Die Faktendreher von „Correctiv“

Tichys Einblick will das „Faktenchecken“ nicht verbieten. Das behaupten nur die Meinungs-Kontrolleure von Correctiv. Es ist nicht die einzige Falschbehauptung, die klargestellt werden muss.

Getty Images | Screenprint
„Wir haben einen Angriff von Tichys Einblick abgewehrt“, verkündete die Plattform „Correctiv“ am Donnerstag in eigener Sache. „Der rechte Blogger hatte uns verklagt, weil er uns unsere #Faktenchecks verbieten wollte, die seine Texte durchleuchteten. Das LG Mannheim hat uns nun Recht gegeben. Unsere Arbeit ist OK. Details folgen.“
Umgehend folgte auch ein Kommentar der ZDF-Talkshow-Gastgeberin Dunja Hayali: „wie war das noch mal mit der (meinungs- und) pressefreiheit? Wer versucht hier noch mal, diese errungenschaften zu untergraben und auzuhöhlen.“

Für eine nach eigenem Verständnis dem Faktencheck verpflichtete Plattform und für eine öffentlich-rechtliche Journalistin ist es schon bemerkenswert, dass beide ausgerechnet bei diesem Thema eine handfeste Falschbehauptung verbreiten, beziehungsweise, wie es neudeutsch heißt, ein Narrativ. Denn Tichys Einblick hatte natürlich nicht versucht und versucht auch in der nächsten Runde vor Gericht nicht, Correctiv das Faktenchecken zu verbieten. Das kann und soll die Organisation unbegrenzt weiter tun, so, wie Dunja Hayali auch beim ZDF senden und meinen darf.

Interessanterweise behaupten Correctiv und Hayali nicht nur etwas Faktenwidriges, sondern sie erwähnen auch mit keinem Wort, worum es in der rechtlichen Auseinandersetzung tatsächlich geht.

Worum geht es also?

Correctiv wurde 2014 gegründet und mit einer Anschubfinanzierung von drei Millionen Euro ausgestattet, unter anderem von der Brost-Stiftung – geführt von dem ehemaligen SPD-Politiker und Ex-Kanzleramtschef Bodo Hombach. Außerdem erhält sie Fördergelder von der Rudolf-Augstein-Stiftung und der Open Society Foundation des Milliardärs George Soros. Als Medium arbeitet Correctiv bei bestimmten Recherchen auch mit dem ZDF zusammen.

Seit 2017 kooperiert Correctiv auch mit Facebook: es versieht in dessen deutschsprachigem Teil im offiziellen Auftrag des Netzwerks Postings, die nach Ansicht der Correctiv-Mitarbeiter nicht korrekt sind oder in der politischen Ausrichtung als ungebührlich eingeordnet werden, mit dem Stempel „falsch“ beziehungsweise „teilweise falsch“.

Die US-Präsidentenwahl faktencheckte Correctiv-Gründer David Schraven nach der Wahlnacht 2016 übrigens so:

Dass Facebook gerade Schravens Unternehmen trotzdem mit der Faktenkontrolle beauftragte, liegt möglicherweise am Druck durch das „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“. Jedenfalls passt die politische Ausrichtung von Correctiv gut zu der des Politikers, der das Paragrafenwerk damals geschaffen hatte. Zensur wird an Parteifreunde ausgelagert, die sich jetzt darüber beschweren, dass die Opfer sich wehren. Dabei wird die Wahrheit auf den Kopf gestellt wie in der sagenhaft faktischen Wahlberichterstattung von Correctiv.

In dem konkreten Fall, der zu dem Gerichtsverfahren TE versus Correctiv führte, ging es um einen Artikel auf TE über einen Appell von 500 Wissenschaftlern und anderen Persönlichkeiten, die sich gegen die Behauptung eines „Klima-Notstands“ wenden. Correctiv bezweifelte, dass es sich bei den 500 durchweg um Wissenschaftler handelte, und hielt TE außerdem vor, es habe versäumt, eine Stellungnahme der Bundesregierung zu diesem Thema zu publizieren. Den Facebook-Post von TE, der auf den Artikel hinwies, überstempelte Correctiv deshalb mit „teilweise falsch“.

Es gibt zwar Gründe, die gegen diese Einschätzung von Correctiv sprechen – wir haben sachlich korrekt berichtet. Es ist nicht unsere Aufgabe, die offizielle Stellungnahme der Bundesregierung zu einem Brief einzuholen, den eine Gruppe internationaler Persönlichkeiten an die UNO richten. Eine Nachricht ist eine Nachricht auch ohne den Senf der Bundesregierung dazu. Medien sind keine Organe des Bundespresseamts. Trotzdem hat TE nichts dagegen, dass Correctiv das meint, und diese Meinung auf der eigenen Webseite oder bei Facebook verbreitet. Correctiv soll auch ruhig Hillary Clinton zur Wiederwahl 2020 gratulieren.

Die Faktenchecker – und dagegen richtet sich die Klage – sollen sich nur nicht ungefragt an einen Facebook-Post von TE anhängen und damit von der TE-Reichweite profitieren. Wer den Post von TE (und in ähnlichen Fällen andere Posts) auf Facebook teilen möchte, der muss nämlich den Stempel von Correctiv zwangsweise ebenfalls teilen – auch, wenn er ihn für unsinnig beziehungsweise überflüssig hält. Correctiv ist ein Medium, also ein Wettbewerber von TE, der aber von Facebook das Sonderrecht erhalten hat, wie ein vermeintlich neutrale, mit fast richterlichen Befugnissen ausgestattete Instanz über andere Wettbewerber zu urteilen, und außerdem Nutzen aus deren Reichweite zu ziehen. TE klagte deshalb, siehe oben, nicht gegen die Äußerung von Correctiv, sondern machte einen wettbewerbsrechtlichen Unterlassungsanspruch geltend.

Ebenso entscheidend ist, dass Facebook die Reichweite von Seiten massiv drosselt, wenn Correctiv einen „Sticker“ anbringt. Damit wird einem direkten Wettbewerber ermöglicht, die Reichweite eines Konkurrenten zu reduzieren oder ganz zum Verschwinden zu bringen. Auch das ist ein Anschlag auf die Meinungsfreiheit im Netz und wettbewerbswidrig, wenn einige Unternehmen andere herabstoßen können, noch dazu, wenn sie wie Correctiv willkürlich andere denunzieren.


Screenprint: www.corretiv.org

Das ist nicht, wie Correctiv wähnt, ein „Angriff“ und schon gar nicht einer auf die Meinungsfreiheit. Es ist das Gegenteil – faire Chancen für Alle im Netz. Es ist der zeitgemäße Kampf gegen Zensur, denn Correctiv erhält auch umfängliche Steuermittel über die Bundeszentrale für Politische Bildung für die Verbreitung seiner Falschmeldungen. Und es ist vor allem das gute Recht von TE. Übrigens hing sich Correctiv auch schon an wesentlich größere und bei Facebook reichweitenstärkere Medien an, etwa an Sat1, das nach Meinung der Faktenchecker falsch über den Vorstoß zur Abschaffung des Englisch-Unterrichts in NRW berichtet haben soll.

Der Medienrechtsanwalt Joachim Steinhöfel, der die Klage von TE vertritt, erklärt den Fall so:

„Entscheidend für den Rechtsstreit ist die Frage, wie es zu beurteilen ist, wenn ein Medium seine Bewertung über den Inhalt eines konkurrierenden Mediums nicht lediglich im Rahmen der eigenen Publikation veröffentlicht, sondern seine Kritik in Form einer Warnung unmittelbar mit der Publikation des angegriffenen Mediums verknüpft. Die Praxis bei Facebook, die zB “Correctiv” weitreichende Befugnisse der Stigmatisierung und Diskriminierung erlaubt, ist vergleichbar mit der Situation, dass ein Medium auf dem Titelblatt eines Konkurrenten einen Sticker anbringen lässt, mit dem vor der Lektüre gewarnt und dazu aufgefordert wird, stattdessen das eigene Konkurrenzmedium zu lesen. Im Printbereich wäre eine solche Praxis – etwa dass “Focus”-Mitarbeiter während der Auslieferung des „SPIEGEL“ einen “Focus”-Sticker auf dessen Titelseite aufkleben, oder umgekehrt – kaum denkbar. Im digitalen Bereich ist genau dies “Correctiv” u.a. aufgrund der Kooperation mit Facebook möglich. Damit wird der Bereich der Auseinandersetzung mit publizistischen Mitteln überschritten und man bedient sich unlauterer Geschäftspraktiken.“

Oder, um den Gedanken fortzuführen: es wäre so, als hätte ein Autor von TE das Recht, sich in das Studio von Dunja Hayali zu setzen, um dort den Zuschauern zu erklären, was die ZDF-Frau seiner Meinung nach Falsches behauptet hat.

Bislang ist nur bekannt, dass der TE-Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung abgewiesen wurde. Die Gründe, die das Landgericht Mannheim dazu bewogen haben, werden noch ein paar Wochen auf sich warten lassen. 

Wegen seiner grundsätzlichen Bedeutung für die Meinungsfreiheit im Netz wird TE das Verfahren auch in weiteren Instanzen führen.


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Kommentare ( 109 )

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109 Kommentare auf "Die Faktendreher von „Correctiv“"

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Der Text des Schraven ist, unabhängig von den Tatsachen, erbärmlich schlecht geschrieben. So ein Mensch wird nie Erfolg haben. Er muss den Blockwart geben…

Danke für die Klarstellung. Die Klage unterstütze ich in allen Punkten. Beim Namen Correct!v gehen bei mir seit Langem sofort alle Warnlampen an. Dass diese bezahlten linken Einschüchterer und Feinde der freien Rede sich auch noch im Dienst an der Gesellschaft sehen („Recherchen für die Gesellschaft“, „Wir für NRW“), kann bei jedem tatsächlich freiheitsliebenden Bürger nur einen spontanen Würgereiz auslösen. Bei Correct!v sind echte „ugly germans“aktiv: anmassend, größenwahnsinnig, ignorant und totalitär.

Das Problem ist immer wieder der Absolutheitsanspruch der modernen „Faktenfinder“ in Graubereichen, in denen „falsch“ und „richtig“ schwer zu identifizieren sind. Zudem ist Correctiv erkennbar bemüht, in der Medienlandschaft zu expandieren, träumt gemeinsam mit der Schöpflin Stiftung von einem „Haus des gemeinnützigen Journalismus“ und möchte überhaupt gemeinnützigen Journalismus neben gewinnorientierte kommerzielle Medien und ARD/ZDF stellen. Siehe Offener Brief: Initiative Nonprofitjournalismus vom 28.09.2019. „Wo soll denn das Geld herkommen? …“ Gedacht ist hier u.a. an die rund 23.000 Stiftungen in Deutschland. „Sie verfügen über ein Milliardenkapital. Doch lediglich ein Bruchteil der Stiftungen engagiert sich aktuell im journalistischen Feld – es sind… Mehr

Werter Herr Tichy, meine kleine Spende ist soeben bei Ihnen angekommen. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Team viel Erfolg in diesem Rechtsstreit! Lassen Sie sich bitte nicht entmutigen.

„Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“
Mahatma Gandhi

Egal on Correctiv, Amadeo Antonio Stiftung oder wie sich das ganze LinksGrüne Meinungsgewäsch auch nennen mag, alles dieselbe Suppe. Das untergräbt unsere Domkaratie, unsere Meinungsfreiheit ja sogar z.T unsere Gesundheit Stellenweise. Aber wenn einer von der AfD einen Furz lässt, hängt schon der Verfassungsschutz dahinter. Und währenddessen auf Welt und anderen Medien, sind die Ende Gelände Aktivisten, die Polizisten körperlich angegriffen haben, die “Aktivisten“. Aber der beste Witz kommt ja noch, die Medien wundern sich offenkundig nach wie vor, woher der Vertrauensverlust überhaupt kommt. Grundrechenarten und einfachste Dinge wie 1+1 haben die wohl nicht auf dem Kasten. Daher danke ich… Mehr

Das ist ein deutscher Abklatsch von „Correct the Record“, Hillarys bezahlte Schreiberlinge während des US-Wahlkamfpes, u.a. finanziert von einem gewissen ungarischen „Philantropen“.

Die Ablehnung einer einstweiligen Verfügung heißt, das die Sache nicht so dringend ist, das eine einstweilige Verfügung nötig wäre, was ja in der Sache völlig richtig ist. Das sagt über „Recht“ oder „Unrecht“ noch überhaupt nichts aus. Die Umdeutung von Correctiv kann man nur als demagogisch, ja schon als Lüge und Diffamierung bezeichnen. Gewonnen ist nichts, doch eigentlich sollte sich Tichys Einblick hier freuen. Kommt es zur Hauptverhandlung, dann sollte man auch genau solche Aussagen dokumentieren und festhalten als Beweis für die fehlende Neutralität, Unabhängigkeit, und damit auch für das Argument der Wettbewerbsverzerrung.
Denn hier entlarvt sich Correctiv bereits selbst.

@Julian Schneider. Leider erscheint im Programm kein Antwortbutton auf Ihren Kommentar. Daher so: Wir haben vielleicht einfach unterschiedliche Erfahrungen. Eben war ich auf dem Markt bei meiner Fleischerin – sie ist ca. 60 Jahre und total bodenständig. Wie jedes Wochenende war ein Mann im elektronischen Rollstuhl an der Theke und bestellte genußvoll in Zeitlupe mit viel Smalltalk und Scherzen 15 Minuten lang seine Ware, wofür andere 5 Minuten brauchen. Jedes Mal wird die Schlange immer länger, die Leute immer ungeduldiger. Doch die Metzgerin darf nichts sagen, wie sie mir danach erzählte. Der Rollstuhlfahrer wird extrem unangenehm und fühlt sich gedrängt,… Mehr

Wird „Correctiv“ noch einmal zu einem Gütesiegel für besseren Journalismus?
Ähnlich wie „made in germany“ – dieses „branding“ ging ja auch nach hinten los.
Diese Art negativ gedachter Kennzeichnung bewirkt für mich das Gegenteil.
TE weiterhin viel Erfolg!

„explicit Lyrics“.. der alete Aufkleber auf Platten/CDs..
als Abschreckung gedacht, zuletzt als Kaufanreiz von Anbeginn gerne mal aufgedruckt.

Habe gerade meinen Obulus an „Meinungsfreiheit im Netz“ entrichtet. Dass der TE-Antrag auf einstweilige Verfügung abgewiesen wurde, ist völlig unverständlich. Entweder der Richter hat die Bedrohung der Meinungsfreiheit nicht verstanden oder er wollte es sich nicht mit dem „Establishment“ verderben. Beides disqualifiziert ihn für seine Arbeit. (Sein inhaltlicher Rettungsanker wird wohl sein, dass Facebook privat ist und auf seiner Plattform machen darf, was es will. (Denkt daran, dass auch ihr bei TE euer Kommentar-Forum moderieren wollt.)) Liebe TE, es wird wohl kein Weg darum herumführen: Verabschiedet euch von Facebook! Wieso adelt ihr diese Sch..ß-Plattform noch mit euren Nachrichten? Facebook ist… Mehr

Kurz gefasst: Diesen Menschen geht es gar nicht um Fakten. Als Kinder des Postrealismus und der Frankfurter Schule glauben diese Leute nicht an die Existenz objektiver Wahrheit, nur an Macht. „Fakten“ sind für sie bloß ein Mittel, um Diskurshoheit zu erreichen, was möglich ist, da der Otto-Normal-Verbraucher sich von Worten wie „Wahrheit“ oder „Faktencheck“ beeindrucken lässt.