Für die Rente mit 63 gibt es keine vernünftige Begründung

Während das Renteneintrittsalter für „Normalos“ bis 2029 auf 67 steigt, erhöht es sich für diese Klientel von Schwarz-Rot schrittweise nur auf 65. Diese Arbeitnehmer zählen zur Kernklientel der SPD. Wenn das nicht für ein Renten-Bonbon reicht, was dann?

© Tobais Schwarz/AFP/Getty Images

Es war eines der ersten Reformvorhaben, das die Große Koalition 2014 in die Tat umsetzte: die Rente mit 63. Die Gewerkschaften hatten dies vehement gefordert, die SPD hat dieses Herzensanliegen ihrer wichtigen Wahlhelfer zur Voraussetzung für eine Regierungsbeteiligung gemacht, die CDU/CSU hat mitgemacht – mit der Mütterrente als Gegenleistung.

In der Union gibt es viele, die in einer Jamaika-Koalition diese Sonderregelung gerne wieder rückgängig machen wollen. Und das aus guten Gründen. Denn selten wurde so viel Geld – rund 3 Milliarden Euro im Jahr – für so wenig Begünstigte ausgegeben. Selten wurde so unverhohlen Klientelpolitik zugunsten einer kleinen Gruppe betrieben. Bei einem Durchschnittsverdiener, der zu den Begünstigten der Rente mit 63 zählt, bedeutet das insgesamt 30.000 Euro höhere Rentenbezüge als bei einer „Normalverrentung“ mit 65 und mehr Jahren. Wenn die Freien Demokraten durch eine Regierungsbeteiligung wirklich eine Trendwende erreichen wollen, dann könnten sie das hier beweisen.

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Nutznießer der 63er-Regelung sind vor allem Facharbeiter der geburtenstarken Jahrgänge 1951 bis 1963, die gleich nach der Schule – damals noch mit 15 oder 16 Jahren – ihre Lehre begonnen, sich teilweise bis zum Meister hochgearbeitet haben und heute oft wichtige Positionen einnehmen, in der Fertigung wie in der Verwaltung. Diese Jahrgänge können dank ihrer Lebensleistung mit deutlich höheren Renten rechnen als ihre Söhne und Töchter, die diese Renten finanzieren müssen. Viele von ihnen haben zudem Anspruch auf Betriebsrenten. Warum aber soll diese Gruppe von Edelrentnern rentenpolitisch privilegiert werden? Dafür gibt es nur einen Grund: Diese Arbeitnehmer zählen zur Kernklientel der SPD. Wenn das nicht für ein Renten-Bonbon reicht, was dann?

Die geltende Regelung ist auch eine krasse Benachteiligung der Frauen, weil nur ganz wenige Arbeitnehmerinnen im Alter von 63 eine ununterbrochene 45 Jahre lange Erwerbsbiografie vorweisen können. Da schlägt sich nieder, dass für die meisten Frauen der entsprechenden Jahrgänge das Kinderkriegen verbunden war mit beruflichen Auszeiten, wenn sie sich nach der Heirat nicht gleich ganz auf die Familienarbeit konzentriert haben. Auch wenn gerade die Sozialdemokraten so lautstark für die „Gleichstellung der Frauen“ kämpfen – bei der Rente mit 63 waren und sind ihnen die Arbeitnehmerinnen gleichgültig.

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Noch eine Ungerechtigkeit: Faktisch ausgeschlossen von der Rente mit 63 sind alle Berufe, die Abitur und eine drei- oder vierjährige schulische Ausbildung voraussetzen. Denn während Lehrjahre in Industrie und Handwerk bei der Rentenberechnung als Beitragsjahre mitgezählt werden, gilt das beispielsweise beim Besuch einer Fachhochschule nicht. Ein Nachteil zum Beispiel für Erzieher und Erzieherinnen, Krankenschwestern oder Pfleger, die häufig erst mit 20 ihre schulische Ausbildung beendet haben. Sie können die geforderten 45 Beitragsjahre im Alter von 63 nicht nachweisen. Auch hier sind in erster Linie Frauen benachteiligt. Offenbar wollte die SPD 2013 vor allem die Flagge als Interessenvertreter der männlichen Facharbeiter schwingen. Und die CDU machte in der Hoffnung mit, auf diese Weise ihr sozialpolitisches Image aufzupolieren.

Die Rente mit 63 ist nicht nur fatal, weil sie viel Geld kostet, zusammen mit der Mütterrente tendenziell die Rentenbeiträge ansteigen lässt, Rentenerhöhungen dämpft und die rückläufige Zahl der jüngeren Beitragszahler über Gebühr belastet. Sie ist auch arbeitsmarktpolitisch kontraproduktiv. In Zeiten eines eklatanten Facharbeitermangels prämiert es die Regierung, wenn erfahrene Mitarbeiter vorzeitig ihre Arbeitsplätze räumen. Seit Einführung der Neuregelung im Jahr 2014 bis September 2017 haben das mehr als 800.000 Beschäftigte getan, überwiegend qualifizierte Mitarbeiter. Ein beeindruckender GroKo-Beitrag zur Vergrößerung des Fachkräftemangels.

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Wer schon Rente mit 63 bezieht, dem soll und kann dieses Privileg nicht mehr genommen werden. Aber es gibt keinen vernünftigen Grund, die Regelung beizubehalten. Denn es ist höchst unsozial, bestimmte Jahrgänge besonders zu privilegieren. Genau genommen wurden nur den Jahrgängen 1951 und 1952 zwei zusätzliche Jahre ungeschmälerten Rentenbezugs gegönnt. Aber auch die Jahrgänge 1953 bis 1963 bekommen eine Sonderregelung geschenkt. Ihnen gewährt die GroKo – allerdings mit einem jährlich um zwei Monate schrumpfenden Vorteil – auf Kosten der Beitragszahler ebenfalls mehr bezahlte Freizeit. Während das Renteneintrittsalter für „Normalos“ bis 2029 auf 67 steigt, erhöht es sich für diese Hätschelkinder von Schwarz-Rot schrittweise nur auf 65.

Nun gibt es tatsächlich Arbeitnehmer, die aus gesundheitlichen Gründen nicht bis 65 oder 67 durchhalten können. Sie stehen sich nach den gelten Vorschriften aber schlechter, denn die Erwerbsminderungsrente fällt deutlich niedriger aus als die Altersversorgung der privilegierten Edelrentner. Die neue Koalition sollte die Milliarden, die sie durch Abschaffung der Rente mit 63 spart, umschichten zugunsten der älteren Arbeitnehmer, die wirklich nicht mehr arbeiten können. Das wäre das Gegenteil der derzeitigen Klientelpolitik, nämlich sozial und gerecht.

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ich muss auch sagen: 3 Millarden für Leute, die lange eingezahlt haben vs. mind.20 Millarden für Leute, die nicht nur nie eingezahlt haben, sondern dies voraussichtlich auch nie tun werden.

Ich zähle da voll auf Merkels Fachkräfte.
Die reißen uns da raus. Wetten ?

„Denn selten wurde so viel Geld – rund 3 Milliarden € im Jahr- für so wenig Begünstigte ausgegeben.“ Stimmt , Herr Müller -Vogg, nur leider nehmen Sie hier den falschen Vergleich vor. Seit 2015 haben wir rd. 50 Milliarden für nur eine Million Eingewanderte übrig, und zwar ohne Gegenleistung und mit der Nebenwirkung von Kriminalität bis hin zum Mord. Bevor hier nicht die 550 000 bis 600 000 abgelehnten Asylbewerber ( genaue Zahlen weiß man nicht mal) aus dem Land ausgewiesen wurden, lehne ich es ab, jetzt wieder um die Rente bei den schon länger hier Lebenden zu feilschen. Es… Mehr

Sie schreiben mir aus der Seele!

Es gibt eine ganz plausible Begründung, das sind 45 Jahre Arbeit und Beiträge. Lächerliche 3 Milliarden kosten pro Jahr gegenüber anderen Ausgaben z. B. Bankenrettung 300 Milliarden. Weiterhin sind das genau die Jahrgänge die am meisten in die Kasse eingezahlt haben und die ganzen Verschlechterungen voll abbekommen. Wo war, ihr Aufschrei als es den Arbeitnehmern genehm war die Leute mit 52, 55, 58 Lebensjahren zulasten der Sozialversicherungen nach Hause zu schicken? Herr Müller – Voog sie sollten mal besser recherchieren bevor sie einen solchen Müll wie Edelrentner usw. schreiben. Die Beitragszahler der gesetzlichen Kassen sind es Leid die Melkkühe der… Mehr

Herr Gretz,

sehr guter Beitrag . alles richtig erkannt. Diese Flickschusterei über die vielen Jahre, ist der eigentliche Skandal. Wenn man schon Änderungen vornimmt , dann hat das aber meiner Meinung nach für Alle zu gelten auch für die Jüngeren und zwar unabänderlich! Sonst wird die Ungerechtigkeit nur noch immer mehr verstärkt.

Das ist wohl wahr, warum ist die altersarmut denn so hoch

natürlich stimmt es, was Sie schreiben. V.a. ist die Diskussion um die abschlagsfreie Rente mit 63 an sich lächerlich, da diese bereits seit 2016 ein Auslaufmodell ist. 2026 kann dann der letzte Jahrgang mit 64 Jahren und 10 Monaten in Rente gehen. 3 Milliarden? Wow, das ist die Summe die wir in etwa 3 Wochen für unsere neuen Fachkräfte ausgeben ( lt. 2er Wirtschaftsforschungsinstitute ja 50-55 Milliarden pro Jahr- Tendenz steigend). Das regt aber keinen Arbeitgeberfreund auf. Bye the way, auch die abschlagsfreie Rente mit 63 war lediglich ein durchschaubarer Versuch der Sozen, sich noch ein paar Arbeitnehmer als Wähler… Mehr

Sie haben vollkommen Recht ! Müller-Voog und sein Geschreibsel ist sehr schlecht recherchiert.

Nicht nur seine Recherche ist schlecht. Auch sonst ist er nicht die hellste Kerze auf der Torte. Ein typischer Systemling.

Ich als so genanter verhätschelter Edelrentner, kann mich nach 51 Jahren und 8 Monaten durchgehender Beschäftigung im Alter von knapp 66 Jahren dann auch endlich auf meine Rente freuen, sollte nach Vorstellung des Autor`s die „Edelrente“ den Gnadenschuß erhalten. Währen die „benachteiligte“ junge Klientel bis zu ihrem 67. Geburtstag doch oft nicht mal 40 Arbeitsjahre zählen kann.
Die Anzahl der Beschäftigungsjahre scheinen offensichtlich in fast allen Medien und Artikeln zu diesem Thema keinerlei Rolle zu spielen
Rentenkürzung um jeden Preis, koste es was es wolle!

Ob die Rente mit 63 Sinn macht ist ein Thema für sich aber das soll doch die Politik beantworten, auf die entsprechende Antwort von Frau Nahles warte ich seit 2014. Aber der Autor sollte erst Mal von seinem hohen Ross in die Niederungen der Realität herabsteigen bevor er solche halben Wahrheiten verbreitet. Zum einen haben die „edel Rentner“ noch die Volksschule in Deutschland erlebt und waren gerade einmal vierzehn und nicht fünfzehn oder sechzehn als sie ins Berufsleben eingestiegen sind. Auch kann sich jeder gut vorstellen das bei dem üppigen Lehrling Lohn von 60 oder 70 DM keine nennenswerte Einzahlung… Mehr

Bei uns im Betrieb bringt gehen die Leute wesentlich früher in Rente.
Weil sie einfach fertig sind!
Die meisten haben Ihre 45 Jahre hinter sich, nehmen dann halt Vorruhestandsregelungen mit Abschlägen un Kauf.
Politiker oder Manager oder auch versnobte Journalisten welche mit Mitte 20 ihr Berufsleben beginnen um dann mit Ende 50 in Rente zu gehen – natürlich zu fürstlichen Bezügen – haben von der Realität keine Ahnung.
Die von Ihnen beschimpften Hätschelkinder werden sich zu wehren wissen.

Wer dann mit 15 oder 16 Jahren anfing zu arbeiten hat dann aber wesentlich länger in die Rentenversicherung eingezahlt als Personen die später zu arbeiten begonnen haben. Diese Benachteiligung ist Ihnen aber offenbar egal.
Wer 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat und 63 Jahre alt ist, hat genug für dieses Land geleistet und muss ohne Abschlag in Rente gehen können.

Lieber Herr Müller Vogg,
eines muss man Ihnen lassen: Als AfD Wahlkämpfer sind sie absolute Spitze. An Ralf Stegner kommen sie zwar noch nicht heran, aber das schaffen Sie schon noch.

Ich habe die Daten aus meiner Rentenberechnung der Rentenversicherung. Frühestmöglicher Zeitpunkt: mit 63 Jahren und 10,8 % Abschlägen. Regelrentenzeitpunkt: 66 Jahre.

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