EZB-Geldpolitik: Ein Schlaraffenland – aber das letzte Bier ist soooo teuer

Mario Draghis Geldpolitik führt zum Suff der europäischen Wirtschaft: Weil Geld nichts mehr kostet scheint alles möglich. Aber die Rechnung kommt.
Mario Draghis Geldpolitik führt zum Suff der europäischen Wirtschaft: Weil Geld nichts mehr kostet scheint alles möglich. Aber die Rechnung kommt.

So ungefähr stelle ich mir das Schlaraffenland vor: Du trinkst ein Pils (oder auch mehr) und beim bezahlen nimmt der Wirt kein Geld. Er schenkt Dir sogar 20 Cent. Oder mehr: Je mehr Du getrunken hast, umso mehr kriegst Du. Eine schöne Idee, die dabei ist, Wirklichkeit zu werden: Banken und Sparkassen werden langsam zu solcher Art Kneipen im Schlaraffenland: Wer Kredit aufnimmt zahlt kaum noch Zinsen. Im Gegenteil: Er kriegt was raus, wenn er sich verschuldetDie Staatsbank KfW denkt schon darüber nach, dass, wer richtig viel Kredit aufnimmt, sogar Geld geschenkt kriegt. Das heisst: Sie bekommen mehr Geld von der Bank zurückbezahlt, als sie bei ihr aufnehmen. Das nennt man Negativ-Zinsen. Das wäre schon ziemlich schlaraffig.

Die Geld-Welt wird auf den Kopf gestellt




Statt Miete für ein Haus zu bezahlen, kriegst Du sogar Geld raus. Und je teurer das Haus ist, umso mehr zahlt die Bank Dir dafür, dass Du einen Kredit aufnimmst. Es ist unglaublich, aber wahr:  Bisher überträgt die KfW von ihr mit negativen Renditen aufgenommene Gelder zu einem Zins von null an Banken und Sparkassen. Die Förderbank soll nach dem Willen ihres Verwaltungsrats vorbereiten, eines Tages auch einmal Gelder mit einer negativen Rendite an Banken und Sparkassen weiterzureichen. Das Geld-Schlaraffenland gibt es nur deshalb noch nicht, weil die Computer der Banken keine negativen Zinsen berechnen können! Daran hat niemand gedacht – der Zins war in der Geschichte immer der Preis, den man zahlen musste, wenn man sich etwas ausgeliehen hat.

Mario Draghis schwarze Magie

Jetzt aber stellen die Europäische Zentralbank und ihr Chef Mario Draghi die Welt auf den Kopf: Draghi drückt den Banken so viel Geld rein, dass sie es irgendwie unter die Leute bringen müssen – koste es, was es wolle. Schon länger profitiert Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble davon, wenn er sich am Kapitalmarkt mit Papieren bis sieben Jahren Laufzeit Geld beschafft: Da winkt eine negative Rendite. Es gibt einfach keinen anderen Abladeplatz für die künstlich geschaffene Geldflut.  Macht Schäuble  neue Schulden, kriegt er noch Geld dafür geschenkt. Je mehr Schulden er macht, umso reicher wird er, ohne auch nur das geringste zu tun. So einfach geht die Schwarze Null. Sie ist kein Ausdruck der Regierungskunst, sondern der schwarzen monetären Magie des Mario Draghi.

Draghi hofft, dass so die Wirtschaft in Europa anspringt. Das ist sein Trick: Geld, Geld, Geld heisst: kauft, kauft, kauft. Tatsächlich springt zumindest in Deutschland die Wirtschaft an; Wachstum von 2,1% erwarten die Wirtschaftsforscher. Der schnelle Verfall des Außenwert des Euros befördert das: Deutsche Produkte sind auf dem Weg zum Billigheimer auf den Weltmärkten  Die Arbeitslosigkeit sinkt. Die Einkaufstüten werden prall. Aber wer um 25 Prozent abwertet, um 2 Prozent Wachstum zu erzeugen kann sich nicht wirklich reich und erfolgreich fühlen. Draghis Politik ist mehr als fragwürdig.

Also nichts wie los, in die Fußgängerzone oder ins Einkaufszentrum und los geht’s? Ganz so einfach ist es nicht mit dem Schlaraffenland. Viele Leute haben gespart, für das Alter, für ein Auto, für ein Haus. Wer spart, ist der, der für das Schlaraffenland bezahlt: Er kriegt nichts für sein Sparbuch. Schon verlangen einzelne Banken Strafzinsen. Andere erhöhten heimlich die Gebühren, damit das Sparen unattraktiv wird. Wer eine Lebensversicherung oder eine Riesterrente anspart, ist gekniffen: Weil es keine Zinsen mehr gibt, können auch die Lebensversicherungen nichts mehr für ihre Sparer überweisen, manchen droht die Pleite – dann ist das Geld futsch. “Existentielle Probleme” drohen, so der Internationale Währungsfonds, weil die Erträge weit unter den abgegebenen Verzinsungsversprechen liegen. Auf bis zu 190 Milliarden werden diese Zinsverluste geschätzt. Es könnten schnell mehr werden.

Sogar viele Unternehmen sind gekniffen: Sie haben gespart, um später Betriebsrenten zu bezahlen. Jetzt müssen sie sparen, sparen, sparen, statt in neue Maschinen zu investieren, damit die Betriebsrenten bezahlt werden können. Die Null-Verzinsung wird zum Strick, die Betriebsrenten zum Galgen. Aber es geht um mehr:

Geld wird wertlos

Was nichts kostet, ist nichts wert. Die alte Regel gilt auch für Geld. Das Misstrauen steigt. Wer ein Haus hat, verkauft es nicht – nicht mal für viel Geld: Ist es morgen noch was wert? Die Inflation ist auf den Märkten für Vermögensgegenständen längst da. Der Dax über 10.000 ist nicht Ausdruck der gewachsenen Leistungsfähigkeit der Wirtschaft, sondern Reflex auf die erwartete Entwertung des Geldes.

Der Wirtschaftsforscher Thomas Straubhaar vom Hamburger Weltwirtschaftsinstitut warnt vor einer „Verschuldungsmentalität“. Wir kaufen, was wir nicht brauchen; Unternehmen investieren in Werke, die sich nie rentieren, der Staat verschuldet sich auf Teufel komm raus für Quatsch – den er irgendwann doch bezahlen muss. Mit unseren Steuern. Währungskriege drohen. “Beggar my Neighbour” nannte man diesen Abwertungswettlauf in den 20ern. Es ist damals nicht gut gegangen und wird auch heute nicht gut gehen. Und bald könnte unser Geld wertlos sein – oder die Zinsen explodieren, um den Euro wieder zu stabilisieren.

Dann bringt dich das letzte Pils um, weil jetzt der Wirt abkassiert für alle vorherigen.
Es wird Zeit, dass Draghi mit dieser Zerstörung unseres Geldsystems Schluß macht, ehe alle verrückt sind und unser Geld völlig wertlos geworden ist.

Dieser Artikel ist in gekürzter Fassung in der BamS erschienen.

 




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Kommentare {9}

  1. Erst fällt die Währung, dann der Kapitalismus!

  2. Mit Eigenverantwortung hat das leider herzlich wenig zu tun.
    Zum einen flutet Draghi den Geldmarkt mit virtuellen Geld, denn dafür gibt es bisher keine Gegenwerte. Solange dieses Geld nicht in den Wirtschaftskreislauf gelangt passiert nicht viel. Aber irgendwann wird sich dieses Geld realisieren wollen, d.h. jetzt müssen Gegenwerte geschaffen werden. Da aber niemand diese riesigen Geldmengen realisieren kann, werden sie zu Staatsschulden an denen wir dann alle arbeiten dürfen, weil wir über unsere Verhältnisse gelebt haben obwohl wir gar nichts getan haben und auch ncith tun können.
    Solange auf dem Geldmarkt die reale Wirtschaft (Produkte und Dienstleistungen plus Aktien nur 1/50 bis 1/100 der Geldmenge ausmachen, sollte man sich vor diesen ungezügelten Geldmengen sehr wohl fürchten.

  3. Für den Bürger ist Gled leider nur ein Stück Papier oder eine “digitale Größe”. Dadurch kann er jederzeit seines Geldes beraubt werden und schlimmer noch, das zunächst virtuelle Geld, es gibt ja keinen Gegenwert dafür, wird plötzlich real, d.h. es müssen dafür Gegenwerte geschaffen werden.
    Das Beispiel mit dem Bier trifft es voll und ganz. Geld hat heute zwar keinen wirklichen Gegenwert, wenn es aber in den Wirtschaftskreislauf kommt, dann wird es real. Da aber niemand soviele Gegenwerte hat, wird die Staatsverschuldung wieder exorbitant steigen und wir alle werden Gegenwerte schaffen müssen, die wir uns nicht leisten können.
    Mit Eigenverantwortung passiert genau gar nichts, Sie können nämlich weder den Geldfluss von Draghi beeinflussen, noch können Sie sich gegen die Staatsverschuldung wehren.

  4. Zunächst ist jeder für sein Handeln selbst verantwortlich. Also auch für zu hohe Schulden.
    Es gibt ja nicht wenige, besonders aus der Linken Szene, die den Zinseszins für die Wurzel alles Übels sehen.
    Das Problem sind die Staaten, die die Bürger mit Steuern und Sozialabbau in Haft nehmen werden und die nicht couragiert ihre Strukturprobleme angehen, also z. B. Überalterung, weil besonders in Deutschland viel zu wenig für Familien getan wird, an anderen Stellen richtig kürzen, Pensionen,…. Oder die Verschuldung abbauen oder den Staat wirklich verschlanken, Mindestlohn, Raucherverbot, Grüner Punkt,… müssen nicht vom Staat/öffentlicher Hand reguliert werden, auch nicht die Gewerkschaften. Auch müssen nicht 40% der Unternehmen im Besitz der öffentlichen Hand sein. Stattdessen verschaffte man sich mit der Nullzinspolitik Aufschub für weitere handlungslose Zeit, als alternativlos bezeichnet.

    1. Der Staat müsste massiv verschlankt werden! Die Bürger brauchen mehr Eigenverantwortung. Es kann nicht sein, dass man uns ständig eine Kollektivschuld einredet und gleichzeitig meint, dass wir für alles Elend dieser Welt unseren Geldbeutel zücken müssten. Einen guten Artikel dazu findet man hier:

      http://www.misesde.org/?p=9878
      Die Deutschen lassen sich vom Leviathan-Staat freiwillig entmündigen und als Sozial-Untertan an der Leine führen

  5. Die moderne Technik macht es vielleicht möglich: Das Geldsystem wird durch ein Zahlsystem ersetzt, der Wert des Geldes im Wesentlichen auf das Zahlungsinstrument reduziert. Die Nachfrage wird dadurch gesichert, dass ohne die digitalen Euros keine Zahlungen mehr möglich sind. Man kann dann zwar digitale Euros horten, aber ohne Garantie für einen ‘Wert’-Erhalt. Und die Finanzverwaltung wird so einfach, dass viele Arbeitskräfte für den Zoll frei werden.

  6. Die moderne Technik macht es vielleicht möglich: Das Geldsystem wird durch ein Zahlsystem ersetzt, der Wert des Geldes im Wesentlichen auf das Zahlungsinstrument reduziert. Die Nachfrage wird dadurch gesichert, dass ohne die digitalen Euros keine Zahlungen mehr möglich sind. Man kann dann zwar digitale Euros horten, aber ohne Garantie für einen ‘Wert’-Erhalt. Und die Finanzverwaltung wird so einfach, dass viele Arbeitskräfte für den Zoll frei werden.

  7. “Es wird Zeit, dass Draghi mit dieser Zerstörung unseres Geldsystems Schluß macht, ehe alle verrückt sind und unser Geld völlig wertlos geworden ist.”

    Leider nur ein frommer Wunsch.
    Ich denke es geht so weiter bis zum großen Knall – und keiner will es gewesen sein.

    1. Genau. Warten wir auf den großen Knall.