Die ersten Medien verlassen Merkel

Es ist wie bei dem von Schäuble einst bemühten Bild vom Phänomen der Lawine. Ist sie einmal ausgelöst, kommt sie nicht mehr zum Stillstand. 2018, das Jahr der Lawine?

© Johannes Eisele/AFP/Getty Images

Immer öfter schreiben Leser, sie wollten nichts mehr über Merkel lesen und keine Fotos von ihr sehen. Diesem Wunsch können wir nicht nachkommen, solange Angela Dorothea Merkel geschäftsführend oder wiedergewählt im Amt ist. Aber vielleicht haben wir anderen Trost.

„Eine strategische Grundausrichtung“ von Angela Merkel beschreibt Stefan Braun von der Süddeutschen Zeitung. Was Braun da in der Zeitung, die ihr nicht Holde im Internet gerne Alpen-Prawda nennen, schreibt, lässt mich fragen: Kündigt die Süddeutsche Merkel die Gefolgschaft?

Nach Brauns Befund lautet diese „strategische Grundausrichtung“: „Wo ich bin, ist die Mitte – egal, wohin diese gerade wandert. Mitte ist Mitte, ganz gleich, ob die SPD, die CSU oder die Grünen diese mal eben besonders stark in eine Richtung verschoben haben. Dass Merkel diese Mitte so gut wie nie selbst definiert, hat sie in zwölf Jahren Kanzlerschaft nicht wirklich gestört. Ihre Strategie war wichtiger als ihre Überzeugung. Ganz nüchtern beschrieben.“

Erst mal konstatiere ich die im polit-medialen wie im polit-wissenschaftlichen Raum ebenso übliche wie (sich selbst) irreführende Verwechslung von Strategie und Taktik. Merkel hat keine Strategie. Was Braun beschreibt, ist pure Taktik. Der nächste Absatz von Braun belegt das, die Verwechslung scheint ihm nicht aufzufallen, kein Wunder, wer sich täglich im engen Raumschiff Berlin-Mitte bewegt, kann sich der dortigen leichten Politsprache auf die Dauer schwer entziehen:

„Man kann das klug nennen, weil das Merkel’sche Prinzip mehr als zehn Jahre gut funktioniert hat. Man kann es als liberalen Pragmatismus beschreiben; immerhin bleibt sie auf Abstand zu allem, was extrem aussieht. Aber man kann das auch problematisch finden, weil es immer um das Ausbalancieren anderer Kräfte geht und nur selten um das eigene Bekenntnis; weil es clever wirkt, aber das Publikum nicht nachhaltig an einen bindet; und weil sich über die Zeit das Profil der eigenen Partei und der eigenen Person auflöst.“

Macht zehrt
Frau Merkel, treten Sie zurück. Es wäre besser.
Genau betrachtet, ist das nichts, was durch Merkel in die Politik gekommen wäre, sie hat nur den schon lange laufenden Prozess der Entpolitisierung der Politik auf einen nicht mehr steigerbaren Höhepunkt getrieben. Der Begriff der Mitte als politische Standortbeschreibung verdient den Bambi für perfekte Entpolitisierung. „Mitte und Maß“ ist eine treffende Formel für das Verhalten in allen Lebensbereichen, zur Beschreibung eines politischen Standorts, von politischen Überzeugungen ist sie untauglich. Nebenbei dokumentiert Brauns Formulierung vom „liberalen Pragmatismus„, wie „liberal“ zu einem Wort für beliebig verkommen ist. Liberal als Synonym für nicht konsequent.

Von Theo Schiller, der im Zorn die FDP verließ wie viele andere, als diese 1982 den Koalitionspartner wechselte, stammt die schöne Feststellung: „Die mitteste Mitte ist der nullste Nullpunkt.“

Stefan Braun erklärt Merkel im nullsten Nullpunkt so: „Zwei Jahre lang hatte sie mit Verve für große Reformen geworben; seit dem Spätsommer 2003 war sie sehr entschieden und sehr deutlich für einen Umbau des Gesundheits- und des Steuersystems eingetreten. Doch obwohl sie noch wenige Wochen vor dem Wahltag bei fast 48 Prozent Zustimmung gelegen hatte, stürzte sie bis zu jenem 18. September 2005 auf 35 Prozent ab – und konnte sich nur mit größter Mühe in eine große Koalition retten.“

Diese Erfahrung, schlussfolgert Braun, habe Merkels Politik beliebig gemacht: „Merkel und ihre Getreuen schworen sich …, dass sie ein derartiges Risiko nie wieder eingehen würden. So begann das neue Denken. Die Idee des Austarierens. Die Strategie: Lass andere vorpreschen, du wirst den Mittelweg durchsetzen. Merkel agierte nicht als Ideengeberin, sie passte sich den Winden und Ideen anderer an. Und sie tat das immer nur dann, wenn es in die Stimmung passte – oder unbedingt sein musste.“

Schade, dass Braun nicht erwähnt, wer entscheidet, wann etwas „in die Stimmung passte – oder unbedingt sein musste.“ Das ist seine Zunft, die Medien. Und er übersieht: Merkel hat auch vor der Wahlkatastrophe 2005 nichts anderes getan als das, was sie für medienpopulär hielt.

Abschaffung – Aussetzung – der Wehrpflicht, Atomausstieg, Energiewende, die de facto Öffnung für grenzenlose, unkontrollierte Einwanderung und so weiter, alles habe Merkel nicht aus Überzeugung getan, sondern weil es medien-populär war, zählt Braun auf und stellt fest: „Das Merkel’sche System der Stimmungspolitikerin hatte einen Höhepunkt erklommen.“

Die abschließenden Fragen von Braun kann er nur rhetorisch meinen, was sein letzter Satz dokumentiert: „Und was will die Kanzlerin? In der Sache? Hat sie ein Ziel, eine Richtung, eine Überschrift für dieses schwere Bündnis? Kann sie sagen, wie sie auf Frankreichs Emmanuel Macron reagieren möchte? Wird sie erklären, was es für sie und ihre Politik bedeutet, dass jetzt in Österreich eine neue Regierung im Amt ist? Kann sie einfach so tun, als sei nichts passiert, obwohl damit eine weitere Regierung in der EU ihre Flüchtlingspolitik komplett ablehnt? Auch danach wird sie ab sofort vermehrt gefragt werden. Gesagt hat sie dazu bis heute herzlich wenig. Dieses ‚wenig‘ kann sehr schnell zu wenig werden, um der CDU und sich selbst noch einmal Kraft und Richtung zu geben.“

Nun, „Richtung“ hat Frau Merkel noch niemandem gegeben, es sei denn sich selbst: Richtung Amt & Macht. Sie folgt immer nur den Richtungen anderer, die in den Medien populär sind. Im Moment stehen sich nur zwei Richtungen gegenüber, die beide keine Zukunft haben: das Merkel’sche weiter so und die durch alle anderen im Bundestag isolierte AfD mit zurück auf Anfang vor Merkels Beginn – eigentlich vor den Anschluss der DDR an die Bonner Republik. Die Person in der deutschen Politik, die das Zeug hat, eine neue, selbstbewusste Richtung einzuschlagen, ist noch nicht in Sicht. Um die Medien bräuchte sich diese Person nicht zu kümmern. Die folgen der Macht, die sich über sie hinwegsetzt. Nichts imponiert ihnen mehr.

Eines ist der Artikel von Stefan Braun ganz sicher, ein Indiz für die Absetz-Bewegung jener Medien von Merkel, die sie lange fast unbegrenzt unterstützten. Gleich mehrere „Wirtschaftslenker“ lässt das Handelsblatt mit dem massiven Titel „Wirtschaft auf Distanz zu Merkel“ los. Es ist wie bei dem von Schäuble einst bemühten Bild vom Phänomen der Lawine. Ist sie einmal ausgelöst, kommt sie nicht mehr zum Stillstand. 2018, das Jahr der Lawine?

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Kommentare ( 172 )

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172 Kommentare auf "Die ersten Medien verlassen Merkel"

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Ja das stelle ich auch fest bei WeltOnline. Focus hetzt weiter auf Andersdenkende und ARD/ ZDF haben noch immer nicht begriffen, das Merkel Out ist. Sie machen munter weiter mit ihrer ‚ Volkserziehung‘

Leider ist an Frau Merkels Politik nichts bis kaum etwas liberal und liberalen Pragmatismus vermag ich bei Ihr auch nicht auszumachen.
Das grenzt für mich als Liberalen mindestens schon an den Missbrauch dieser Begriffe für einen rot-grünen Kurs forte mit einer kräftigen Prise Obrigkeitsstaat a la CDU/CSU/SPD/Grüne, in dem der Bürger im eigenen Leben nichts zu melden hat. Liberal ist für mich eine andere Politik.

Es beruht auf Gegenseitigkeit: die politische Vollkaskomentalität weiter Teile der Bevölkerung und demgegenüber die volle Kontrolle des Staates über die Bürger. Die Abgabe der Eigenverantwortung der Bürger an den Staat und das Ausüben demokratischer Rechte gegen die eigenen Interessen (Wahlentscheidung) entsammt dem freien Willen der Menschen in unserer strukturell liberalen Gesellschaft.

Dass sie eine Nihilistin ist und eine Amöbe, die Schröders Aussage „er brauche nur die Glotze und die BILD“ um zu regieren, verinnerlicht hat (wobei sie aber auch die grüne Mainstream-Journaille einsackte), ist unschön.
Aber das ist nicht das Hauptproblem.
Das ist der historische Zufall der muslimischen Massenimmigration der sie auch mit dieser Taktierei begegnet ist. Und das kann uns zerstören.

Nicht nur die SZ, auch Spiegel, FAZ u.a. werden plötzlich gegenüber unserer Heilsbringerin zunehmend kritisch. Na ja, bekanntes Phänomen, die R…. verlassen das sinkende Schiff.

Auch ich bin eine von denen, die das „BlaBla in geschliffenen oder besser, geschleiften Worten“ der Kanzlerin nicht mehr erträgt. Als friedliebender Mensch kann ich nur auf ein Stück Holz beissen und hoffen, dass ihre „nudging“, auf kurzfristige Effekte angelegte Politik, die sich alles erlauben konnte und die gerade den jungen Generationen nicht zu schaffende Probleme hinterlassen wird, bald (egal wie) zu Ende geht. Dies im Wissen, dass sie in manchen Angelegenheiten das kleinere Übel ist…. Aber ein Punkt (von vielen) muss nach ihrem Abgang unbedingt gesellschaftlich aufgearbeitet werden: Ihre Politik der absoluten Herrscherin, die, vom Großteil der Presse unterstütz,… Mehr

Finde, Merkel kann gar nicht genug in Wort und Bild behandelt werden. Und zwar solange bis es auch der Dümmste merkt.

Jeder, der in einem demokratischen Staat Macht haben will, braucht die Unterstützung oder Propaganda aus mindestens einem Mainstream-Medienkanal. Auch Trump hätte es nicht ohne Fox Medien geschafft, mit Breitbart alleine jedenfalls nicht. Der Grund ist einfach. Früher predigten die Kirchen dem Volk, was Politik und Welt ist, in demokratischen Staaten ist die Rolle auf die Mainstreammedien übergegangen. Die darüber hinaus denkenden „kritischen“ oder „aufgeklärten“ Menschen bilden zu allen Zeiten nur eine Minderheit.

Und dennoch schiebt diese Minderheit immer die Veränderungen an.

Es geht mir genauso. Ich kann sie nicht mehr sehen (wie man umgangssprachlich sagt)! Diese Stimme, diese Worte und Sätze, die in ihrer Leere den interstellaren Raum übertreffen. Sie lügt nicht, aber dennoch habe ich das subjektive Gefühl, belogen zu werden, wenn sie spricht. Ihre Aura verletzt mich seelisch, selbst durch das Medium TV hindurch. Ich meine, vielleicht liegt es an meiner übersteigerten Empfindlichkeit und überhaupt nicht an ihr. Ich werde ihr niemals persönlich begegnen und doch hat sie in mein Leben in der vergangenen Dekade nachhaltig verletzend eingegriffen auf mancherlei Weise. Sie hat mich meinem Land entfremdet, sodaß ich… Mehr

Die Person lügt mit jedem einzelnen Wort, das sie hervorwürgt, sogar mit einem ‚und‘

Schon metaphorisch passt die Verwechslung der ursprünglich militärischen Begriffe von Strategie und Taktik in ein Land, das einst einen grundlegenden Denker wie Clauswitz hervorgebracht hat. Nach Clausewitz ist die Strategie die Lehre vom Gebrauch der Gefechte zum Zwecke des Krieges. Damit unterscheidet sie sich von der Taktik, welche Clausewitz als die Lehre vom Gebrauch der Streitkräfte im Gefecht bezeichnet. Daher ist es nichts als richtig, wenn Fritz Georgen auf den falschen Gebrauch durch Braun hinweist. Denn man kann Merkel clevere Taktiken unterstellen, aber keine irgendwie übergeordnete Strategie, die diesen taktischen Manövern einen Sinn geben würden, außer der des unbedingten Interesses… Mehr

Merkel ist nichts als Erzvasallin hinter ihr stehender mächtiger Kreise um den CFR herum. Die haben einen großen Plan. Den hat sie auszuführen, punktgenau. Und bisher hat sie darin nicht versagt. Auch nicht in der Masseneinwanderungsfrage. Die Destabilisierung Europas und Deutschlands läuft nach Plan. Auch, aber nicht nur, dank Vasallin Angela. Da ihre Beliebtheit im freien Fall ist, muss sie dennoch weg und durch eine oder einen besseren Vasallen ersetzt werden.

So ist es halt mit dem „ewig weiblichen“ : Sprunghaftigkeit und Unbeständigkeit.
Niemand würde auch ernsthaft ein Nilpferd zum Hochsprung anmelden.
Wo sind die Herren Kanzlerkandidaten?

Nur alles Feiglinge, unbrauchbar.

2018 ohne Merkel – das perfekte Weihnachtsgeschenk!!!!!