Boris Palmer: „Die Nazikeule zieht nicht mehr“

Boris Palmer, seit 2007 Oberbürgermeister von Tübingen, kritisiert im Interview die mangelnde Gesprächsbereitschaft vieler Politiker und Wähler der Grünen.

© Michael Gottschalk/Photothek via Getty Images

Als sozusagen „kosmopolitische Oberschicht“ bezeichnet Boris Palmer die Wähler der Grünen, die deshalb die Partei mit der relativ geringsten Heimatverbundenheit seien – und von denen vielen die Fähigkeit fehlten, sich in die Situation anderer hinein zu versetzen. „Wer selber einen sicheren Job hat, in einer tollen Wohnung lebt, sich alles leisten kann, für den sind Flüchtlinge keine ernsthafte Bedrohung“, so Palmer. „Wenn ich aber seit fünf Jahren auf eine bezahlbare Wohnung warte, selbst nach der Geburt von zwei Kindern immer noch mit der gleichen Zimmerzahl zurecht kommen muss; wenn ich erlebe, dass jede Transferleistung, die ich bekomme, intensiv geprüft wird und ich bei fehlendem Wohlverhalten Abzüge hinnehmen muss, wenn mein Job entweder gefährdet oder schon wegrationalisiert ist oder ich Angst habe, dass ein Flüchtling meine Arbeit für drei Euro weniger macht – dann sieht die Welt ganz anders aus.“ 

Dafür erwarte er Verständnis von der kosmopolitischen Elite. „Aber genau an dieser Stelle versagt sie.“ Häufig werde auf Abwertung zurückgegriffen, was aber falsch sei: „Die Nazikeule zieht nicht mehr“, weil man sie auch auf Leute anwende, die keine Nazis sind. „Dann schlägt es auf einen selber zurück.“ „Wenn man schon mit der Aussage als Nazi gilt, dass einem nicht gefällt, soviel Ausländer am Bahnhof zu haben, dann besteht scheinbar kein Unterschied mehr zu Auschwitz.“ Versagt habe allerdings auch die CSU: “Sie hat jahrelang beim Thema Migration nur gebellt, aber nicht gebissen“. So erkläre sich auch das gute Abschneiden der AfD, weil der Eindruck entstehe, dass “der Einfluss der CSU auf Merkels Politik nicht messbar ist“.

Das ganze Interview mit Boris Palmer in Ausgabe 06/2018 Tichys Einblick >>>

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Kommentare ( 88 )

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88 Kommentare auf "Boris Palmer: „Die Nazikeule zieht nicht mehr“"

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Köstlich! Bravo, perfekt auf den Punkt gebracht!

Für mich sind die „grünen Kosmopoliten“ klein geistige, grüne Gartenzwerge- Wo sie auch in den Selbigen hingehören.

Palmer versteht man nur, wenn man etwas von seiner Familiengeschichte weiß. Sein Vater Helmut war das uneheliche Kind eines jüdischen Metzgers, wurde während der Nazizeit angefeindet und entwickelte sich nach 1945 zu einem kompromisslosen Einzelkämpfer für Bürgerrechte in der Art von Michael Kohlhaas. Gegen eine Welt von Gegnern und Verleumdern stand der schwäbisch-störrische „Rebell vom Remstal“, der kleine Obstbauer, der gegen den Staat prozessierte und in unzähligen Bürgermeisterwahlen in ganz BaWü die etablierten Gewalten das Fürchten lehrte. Diese Atmosphäre muss den kleinen Boris tief geprägt haben. Er wurde zu einem der wenigen Parteipolitiker, die nicht Parteisoldaten und Funktionäre sind, sondern… Mehr

Dem kann ich nur bei pflichten. Ich bin in der Nähe aufgewachsen und schon als Kind habe ich Herrn Palmer, sen. gekannt durch seine zahlreichen Kundgebungen und weil die Presse viel über ihn berichtet hat.

Ich finde Herrn Palmer so ziemlich grün und einen ernstzunehmenden Poltiker insgesamt. Ich weiss nicht, was die anderen sind.

Na und wer füttert die grünen Kosmopoliten durch? Es sind doch die gesetzestreuen und arbeitsamen Bürger, die auch noch deren marxistische Umtriebe finanzieren und weil sie selbst wenig auf ihre Leistung bauen, haben sie sich im Laufe der Jahrzehnte gerade im öffentlichen Dienst breit gemacht um von dort aus die Republik umzukrempeln und gerade jetzt stellt der Spiegel die Frage, ob die Verteidiger der NSU-Gruppe selbst Nazis seien und das wäre es weit sinnvoller gewesen, mal die Frage zu klären, welche Haltung die Verteidiger der RAF eingenommen haben, die heute noch hohe Ämter begleiten und mitten unter uns weilen und… Mehr

NSU ist ein Fake zur Aufrechterhaltung des Märchens von Rechtsextremismus in D. Dieses wurde direkt nach der Wende von dem SED- und Winkeladvokaten Gysi neu aufgelegt, um die Vorhaben von UN,UNHCR und EU-Kommission zum Replace-,Relocate- und Resettlement vor Kritik zu schützen, indem man JEDE Kritik daran in die Rechtsextreme Ecke stellte. Die Menschen haben diesen Zusammenhang noch nicht bemerkt. Verdienen tun Soros und seine Kumpane der FED, Blackstone usw.
Das Ziel ist die Open Society, bei der jeder den gleichen kärglichen Lohn hat gemäß dem 80/20-System. Fußball,Titties and Beer schläfert die Massen ein.

Der Begriff „kosmopolitische Elite“ ist einfach nur schlecht gewählt und somit falsch. Ich habe gestern im Hotel das ganze Interview gelesen und stelle fest, dass ich glatt zum Grünen-Wähler mutieren könnte, wäre Herr Palmer Spitzenkandidat der Grünen auf Bundesebene, in NRW oder in meiner Heimatstadt. Nur am Ende des Interviews, wo er eben behauptet, Anhänger der Grünen gehörten zur „kosmopolitischen Elite“ irrt er sich. Verstehen wir unter dem Begriff Menschen, die viel Steuern im Ausland erwirtschaften und häufig durch die Welt reisen und sich in fremden Kulturen behaupten müssen, so sind das normalerweise keine Wähler der Grünen. Ich mache zumeist… Mehr

Das hat Boris Palmer gut erkannt. Es gibt ein Leben in den „Niederungen“ von dem man in einer heilen, veganen A-13 Bionadewelt nichts weiss und auch nichts wissen möchte.

Boris Palmer ist für die „Grünen“ genau das, was Sarah Wagenknecht für „Die Linke“ ist: Nämlich ein „nützlicher Idiot“, der mit seinen migrationskritischen Parolen für Wählerstimmen sorgt, die mit Grünradikalen wie Göring-E. oder Kommunisten wie Trittin mit ihren linken Gedankengut sonst nie erreichbar wären. Mit Erfolg, wie man bei der letzten Bundestagswahl in Palmers Bundesland Baden-Württemberg gesehen hat, wo die „Grünen“ mit 13,5 Prozent überproportional gut abgeschnitten hatten.

Boris Palmer ist der einzige Grund den ich gelten lasse, wenn mir jemand erzählt, das er grün wählen würde. Sarah Wagenknecht ist ein sehr schlaues Köpfchen und bringt vieles auf den Punkt. Beide sind deswegen keine „nützlichen Idioten“, sondern nur in der falschen Partei. Sie mögen – genau wie Herr Wendt offenbar – vom Grundsatzprogramm ihrer jeweiligen Partei überzeugt sein und bemerken nicht wie weit sich die jeweiligen Parteien von ihren Grundsätzen entfernt haben. Leider erfüllen sie innerhalb der jeweiligen Partei nicht ansatzweise das, was eine AFD im Bundestag leistet, nämlich die Politik durch Kritik zu beleben. Alle sind jedoch… Mehr

Man sieht in letzter Zeit immer häufiger, ganz offensichtlich Einheimische, in Mülltonnen wühlen. Häufig sind es ältere Leute. Darunter sicher viele, die ihr Leben lang Sozialabgaben bezahlt haben. Was müssen diese Leute denken, wenn sie lesen, welche Rechte den Zugewanderten zustehen?

Was hat Palmers „kosmopolitische Oberschicht“ mit Deutschlands Hartz IV Empfängern gemeinsam… beide leben vorwiegend von staatlichen Zuwendungen, also Vorsicht, der Rotstift könnte euch da „oben“ eines Tages auch erreichen, spätestens dann, wenn ganz unten nichts mehr zu holen ist.

So hat halt jede der etablierten Parteien seinen „Quotenpopulisten“ 😉
Grüne – Palmer / SPD – Buschkowski / CDU – Bosbach / FDP – Lindner / CSU – Drehhofer / Linke – Wagenknecht.

Diese Erkenntnis – Glückwunsch – diesen Verdacht hatte ich schon immer.