Firmen erteilen Wahlanweisungen

Früher predigten Pfarrer von der Kanzel, wen ihre Schäfchen wählen sollen, heute sagen Betriebsleitungen wen nicht.

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SPIEGEL online meldet: „Nach dem Triebwerkshersteller MTU ruft auch die deutsche Geschäftsführung der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) ihre Mitarbeiter dazu auf, bei den anstehenden Landtagswahlen nicht für Populisten zu stimmen.”

Nachdem hier zwei Betriebsleitungen ihrer Rolle in der politischen Erziehung ihrer Belegschaften – wenn auch noch zaghaft – gerecht wurden, seien sie auf den Fundus hingewiesen, der sich in der Tradition der DDR verbirgt: Ein Schatz, der darauf wartet, von allen aufrechten Vertretern der von der Regierung und den sie tragenden Parteien der demokratischen Front gewünschten Einstellung und daraus resultierenden Stimmabgabe gehoben zu werden.

Hier der Link zur Direktive zur Schaffung einer hohen Kampfbereitschaft der Partei und der Arbeiterklasse und Sicherung einer offensiven Massenarbeit zur weiteren politischen und ökonomischen Festigung der DDR vom 4. August 1961.

Haltungsbewusste Kader der Betriebsführungen werden unschwer die zentralen Begriffe gegen jene Worte austauschen können, die der heutigen Klassenlage entsprechen.

Nach dem Glossigen drei Fragen an die beiden Firmenleitungen und andere, die so etwas auch vorhaben könnten:

Erstens. Halten Sie ihre Mitarbeiter für unmündig, ihre souveräne Entscheidung, ob sie wählen und wenn ja wen, nicht selbst treffen zu können oder gar zu dürfen?

Zweitens. Glauben Sie etwa, dass die Bürger, die von ihrer Wahlanweisung erfahren, nicht erkennen, dass es Ihnen gar nicht um die Wahlentscheidungen ihrer Mitarbeiter geht, sondern um ihre Ergebenheitsadresse an die derzeit politisch Herrschenden?

Drittens. Wissen Sie wirklich nicht, dass Sie mit Ihrer Einmischung in die freie Entscheidung Ihrer Mitarbeiter, die freie Bürger sind, das genaue Gegenteil bewirken?

Das demoskopische Ergebnis Ihrer und anderer Gleichgesinnter Einflussnahme können Sie im neuen Deutschlandtrend der ARD sehen:


Wahlwette Bayern:

Wer über alle genannten Parteien hinweg am nächsten an den Ergebnissen landet, gewinnt.

Ihre Wetten nehmen wir ab sofort entgegen.

Annahmeschluss ist der Wahlsonntag (14.10.2018 ) um 16:30 Uhr. Das Wettergebnis wird am Wahlsonntag um 17.45 Uhr veröffentlicht.

Auf die Gewinner wartet:

1. Platz: eine Flasche Champagner von Tante Mizzi
2. Platz: zwei Bücher aus dem Shop nach Wahl
3. Platz: ein Buch aus dem Shop nach Wahl

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Kommentare ( 87 )

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87 Kommentare auf "Firmen erteilen Wahlanweisungen"

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Empfehlungen diesewr Art gehen voll nach hinten los. Gänzlich unwirksam sind sie aber nicht, da sie disziplinierend wirken innerhalb der Arbeit. Wer sich als Populist oder Wähler einer solchen Partei outet, steht gegen die Betriebsleitung und muss mit Unannehmlichkeiten rechnen. Wehret den Anfängen solcher Gesinnungsschnüffelei.

Wehret den Anfängen, völlig richtig. Denken, Klappe halten, wählen gehen, das Kreuz an der Stelle machen an der man es möchte. Und immer dran denken, für die nächsten 4 Jahre muss man mit dem Ergebnis leben.

Die Firmen könnten aber die Mitarbeiter weiter fördern, wenn die Mitarbeiter ein Selfie mit „korrekt“ ausgefülltem Wahlschein vorlegen,,, z.B durch

1. Bonus
2. einen zusätzliche freien Tag
3. firmeninterne Belobigungen (z.B. Mitarbeiter des Monats)
4. bevorzugte Behandlung bei Beförderungen
5. Antrag zum Parteieintritt der Partei ….. mit Zahlung des 1. Jahresbeitrages durch die Firma , im Gegenzug zu bevorzugter Auftragsvergabe durch die Mandatsträger der jeweiligen Parteien in den Vewaltungen = notwendiger Kampf gegen rääächts !!

In der DDR nannte man das „betriebszentrierte Sozialpolitik“

‚Kraft durch Freude‘ wäre auch noch eine Möglichkeit… Pardon, und *zynismus aus*. Da habe ich mich möglicherweise ein wenig zu krass ausgedrückt, aber diese ganzen Gesinnungsverordnungen stinken sowas von zum Himmel, dass man sich an dunkle Zeiten deutscher Geschichte bitter erinnert fühlt – auch wenn man sie nur aus Geschichtsbüchern kennt. Vielleicht aber rege ich mich ja auch unnötig auf, denn ich habe die Zeit nicht miterlebt, als Ende der 60er, Anfang der 70er auch schon einmal Denunziationen und Berufsverbote um sich griffen. Da ging es auch um die ‚andere Seite‘, die gefährlich schien. Ich weiß es nicht. Vielleicht rüttelt… Mehr

Ende 2015 begann die Zeit, als das „Pack“ von ganz oben, durch ÖR und MSM beschimpft wurde, weil es nicht „funktionierte“.
Und es begann die Zeit der sozialen Ächtung und Trennung im Verwandten-, Bekannten- und Freundeskreis, wenn man seine andere Meinung äußerte bzw. nur Fragen stellte, wie „wir das schaffen sollen“.

Diese staatsnahen Leute haben noch nicht erkannt, dass der Wind gedreht hat. Er wehtschon aus anderer Richtung und wird stärker. Sie enden wie Egon Krenz.

Wann genau sind wir eigentlich unter den Eisernen Vorhang geschlüpft, der doch angeblich 89`gefallen sein sollte? Es wird langsam wirklich richtig widerlich mit dieser Sozialistenschei……..e

Ich hab‘ mal eine (nicht lustig gemeinte) Frage an die Wessis hier: Wie fühlt sich das an, wenn jetzt neben den Politikern („Folgen Sie diesen Leuten nicht“), MSM, Gewerkschaften, „Kunstschaffenden“ etc. auch Firmenleitungen Wahlempfehlungen geben, sprich bevormunden? Ist das noch die Freiheit, die der Westen glaubte dem Osten voraus zu haben oder fühlt sich das jetzt doch schon irgendwie ostmäßig an?

Danke für die Antworten. Und der Forist @Ein Mensch liegt aus meiner Sicht richtig.
Gewählt werden diese Leute im Westen, schon aufgrund der größeren Anzahl schon länger dort Lebender. Für die fühlt sich offenbar alles gut an.

Ja es fühlt sich schon an wie in einer Diktatur – der Unterschied ist aber, dass die Demokratie hier reagiert – langsam, verzögert vielleicht, aber in nicht langer Zeit sind die Verantwortlichen für diese unglaublichen Zustände weg vom Fenster und dann wird aufgeräumt und die Verursacher werden zur Verantwortung gezogen. Und es kommen keine Sowjets mit Panzern, um genau dies zu verhindern

‚…und die Verursacher werden zur Verantwortung gezogen.‘ Ich vermute, dass dies leider nicht der Fall sein wird. Wer traut sich denn von den vielen heutigen Mitläufern – die ja auch nach der hoffentlich neuen ‚Wende‘ wieder mitlaufen werden – diese Verursacher zu verurteilen? Und Reue werden die Verursacher sicherlich nicht zeigen. Im Gegenteil – sie werden im Hintergrund an ihrer Wiederkehr arbeiten, in dem sie die nachfolgende Generation ‚vorbereiten‘. Der lange Arm der Sozial-Kommunisten lässt sich leider nicht durchhacken.

Ich hab keine Ahnung, ob es sich ostmäßig anfühlt, das kann ich als Wessi ja gar nicht beurteilen. Aber das so etwas in Deutschland möglich ist, hätte ich mir bis vor kurzem nicht vorstellen können und für mich klingt es mehr nach noch schlimmerer deutscher Vergangenheit, über die ich in der Schule viele, viele Schulstunden lang belehrt wurde.
Als Arbeitnehmer eines solchen unsäglichen Unternehmens würde ich meinem Arbeitgeber nur noch Verachtung entgegen bringen und das genaue Gegenteil tun.

Also verstehen Sie mich jetzt nicht falsch, meine Frau kommt auch aus dem Osten, ich habe also eigentlich mit Ossi-gegen-Wessi-Geblubber nichts am Hut. ABER -wer hat uns diese ganzen ex SEDler in die Bude gelassen. Vor 89hatten wir bestenfalls ein paar strickende aber harmlose Grüne und die Reste der RAF. Richtig Aufwind aus dieser Honecker-Richtung kam doch erst mit diesen ganzen Merkels, Gaucks und Co. 🙂

Sie haben ja Recht das die aus dem Osten kommen, aber diese Leute werden hauptsächlich in den alten Bundesländern gewählt.

Ehrlich, ich verstehe die Unternehmensführungen nicht. Wissen die nicht, dass grün-rot und die sollen ja neben der CSU offensichtlich gewählt werden, Ihnen bei Regierungsbeteiligung zunehmend die Geschäftsgrundlage, siehe Automobilindustrie, entziehen werden. So naiv können die doch gar nicht sein. Ganz unabhängig davon erinnern diese Vorgaben doch sehr stark an VEB Zeiten der verblichenen DDR und deren Ende sollte doch in den Führunsetagen bekannt sein.

Am Deutschlandtrend finde ich am erschreckendsten die +3% für die Grünen! Wie blöd kann man eigentlich sein? Ich weiß, das sollte man nicht fragen, denn manche sehen das als Herausforderung.

Eigentor ! Wie war das mit dem rosa Elefanten ? Bitte denke nicht an einen rosa Elefanten. Und siehe da, geht ja garnicht. Anscheind versuchen die Betriebe ihren rosa fabenen AFD-Elephanten zu erschaffen. Mir würden bei solch einem naiven Aufruf mehrere Fragen durch den Kopf gehen, wenn ich Unternehmer wäre: 1) Bringt das soviel bei geheimer Wahl ? 2) Was werden wohl ,von ihrer Arbeit genervte ,Mitrarbeiter wählen ? 3) Macht es Sinn politische Themen mit dem Arbeitsalltag zu vermischen ? Wenn sonst keine anderen Probleme vorhanden sind, dann ist das wohl so. 4) Ermuntert man nicht zufällig die eher… Mehr

Vielleicht bleiben die Wahlen ja gar nicht mehr so lange geheim!?
Wirklich erschreckend in was für eine Richtung sich dieses Land seit *** entwickelt!

Leider passiert dies alles 15 Jahre zu spät. Damals hätte ich aufgrund meiner beruflichen Qualifikation locker auswandern können, jetzt wird mir aufgrund des Alters kein Land mehr “Asyl” gewähren.

Keine Sorge! Rot/Grün in Berlin und Bremen haben ihre bayerischen Genossen intensiv beeinflußt, auf gar keinen Fall eine Regierungsbeteiligung in München anzustreben, weil ein heruntergekommenes Bayern keine Finanzausgleich mehr leisten kann und sexy Berlin (Bremen) dann endgültig den Bach hinuntergeht.

Evtl. muss man künftig ein Selfie in der Wahlkabine schießen, um dem Arbeitgeber seines Vertrauens die richtige Einstellung zu beweisen? Ich fasse es nicht, dass jetzt sogar Unternehmen sich ungeniert ins Privatleben ihrer Angestellten einmischen. Ob Untergebene ihren Chefs umgekehrt auch Wahlempfehlungen vermitteln dürften?