Erst wieder die Juden, dann Zigeuner, Schwule usw.?

Ein seltsames Amtsverständnis offenbart der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, in einem Interview mit der FAZ:

Antisemitismus sei ein fester Bestandteil rechtsextremistischer ideologischer Lebensanschauung, spiele aber auch in Teilen des Ausländerextremismus und im Islamismus eine bedeutende Rolle.

So weit so gut, und dann:  „Er ist aus meiner Sicht keine Bedrohung für das politische System, aber eine Bedrohung für jüdische und israelische Interessen in Deutschland.“ (s. FAZ.net

Also blöd gelaufen für Juden. Bemerkenswert, dass der Verfassungsschutzpräsident Deutsche jüdischen Glaubens schon mal als kleine Minderheit versteht, für die es jetzt leider, leider mal wieder eng wird. Echt dumm gelaufen.

Es ist leider anders: Da soll das politische System nicht bedroht sein, Herr Präsident, wenn eine Minderheit ausgesondert und bedroht wird? Das Wesen des Systems können Sie in Artikel 3 des Grundgesetzes nachlesen: „Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden“.

Folgt man den Präsidenten des Verfassungsschutzes, gilt das halt neuerdings gerade nicht für Juden, sorry. Es klingt, als ob hier Minderheiten schon mal wieder als solche ausgesondert und in eine Reihe gebracht werden. Erst die Juden, dann die Schwulen, dann die Zigeuner, Kommunisten usw. usf. Ich meine: Wenn es so ist, dass eine Minderheit bedroht wird, und zwar offensichtlich umfassend, öffentlich und massiv, dann kann man das nicht achselzuckend hinnehmen, wie der Präsident, sondern dann ist tatsächlich das System Bundesrepublik in Gefahr. Dann ist es eine Aufgabe für alle Bürger und alle Institutionen dagegen vorzugehen. Übrigens auch gegen die islamistischen Gruppen, und zwar mit aller Konsequenz. Deren Pöbeleien gegen jüdische Mitbürger gefährden das System eines offenen Rechtsstaates. Aber offensichtlich sind islamistische Gruppen für den Verfassungsschutz schon zu groß und gefährlich. Ihnen nicht genehme Gruppen haben eben Pech gehabt.

Stellen wir uns übrigens mal vor, diese offene Verfolgung würde sich gegen andere, politisch gerade opportunere Gruppen richten. Würde der Präsident dann auch so vielsagend mit den Achseln zucken? Oder gibt es schon wieder  eine Hierarchie der Minderheiten?

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