Frankfurter OB Feldmann, Ehefrau und die AWO-Frankfurt

Ob es landsmannschaftlich verschieden da Freunderlwirtschaft, dort Vetternwirtschaft, Nepotismus oder Korruption heißt, es handelt sich stets um die untrüglichen Anzeichen des Niedergangs von politischer Kultur.

imago images / Hartenfelser

Nein, sagt mein Nachbar, der in Politik ebenso seine Erfahrungen gesammelt hat wie in Wirtschaft, Gesellschaft und Medien: Der Parteienstaat verdirbt keine Idealisten in der Parteipolitik. Er lässt nur Karrieristen zu auf den Ebenen oberhalb des einfachen Mitglieds.

So einen wie als aktuelles Beispiel den Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann. Die Hessenschau berichtet:

„Die Arbeiterwohlfahrt gab der Frau des Frankfurter Oberbürgermeisters Feldmann als Kita-Leiterin ein deutlich höheres Gehalt als üblich und einen Dienstwagen. Der SPD-Politiker hatte beim Verband eine maßgeschneiderte Stelle inne.”

Die Vorwürfe im einzelnen:

„Zübeyde Feldmann, die Ehefrau des Frankfurter Oberbürgermeisters Peter Feldmann (SPD), bekam von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) ein deutlich höheres Gehalt als Mitarbeiter in vergleichbaren Positionen zugestanden … Aus internen Belegen der AWO, die dem hr vorliegen, geht hervor, dass sie bereits im September 2017 die höchste mögliche Bezahlung in ihrer Tarifgruppe bekam. Um die Endstufe zu erreichen, müsste eine Mitarbeiterin normalerweise 17 Jahre lang in dieser Tarifgruppe arbeiten.”

»Auch der Oberbürgermeister selbst hat enge Verflechtungen mit der AWO. Vor seiner Wahl ins Chefzimmer im Römer hatte Feldmann eine Stabsstelle für Belegungsmanagement bei der zur AWO Frankfurt gehörenden Johanna-Kirchner-Stiftung. „Er war nicht der Erste aus der SPD, der versorgt wurde“, erinnert sich eine ehemalige AWO-Mitarbeiterin, die anonym bleiben will. Für ihn sei eine Stelle geschaffen worden, die es vorher nicht gegeben habe und die nach seinem Wechsel in das OB-Amt auch nicht mehr besetzt worden sei.«

Gegen die AWO Frankfurt selbst, berichtet ebenfalls die Hessenschau, „ermittelt die Staatsanwaltschaft” gegen Verantwortliche „wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue”. Es ginge um Gelder, die die Stadt für den Betrieb von zwei Flüchtlingsheimen der AWO gezahlt hat – TE hatte darüber im Juni berichtet.

Im Vergleich dazu, was an Selbstbedienung aus Steuermitteln stattfindet, sind das die berühmten Peanuts, aber das Muster des Parteienstaats wird oft an solchen „kleinen” Vorgängen deutlicher als an den großen.

Wie sagt doch mein Nachbar? Der Parteienstaat verdirbt keine Idealisten, sondern zieht Verdorbene magisch an. Ob es landsmannschaftlich verschieden da Freunderlwirtschaft, dort Vetternwirtschaft, Nepotismus oder Korruption heißt, es handelt sich stets um die untrüglichen Anzeichen des Niedergangs von politischer Kultur – mein Nachbar sagt’s einfacher: von Anstand.

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Kommentare ( 82 )

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82 Kommentare auf "Frankfurter OB Feldmann, Ehefrau und die AWO-Frankfurt"

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„Der Parteienstaat verdirbt keine Idealisten, sondern zieht Verdorbene magisch an.“
und vor allen Dingen: Unfähige. Das erklärt auch den Mangel an Anstand.
Damit die breite Masse nicht zu viel nachdenkt, werden ihr dann von den Parteien unterschiedliche Feindbilder präsentiert. Mal die bösen, gierigen Vermieter, dann wieder die Managergehälter oder die Bonis der Banker. Und schon springt Volkes Seele, besser gesagt der deutsche Neid, an. Genau dies ist die Grundmauer für den Parteienstaat mit seinen verdorbenen & unfähigen Parteisoldaten. NGOs, Organisationen wie die AWO, sind den Partien in Organisation und Mitglieder gleich zu setzen.

Die Leute wählen eben lieber glückliche Leute – das heulende Elend haben sie ja schon zuhause.

Einmal waren wir beide gleich. Beide: Proleten im deutschen Kaiserreich. Beide in derselben Luft, beide in gleicher verschwitzter Kluft; dieselbe Werkstatt – derselbe Lohn – derselbe Meister – dieselbe Fron – beide dasselbe elende Küchenloch … Genosse, erinnerst du dich noch? Aber du, Genosse, warst flinker als ich. Dich drehen – das konntest du meisterlich. Wir mußten leiden, ohne zu klagen, aber du – du konntest es sagen. Kanntest die Bücher und die Broschüren, wußtest besser die Feder zu führen. Treue um Treue – wir glaubten dir doch! Genosse, erinnerst du dich noch? Heute ist das alles vergangen. Man kann… Mehr

Wozu braucht eine KiTa-Leitung einen Dienstwagen? Oder hat sie einen Kleinbus und holt die Kinder persönlich zu Hause ab?

Nein….einen Ford Focus….und den nahm sie wohl….um „wichtige Termine“ wahrzunehmen…..denn das Vorzeige-Projekt eines „Deutsch-Türkischen“ Kindergartens (was auch immer das sein soll?) musste nach „außen“ medial vermittelt werden….viele Termine waren dazu wohl nötig….die man mit dem ÖPNV unmöglich hätte wahrnehmen können. Man muss Verständnis haben für die Lokal-Fürsten und Ihre Angehörigen….gerade in Frankfurt herrscht ein regelrechter Kult um das Amt des OB….und da darf seine Gattin in nichts nachstehen. Interessant wird die weitere Entwicklung bei den AWO Geld-Schiebereien….es tauchen wohl immer mehr „geschasste“ Whistleblower auf….die die miesen Maschen nicht mitmachen wollten….und nun an die Öffentichkeit gehen. Von üblen Mobbing war gestern… Mehr
Wer in den 70er und 80er Jahren seine politische Sozialisation in Hessen erleben durfte und dies in Gemeinden mit jahrzehntelangen SPD-Mehrheiten wundert das nicht. Vor allem funktionierte damals schon die Masche, eine Tätigkeit in sozialen Berufen als eine Art „organisierte Nächstenliebe“ auszugeben, bei der sich die Frage nach Vorteilsannahmen oder gar Korruption gar nicht gestellt hat. In meiner Heimatstadt waren AWO aber auch die symbiotisch verbundenen protestantischen Dienstleister ein beliebtes berufliches Refugium für gescheiterte Existenzen mit Jusovergangenheit und politologisch-soziologischem Kurzstudium. In der Verwaltung versteht sich: denn für die Alten und Kranken gab es ja Ersatzdienstleistende, ABM-Kräfte und manch eine schnell… Mehr
Hintergrund ist ein kreatives Fixierspiel oder Ping-Pong zwischen dem AWO Kreisverband Frankfurt und dem AWO Kreisverband Wiesbaden. Hier waren unterschiedliche Entscheidungsträger, die eine familiäre Bindung haben – tätig. Dadurch wurde ein Fixierbild bei der Finanzierung von Asylbewerberheimen durchgeführt, Gelder wurden hier und dort berechnet / umgeleitet – ein Millionenspiel. Die Aufsicht / Controlling in den Kommunen Frankfurt und Wiesbaden war nicht gegeben oder waren durch die Geldströme gänzlich verwirrt. Die Sozialdezernentin in Frankfurt – Frau Prof. Dr. Birkenfeld CDU war ebenso paralysiert. Gezieltes und bewusstes Wegschauen waren das Primat des Handelns der Stadtverwaltungen in Frankfurt und Wiesbaden. Der Frankfurter Oberbürgermeister… Mehr

Also ich gehe davon aus, dass im Umfeld der Stadtwerke und ähnlicher städtischer Firmen noch weit höhere Summen für Versorgungsposten von treuen Parteifreunden ausgegeben wird. Ein weiterer Hort der Korruotion ist der Baubereich. Ohne wohlwollende Beziehungen ins Rathaus kann der Behördenweg sehr lang sein und sehr viele Iterationsschleifen enthalten. Öffentliche Ausschreibungen sind da ein extra Thema. Dann enthält der Umweltbereich viele Geldquellen für Ökofreunde die man systematisch anzapfen kann. Und bei der Vergabe derMittel für Kunst am Bau (da muss eine feste Summe ausgegeben werden) braucht ein Künstler ohne politische Beziehungen sich eigentlich gar nicht bewerben.

Der Sozialromantiker – Das sind Politiker, Journalisten, Gewerkschafter und freigestellte Betriebsräte oder sonst Leute, die das Leben nicht mit ihrer Hände Arbeit verdienen und – frei nach Rainer Werner Fassbinder – davon ausgehen, »sozial ist, wenn es mir gut geht«. Sozialstaat heißt in den Augen des Sozialromantikers, dass andere für meinen Lebensunterhalt sorgen und sich mein Lamentieren darüber auch noch anhören müssen.
aus
Hans Rudolf Jost – LEADERSHIT – warum es Arschlöcher in Wirtschaft und Politik am weitesten bringen

Der Parteienstaat zieht „Verdorbene“ und vor allem Dilettanten an, die nur mit Hilfe der Partei auf Posten landen, welchen sie nicht gewachsen sind und unter anderen Bedingungen nie hätten erreichen können. Nur der nicht zum eigenen Denken begabte Parteisoldat wird großzügig be- und entlohnt.

Ich hab gelesen, dass die Awo für die Bewachung der 2 Asylheime noch eine eigene Sicherheitsfirma gegründet hat.
Über diese Firma sind binnen 2 Jahren 7 Millionen Euro abgerechnet worden.
Nach dem Vorfall in Hannover, wo der Libanese die Millionen abgegriffen hat mit falschen Rechnungen, würde mich diese Geschäftsgebaren näher interessieren.
Da wird mit Geld nur so rumgeworfen,
6 stellige Beträge werden ohne Nachfragen einfach bezahlt. Man darf gespannt sein, wer es sich bei der Arbeiterwohlfahrt finanziell noch alles gut gehen lässt.
Da gibt es noch mehr Leuchtturmprojekte.