Deutschland muss erwachsen werden

Es wird Zeit, dass Deutschlands Mainstream-Journalismus, ja, die politische Diskussion hier, ernst wird. Ansonsten steuern wir tatsächlich auf einen Eisberg der politischen Realitäten zu, die die meisten in unserem Land nicht wahr haben wollen.

© Sean Gallup/Getty Images

Beim Blick auf die Schlagzeilen der deutschen Presse kommt mir unwillkürlich das Bild des sinkenden Ozeanliners „Titanic“ in den Sinn. Das Kommando des Luxus-Schiffes hatte aus Leichtsinn einen Eisberg gerammt und war, wie dem Kapitän und seinen Offizieren vom Schiffsingenieur klar gemacht wurde, dazu bestimmt, innerhalb weniger Stunden in den kalten Fluten unterzugehen.

Um keine Panik unter den Passagieren und der subalternen Besatzung aufkommen zu lassen, verbreitete die Schiffführung beruhigende Verlautbarungen. So spielte die Dampferkapelle heitere Weisen, unterdessen die Passagiere erster Klasse die wenigen Rettungsboote bestiegen. Während die Geiger fiedelten und die eleganten Damen mit ihren Kindern zu einem vermeintlich kleinen Turn aufbrachen, ersoff der Stolz der britischen Passagierflotte und riss mehr als 1.500 Menschen in den Tod.

Das freie Europa, die Europäische Union, befindet sich in höchster Gefahr. Nicht zuletzt auch wegen des Leichtsinns und der mangelhaften Führung der politischen Klasse. Kein Gesetz und keine politische Notwendigkeit hatten den damaligen britischen Premier Cameron gezwungen, eine Volksbefragung über den Verbleib seines Landes in der Europäischen Union zu veranstalten. In Österreich haben die etablierten Volksparteien das Vertrauen der Wähler dermaßen verspielt, dass sie am Ende auf die Bereitschaft des ausrangierten Grünenchefs Alexander Van der Bellen angewiesen blieben, gegen den Vertreter der populistischen Freiheitlichen Norbert Hofer zu kandidieren. Mit vereinten Kräften gelang es den etablierten, jedoch verbrauchten Parteien, in zwei Wahlgängen mit Mühe und Not, den freiheitlichen Hofer um Nasenlänge zu überholen.

In Spanien wiederum verkeilten sich die regierungserfahrenen Sozialisten und Konservativen ein Jahr lang in einem fruchtlosen Geschacher um Posten und Macht. Derweil konnte keine mittelfristige Entscheidung für das heruntergewirtschaftete Land gefällt werden – von einer langfristigen Politik ganz zu schweigen. Unterdessen flutet Mario Draghi als EZB-Präsident Euroland mit einem millionenschweren Schuldenrückkaufs-Programm und Strafzinsen, die im Ergebnis die Sparer enteignen. Für Italien wird es dadurch leichter, neue Kredite aufzunehmen und Deutschland wird zunehmend in Schulden-Haftung genommen.

Der Terroranschlag von Berlin wird politisch-korrekt als isolierte Tat eines Kriminellen mit politischem Alibi gewertet, statt sich einzugestehen, dies als Teil einer breit angelegten terroristischen islamistischen Offensive von verschiedenen Untergrundorganisationen zu begreifen, die sich teilweise spinnefeind, jedoch einig in dem Ziel sind, die freiheitlich-demokratische westliche Welt zu zerstören beziehungsweise zu unterwerfen.

In den USA wird das zumindest teilweise verstanden. Dies war eines der Elemente, die Donald Trump zu seinem Sieg über Hillary Clinton nutzte. Der kommende Präsident ist kein unbedingter Befürworter des weltweiten Freihandels. Trumps Administration wird verstärkt auf die Vorteile der Vereinigten Staaten achten. Das wird Deutschland, dessen Volkswirtschaft auf den Export von Industriegütern angewiesen ist, bald zu spüren bekommen.

Es fehlt an einer breiten Diskussion über eine langfristige Strategie, wie der wirtschaftspolitischen Herausforderung der neuen amerikanischen Administration zu begegnen ist. Ebenso, wie der anschwellenden terroristischen Bedrohung durch die Islamisten entgegen getreten werden kann. Auch mangelt es an einem Konzept, wie der potenziellen Bedrohung Osteuropas durch den verstärkten Machtanspruch Russlands gegenüber den früheren Territorien der Sowjetunion zu begegnen ist.

Stattdessen setzt man sich mit dem offenbar ernst gemeinten Vorschlag der Grünen auseinander, Sexdienste für Behinderte staatlich zu alimentieren. Die FDP wird von Seiten der CDU in die Nähe der populistischen AfD gerückt. Einig ist man sich von links bis rechts in der unbedingten Ablehnung des amerikanischen Wahlergebnisses und einer notorischen Verunglimpfung von Donald Trump. In zwei Wochen wird der New Yorker amerikanischer Präsident sein und in beiden Häusern des Kongresses über eine Mehrheit verfügen.

Es wird Zeit, dass Deutschlands Mainstream-Journalismus, ja, die politische Diskussion hier, ernst wird. Ansonsten steuern wir tatsächlich auf einen Eisberg der politischen Realitäten zu, die die meisten in unserem Land nicht wahr haben wollen.

Fazit: Deutschland kommt nicht darum herum, politische Reife zu erlangen.

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Kommentare

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  • hasenfurz

    Lesen Sie mal: „Die Siedlungspolitik ist die Agenda der deutschen Wirtschaft“ (Killerbee sagt)

    „Deutschland ist ein Problem, weil die Deutschen
    fleissiger, disziplinierter und begabter als der Rest Europas sind. Das
    wird immer wieder zu ‚Ungleichgewichten‘ führen.

    Dem kann aber gegengesteuert werden, indem so viel Geld wie nur möglich aus Deutschland herausgeleitet wird.

    Es ist vollkommen egal, wofür.

    Es kann auch radikal verschwendet werden – Hauptsache, die Deutschen haben es nicht.

    Schon ist die Welt gerettet.“

    • Reconquista83

      Hat das nicht Joschka Fischer gesagt?

      • hasenfurz

        Bin ich überfragt. Lesen Sie mal den o.g. killerbee-Artikel, ich denke da ist was dran. Ein Kommentator drunter hat ihn so zusammengefaßt: „Mit der Aufnahme von sogenannten Flüchtlingen soll der wirtschaftliche Effekt der sogenannten Wiedervereinigung kopiert werden. Damit haben wir auch eine Zahl von Zuwanderern mit der wir rechnen dürfen. BDI Chef Ulrich Grillo nannte eine Zahl von ca. 10 Millionen zusätzlichen Arbeitskräften die bis 2020 gebraucht würden.“

  • K. Wode

    Sie sind aber blauäugig!
    Durch den verurachten Putsch in der Ukraine durch die
    EU und USA hätte es beinahe geklappt, dass die Ukraine
    Mitglied der Nato geworden wäre. So wie es sich die
    Strategen der USA (Brzezinski)vorgestellt hatten – von der
    Ostsee bis zum Schwarzen Meer alles unter der Kontrolle der Nato. Dann wär die Ukraine Mitglied der Nato und die
    Krim gehört ja zur Ukraine, also müßte Russland die Krim
    räumen – Verträge hin oder her.
    Leider kam Putin dem zuvor, durch die Auseinandersetzungen in der Ostukraine.

  • MarHel

    Na kommen Sie…
    Die USA hat mindestens zwei Völker (ein demokratisches und ein republikanisches), wie viele haben wir wohl? Noch schwimmen bei weitem nicht alle deutschen Staatsbürger („Volk“) auf der „gleichen Welle“ wie hier.

    • gintonicgalore

      Das tun sie wirklich nicht, werden sie niemals tun, sollen sie auch gar nicht.
      Wir bräuchten nur eine Mehrheit, die die Notwendigkeit zur Erneuerung der Politik Deutschlands erkennt.
      Die Selbstschutz vor Selbstaufgabe, Anerkennung von Realität vor Utopie, freiheitliche Rechte vor Gesinnungstotalitarismus stellt.
      Ich bin sonst gar nicht so schnell beunruhigt, aber allmählich scheinen wir geradewegs auf eine Diktatur zuzusteuern.
      „Kampa 2017“ von Dushan Wegner spricht ebenfalls von höchst bedenklichen Entwicklungen, die in einer freiheitlichen Demokratie absolut indiskutabel sind.

  • Blaue vom Himmel

    Weil Korea, Japan und auch Russland nicht spinnen?

    Sie sind aber Optimist. Heute, wo Bildung bedeutet: Wir sind doch alle gleich, mit Orientierung am schwächsten Glied.
    Wenn Lehrer einen erhöhten Aufwand haben und sich rechtfertigen müssen, wenn sie es wagen ein mangelhaft zu vergeben. Oder von den Eltern der „kleinen Einsteins“ vor Gericht gezerrt werden.

  • MarHel

    Das klingt nun arg naiv, insbesondere der Teil zur Russland und seinen freundschaftlichen Beziehungen zu seinen Nachbarn. Komischerweise wollen die das zumeist so gar nicht und Misstrauen den Russen aufgrund sowjetischen oder kürzlichen Erfahrungen (Ukraine und Erdgas) zutiefst. Trotzdem sollen sie diese „Umarmung“ zulassen und wir auch?

    Dass der einseitige Blick auf die Interessen des eigenen Volkes wie Trump ihn propagiert selbst für dieses eigene Volk nicht unproblematisch funktionieren kann, haben Sie auch schon gehört, nehme ich an.

    Bei uns läuft es ganz sicher auch nicht richtig, wenn wir zum Auffanglager für derartig viele Flüchtlinge und solche die es sein wollen geworden sind. Vollkommen klar. Aber einfach nur immer das zu machen was das Volk will – und welches ist das eigentlich? – funktioniert auch nicht.