert unterschreiben Herr Tichy!

Wenn diese „Vorstellung der untalentierten“ Laienschauspieler uns Bürgen Demokratie vorgaukeln sollen,dann braucht sich keiner zu wundern,das viele lieber auf eine Autokratie schielen.
So wie es in Bayern gemacht wird,so ist es richtig,die schlechten ins Kröpfchen,die guten ins Töpfchen.

Hoffentlich hält Erika nicht wieder eine Silvesteransprache,dieser Frau glaubt keiner,die will Ich nicht mehr hören und sehen!!

Wenn es Erika Steinbach wäre, dann würde ich die Rede schon hören wollen!

Selbstverständlich würde auch Ich lieber Erika Steinbach zuhören,das ist doch so klar wie Fleischbrühe!!

Fachlich , intellektuell und charakterlich ist die grosse Koalition schon jetzt am Ende ihrer Möglichkeiten angelangt. Wir erleben die Verzwergung der Politik in jedem Bereich.

Wollte man die Demokrtie in Misskredit bringen, Überdruss und Ekel beim Volk ob ihrer Widerwärtigkeit erzeugen, den Boden bereiten für ihre Ablösung, ihren brutalen Ersatz durch ein drakonisches, willkürliches, totalitäres, aber hoch handlungsfäiges System vorbereiten und damit den sicheren Gang in eine ungewisse, in jedem Fall aber finstere Zukunft unumkehrbar zementieren – ja dann müsste man es ganz genau so anstellen wie die Kanzlerin. Die neuen Herren patroullieren schon zahlreich durch die kleinsten Dörfer Deutschlands, ostentativ ihre Macht demonstrierend, durch den herablassenden, triumphalen und verachtenden Blick des Feldherren, der seine Eroberung nach der Kapitlation der wehrlosen Zivilbevölkerung in Augenschein nimmt,… Mehr

Der Altmaier, für was der nicht alles taugt unter seiner Kanzlerin. Ein wahrer Tausendsassa. Völlig im Einklang mit Körper und Geist.

Das Gewicht, das sein Körper hat, wird aber nicht in seinen Gedanken repräsentiert…

Die GroKo simuliert also nun die Demokratie bis zum
Sankt Nimmerleinstag bis auch der letzte Wahltrottel
und Merkel Fan notgedrungen begreifen muss sein
Kreuzchen andernorts und jenseits von CDU und SPD
zu verewigen. Leider wird es für unsere Land zu spät
sein, die Schäden irreparabel. Ob die Kräfte reichen
werden, um aus Merkels Ruinen wieder aufzuerstehen bleibt
mehr als fraglich, zu umfassend der Schaden an Volk und Nation.

Herr Tichy,

in jedem Ihrer Sätze ist der Verdruss zu spüren, der jeden denkenden Menschen in Anbetracht des unwürdigen Spektakels von wirklich unfähigen Protagonisten – aka politisch mediale „Elite“ – früher oder später in die Depression stürzen wird. Wie kann es im Land der Denker und Dichter passieren, dass derartiges Mittelmaß über unser aller Schicksal entscheidet ? Wohin wandern Sie aus ?

Wenn’s doch wenigstens Mittelmaß wäre. Meiner Meinung nach tendieren diese Leute eher Richtung Bodensatz.

Nach Australien

Die SPD begeht Selbstmord aus Angst vor dem Tod…

Die SPD schwimmt dem sinkenden Schiff entgegen . . .

Weiß nicht. Die SPD hat in der Opposition keine Leute und in der Regierung auch nicht. Was ist besser ? Immerhin kann die SPD bei einer sich auf dem absteigenden Ast befindlichen CDU auf Zuwachs hoffen und wenn die Eurorettung anzieht und es den Leuten schlechter geht, auch. Nebenbei bemerkt, holt die SPD, abseits der Groß- und Universitätsstädte, fast nur strukturschwache Gebiete. Außerdem konnte die SPD riskieren, die gender pay gap Lüge zu reiten, weil sie die Redaktionen auf ihrer Seite hat. Insgesamt sieht es zwar schlecht aus, aber so schlecht auch wieder nicht. Man muß auch sehen, daß die… Mehr

Wenn ich Sie richtig verstehe, dann müsste man also nur die Redaktionen in ihrr Wirksamkeit neutralisieren, dann wäre es aus mit der SPD?

Dann wäre es mit allen aus. Aber soweit muß es ja nicht kommen. Wahrere Berichterstattung würde natürlich auch die Qualität der Politik heben.

Besser kann man es wohl kaum formulieren.

Tsipras und Macron bitten Schulz in ein GroKöchen einzutreten. Was sagt uns das?

Dass dann Schulz noch mehr für die Lobbyisten in Brüssel tun kann

Danke, Herr Tichy und was die Zeit mit ihren Grünen betrifft: Meine Frau sagt immer, so schnell könne man gar nicht schauen, wie im Biomehl die Kornkäfer rumkrabbeln, im normalen Mehl gäbe es die nicht. Alles Fassade bei denen!

Natürlich ist das Fassade! Der ganze Ökoalarmismus soll verschleiern, dass die Grünen in Wirklichkeit eine linksfaschistische Partei ist, deren geistige Stichwortgeber Kommunisten, Sozilisten und Maoisten sind und die ganz andere Ziele verfolgt, nämlich Deindustrialisierung und die Vernichtung Deutschlands als Nationalstaat. Alles andere ist nur Camouflage. Nicht umsonst können die so gut mit der Sozialistentruppe der SPD. Lindner hat immerhin verhindert, dass diese Grünfaschisten nun auch noch oberflächlich betrachtet für das angeblich so „bürgerliche“ Lager koalierfähig werden. Aber erstens ist die CDU gar keine bürgerliche Partei mehr, sondern schon längst so links, dass sie zuzeiten Helmut Schmidts die SPD links überholt… Mehr

„Es hat was komisches, diese Unfähigkeit, die Zeichen an der Wand zu sehen.“ – Hr. R. Tichy

Zeichen an der Wand (AT): die Hand Gottes – statt Marktes!

Dazu ein Zitat von Barbara Tuchman, August 1914, S. 240: Da nun der Mensch ein erstaunliches Talent hat, immer das zu sehen, was er zu sehen erwartet, selbst wenn es gar nicht vorhanden ist…“

Dies begründet die Realitätsabstinenz vieler Politiker, denn sie orientieren sich nicht an der Wirklichkeit, sondern an dem Bild, das sie sich selbst von der Wirklichkeit machen, gerne auch durch Auslassung oder Nichtberücksichtigung wichtiger Fakten, die das eigene Weltbild (und damit evtl. auch die eigene Macht) ins Wanken bringen würden, wofür dann gerne auch vorhandene, jedoch nicht abweisbare oder nicht unter den Teppich zu kehrende Fakten verdreht werden.