Das Kopftuch ist nicht bloß ein „Stück Stoff“

Burka und Niqab sind vor allem ein permanent sichtbarer Mittelfinger in Richtung jeder aufgeklärten, emanzipierten westlichen Frau und jeder, die in ihrem Herkunftsland gegen diese Unterdrückung kämpft.

© Sean Gallup / Getty Images

Das Arbeitsgericht im Land Berlin hat entschieden. Die Kopftuch tragende Muslimin, die vor dem Arbeitsgericht Berlin auf Entschädigung wegen Diskriminierung klagte, weil ihre Bewerbung als Grundschullehrerin wegen ihres Kopftuches abgelehnt wurde, bekommt nicht Recht. Kein Job mit Kopftuch.

Neutral ist, was islamisch ist?

Berufen habe sich das Gericht, trotz des Urteils des Bundesverfassungsgerichts vom März 2015, das ein Kopftuchverbot an öffentlichen Schulen offiziell für rechtswidrig erklärte, hierbei auf das „Berliner Neutralitätsgesetz“. Begründet wurde das Urteil damit, dass das Berliner Gesetz keine gleichheitswidrige Privilegierung zugunsten christlich-abendländischer Bildungs- und Kulturwerte oder Traditionen vorsehe: „Gerade aufgrund der großen Vielfalt an Religionen und Weltanschauungen in dieser Stadt ist es sehr wichtig, dass der Staat sich neutral zeigt, um das friedliche Miteinander nicht zu gefährden,“ gab Sprecherin Beate Stoffers an. Hierbei müsse auch die negative Religionsfreiheit gewährleistet sein. Bereits 2005 verbannte Berlin als erstes Bundesland alle sichtbaren religiösen Symbole aus dem Staatsdienst.

Natürlich wollte die Klägerin mit türkischem Migrationshintergrund diesen Entschluss nicht auf sich sitzen lassen. Die Anwältin der Lehrerin ließ bereits verlauten, dass es traurig sei, dass die Lehrerin nun den langen und beschwerlichen Weg zum Bundesverfassungsgericht gehen müsse. Und wieso sollte sie es auch auf sich beruhen lassen, wo es doch genug Berufsbeleidigten-Vereine gibt wie das Antidiskriminierungsnetzwerk des Türkischen Bundes Berlin-Brandenburg, das bereits ankündigte, die Klägerin auch weiterhin zu unterstützen. Der deutsche Steuerzahler und die türkischen Diskriminierungs- und Rassismusexperten werden ihr das also schon finanzieren und so lässt sich der „lange und beschwerliche Weg“ vielleicht doch ganz gut aushalten.

Keineswegs nur ein Stück Stoff

Dabei zeigt der Fall wie auch die anderen, in denen sich junge Musliminnen durch die Instanzen geklagt hatten, um „bloß ein Stück Stoff“, wie man den Hijab auch gerne im passenden Moment beschwichtigend nennt, tragen zu dürfen, gut auf, weshalb es nicht umsonst Vorbehalte gegen das Tragen eines Kopftuches im öffentlichen Dienst gibt. Kann jemand, der so auf sein „Stück Stoff“, auf dem Kopftuch besteht und dafür bereit ist, einen monatelangen, wenn nicht sogar jahrelangen Rechtsstreit in Kauf zu nehmen, statt dieses einfach für die Zeit der Arbeit abzulegen, wirklich so moderat in Bezug auf die Praktizierung seines Glaubens sein? Wie groß muss die Rolle des Islams im Leben dieser Frau sein oder zumindest der Wunsch, sich optisch provokativ von der Mehrheitsgesellschaft in diesem Land abzugrenzen?

Auch zum Burka-Verbot fehlt der CDU der Mut
Burka: Frauen im mobilen Gefängnis
Denn nein, das Kopftuch ist nicht einfach ein „Stück Stoff“. Oder eine Kopfbedeckung wie jede andere auch. Wenn dem so wäre, würde man es genau wie eine Cap oder einen Hut im Dienst abnehmen. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern, dass meine Lehrer mich mit Cap oder Hut unterrichtet hätten oder dass reihenweise Menschen im Büro mit ihrer Kopfbedeckung herumliefen. Nein, das Kopftuch ist viel mehr als ein Stück Stoff und man kann seine Bedeutung nicht opportun je nach Situation hoch- oder herunterspielen. Es ist, was es ist: Ein Symbol der Unterdrückung der Frau. Selbst wenn manch eine Frau so gefangen in ihrer eigenen Ideologie zu sein scheint, dass sie dies nicht wahrnimmt. Es ist ein politisches Symbol und hat in einem Land, in dem die Gleichberechtigung von Frau und Mann qua Grundgesetz gilt, nichts zu suchen – schon gar nicht an einem Ort wie der Schule, in dem Kinder zu einem Großteil auch aufwachsen und sozialisiert werden.

Religiöse Lehre wird Norm

In deutschen Schulen gilt die Regel des „Überwältigungsverbots“: Schüler sollen davor geschützt werden, dass sie von den Lehrern, denen sie schon qua Schulpflicht ausgeliefert sind, über den Erziehungsauftrag hinaus manipuliert werden. Mit dem Kopftuch werden also Islamische Werte als Role-Models vorgeführt und unverschleierte Schülerinnen werden sich ausgesprochen oder unausgesprochen rechtfertigen müssen, dass sie sich dem islamischen Norm widersetzen. Hier werden die gebotene weltanschauliche Neutralität und das Überwältigungsverbot zu Gunsten einer radikalen religiösen Gruppe mit Füßen getreten.

Ich sage es deutlich: Hätte ich Kinder, würde ich mich weigern, dass sie von einer Lehrerin mit Kopftuch unterrichtet werden. Ich würde sie aus ähnlichen Gründen auch nicht in einen katholischen Kindergarten oder Schule geben. Für mich steht schlicht außer Frage, dass streng gläubige Menschen – und das ist jemand für mich, der sein Kopftuch nicht einmal für ein paar Stunden im Dienst abnehmen kann – nicht in der Lage sind, sich vollkommen religiös neutral gegenüber ihren Schülern zu verhalten. Allein das Tragen einer solchen Kopfbedeckung stellt schon ein religiöses – und in diesem Fall auch politisches – Statement dar. Es sagt: „Ich trage ein Kopftuch, weil ich als Frau mit meiner Sexualität eine Gefahr für die Männer bin.“

Der Islam sexualisiert

Der Islam sexualisiert den Alltag der Gläubigen und das mehr als jede Werbung mit halbnackten Frauen. Frauen können nichts zur Ehre einer muslimischen Familie beitragen. Sie können sie nur beschmutzen. Die Verschleierung dient hier als Hilfsmittel, diese Beschmutzung zu vermeiden. Indem die Frau sich verhüllt, ist sie keine wandelnde Gefahr mehr für den Mann. Damit diskriminiert und degradiert die Verschleierung nicht nur Frauen, sondern auch Männer, indem sie sie alle zu potenziellen Triebtätern erklärt, die vollkommen willenlos gegenüber ihrer eigenen Sexualität sind, sobald sie auf eine unverschleierte Frau treffen. Da muss man sich ernsthaft fragen, weshalb deutsche Männer nicht längst das tägliche Rudelvergewaltigen für sich entdeckt haben, so oft, wie man hierzulande auf unverschleierte Frauen trifft. Nein, ich würde nicht wollen, dass meine Kinder auch nur implizit mit dieser Geisteshaltung in Gestalt einer Lehrerin, die im Bestfall Respekts- und Autoritätsperson ist, in Berührung kämen.

In diesem Zusammenhang erscheint eine bundesweite Lösung mehr als geboten. Momentan herrscht lediglich im Saarland und Berlin Kopftuchverbot. Dieses sollte bundesweit ausgedehnt werden. Auch um Kompetenzüberschneidungen zu vermeiden und den Marsch durch die Instanzen mithilfe irgendwelcher Berufsbeleidigten-Vereine zu verhindern. Es braucht eine klare Ansage, wie dieses Land zur Gleichberechtigung von Frau und Mann steht. Und die Antwort kann nicht sein, dass man es dort so sieht und woanders so. Es braucht ein klares Statement, dass Religion Privatsache ist und nichts anderes.

Der Hijab ist ein politisches Statement

Zugleich sollte, wie bereits oben im Zusammenhang mit der Entscheidung des Arbeitsgerichts Berlin erwähnt, auch die negative Religionsfreiheit, also das Recht, von Religion verschont zu bleiben, festgeschrieben werden. Ich plädiere dafür, ein generelles Verschleierungsverbot in Deutschland zur Debatte zu stellen. Zumindest was Burka und Niqab anbelangt, sollte ein deutliches Verbot ausgesprochen werden. Verschleierung und damit auch schon das „bloße Stück Stoff“, der Hijab, stellen für mich zumeist eine bewusste Provokation dar. Von vielen Deutschtürkinnen wird er nicht nur aufgrund des eigenen Glaubens getragen, sondern auch als Mittel der bewussten Abgrenzung genutzt. Es ist eine Separierung von allen Werten und Errungenschaften, für die die westliche Welt steht: ein permanent sichtbarer Mittelfinger in Richtung des Landes und seiner Mehrheitsbevölkerung, in dem man zumeist schon seit der eigenen Geburt lebt; und vor allem ein permanent sichtbarer Mittelfinger in Richtung jeder aufgeklärten, emanzipierten westlichen Frau und jeder Frau, die in ihren Herkunftsländern genau gegen diese Unterdrückung kämpft und nicht selten dafür mit dem Leben bezahlt.

Natürlich kann man die Verschleierung auch als Mann harsch kritisieren. Aber kein Mann wird jemals verstehen, was es als Frau und vor allem Feministin für ein Gefühl ist, vor einer Frau mit Kopftuch zu stehen oder vollverschleierten Frauen auf der Straße zu begegnen. Es ist, als würde einem jedes Mal von eben diesen Frauen ins Gesicht gebrüllt werden: „Wir sind Menschen zweiter Klasse!“ Ein permanenter und unerträglicher Zustand der impliziten Abwertung.

Nur gibt es für Frauen wie mich keinen Antidiskriminierungs-Anti-Rassismus-Berufsbeleidigtenverein, der sich darum kümmert, dass meine negative Religionsfreiheit vor den Auswüchsen des Islams geschützt wird. Umso notwendiger erscheint ein klares bundesweites Verbot – zumindest im öffentlichen Dienst. Nur das würde die ewige Diskussion auflösen, die weder ins 21. Jahrhundert, noch in ein Land gehört, indem der Artikel 3 des Grundgesetzes gilt.

Unterstützung
oder

Kommentare ( 2 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Andere bringen wir ungekürzt.
Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

----

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Ein Jahr später WELTonline:Alice Weidel – AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel fordert Kopftuchverbot in Deutschland. Mit dem Kopftuch werde die Apartheid von Männern und Frauen zur Schau gestellt. Es sei ein „sexistisches Symbol“.