Bernd Raffelhüschen: Einnahmen des Staates brechen noch stärker ein als das BIP

Der Finanzökonom Bernd Raffelhüschen rechnet nach Corona mit steigenden Steuern und Abgaben sowie „kalter Enteignung“ – Abgabenlast steigt auf über 60 Prozent

imago Images/Rainer Zensen

Die Steuereinnahmen des Staates werden durch die Coronakrise noch stärker einbrechen als das Bruttoinlandsprodukt (BIP), das nach Aussage der Bundesregierung um etwa 6,3 Prozent in diesem Jahr schrumpft. „Weil das Steueraufkommen progressiv veranlagt wird, reduzieren sich die staatlichen Steuereinnahmen prozentual noch deutlich stärker“, sagte der renommierte Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen dem Monatsmagazin Tichys Einblick. Doch der Staat müsse nicht nur niedrigere Einnahmen verkraften, sondern mit explodierenden Ausgaben rechnen „für das Kurzarbeitergeld, das Gesundheitssystem, die gigantischen inländischen und europäischen Hilfspakete“. Das werde die Schuldenquote Deutschlands massiv nach oben treiben. „Bei der expliziten Staatsschuld halte ich einen Anstieg auf bis zu 80 oder gar 90 Prozent des BIP für durchaus realistisch, nachdem Deutschland in diesem Jahr erstmals die 60-Prozent-Maastricht-Schuldenstandsquote wieder unterschritten hätte“, so Raffelhüschen.

Um diese riesigen Defizite aufzufangen, rechnet der Finanzwissenschaftler mit steigenden Einkommenssteuern nicht nur für Reiche, sondern für alle Schichten sowie höheren Sozialabgaben. „Kranken- und Pflegeversicherung werden signifikant teurer, auch die Rentenbeiträge steigen.“ Zudem rechnet der Ökonom mit einer „Enteignung der Bürger auf kaltem Weg“. Raffelhüschen: „Bereits seit Jahren schmilzt die Kaufkraft von Deutschlands liebsten Sparformen auf Sparbüchern und bei Versicherungen. Die Nullzinspolitik frisst selbst bei der ausgewiesenen relativ niedrigen Inflation heimlich, still und leise die Kaufkraft. Die härteste Enteignung stellt eine deutlich steigende Inflationsrate bei stagnierender Wirtschaft dar.“

Steuerkeile im internationalen Vergleich
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Allerdings sieht Raffelhüschen den Staat bei der Erhöhung von Steuern und Abgaben an einer Akzeptanzgrenze angekommen. „Allein veranlagten Steuerpflichtigen mit Facharbeitereinkommen in der Metall- oder Chemieindustrie verbleiben oft kaum mehr als 40 Prozent von ihrem Arbeitnehmerbruttolohn. Wir können diese Steuer- und Abgabenbelastung nicht weiter erhöhen, weil das zu einem massiven Akzeptanzproblem bei den Bürgern führen wird.“ Zudem würden Verbrauchssteuern wie die Mehrwertsteuer noch einmal 20 Prozent des privaten Konsums wegfressen. Dennoch rechnet der Ökonom damit, dass die Abgabenlast immer weiter steigen wird. „In der langen Frist werden wir bei 60 Prozent landen, wenn wir auf der Ausgabenseite so weitermachen wie bisher.“


Das gesamte Interview in Tichys Einblick 06-2020 >>>

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Kommentare ( 108 )

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Old-Man
5 Monate her

Ich kann ihre Einschätzungen nur teilen,sehe aber bei weitem noch schwärzer wie sie Herr Raffelhüschen,denn einen Posten haben sie ja gar nicht genannt: die enorm ansteigenden Kosten der Migrationspolitik.
Die Target-2 Salden sind auch nicht zu verachten,Geld,das futsch ist,das wir nie wieder sehen,das aber auch noch zu den Belastungen gerechnet werden muss.
Ach ja,die zugesagten Mittel für die EU wollen wir auch nicht vergessen,denn die werden viel kräftiger steigen wie uns mitgeteilt.

Jetzt höre Ich lieber auf,sonst schmeckt mir gleich das Abendbrot nicht mehr!!.

Lee Bert Aire
1 Monat her
Antworten an  Old-Man

Zum Migrationswahnsinn kommen noch EEG-Wahnsinn, Klima-Wahnsinn, EURO-Wahnsinn. Jeder dieser Wahnsinnsbereiche für sich genommen würde schon reichen, um Deutschland zu vernichten.

nachgefragt
5 Monate her

In Schweden ist der Einbruch (für Schweden) nach Schätzungen der Regierung (in Schweden) bei 7,6 Prozent. In Deutschland „nur“ bei 7 Prozent. Na sowas?! Muss wohl etwas mit Globalisierung und internationalen Absatz-Märkten zu tun haben. Es kann natürlich auch sein, dass die freizügigen Schweden ohne Kontaktverbote und ohne Lockdown weder schwedische Exportprodukte noch irgendwas sonst kaufen, der Tourismus nach Schweden kurzfristig, wie sich zeigen wird, langfristig, aufgrund der bescheidenen Infektionszahlen einbricht. Da haben sich ja die Toten in Schweden gelohnt, die im Vergleich schon jetzt doppelt so hoch wie in Deutschland sind, am Ende mehr als viermal so hoch am… Mehr

Watchdog
5 Monate her

„In der langen Frist werden wir bei 60 Prozent landen, wenn wir auf der Ausgabenseite so weitermachen wie bisher.“
Das ist ja eine geradezu optimistische Einschätzung. Gut dass sich der Grossteil der Bevölkerung „wegimpfen“ lassen wird. Dann bleibt mehr für den geschundenen Politker-Geldbeutel.

Auswanderer
5 Monate her

Ich möchte auch mal wissen, wo die Regierung die Gelder wieder herholen will. In den nächsten 10 Jahren gehen die geburtenstarken Jahrgänge alle in Rente! Da bleiben nicht mehr viele gute Steuer- und Sozialbeitragszahler übrig! Und wenn die jetzt noch die Automobilindustrie abwracken, dann werden bestimmt keine neuen Industrien entstehen, die diese Steuereinnahmen auffangen. Die im Augenblick stattfindenden Steuerschätzungen werden wohl schon eine mehr als grosse Finanzierungslücke aufzeigen. Und für das Jahr 2021 hat man ja wohl schon 100 Milliarden € weniger Steuereinnahmen kalkuliert! Unser lieber Olaf wird wohl seine Dienstzeit ohne Haare oder mit hellweißen Resthaaren beenden!

Timur Andre
5 Monate her
Antworten an  Auswanderer

„wo die Regierung die Gelder wieder herholen will“Privatisierungen, alles muss raus. Darauf freuen sich internationale Investoren seit langem, jetzt zufällig ist dieses Szenario unausweichlich und erklärbar: Wir können den Bürger nicht noch stärker belasten und die Renten müssen ja bezahlt werden.

Denke seit langen so geplant, der Auslöser ist dabei egal die Wirtschaftskrise sollte genutzt werden

Gernoht
5 Monate her
Antworten an  Auswanderer

Die Frage ist einfach zu beantworten. Die neue Shishabar- und Nagelstudiowirtschaft werden es richten.

89-erlebt
5 Monate her

Eine Regierung, die Millionen an dauerhaften Kostgängern ins Land einlädt und für deren Vollversorgung zwischen 40 – 60 Mrd. (offizielle Zahlen darf man nicht wissen) pro Jahr auszugeben bereit ist, handelt NICHT im Sinne derer, für deren Wohl diese Regierung vorgibt zu handeln. Jetzt wird offenkundig, dass DIESE GroKO Regierungen NICHT gut gewirtschaftet haben (laut uns Olaf Scholz) sondern die Grundlagen dieses Landes ruiniert hat.

Old-Man
5 Monate her
Antworten an  89-erlebt

Ja,und nun durch das „geschickte Handeln“ in der „Corona Krise“ dem Land den Rest gibt!. Vielleicht schon ein Vorbote für 2021 und die Favoriten Partner der „Gott gleichen“,die Grünen??. Da kann man Grün doch glücklich sehen : Entcarbonisierung fast erreicht,kapitalistische Wirtschaft fast zerstört,die elenden und beladenen der Welt als Dauergäste, alle dürfen alle heiraten,jeden Tag werden „neue“ Geschlechter entdeckt,das „Klima“ wird mit Deutschlands mickerigen 2,24% Anteil gerettet,die Existenz der Deutschen und ihr Land dafür vernichtet u.s.weiter und so fort!. Früher in den 70iger und 80iger Jahren gab es im dritten Programm eine Sendung über die DDR : Was ist geblieben… Mehr

Johann Thiel
5 Monate her

Klar im TE-Heft finden dann mit Oswald Metzger die beiden richtigen Erbsenzähler im Interview zusammen. Man braucht als Bürger in diesem Land keine Lobby-Ökonomen die einem wichtigtuerisch die Welt erklären, die Renten kürzen und die Deutschen noch länger arbeiten lassen wollen (Raffelhüschen auf Epochtimes) aber gleichzeitig brav unterschlagen wie unsere Regierung, wenn man ehrlich ist wahrscheinlich in Summe 100 Mrd. inkl. Zuwanderung und EU für jeden nur denkbaren Ideologie-Blödsinn ausgibt und das hart erarbeitete Geld der Bürger zum Fenster rauswirft.

Emsfranke
5 Monate her

Und nun, nach der Genossin Eva Högl, schon wieder ein nächster Versorgungsakt vor dem kompletten Niedergang der Partei:

Andrea Nahles, frühere SPD-Vorsitzende, soll ein Jahr nach ihrem Rückzug aus der Politik offenbar einen Spitzenposten in der Bundesverwaltung bekommen. Das Finanzministerium wolle die 49-Jährige als Präsidentin an die Spitze der Bundesanstalt für Post und Telekommunikation berufen, berichtete gestern der Newsletter „Hauptstadt Briefing“

Das Jahresgehalt sichert selbstverständlich auch den repräsentativen Charakter des luxuriösen Daseins.

Old-Man
5 Monate her
Antworten an  Emsfranke

Womit ein weiterer Beweis erbracht wird : Du brauchst in der Politik nichts können,nichts gelernt haben,nur eine große Schnauze und den richtigen Leuten zur rechten Zeit einen Gefallen tun,dann ist das Auskommen gesichert,das Gehalt fürstlich,und die Altersversorgung von vielen „Normalrentnern“ auf einen Haufen gebündelt gerade genug für einen Taugenichts,oder in deren Fall für eine Tu nicht gut!!.

Oneiroi
5 Monate her

Ich habe das deutsche Schlafschaf schon vor langer Zeit aufgegeben. Man könnte die Steuerlast auf 100% eröhen, sie nach der Arbeit auspeitschen und sie würden immer noch untertänigst buckeln, abends die Tagesschau ein und das Gehirn ausschalten, den Tator glotzen, zufrieden mit Merkel sein und dann wieder von vorn. Deutsche sind vergleichsweise erstaunlich empfänglich für Propaganda. Ich frage mich ob der 0815 Konsument sich denkt, wenn man ihm irgendein aus dem Zusammenhang gerissenes mitleiderregendes 3. Welt Bild zeigt: „so schlimm, wie in dort ist hier ja auch nicht“. Es gilt in diesen Zeiten jeder für sich alleine oder die eigene… Mehr

Watchdog
5 Monate her
Antworten an  Oneiroi

„Als Anfang 30 Jähriger, gehe ich davon aus, das in 15-20 Jahren die Luft in Deutschland brennt und wenige davon wissen wollen.“ – Ja, mit 30 ist man noch optimistisch. 15-20 Jahre wird es nicht dauern. So wie sich die Dinge gerade entwickeln vielleicht 1, max. 2 Jahre.

Gernoht
5 Monate her
Antworten an  Oneiroi

Der Deutsche ist erwiesenermaßen naturblöd. Zur Miete wohnen und überheblich auf die im eigenen Haus wohnenden Südeuropäer herunterblicken.

moorwald
5 Monate her

Es scheint ein geheimes Gesetz zu geben, nach dem Politiker, wenn sie nur lange genug regiert haben, einfach durch Abnutzung verschwinden. Sie mögen so fähig oder unfähig wie eh und je sein – irgendwann mag man sie nicht mehr sehen und ihre Reden (ihr Gerede) nicht mehr hören.
Adenauer und Kohl mögen dafür als Beispiele stehen.

Merkel ereilt nun auch dieses Schicksal. Wen interessiert noch, was sie zu „Corona“ zu sagen hat? Ein Bild der Hilflosigkeit.

Vielleicht lautet ihr Abschiedswort zur großen Krise: Nun ist sie halt da.

moorwald
5 Monate her

Die Folgen von „Corona“ werden unweigerlich eine Radikalisierung nach sich ziehen. Die Regierung Merkel wird das nicht überleben.

fatherted
5 Monate her
Antworten an  moorwald

Lesen Sie eigentlich mal die Umfragen….CDU/CSU war beim Wahlvolk noch nie so beliebt….und das wird so bleiben.

Mein Onkel
5 Monate her
Antworten an  fatherted

„Umfragen“ sind ebenfalls Fakenews.

Oneiroi
5 Monate her
Antworten an  moorwald

Die Regierung Merkel ist, was das Überleben betrifft sehr schabenartig. Finanzkrise, Flüchtlingskrise, Klimakrise, Coronakrise… Untätigkeit, Unfähigkeit, unterstützt durch einen Propagandaapparat auf allen Ebenen.
Das hatte weder Goebbels noch die SED und es wirkt. Wenn Merkel noch einmal 4 Jahre machen will, wird sie die bekommen.

Geezer
5 Monate her
Antworten an  Oneiroi

„Wenn Merkel noch einmal 4 Jahre machen will, wird sie die bekommen.“

Das glaube ich nicht. Viele fiebern dem politischen Ende dieser unfähigen Person entgegen, auch innerhalb der CDU. Dass dort ein Machtkampf entbrannt ist, ist bekannt. Und sollte diese Frau nochmals antreten, brennt die Luft, gerade weil sich nunmehr die Rahmenbedingungen für viele zum Schlechten wenden. Auf Dauer kann der ÖRR und auch Bertelsmann die Leute nicht mehr hinter’s Licht führen.

Ulrich
5 Monate her
Antworten an  moorwald

Radikalisierung wird kommen, aber mit Merkel an der Spitze. Der größte Teil der hier Lebenden findet ihre Politik des vom „Ende her denken“ gut. Was dazu fehlt ist eine Rede mit den Elementen „Ich habe nichts zu bieten als Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß.“ (Churchill) und „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche.“ (Wilhelm II.).