Fridays for Future: Zukunft ohne Freiheit

Zieht man unter den Forderungen von Fridays for Future einen Strich, so läuft das auf die Deindustrialisierung Deutschlands, auf den Wechsel ins Land der Träume hinaus.

© Getty Images

Die Grünen-Politikerin Luisa Neubauer und der Linken-Politiker Maximilian Reimers behaupten in einem Beitrag für die WELT, dass Fridays for Future die „konservativste Bewegung“ sei, die man sich nur vorstellen kann. Das hat allerdings alles mit dem Vorstellungsvermögen der Autoren des WELT-Beitrags zu tun, nichts hingegen mit der Realität. Im Rahmen des Planspiels zur parlamentarischen Demokratie im Jugendparlament stürmten Klimaaktivisten im Bundestag nach vorn und legten sich vor Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble nieder, als wären sie tot. Diese parteipolitisch motivierte Aktion, in der sich die Aktivisten als Erfüllungsgehilfen der Grünen zeigten, versuchten die beiden Politiker nicht nur zu rechtfertigen, sondern sie argumentierten etwas wirr, dass sie mit dieser Aktion auf dem Boden der Demokratie stünden. Dem ist nicht so.

Auch wenn es sich nicht um eine Bundestagssitzung handelte, wurde wenig Respekt vor der Demokratie und vor der Würde des Hohen Hauses bezeugt, denn der Sinn der Veranstaltung besteht darin, dass Schüler lernen, wie demokratische Prozesse funktionieren und ablaufen, indem sie in die Rolle von Abgeordneten schlüpfen und eine Plenarsitzung nachgestalten. Stellen wir uns also vor, wie übrigens auch der Bundestagspräsident und die beteiligten Schüler, dass es sich um eine reguläre Sitzung des Bundestages gehandelt hätte. Die Schüler wären dann die Volksvertreter, die von den Bürgern in freier und geheimer Wahl gewählt worden waren, um deren Interessen wahrzunehmen. Sie stellen eben nicht die Erfüllungsgehilfen abstrakter Wesenheiten wie der „Arbeiterklasse“, der „Werktätigen“ oder der „Jugend“ dar. Damit die Abgeordneten den Wählerwillen umsetzen können, besitzen sie nicht nur Immunität, sondern sind im Bundestag jegliche politischen Demonstrationen und Einschüchterungen zu unterlassen. So auch im Planspiel Demokratie.

Die Aktivisten machten aus der seriösen Lehrveranstaltung Demokratie einen Klamauk. Würden dergleichen Protestaktionen auch in regulären Plenarsitzungen stattfinden, käme das Parlament nicht mehr zur Arbeit, schließlich dürfte dann jeder ausgehend vom Gleichheitsgrundsatz seinen Protest in dieser Art vorbringen. Was würde eigentlich passieren, wenn beim nächsten Planspiel Demokratie andere Aktivisten oder Mitglieder der Jusos, der Jungen Liberalen, der Alternativen Jugend oder der Jungen Union eine Protestaktion durchführen würden?

Nähme man die Berufung auf „die Jugend“ im Beitrag beider Politiker ernst, zeigte sich, dass Neubauer und Reimers nicht „die Jugend“ vertreten. Wurden sie von einer Mehrheit der jungen Bürger in freier und geheimer Abstimmung als ihre Interessenvertreter gewählt? Oder verwirkt der junge Bürger, der nicht der Klimaideologie folgt, seine Stimme? Wären nur klimabewegte und klimarettende Jugendliche (bis zu welchem Alter eigentlich?) wahlberechtigt?

Auch wenn der Eindruck erweckt wird, als seien freitags die Klassenzimmer leer, geht das komplett an der Realität vorbei. Selbst von denen, die zu Fridays for Future Demos gehen, fehlen wiederum viele, wenn der Freitag auf einen Feiertag fällt. Die Bewegung Fridays for Future versucht den Eindruck zu erwecken, dass sie eine spontane und unorganisierte Bewegung sei. Doch hinter den Protesten stehen hocheffektive, kampagnefähige Netzwerke, ein Netz von NGOs.

Ums Klima geht es auch nicht. Die Grünen haben begriffen, dass die Klimahysterie eine vortreffliche Mobilisierungsideologie darstellt, um sie an die Macht zu bringen. Zur EU-Wahl lautete der Wahlkampfslogan der Grünen: „Kommt, wir bauen das neue Europa“ Die Wahlergebnisse der Grünen außerhalb von Deutschland belegen, dass kaum jemand in EU-Europa ein grünes Europa bauen möchte. Neubauer und Reimers schreiben jedoch in grüner Diktion: dass sich der Reiz an Zukunftsdebatten an einem „Morgen mit neuen gesellschaftlichen Lösungen“ entflammen solle. In der Geschichte endeten bisher alle Utopien in Dystopien, in Verarmung, Not, Drangsal, in Unterdrückung, in Gulag und Genickschuss.

Neubauer und Reimers wollen Grenzen überschreiten. Auch die Grenzen der Freiheit, der Bürgerrechte, der Demokratie? Mit der Aktion im Bundestag haben sie die Grenzen der Demokratie überschritten. Sie sind beim Klassenkampf, der heute Klimakampf heißt, angekommen. Man wird sehen, wohin die Reise weiter geht.

Zieht man unter den Forderungen von Fridays for Future einen Strich, so läuft das auf die Deindustrialisierung Deutschlands, auf den Wechsel ins Land der Träume hinaus. Die Jugendlichen, die für den „Erhalt ihrer zukünftigen Lebensgrundlagen“ demonstrieren, treten für die Zerstörung ihrer Zukunft ein, denn man wird den politischen, wirtschaftlichen, auch klimatischen Herausforderungen nicht auf dem Weg der Verbote und des Ausstiegs aus dem wissenschaftlich-technischen Fortschritt, mit dem Rückweg in die Höhle begegnen können. Der Rückweg in die Höhle ist nicht konservativ, sondern reaktionär. Konservativ ist die Bewegung schon allein deshalb nicht, weil Konservative nicht nur Rechte der Bürger, sondern auch ihre Pflichten im Blick haben und der Konservative vom Recht und von der Freiheit des einzelnen Bürgers ausgeht. Der Reaktionär hingegen setzt nicht auf Individualität, sondern auf Vermassung, beruft sich auf höhere Ziel, die im Interesse einer imaginierten höheren Wesenheit wie der „Arbeiterklasse“, der „Werktätigen“, der „Volksgemeinschaft“, der „sozialistischen Menschengemeinschaft“, der „Vielen“, der „Jugend“ stehen.

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Kommentare ( 65 )

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Greta De-industriealisiert Deutschland.
Wen Interessen da schon Militärs, Politiker, Wirtschaftsführer und Bänker in den USA, das sind irrelevante alte weisse Männer, Vertreter einer obsoleten Weltordnung.

Die würden zwar brutalste Kriege zu Gunsten ihrer Interessen und ihrem Machterhalt führen, aber gegen Greta sind sie machtlos. Es kann also gar nicht sein, dass Deutschland für den Geschmack seiner ehemaligen Kriegsgegner wirtschaftlich zu stark und politisch zu einflussreich würde, und daher jetzt nachhaltig in Ungnade gefallen ist?

Konservativ? Ulkig, in welchen Kontexten dieser Begriff immer wieder begegnet, und zwar ja normalerweise negativ konnotiert, hier dann aber auf einmal positiv. Greta also eine Konservative? Um des Gedankenspiels willen kann man die Idee ja einmal prüfen: Eine radikale „Zurück-zur-Natur“-Philosophie im Sinne Greta Thunbergs könnte theoretisch durchaus auf eine technologische Rückabwicklung großer Teile der Industrialisierung, und damit eine Wiederherstellung vormoderner Zeiten hinauslaufen. In einer deindustrialisierten Welt mit zumeist hoher Arbeitslosigkeit wären auch viele soziale Errungenschaften (Berufstätigkeit der Frau!) bedroht. Das gesellschaftliche Klima würde daher vermutlich „traditioneller“ (also „konservativer“?) werden. Die nun tatsächlich verstärkt zu erwartenden Veränderungen und Eingriffe zugunsten eines… Mehr

Donnerwetter, Sie kennen ja Wörter… aber immerhin weiß ich jetzt was der Glaube an die Widerkunft Christi auf Altgriechich heißt, danke. 🙂

Als erklärter Anhänger von Verschwörungstheorien erscheint mir dies alles sehr logisch. Der ganze Rummel um FFF und Gretel längt ab. Er längt die Medien ab, die wie hier auch, gern darüber schreiben.
Die Frage lautet: Was geschieht abseits des Rummels? Warum wird dieses Schauspiel so groß und so lange aufgeführt, um von anderen Ereignissen, Entwicklungen und auch Planungen abzulenken? Was läuft im Hintergrund? Nur um die Grünen hoch zu jubeln? Das ist mir zu wenig. In der Politik geschieht nichts ohne Grund. Wir werden es sehen, wir werden es wahrnehmen, wenn es wiedermal zu spät ist.

Es geht darum genügend Druck aufzubauen um einen Grund zu haben die Bevölkerung noch weiter auszupressen. 2015ff muss finanziert werden.

Wer konservativ mit rückwärtsgewand gleichsetzt, für den ist FfF natürlich konservativ. Denn viel mehr rückwärts geht doch nicht mehr. Das Mittelalter läßt grüßen.

Wozu noch arbeiten Herr Mai? Auf diesem Planeten existieren heute schon 250 Billionen Dollar (Schulden), bei nur 8 Milliaren Bewohnern. Aber da die Schulden der Einen, die Vermögen der Anderen sind, muss man da nur mal richtig ran, und die Kohle ordentlich ins Zirkulieren bringen. Grete Thunfisch wird ganz sicher auch noch auf das Thema eingehen, und uns schon bald ´ne Lösung präsentieren. Selbst bin ich da nicht prominent genug, sonst hätte ich gesagt, warum immer erst zur Bank, um lästigerweise das Geld aus dem EC-Automaten zotteln? Einen Laserdrucker hat schließlich fast jeder zu Hause, und für die momentan noch… Mehr

Ich schlage eine Klima Challenge vor. Jeder dieser Hysteriker soll die Luft anhalten. Stopp breathing for clima. Wer am längsten – mind. 10 Min. – erhält einen Klima Award, powert by Darwin Award.

Die gegenwärtige Situation in Deutschland erinnert mich auch so an einen Darwin Award, nur dass dabei einganzes Volk mitspielt.

Wie bekloppt muss eine Regierung sein, die solche Rotzgören ernst nimmt, denen zwar die Abituraufgaben in Mathematik zu schwer sind, die angeblich aber ganz genau wissen, welchen Einfluss der Mensch auf das Klima hat.
Oder nimmt sie die gar nicht ernst und tut aus Opportunitätsgründen nur so?

Frau Merkel mochte nicht mehr über ihre Entscheidung von 2015 sprechen, das Thema lässt sich nicht abwürgen.
Da kommen die Klima Kids gerade recht.

Das ganze könnte ganz schnell zu einem Öko-Faschismus werden, denn was passiert mit denen, die nicht den Weg der Öko-Fanatiker gehen wollen?
Bio-Gulag? Und was ist denn, wenn Deutschland dann unter massivsten Verzicht tatsächlich schafft CO2-neutral zu werden? Die anderen Länder wird so eine Selbstkastei eher abschrecken als einladen es gleich zu tun.
Wird dann in andere Länder einmarschiert, wenn sie nicht von sich aus „grün“ werden wollen? Aus grüner Sicht wäre das sogar moralisch gerechtfertigt, geht es ja um nicht weniger als die Rettung der Menschheit…
Wie beruhigend ist es da den gegenwärtigen Zustand der Bundeswehr zu sehen.

Elende Heuchler sind diese Grünen. Während Kinder im Kongo unter unmenschlichen Bedingungen in den Kobaltminen den Rohstoff für die Elektroautos der Grünen schürfen, hüpfen die zivilisationsgeschädigten Kinder Europas und besonders in Deutschland fürs Klima. Und noch schlimmer: Grüne versprechen den Leuten sich neben den „Geschenken“ um „jede Biene und jeden Schmetterling“ zu kümmern. Dafür lassen sie zu, dass auf den Höhen der schönsten Wälder Deutschlands durch radikales Abholzen und Roden Platz geschaffen wird für ihre Windmühlen, inklusive der Zufahrtsstraßen für die Errichtung. Mit Naturschutz hat das alles wahrlich nichts zu tun, aber der ideologische Zweck heiligt die Mittel. Zudem haben… Mehr

„Zudem haben Ingenieure ausgerechnet, dass, wenn einmal alle Atom Kraftwerke und Kohlekraftwerke abgeschaltet sein werden, man die siebenfache Zahl der jetzigen Windmühlen installieren müsste, um dies auszugleichen.“
Entschuldigung, dieser Aussage liegt ein Denkfehler zu Grunde: Sie könne die Anzahl der WKA beliebig vermehren, sie werden auf Grund der systembedingten Volatilität der Windenergie damit niemals ein Äquivalent zu Kohle- und Atomstrom schaffen können: wenn kein Wind, dann kein Strom. Eine Rechnung mit einer Vermehrung der WKA ist daher eine Multiplikation mit Null, in der Mathematik verboten!

Da haben Sie recht und alles ist noch schlimmer.

Polen und Tschechien haben inzwischen Transformatoren an den Grenzen, um sich vor „blackout“ durch zu viel erzeugten „Zappelstrom“ zu schützen. Dementsprechend werden bei nicht abfließender „Übererzeugung“ bei uns die Sicherungen raus fliegen?
https://www.freiepresse.de/nachrichten/wirtschaft/wirtschaft-regional/chemnitzer-anlage-hilft-blackout-in-tschechien-zu-verhindern-artikel10298280

„…so läuft das auf die Deindustrialisierung Deutschlands, auf den Wechsel ins Land der Träume hinaus.“
Wer beschreibt denn endlich mal konkret und umfassend den Zielzustand der eintritt, wenn alle Wünsche dieser fff-kids tatsächlich in Erfüllung gehen?
Mitsamt allen Auswirkungen auf die Demonstrierer in ihrer durch sie und ihre Anforderungen veränderten Umgebung – bis hin zu ihrem dann wohl tatsächlich oftmals früheren Tod?
Bisher schreien sie ihre Wünsche konsequenzlos in die Welt – ich denke, man muss ihnen vor Augen bringen, was sie da anstreben und sie mit der durch sie gestalteten „Zukunftswelt“ zum durchaus Schlechteren konfrontieren!

Hinter den fff-Kids stehen die Medien und kaum ein Politiker wagt, etwas anderes zu behaupten. Im Grundgesetz steht: „Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.“ In Wirklichkeit haben die (linksgrünen) Medien die politische Willensbildung übernommen. Die Parteien und die Politiker nicken alles ab. Für den Machterhalt braucht man die Unterstützung der Medien. Die Kanzlerin hat dieses Vorgehen perfektioniert. So wird man 4 Mal zur Kanzlerin gewählt. Leider sind die Parteien und die Politiker nicht in der Lage, sich gegen die Macht der Medien aufzulehnen. Wer etwas anderes als die Medien behauptet, wird öffentlich fertig gemacht. Damit ist… Mehr