Rettet die „Bildungsrepublik Deutschland“!

Ohne öffentliche Diskussion senken Politik und Pädagogik die Bildungs- und Unterrichtsqualität ganz bewusst auf ein unverantwortliches Niveau und verwandeln die ehemalige Bildungsrepublik Deutschland in eine Bildungswüste. Dokumentiert eine Bildungsstudie von Prof. Dr. Reinhard Franzke, die einen Vergleich mit Schulen und Kindergärten Kenias einschließt.

© Miguel Villagran/Getty Images

Auch für wohlwollende Bürger gibt es immer mehr Grund zur Besorgnis. Seit einiger Zeit konzentrieren sich Politik und Medien nur noch auf einige wenige Themen: Europa (Griechenland, Ungarn, Großbritannien, Türkei), Banken, Flüchtlinge (und deren Integration) und Terrorismus. Dabei werden andere, vor allem innenpolitische Themen, die für die Zukunft Deutschlands überaus wichtig sind, sträflich vernachlässigt, so z. B. die Bildung und die Bildungspolitik. Noch vor wenigen Jahren hatte die Bundeskanzlerin die „Bildungsrepublik Deutschland“ versprochen. Davon ist keine Rede mehr. Schlimmer noch:

Deutschland schafft die Bildung ab!

Ohne öffentliche Diskussion senken Politik und Pädagogik die Bildungs- und Unterrichtsqualität ganz bewusst auf ein unverantwortliches Niveau und verwandeln die ehemalige Bildungsrepublik Deutschland in eine Bildungswüste, mit Hilfe

  • einer „neuen Lernkultur“ (vgl. ANHANG),
  • neuer Lehrpläne und Schulbücher,
  • neuer Unterrichtskonzepte und Unterrichtsmethoden sowie mit Hilfe
  • neuer Schulprogramme und Psychotechniken.

Das dokumentiert eine umfangreiche Bildungsstudie von Prof. Dr. Reinhard Franzke, die einen Vergleich mit Schulen und Kindergärten KENIAS einschließt. Doch die gesamte Presse schweigt, wie verabredet, und es gibt keinen einzigen Politiker, der diese Entwicklung wahrnimmt oder gar kritisiert, von keiner Partei.

I. Der in dieser Studie dokumentierte Verfall der Bildung beginnt schon im Kindergarten. Während unsere Kinder in Kindergärten meist spielen und toben, lernen in Kenia schon die Dreijährigen (!) auf eine faszinierende Art und Weise rechnen, schreiben, lesen und zwei Fremdsprachen, Kiswahili und Englisch, das vom ersten Tag an als Unterrichtssprache fungiert, wobei die Muttersprache die jeweilige Stammessprache ist (www.Kenia Unterrichtsreport.de). Während kenianische Kindergärten grundsätzlich Grundschulcharakter haben, verwandeln die neueren Lehrpläne die Grundschule in Kindergärten deutscher Prägung. Nach dem Willen der Bildungspolitiker und Pädagogen sollen die Kinder in der Grundschule ganz viel spielen, malen, basteln, toben, Erfahrungen und Erkundungen machen. Die immer geringeren Wissensmengen müssen sich die Schüler dann meist selbst besorgen und aneignen („im selbstorganisierten Lernen“), was die Kinder alleinerziehender und berufstätiger Mütter sowie Kinder aus bildungsfernen Schichten gravierend benachteiligt. Insgesamt liegt das Bildungsniveau der ersten Grundschulklassen unter dem Niveau der Kindergartenerziehung (der Dreijährigen) in Kenia! (vgl. auch didaktikreport.de). In der Regel lernen die Grundschüler in Kenia deutlich mehr und besser als die Kinder deutscher Grundschulen, selbst in den Slumschulen. In Slumschulen habe ich vorbildlichen Unterricht in Klassen mit 120 Schülern (!) gesehen (vgl. https://www.youtube.com/watch?v=N4v-1oo1I2E).

II. Die neueren Schulbücher für die Grundschule sind meist Bilderbücher auf Kindergartenniveau, so z. B. die Sachbücher der ersten Klassen. In fast allen Fächern ist sowohl die (angebotene) Wissensmenge als auch das fachliche Niveau deutlich niedriger als in der Vergangenheit. Der Text- und Informationsanteil der genannten Schulbücher für den Sachkundeunterricht in der Grundschule liegt in der Regel unter fünf Prozent (in Kenia bei 50 %). Viele Seiten sind leer oder mit kindischen Bildern bestückt (Bilddokumente?). Das Seitenlayout ist häufig fehlerhaft, unverständlich und verwirrend. Meist werden die Kinder nach trivialem Wissen aus dem Kindergarten gefragt oder zum Spielen, Malen, Basteln, bzw. zum „Ausschneiden, Ausmalen und Aufkleben“ (Klebedidaktik!) animiert. Die guten, alten Schulbücher wurden durch schlechte Bücher und durch noch sehr viel schlechtere Arbeitsblätter ersetzt, die die Schüler immer nur nach Wissen fragen, anstatt neues Wissen zu vermitteln. Aus strukturierten Lehrbüchern wurden konfuse Fragebücher (Arbeitsbücher oder workbooks)

III. Auch die neuen Schulhefter (Sammlungen von Arbeitsblättern) sind eine Schande für die deutsche Kultur. Seitenumfang sowie Stoff- und Informationsmenge sind äußerst gering. Während zum Beispiel deutsche Gymnasiasten ca. 40 bis 60 (halbvolle) Arbeitsblätter pro Fach und Jahr bearbeiten, schreiben Kenias Schüler in vergleichbaren Klassen (8. Klasse) über 1.000 (oder gar 2.000) Seiten pro Fach und Schuljahr. In Kenia muss alles mit der Hand geschrieben und selbst gezeichnet werden. Dort gibt es kein einziges Arbeitsblatt, keine Fotokopie und keine Klebedidaktik nach dem Motto „Ausschneiden, Aufkleben, Anmalen“. In Deutschland dürfen die Schüler meist nur noch Lücken in Arbeitsblättern ausfüllen. Während die Informationsdichte (Text pro Seite) in Kenia hundert Prozent beträgt, liegt sie in Deutschland vielfach bei weniger als zehn Prozent (pro Seite oder Heft). In deutschen Heftern gibt es viele Bild-, Leer- und Klebeteile, in Kenia überhaupt nicht. Kenias Hefte sind fachsystematisch aufgebaut, deutsche Hefter folgen einem chaotischen Themen-Hopping. Während deutsche Hauptschüler zum Beispiel rund 40 Arbeitsblätter oder Seiten im Jahr bearbeiten, schreiben dort schon Vierjährige (!) ca. 200 bis 400 Seiten im Kindergarten. Während in Kenia täglich in jedem Fach jede Seite, jede Zeile, jede Aufgabe vom Lehrer kontrolliert wird, werden deutsche Hefte(r) nur noch selten kontrolliert und korrigiert.

IV. Die neuen Unterrichtskonzepte, die in der Lehrerausbildung (Universität, Studienseminare) vermittelt werden, haben die Unterrichtsqualität drastisch abgesenkt. Nach der neuen Unterrichtsphilosophie ist

  • selbstständiges Lernen besser als professionelles Lernen,
  • die selbstständige Wissensaneignung durch Schüler besser als die professionelle Wissensvermittlung durch qualifizierte Lehrer,
  • Methodenwissen besser als Fachwissen,
  • willkürliches Themen-Hopping besser als fachsystematisch orientierter Unterricht,
  • Methodenvielfalt besser als „Methodeneinfalt“,
  • Schülerunterricht besser als Lehrerunterricht,
  • spielerisches und bewegungsintensives Lernen besser als diszipliniertes Lernen.

V. Eine lautlose Revolution gibt es auch auf der Ebene der Unterrichtsmethoden. Gab es früher lediglich eine oder zwei Unterrichtsmethoden, so enthalten neue Methodenlehrbücher und Methodenpools viele Hundert Unterrichtsmethoden, die die Lehrer völlig überfordern und verwirren. Diese neuen Unterrichtsmethoden sollen die professionelle, effektive und (fach-)systematisch orientierte Wissensvermittlung durch die unprofessionelle („selbstständige“) Wissensaneignung und professionelle Lehrervorträge durch äußerst schlichte Schülerreferate und ineffektive Gruppenarbeit ersetzen. Mit anderen Worten: Die neuen Unterrichtsmethoden halten die Schüler vom professionellen, effektiven und systematischen Lernen ab und animieren die Schüler zunehmend zum Spielen, Malen, Basteln, Umherlaufen, Diskutieren und Präsentieren, vor allem in der Grundschule. Soweit es um „Wissen“ geht, sind die meisten Unterrichtsmethoden Abfrage- und Erkundungsmethoden. Immer seltener wird den Schülern im Unterricht neues Wissen vermittelt, meist werden sie nach Wissen gefragt, das sie von zu Hause mitbringen und sich gegebenenfalls „selbstständig“ und so (zeit-)aufwendig und langsam wie irgend möglich aneignen und nur selten speichern oder gar auswendig lernen müssen.

VI. Darüber hinaus wurden in den letzten Jahrzehnten die Lern- und Leistungsanforderungen in allen Bereichen des Bildungssystems massiv reduziert: Die Zahl der Klassenarbeiten und Tests, Anzahl und Niveau der Prüfungsaufgaben, die Bewertungsmaßstäbe u. v. m. In Kenia schreiben die Schüler der ersten und zweiten Klasse pro Schuljahr ca. 50 Tests mit jeweils 30 oder gar 50 Aufgaben! In Deutschland (Niedersachsen) werden in der ersten keine, in der zweiten drei und in der dritten und vierten Klasse maximal vier Klassenarbeiten geschrieben. In der achten Klasse der kenianischen Einheitsschule werden jede Woche in jedem Fach Klausuren und Tests mit jeweils 60 oder gar 90 Aufgaben geschrieben (youtube: Schultests Kenia). In Deutschland (Nds) sind maximal zwanzig Lernerfolgskontrollen zugelassen. Ein Testheft der achten Klasse aus Kenia umfasst ca. 900 Testaufgaben (pro Jahr).

Fazit

Politik und Pädagogik proklamieren eine destruktive Bildungspolitik, Didaktik und Unterrichtsmethodik. Schließlich sind die Reformvorhaben aller Parteien, sowie der Wissenschaften und der selbsternannten Bildungspropheten (Precht, Dräger u. a.) kontraproduktiv, sie alle führen nur noch tiefer in die Katastrophe. Gleichwohl wird die „neue deutsche Lernkultur“ von Frau Merkel und von den Medien uneingeschränkt gepriesen (Verleihung des Deutschen Schulpreises 2015). Zugleich ignorieren und verschweigen Politik (Ministerien, Bildungsauschuss), Medien und Wissenschaften das tatsächliche Ausmaß, den wirklichen Charakter und die wahren Ursachen der aktuellen Bildungskrise. In der Tat weigern sich alle bekannten Presseorgane und Politik-Magazine auf diese (brisante) Studie hinzuweisen, während z. B. unbedeutende Studien der Bertelsmann-Stiftung ausführlich dargestellt werden. Es hat den Anschein, als wollten Politik und Medien die Fakten vertuschen und dem Wähler vorenthalten. Nun könnte im Falle der vorliegenden Studie – anders als bei den PISA-Studien – jeder Bürger die Fakten anhand vorliegender Dokumente selbst überprüfen, aber wer hat schon die Zeit dazu. Man nehme z. B. die Schulhefter der eigenen Kinder, zähle die Seiten und vergleiche sie mit den Video-Dokumenten aus Kenia bei youtube.

Vor diesem Hintergrund kann es keinen Zweifel geben: Die hier aufgezeigte Entwicklung widerspricht dem westlichen Demokratieverständnis, und sie widerspricht sowohl dem Wohl Deutschlands als auch dem Wohl unserer Kinder. Sie demontiert das proklamierte Recht auf Bildung, wie es noch einmal auf dem UN-Nachhaltigkeitsgipfel beschlossen wurde. In Deutschland interessiert sich offensichtlich niemand für die Bildung der Kinder und schon gar nicht für deren gravierende Mängel; in Wahrheit hat Deutschland kein „Herz für Kinder“! Vor diesem Hintergrund möchte ich alle Entscheidungsträger und Wissenschaftler an ihren Amtseid und Berufsethos erinnern und alle politisch und medial Verantwortlichen aufrufen, die hier angekündigte Bildungsstudie („Bildungswüste Deutschland“ und „MethodenWahn“) aufmerksam zur Kenntnis zu nehmen und die Irrwege der deutschen Bildungspolitik und Pädagogik umgehend zu stoppen: Rettet die Bildungsrepublik Deutschland vor der destruktiven Bildungspolitik und Pädagogik. Dazu braucht es keine Milliarden und keine erneuten Strukturreformen, sondern eine ideologische Kurskorrektur im Sinne einer anderen, lern- und leistungsorientierten Pädagogik, Didaktik und Unterrichtsmethodik, und es bräuchte die hoch qualifizierten Lehrer und „Early Childhood Teacher“ aus Kenia in unseren Schulen und Kindergärten.

Prof. Dr. Reinhard Franzke ist Bildungsforscher und Erziehungswissenschaftler.

Franzke, R.: Bildungswüste Deutschland. Das Märchen von der „Bildungsrepublik Deutschland“. Hannover 2016, 2. Auflage (241 S.); Ders.: MethodenWahn. Mit Methode(n) in die Katastrophe. Hannover 2014 (429 S., bei www.alpha-press.de unter info@alpha-press.de bestellen, je 19,80 Euro).

ANHANG

Der Schwachsinn der „neuen deutsche Lernkultur“

Nur keinen „langweiligen Frontalunterricht“!

Wie sich Politik, Medien und Pädagogik „guten Unterricht“ vorstellen:

Am Beispiel von Klippert („Methodentraining“), dem Methodenpapst

Vermittlung von Lesekompetenz

Die Schüler sollen eine (stets schlimme) Kopie durchlesen und Namen entdecken (S. 89 ff).

Die Schüler sollen eine Kopie lesen und nach Antworten zu Fragen suchen.

Die Schüler sollen eine Kopie lesen und nach Antworten zu Fragen suchen.

Die Schüler sollen eine Kopie lesen und Fragen beantworten.

Die Schüler sollen eine Kopie lesen und ein Kreuzworträtsel lösen.

Die Schüler sollen eine Kopie lesen und (verworrene) Satzteile ordnen (95).

Die Schüler sollen eine Kopie lesen und Regeln für schnelles Lesen aus lückenhaften Textteilen herausfinden.

Die Schüler sollen eine Kopie lesen und ihre Blickspanne erweitern (lernen).

Rezeptionskompetenz

Die Schüler sollen eine Kopie durcharbeiten und fünf Regeln zur Textanalyse erarbeiten (99).

Die Schüler sollen eine Kopie lesen und Überschriften zu Textabschnitten finden.

Die Schüler sollen eine Kopie lesen und Fragen beantworten.

Die Schüler sollen eine Kopie lesen und W-Fragen (Wie, was, wo) beantworten (102).

Die Schüler sollen eine Kopie lesen und Einzelbegriffe markieren (106).

Die Schüler sollen eine Kopie mit Regeln zur Textarbeit durcharbeiten.

Die Schüler sollen eine Kopie zur Textarbeit mit Arbeitsschritten durchlesen und die Textbausteine in eine Reihenfolge bringen.

Die Schüler sollen einen Text mit Markierungen lesen und kritisieren.

Die Schüler sollen eine Kopie lesen und eine Tabelle ausfüllen.

Die Schüler sollen eine Kopie lesen und eine Tabelle ausfüllen.

Die Schüler sollen eine Kopie lesen und ein Schaubild vervollständigen.

Die Schüler sollen eine Kopie lesen und den Text in ein Tabellenschema pressen.

Die Schüler sollen eine Kopie lesen und ein (verwirrendes) Flussdiagramm bearbeiten (117).

Die Schüler sollen eine Kopie lesen und ein (sinnloses) Puzzle in eine sinnvolle Ordnung bringen.

Die Schüler sollen eine Kopie lesen und exzerpieren.

Beschaffungskompetenz

Die Schüler sollen eine Kopie lesen und Wörter nach dem Alphabet sortieren.

Die Schüler sollen eine Kopie mit einem Auszug aus dem Telefonbuch lesen und nach Informationen suchen.

Die Schüler sollen eine Kopie mit Fremdwörtern lesen und im Duden nach der richtigen Schreibweise suchen.

Die Schüler sollen eine Kopie mit unbekannten Begriffen lesen und deren Bedeutung nachschlagen.

Die Schüler sollen eine Kopie mit einem Kreuzworträtsel lesen und das Rätsel lösen.

Die Schüler sollen ein Kreuzworträtsel mit Städtenamen lösen.

Die Schüler sollen eine Kopie mit einer Weltkarte bearbeiten und nach Ländernamen suchen.

Die Schüler sollen eine Kopie zum Jugendarbeitsschutzgesetz lesen und die Angaben überprüfen.

Die Schüler sollen eine Kopie lesen und W-Fragen formulieren.

Die Schüler sollen eine Kopie lesen und Fragen zu Antworten finden.

Die Schüler sollen eine Kopie lesen und W-Fragen formulieren.

Die Schüler sollen eine Kopie mit einem Frage-Antwort-Puzzle sortieren.

Die Schüler sollen eine Kopie lesen und Frage- und Antwort-Teile zusammenfügen.

Die Schüler sollen eine Kopie lesen, der sie zu einer Bibliotheks-Rallye auffordert.

Die Schüler sollen eine Kopie mit einem Lückentext zum Umgang mit Bibliothek und Katalogen lesen.

Basteln

Die Schüler sollen eine Kopie mit Bildern bearbeiten (Figuren ausschneiden und Sprechblasen hinzufügen)

Die Schüler sollen eine Kopie mit Punkten bearbeiten, es ergeben sich Buchstaben.

Die Schüler sollen eine Kopie bearbeiten und Flächen schraffieren.

Die Schüler sollen eine Kopie mit einem Legespiel bearbeiten.

Die Schüler sollen eine Kopie mit Piktogrammen bearbeiten (ausschneiden und aufkleben).

Die Schüler sollen eine Kopie mit einer Bastelvorlage bearbeiten (S. 149).

Die Schüler sollen eine Kopie mit einem Kreuzworträtsel zu schulischen Arbeitsmitteln bearbeiten.

Die Schüler sollen eine Kopie lesen und eine Lückentext mit Symbolen versehen,

Die Schüler sollen eine Kopie mit einer Landkarte bearbeiten und Länder kennzeichnen.

Die Schüler sollen eine Kopie mit Symbolen ansehen und ein Symbol auswählen (S. 156).

Die Schüler sollen eine Kopie mit Rahmen bearbeiten und die Rahmen variieren.

Die Schüler sollen eine Kopie mit (unsinnigen) Gestaltungsvorschlägen bewerten.

Die Schüler sollen eine Kopie mit einer (chaotischen) Heftseite umgestalten (S. 159).

Die Schüler sollen eine Kopie mit einem schlechten Schaubild verbessern (zum Körper).

Quelle: H. Klippert: Methoden-Training

Am Beispiel von F. Müller („Selbstständigkeit fördern und fordern“)

ABC-Methode

Die Schüler sollen zu einem Begriff (z. B. Freundschaft) Assoziationen nach dem Alphabet von A bis Z niederschreiben. Abfrage, kein Wissens- und Kompetenzzuwachs, zeitaufwendig.

Abfallmontage (Kreatives Schreiben)

Die Schüler sollen auf der Grundlage willkürlicher ausgewählter Papierschnipsel mit Satzfetzen eine (sinnlose) Fantasie-Geschichte erfinden und einfach drauflosschreiben. Schreibkompetenz gefordert, nicht gefördert (Gruppenarbeit). Kein Wissens- und Kompetenzzuwachs.

Arbeitsanweisungen

Die Schüler sollen schweigend (?) einen (unsinnigen) Arbeitsauftrag ausführen lernen. Kein Wissens- und Kompetenzzuwachs, zeitaufwendig.

Bildkartei

Die Schüler sollen anhand von Fotos ihre Meinungen zu einem Thema (z. B. zum Berufsleben) vortragen. Die Schüler sollen einfach drauflosreden, ohne fundierte Kenntnisse. Die Schüler sollen angeblich „reden“ und „zuhören“ lernen. Die Schüler werden zum Blödsinn animiert, sie sollen kollektiv „murmeln“. Kein Wissens- und Kompetenzzuwachs, zeitaufwendig.

Brief an Schüler

Der Lehrer schreibt einen „Brief an die Schüler“ (?), in dem er das „Lob der Gruppenarbeit“ (und anderen Unsinn) verbreitet. Ideologische Indoktrination, kein Wissens- und Kompetenzzuwachs.

Collage

Die Schüler sollen zu einem Thema eine Collage anfertigen, einzeln oder in Gruppenarbeit. Klebedidaktik aus dem Kindergarten, kein Wissens- und Kompetenzzuwachs.

Denkblatt

Die Schüler sollen zu einem Begriff  (z. B. Beruf) Assoziationen auf ein Blatt bringen, in Form einer Mind Map. Es sollen „innere Bilder“ aufsteigen! Kein Wissens- und Kompetenzzuwachs, esoterische Praktik.

Der große Preis

Wissensquiz, kein Wissens- und Kompetenzzuwachs, zeitaufwendig.

Domino

Die Schüler sollen mit „Wissenskarten“ (Frage/Antwort) Domino spielen. Wissensabfrage, kein Wissens- und Kompetenzzuwachs, zeitaufwendig.

Erwartungen artikulieren

Die Schüler sollen ihre Erwartungen und Ängste artikulieren. Abfrage, kein Wissens- und Kompetenzzuwachs, zeitaufwendig.

Erzählkette

Die Schüler sollen anhand eines Fotos vor der Gruppe reden und ihre Gedanken, Gefühle usw. äußern, die anderen sollen zuhören (lernen). Kein Wissens- und Kompetenzzuwachs, zeitaufwendig.

Diverse Spiele

Die Schüler sollen Vorlieben, Abneigungen und Gefühlen erkunden und preisgeben. Kein Wissens- und Kompetenzzuwachs, zeitaufwendig.

Jung und alt

Die Kinder sollen unter Umständen wie Einjährige auf dem Boden herumkrabbeln und später mitteilen, wie sie sich dabei gefühlt haben! Menschenunwürdig; kein Wissens- und Kompetenzzuwachs, zeitaufwendig.

Blindenspaziergang

Jeweils ein Schüler soll sich mit verbundenen Augen von einem Mitschüler herumführen lassen. Kindergarten; kein Wissens- und Kompetenzzuwachs, zeitaufwendig.

Wollknäuel

Die Schüler sollen sich durch Umherwerfen eines Wollknäuels verknoten, vernetzen, verstricken. Kein Wissens- und Kompetenzzuwachs, zeitaufwendig.

Zahlen rufen

Die Schüler sollen bei Zuruf definierter Zahlen auf einem Bein stehen, auf den Bauch liegen usw. Kindergarten; kein Wissens- und Kompetenzzuwachs, zeitaufwendig.

Eisscholle

Die Schüler sollen auf einem Blatt Papier möglichst eng zusammenstehen und -rücken. Kindergarten, kein Wissens- und Kompetenzzuwachs, zeitaufwendig.

Ich bin du

Persönliches und Gefühle erkunden. Kindergarten, kein Wissens- und Kompetenzzuwachs, zeitaufwendig.

Was wir mögen

Die Schüler sollen ihre Gefühle preisgeben. Abfrage; kein Wissens- und Kompetenzzuwachs, zeitaufwendig.

Stationengespräch

Die Schüler sollen Blödsinn erörtern. Kein Wissens- und Kompetenzzuwachs, zeitaufwendig.

Steckbrief

Die Schüler sollen eine bekannte Persönlichkeit in Form eines Steckbriefes präsentieren. Wissensdemonstration; Kein Wissens- und Kompetenzzuwachs, zeitaufwendig..

Körperumrisse zeichnen

Die Schüler müssen sich auf den Boden auf ein Stück Packpapier legen, ihren Körperumriss zeichnen und mit Eigenschaftswörtern versehen lassen. Kindergartenpraktik; kein Wissens- und Kompetenzzuwachs, zeitaufwendig, entwürdigend.

Vier-Ecken-Methode

Die Schüler sollen sich in eine definierte Klassenecke begeben, die ihrer Gefühlslage oder Meinung entspricht. Meinungsabfrage; kein Wissens- und Kompetenzzuwachs, zeitaufwendig.

Wortcollage

Die Schüler sollen auf eine Frage (Was ist …?) mit einem oder zwei Begriffen antworten, die Meinungen in Einzel- und Gruppenarbeit bearbeiten und diskutieren. Kein Wissens- und Kompetenzzuwachs, zeitaufwendig.

Zahlenroulette

Die Schüler sollen auf Zuruf eine Impulsfrage beantworten. Wissensabfrage; kein Wissens- und Kompetenzzuwachs, zeitaufwendig.

Zielscheibe

Die Schüler sollen ihre Meinung durch ihre Position im Raumkoordinatensystem und ihrer Nähe zum Zentrum ausdrücken. Meinungsabfrage; kein Wissens- und Kompetenzzuwachs, zeitaufwendig.

Zitatenschatzkiste

Die Schüler sollen ihre Affinität zu einer Meinung durch entsprechende Zitate kundtun. Meinungsabfrage; kein Wissens- und Kompetenzzuwachs, zeitaufwendig

Jede Menge Unfug, der keinen deutlichen und nachhaltigen Wissens- und Kompetenzzuwachs vermittelt, findet sich auch bei Thal/Ebert („Methodenvielfalt im Unterricht“):

Die Klasse bildet Teams mit Hilfe von Filmdosen, die beim Schütteln unterschiedliche Geräusche erzeugen („Horch mal“, vgl. S. 61). Die Klasse bildet Teams durch das Zuwerfen farbiger Bälle (vgl. S. 62). Die Schüler wandern durch das Klassenzimmer mit Bindfäden unterschiedlicher Farbe und Länge. Sie suchen den passenden Faden (vgl. S. 65). Die Klasse wird in Gruppen zerlegt. Jede Gruppe bearbeitet einen Text, den sie durch ein Standbild darstellen („Texthandeln“, vgl. S. 83). Die Schüler sollen einen „Brief an sich selbst schreiben“ (vgl. S. 106). Die Schüler sollen mit Hilfe von Wettersymbolen ihre Gefühlslage darstellen (vgl. S. 108). Die Schüler sollen sich alle auf einen einzigen Schoß setzen (vgl. S. 116). Die Schüler sollen sich Bälle zuwerfen und keinen Zuwurf wiederholen (vgl. S. 117). Die Schüler sollen sich beim Sitzen auf dem Stuhl „bewegen“ (vgl. S. 119). Die Schüler sollen „Fingerakrobatik“ durchführen (vgl. S. 120). Die Schüler müssen auf Zuruf des Lehrers eine Handlung durchführen: Berührt euer linkes Ohr usw. (vgl. S. 121). Die Schüler müssen mit dem „Po wackeln“, „Kirschen pflücken“ usw. (vgl. S. 122). Die Schüler müssen diverse „Klatschspiele“ von der Straße einüben (vgl. S. 123). Die Schüler müssen „den Storch“ oder die „liegende Acht“ machen (vgl. S. 128 f). Die Schüler sollen das „Palmieren“, eine esoterische Praktik, üben (vgl. S. 132), „Nah- und Fern-Sehen“ im Wechsel (S. 133), wie „eine Marionette“ (in Meditationshaltung) sitzen, kindische KIM-Spiele durchführen (S. 135), Geräusche erkennen (S. 136), Gegenstände mit geschlossenen Augen ertasten (S. 137), sich gegenseitig mit dem Igelball massieren (S. 138), nach Musik malen (S. 140), in der Fantasie durch einen Herbstwald gehen (S. 141), durch „ihren Körper reisen“ (S. 147), sich wechselseitig den Rücken bemalen (S. 149), den Affen (oder Elefanten) machen (S. 153), unter der Bank Gegenstände weiterreichen, ihre „Körper verknoten“ und die Verknotung wieder auflösen (S. 157) u. v. m.

Kurz, nach Auffassung der modernen Methodenliteratur sollen die Schüler alles machen, nur nicht(s) lernen!

Auszüge aus Franzke, R.: MethodenWahn. Hannover 2014 (www.alpha-press.de)

Prof. Dr. Reinhard Franzke ist Bildungsforscher und Erziehungswissenschaftler.

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