Die Ausgangslage zur Nationalratswahl in Österreich ist klar

Auf SPÖ, Neos und Grüne warten für ihre Erwartungen, vom Platzen von Türkis-Blau zu profitieren, schwere Enttäuschungen.

Michael Gruber/Getty Images

Bundeskanzler Sebastian Kurz schlägt dem Bundespräsidenten die Entlassung des Innenministers Herbert Kickl von der FPÖ vor. Dann treten deren andere Minister zurück. Damit ist die türkis-blaue Koalition beendet. Dieser Verlauf ist vorgezeichnet.

Den Nationalratswahlen im September könnten im Januar Landtagswahlen im Burgenland folgen, wenn Landeshauptmann Peter Doskozil, der kommende Mann in der SPÖ, seine rot-blaue Koalition beendet. Vorerst will er sie fortführen. In Niederösterreich bleibt es bei Türkis-Blau, in Oberösterreich wohl auch.

Die ersten demoskopischen Zahlen in Österreich zeigen korrespondierende Verluste der FPÖ und Gewinne der ÖVP:

Eines bestätigt schon diese schnelle Wasserstandsmeldung. Auf SPÖ, Neos und Grüne warten für ihre Erwartungen, vom Platzen von Türkis-Blau zu profitieren, schwere Enttäuschungen. Erste echte Ergebnisse bringen die EU-Wahlen am Sonntag. In Österreich wird der Wahlgang noch mehr als in allen anderen 27 Mitgliedsländern der EU zur nationalen Testwahl.

In gleicher Weise stehen den Hoffnungen der mit den genannten österreichischen Parteien politisch Verwandten überall in der EU herbe Enttäuschungen bevor. Es kann gut so kommen, dass die einzige Partei in der EVP-Gruppe, die nicht verliert, sondern gewinnt, die ÖVP des Sebastian Kurz sein wird. Auf der Homepage mit dem Namen „Die neue Volkspartei“, verkündet Kurz: „Kurs der Veränderung fortsetzen“.

Anzeige
Unterstützung
oder

Kommentare ( 66 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Andere bringen wir ungekürzt.
Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

----

66 Kommentare auf "Die Ausgangslage zur Nationalratswahl in Österreich ist klar"

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Strache und seine Leute sind keine intellektuellen Helden. Der Sebastian Kurz ist der geistige Kopf der neuen Bewegung. Bisher brauchte er nur die Stimmen der anderen (hier FPÖ), aber nicht deren Köpfe. Wenn er im Herbst noch klarer gewinnt, ist das sicher gut für Österreich. Da haben wir vielleicht einen echten Ur-Ur-Enkel Adenauers im Nachbarland.

Wenn Sie sich da mal nicht irren.

Die aktuellen Zahlen sind eine bloße Momentaufnahme. Auf dem medialen Höhepunkt lediglich 4% hinzuzugewinnen kann die ÔVP nicht in Sicherheit wiegen. Die FPÖ hat alle Chancen die Narrative in den nächsten Monaten zu drehen. Von Strache hat man das Schlimmste gesehen und gehört. In den nächsten Wochen dürfte eher nach und nach Licht in die kriminelle Schmierenkomödie kommen. Der Skandal könnte sich in der Wahrnehmung drehen und Kurz könnte bis September als Brutus der erfolgreichen Koalition angesehen werden. Dann kann die ÖVP schnell wieder bei 30% landen. Wer heute die PK von Norbert Hofer gesehen hat, kann einen Vorgeschmack darauf… Mehr

Ich bin geneigt für Kurz zu beten. Er und seine Mannschaft haben nach meiner Einschätzung gute Politik für Österreich gemacht. Es wäre ein Disaster wenn diese politische Arbeit nicht weiter fortgesetzt werden kann und eine Zusammenarbeit mit linken Kräften vonnöten wäre. Diese „bsoffene Gschicht“ (Videoproduzenten plus Strache) ist ein Schlag gegen eine realitätsnahe Politik, die sich linken Ideologien nicht unterordnen will. Himmel steh uns bei!

Hallo Herr Goergen, vielen Dank für den interessanten Einblick. WAs sicher nicht nur mich interessiert: Was ist mit dem, vom Pilz angedrohten Misstrauensvotum? So wie das von außen aufgrund der Nachrichten aussieht haben doch alle anderen Parteien kein Interesse das Kurz noch länger Kanzler bleibt. A) weil manche noch offenen Rechnungen mit ihm haben und B) weil er zu jung und gut ist und ihnen daher im Weg steht. Leider kenne ich das österreichische Verfassungsrecht nicht. Ist ein verlorenes Misstrauenvotum sein politisches aus und hat er dann eine Pirouette zu viel gedreht oder welche Möglichkeiten gibt es da noch. Im… Mehr
„Die ersten demoskopischen Zahlen in Österreich zeigen korrespondierende Verluste der FPÖ und Gewinne der ÖVP“ Dann scheint der Plan gewisser Kreise ja aufzugehen. Ich vermute eher, dass Kurz ein „Kunstprodukt“ wie Macron ist. Es ging von Anfang an nur darum die damals hoch führende FPÖ einzufangen und als Juniorpartner zu „kontrollieren“. Die ÖVP mit ihrem bestens vernetzten Machtapparat, kannte mit Sicherheit dieses Video. Somit hatte man jederzeit ein Ass in der Hinterhand um die Koalition „kontrolliert“ platzen zu lassen. Das Kickl als Innenminister gehen muss ist und ein gewisser Maaßen Nachfolger vor Österreichischen Diensten warnt, lässt darauf schließen, dass wir… Mehr

„Nichts ist so frein gesponnen, es kommt doch an die Sonnen“.
Die FPÖ wird (hoffentlich) nun alles dran setzen, die Hintergründe des Video’s auszuleuchten – je nachdem kann dann das Ganze durchaus zum Bumerang werden.

Kurz ist für mich ein Instinktpolitiker ohne sichtbare weltanschauliche Substanz. Seine Entlasssung von Kickl ist vermutlich aus taktischen Überlegungen zustande gekommen: Man signalisiert den Linken und den Medien sich von einer der größten Hassfiguren dieser zu distanzieren. Das verlogene dabei: Kickl war nicht Teil des aktuellen Skandals, seine Entlassung also inhaltlich irrartional und rein politisch motiviert. Für mich ist ein solches Verhalten seitens Kurz rückratlos, vorausgesetzt Kurz weiss nicht über Kickl etwas entsprechendes, das öffentlich nicht bekannt ist…

Zwei Anmerkungen zu den Ausführungen von Fritz Goergen: Abgesehen davon, daß weder Kurz noch die FPÖ, selbst unter dem konzilianteren Hofer, nach den Nationalratswahlen im September ohne massiven Gesichtsverlust eine Neuauflage der türkis-blauen Koalition eingehen können, so besteht für mich die Frage: Was wollen eigentlich die Wähler der ÖVP? Kann man sie mit dem deutschen CDU-Wählern vergleichen? Also bürgerlich-situierte Mittelschicht, eher mehr Frauen als Männer, mit der heimlichen Überzeugung, daß die Grünen im Grunde mit allem Recht haben, aber eben zu vorlaut und familienfeindlich sind? Was wählt der typische „Alm-Sepp“ in der Provinz? Daß Wien rotgrün tickt wie München oder… Mehr

Ich würde die Geschichte nicht vorschnell den linken Parteien in die Schuhe schieben.

Dass enttäuschte FPÖ-Wähler nicht zu SPÖ oder Grün laufen würden, musste ihnen klar sein. Der einzige Profiteur des Skandals ist Kurz, und dort sollte man auch die Urheberschaft suchen. Cui bono führt oft zum Täter.
**
Um die eigene Machtbasis auszubauen, lässt Kurz die beliebteste und erfolgreichste Regierung seit langem über die Klinge springen.

Eine ziemlich abwegige Theorie.

Das mit dem Zugewinn war vor dem Rausschmiss von Kickl. Wenn man in die Kommentarspalten der Leser in den österreichischen Zeitungen schaut, gewinnt man den Eindruck, dass Kurz schon wieder das verliert, was er gerade von der FPÖ dazugewonnen hat, und vielleicht sogar mehr und zwar postwendend zurück an die FPÖ. Kickl scheint mir in Österreich ein erstaunlich beliebter und populärer Innenminister gewesen zu sein. 🤔 Darüber hinaus haben die Anhänger von Kickl darauf gehofft, dass dieser bald mit ersten Ergebnissen der Ermittlungen an die Öffentlichkeit treten kann, welche die Offenlegung und die Aufarbeitung des Sumpfs und der Skandale der… Mehr

Das beste Mittel um die Macher des Strache-Videos für immer den Wind aus den Segeln zu nehmen wäre, wenn sie nach dem Motto „Jetzt erst recht rechts“ genau das Gegenteil des Beabsichtigten erreichen. Eine andere Möglichkeit könnte sein, ein solches Video als Fake zu produzieren und damit die veröffentlichenden Medien so zu blamieren (siehe Hitlertagebücher), dass sie in Zukunft die Finger von so etwas lassen, wenn sie nicht selbst ihre linksbeschmutzten Hände im Spiegel – äh im Spiel haben.
Wiederhole: Wer Stasimethoden braucht, braucht auch Stasigefängnisse.