Ehe für Alle: Geschenkt

victorvictoria

„Ehe für alle“ – so lautet der Schlachtruf der Verbände der Homosexuellen und Lesben, nachdem in Irland die völlige Öffnung der Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare per Volksabstimmung erwirkt wurde. Bitte lesen Sie nicht weiter, wenn Sie bei diesem Thema emotional engagiert sind – so rum oder andersherum. Der Text könnte Ihre Gefühle verletzen. Denn es ist aus mehreren  Gründen ein emotionales Thema: Einmal, weil für viele die Ehe als Verbindung von Mann und Frau zur Familie noch heilig ist. Dann, weil es für viele Homosexuelle ein symbolischer Akt zur völligen Gleichstellung ist. Lassen Sie uns jenseits von Emotion und Symbolik die Ehe nachrechnen – auf rein wirtschaftlicher Ebene.




Das Eherecht schützte in der Vergangenheit den Schwächeren – meist die Frau. Männer wurden in die Familienverpflichtung eingebunden, aus der sich viele gerne davon stehlen, wenn das Geschrei zu laut, die Zänkerei der Alten zu nervig, die Verlockung der Neuen zu groß wurde. Ehe wurde irgendwann als repressiv gebrandmarkt; spätestens in den 60ern begann die Auflösung: Erst wurde die Scheidung erleichtert. In vielen weiteren Schritten die Unterhaltsverpflichtung minimiert. Die Leidtragenden sind heute Frauen um die 40, die nach langer Familienarbeit  vor dem Scheidungsrichter feststellen, dass die Garde der Zweitfrauen im Bundestag das bisherige Unterhaltsrecht aufgelöst haben. Heute ist nach drei Jahren Unterhalt in der Regel Ende – und für viele geschiedene Frauen die wirtschaftliche Not groß. Die Freiheit der Frauen, sich bewusst für Familienarbeit zu entscheiden, wird durch Gesellschaft und Politik immer mehr eingeengt. Selbst das minimale Betreuungsgeld wird ihnen geneidet und vom Bundesverfassungsgericht in Frage gestellt. “Die verkaufte Mutter” nennt eine Gruppe von Frauen dies und hat Lebensberichte aus der sich verdunkelnden Ecke einer Minderheit in einem Buch gesammelt, das demnächst unter diesem Titel erscheint.

Die Auflösung der Ehe

Es ist ja nicht so, dass der Gesetzgeber da nicht Vorsorge getroffen hätte. Frauen sollen lernen, sich wirtschaftlich nicht auf die Ehe zu verlassen, sondern immer berufstätig zu sein. Das neue gesellschaftliche Leitbild, das jetzt rechtlich, politisch und gesellschaftlich durchgesetzt wird, ist die berufstätige Mutter. Ehe soll kein Mensch mehr brauchen. Kinderkrippen sollen ihr die durchgehende Berufstätigkeit ermöglichen, Ganztags-Kindergärten und -Schulen die Unterbrechung der Karriere vermeiden helfen. Dumm dran sind nur die Frauen der Übergangsgeneration: Die sich noch auf den Schutz der Ehe verlassen haben und zu lange aus dem Beruf heraus sind, um noch in den Genuss der faktischen Verstaatlichung der Kinderbetreuung zu gelangen. Oder solche, die dies für sich und vor allem für ihre Kinder abgelehnt haben. Mütter sind immer da. Sie streiken nicht.

Der aktuell unbegrenzte Streik der Kita-Erzieherinnen zeigt, dass eben alles seinen Preis hat – auch die Auflösung der Familien zu Gunsten von professioneller Betreuung. Denn es geht ja nur um “Aufwertung” und mehr Geld für die Erzieherinnen, die schon Jobs haben. Der schlechte Betreuungsschlüssel, zu viel Kinder für zu wenige Betreuerinnen, wird dadurch tendenziell weiter verschlechtert – Kinder sind nur noch das Druckmittel für Cash. Ohnehin: Über mangelnde Anerkennung können sich nicht Kita-Erzieherinnen beklagen – für sie wird gestreikt und demonstriert. Mangelnde Anerkennung gibt es nur für selbsterziehende Mütter, denen jetzt auch noch das Betreuungsgeld vor dem Bundesverfassungsgericht geneidet wird. Gewinner sind die Männer in ihrem Freiheitsdrang, weil sie wissen, dass es auch ein wirtschaftliches Leben nach der Ehe und Familie Nummer 1 gibt – sowie ihre Neue. Die Ehe ist damit nur ein Restbestand ihrer früheren wirtschaftlichen Bedeutung. Auch von anderer Seite wurde die Ehe materiell ausgehöhlt: Alleinerziehende werden weit besser unterstützt als Ehepaare. Heiraten Patchwork-Paare, wird Geld gekürzt. Im Krieg gegen die Familie wurden damit Tatsachen geschaffen: Heiraten ist eine Sache für´s Herz – der materielle Vorteil wurde abgetragen und umverteilt zu anderen Formen des Lebens. Dazu muß man allerdings sagen: Das gilt für die staatliche Eheschließung. Selbstverständlich ist sie für viele Paare, insbesondere religiös gebunden, weiterhin wichtig. Die Frage wäre konsequentermaßen: Warum überhaupt noch eine staatliche Ehe?

Die Homo-Ehe gewinnt

Anders die Entwicklung für gleichgeschlechtliche Paare. Das Partnerschafts-Gesetz hat einen rechtlichen Zustand für sie geschaffen, der der Ehe weitgehend entspricht. Auch das Ehegattensplitting, das bislang Familien geholfen hat, vorübergehende Nicht-Berufstätigkeit wenigstens steuerlich zu erleichtern, gilt auch für gleichgeschlechtliche Paare. Nicht-Berufstätigkeit innerhalb dieser Beziehungen wird steuerlich massiv unterstützt. Warum eigentlich? Zur eigentlichen Ehe bestehen nur noch wenige Restbestände früherer Unterschiedlichkeit und sollen jetzt beseitigt werden – etwa das Recht, auch nach dem Tod eines Partners als Pächter seinen Schrebergarten übernehmen zu dürfen: Ehe als Klamauk im Gärtchen.

Das hat etwas sehr symbolisches: Immer mehr Ehen werden geschieden, die Zahl der Alleinerziehenden nimmt ständig zu, viele Paare wollen ohne Trauschein zusammen leben. Auf der einen Seite also eine Absetzbewegung aus der Ehe – während Homosexuelle genau dahin streben, einschließlich Schrebergarten. Offensichtlich ist das gerne vorgeführte schrille, bunte Leben der Homosexuellen-Bewegung  zum schlichten Vergnügen im Schrebergartens verspießert. Viele Schwule greifen sich an den Kopf. Alternative Lebensform im Schrebergarten? Schon in der Schwulen-Formel “Ehe für alle” schwingt ja ein zwanghafter wie beliebiger Ton mit: Anything goes. Freie Liebe jedenfalls ist was anderes. Oder doch nicht? Gibt es jetzt auch schon Schwulen-Verlobung mit Brilli? Der Kitsch schafft sich eine neue Zielgruppe. Manche Heteros mögen darüber sogar schadenfroh lachen über diese Wiederholung eines Musters, aus dem sie sich selbst gerade befreien. Rechtsanwälte werden sich über eine neue Klientel und ihre erbitterten Auseinandersetzungen vor Gericht freuen. Nur ein wesentlicher Unterschied besteht faktisch noch zwischen beiden Sorten „Ehe“: Heterosexuelle Ehepartner tragen in der jeweiligen Sparte „verheiratet“ ein, homosexuelle Paare „verpartnert“. Jetzt also wird darüber gestritten, ob die schwule „Partnerschaft“ auch Ehe genannt werden darf. Dabei ist es nur noch die “Ehe-light.”

Ich meine: Das bisschen Unterschied lohnt nicht, die Ehe als Verbindung von Mann und Frau und als Beginn einer Familie zu verteidigen. Es ist übrigens auch ein Sprachkrieg, der da läuft: Erst hat man begrifflich “Ehe” und “Familie” getrennt, damit auch die ohne Kinder an die Vorzüge ran können. Die Schwächung der Familie wurde damit in Kauf genommen. Nein, die Schwulen-Ehe nimmt den herkömmlichen Ehen nichts mehr weg. Da ist nichts mehr wegzunehmen. Es ist offensichtlich ein gesellschaftlicher Trend. Überwinden wir diese Spaltung. Schenken wir der Homo-Lobby dieses Wort ohne Wert. Die Menschen haben die Konsequenzen aus der Familienpolitik gezogen. Deutschland ist das Land der Welt mit einem traurigen Rekord. Nirgendwo werden so wenige Kinder geboren wie hierzulande.

Der Zusammenhang ist selbstverständlich rein zufällig.




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Kommentare {13}

  1. Lieber Herr Tichy,

    ganz herzlichen Dank für ihren kritischen und bissigen Artikel!
    Es wird doch Zeit, dass die Gleichmacherei in unserem Bewusstsein
    als Angst vor Entscheidungen ankommt.

    Wir wollen alles haben und auf nichts mehr verzichten.
    Was übrig bleibt, wird immer farbloser und lau… ein wehleidiger Mittelweg!

    So – wie ja auch die Illusion der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu einer
    Alles-ist-möglich-Lüge Gott-sei-Dank immer mehr enttarnt wird.
    Unser Buch “die verkaufte Mutter” schreibt ja darüber.

    Herzlichen Dank für den Hinweis!

    Es grüßt
    Sabine Mänken aus Frankfurt