Besiege die Inflation

Die EZB hat statt Geldwertstabilität eine Inflation von nahe 2% als Ziel ausgegeben - es können aber auch 4 werden. Früher bekämpft gilt neuerdings Inflation als Allheilmittel für Wirtschaftswachstum. Die Zeche zahlen Anleger, die sich falsch verhalten.

Die EZB hat ein Ziel, das sie gebetsmühlenartig kommuniziert: Auf mittlere Sicht eine Inflationsrate unter, aber nahe 2 Prozent zu erreichen. 2 Prozent, das bedeutet: 100 Euro sind, gemessen an der Kaufkraft, nach einem Jahr real 98 Euro wert, nach zehn Jahren nur noch 82 Euro. Und um an die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts zu erinnern, als Altkanzler Helmut Schmidt von sich gab, 5 Prozent Inflation seien nicht so schlimm wie 5 Prozent Arbeitslosigkeit: 100 Euro verkümmern bei solch einer Inflation nach zehn Jahren zu einem realen Wert von gerade mal etwas über 61 Euro.

Alles nur Zahlenspiele? Von wegen! In Wahrheit geht es darum, die eher auf Wirtschaftswachstum und auf immer höhere Schulden als auf stabiles Geld ausgerichtete Zinspolitik der Zentralbanken zu rechtfertigen. Und schon beginnt die EZB, klammheimlich das von ihr als zulässig erklärte Inflationsziel auf 4 Prozent und darüber hochzuschieben.

Inflation ist gewollt und geplant

Wie auch immer, die Zahlenspiele entbehren jeglicher wissenschaftlicher Grundlage. Zentralbanker setzen sie einfach in die Welt, als sei mit ihnen eine Punktlandung möglich. Das soll zwar besonders überzeugend wirken; Tatsache ist jedoch, dass jegliche Inflation – ob zuletzt 1,1 Prozent im Euroraum, immerhin schon 1,9 Prozent im Januar in Deutschland, aktuell zweistellig in der Türkei oder vor Jahren mehrere tausend Prozent in Simbabwe – ein dynamischer Prozess ist: Steigende Inflationsraten ziehen nachgewiesenermaßen Inflationserwartungen und Inflationsmentalität nach sich. So kann eine relative Preisstabilität nahe 2 Prozent schon bald in eine dauerhaft schleichende Inflation münden und diese zunächst in eine trabende, später in eine geloppierende und schlimmstenfalls in eine Hyper-Inflation ausarten, wie Deutschland sie vor nahezu einem Jahrhundert erlebt hat.

Inflation – importiert, hausgemacht und politisch gewollt

Diesen Zusammenhang sollte im Auge behalten, wer sich bisher allein Gedanken darüber gemacht hat, ob Draghi das von ihm angepeilte Inflationsziel 2018 oder erst 2019 erreicht – oder aber bereits in diesem Januar oder Februar. Im Übrigen genügen ein paar Blicke auf die nach oben geschossenen Charts von Rohstoffen wie Zink, Nickel, Blei, Zinn und zuletzt auch Kupfer, um zum Ergebnis zu kommen, dass der Basiseffekt über den Ölpreis hinaus wirkt: Wir importieren Inflation. Und wir produzieren unsere eigene Inflation: Die Gewerkschaften setzen höhere Löhne durch – die früher oder später in den Preisen landen; zum Teil oder sogar nur als Anlass für Preissteigerungen genommen werden. Inflationspolitik der EZB, die damit die Staatsschulden entwerten will, importierte Inflation und hausgemachte – das ist eine gefährliche Mischung, die früher und schneller als geplant ihre teuflische Wirkung entfalten kann.

Denn viel wichtiger als das Nachdenken über Draghis Zeitplan zum Inflationsziel oder über die durch Eurostat und Destatis ermittelten statistischen Daten ist das Studium von Phänomenen, die während inflationärer Zeiten immer schon ihre Wirkung entfalteten: Wegen höherer Rohstoffpreise teurer gewordene Vorprodukte führen zu Preisaufschlägen bei Endprodukten. Es kommt zu Zweitrunden-Effekten (zum Beispiel wollen Bezieher fester Einkommen einen Inflationsausgleich haben und sind zum Streik bereit). Eine allgemeine Flucht in Sachwerte (oder was man dafür hält) setzt ein, üblicherweise Asset Inflation genannt, sodass nach Aktienkursen und Immobilienpreisen auch die Preise von Gold, Silber und anderen Edelmetallen, ja sogar von Hobbyanlagen, wie Kunstwerken, Antiquitäten und Oldtimern, nicht mehr zu halten sind. Deren Preise gehen nicht in die statistische Preissteigerungsrate ein – und trotzdem spürt sie jeder, der beispielsweise ein Haus oder Wohnung kaufen will.

Entwickeln Sie einen Anti-Inflations-Finanzplan

Das Ganze findet nicht abrupt, sondern in Schüben statt. Wir alle sind gut beraten, einen persönlichen, auf die individuellen Ziele und Wünsche abgestimmten Anti-Inflations-Finanzplan zu entwickeln. Dazu gehören zuvorderst: die Auswahl geeigneter Anlagen, deren Streuung über mehrere Kategorien und ein möglichst gutes Timing. Individuelle Ziele und Wünsche, das sind beispielsweise: die Altersvorsorge, größere Anschaffungen und die Ausbildung der Kinder. Wer diese Ziele in Angriff nimmt und die entsprechenden Ausgaben hochrechnet, stellt schnell fest, dass zu ihrem Erreichen mindestens sechsstellige Beträge erforderlich sein werden. Also gilt es, solche Anlagen zu finden, zu streuen und zu timen, die diesen Zielen gerecht werden.

Zur Auswahl stehen grundsätzlich: Bares auf dem Tages- oder Festgeldkonto bis 100.000 Euro pro Person und Bank (darüber greift nicht mehr die gesetzliche Einlagensicherung), Anleihen, Aktien, selbst genutzte und/oder vermietete Immobilien, Fonds, Gold, Silber Ackerland, Wald und von Fall zu Fall auch die erwähnten Hobbyanlagen. Multimillionäre und Milliardäre haben es leicht, daraus eine geeignete Mischung zu erstellen. Denn im Gegensatz zu einfachen oder Nicht-Millionären brauchen sie kein Klumpenrisiko einzugehen, das entsteht, sobald Anleger ihr Geld zum Beispiel immobilienlastig investiert haben.

Schützen Aktien vor Inflation?

Man könnte nun behaupten: glückliche Reiche. Doch das wäre ein Trugschluss. Denn auch wer zu den Multimillionären bis aufwärts zu den Milliardären gehört, muss Auswahl und Timing beachten. Hinzu kommt der wuselige Kampf gegen hohe Steuern, vor allem dann, wenn neben Privat- auch Betriebsvermögen im Spiel ist. Wer über ein hohes Vermögen verfügt, muss sich außerdem der zahlreichen Pseudo-Berater erwehren, die überwiegend prozyklisch solche Anlagen empfehlen, die ihre beste Zeit hinter sich haben, zum Beispiel viele Aktien-, Misch- und Immobilienfonds, Wohn- und Gewerbeimmobilien, darüber hinaus allerlei Zertifikate, über deren Existenzberechtigung man streiten kann.

Wie ist es um Aktien als Schutz vor Inflation bestellt? Wer mindestens ein Jahrzehnt – besser noch mehr – an Zeit mitbringt, dürfte nach den bisherigen Erfahrungen im Prinzip geschützt sein. Allerdings vorausgesetzt, Mischung und Timing stimmen. Banker schlagen zur Risikostreuung Aktienfonds vor. Aber in erster Linie nicht so sehr, weil sie von der Mischkunst der Fondsmanager überzeugt wären, sondern in erster Linie wegen der Ausgabeaufschläge, Gebühren und Provisionen, die bei Fondsgesellschaften und Banken landen. Zu diesem Themenkomplex passt, was einst der Fondsmanager Peter Lynch, der in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts extrem erfolgreich war, Anlegern riet: „Der durchschnittliche Kapitalanleger verfügt über alle notwendigen Voraussetzungen, um im Aktienmarkt erfolgreich sein zu können.“

Eiserne Disziplin, starke Nerven und viel Geduld

Daraus folgt: Beschäftigen Sie sich mit Aktien, und zwar so früh und so intensiv wie möglich, über Hausse und Baisse hinweg. Zu Beginn lassen Sie genügend Zeit verstreichen, in der Sie die Entwicklung der Aktienkurse nur verfolgen, ohne gleich Aktien zu kaufen. Gehen Sie bottom up vor. Das heißt, konzentrieren Sie sich auf Kurse, Kennzahlen, sonstige Informationen, Geschäfts- und Quartalsberichte einzelner Unternehmen und schenken Sie top down der Konjunktur, der Geldpolitik, den übrigen Makrothemen und dem von den Medien penetrant viel zu wichtig genommenen Dax eher nur nebenbei Beachtung.

Gelingt Ihnen dann noch ein halbwegs geschicktes Timing, können Sie davon ausgehen, dass Ihre Aktien Sie auf Dauer vor Inflation schützen. Verteilen Sie Ihren Einsatz so auf verschiedene Aktien, dass Sie jederzeit den Überblick behalten, kaufen Sie sie sukzessive und halten Sie immer etwas Liquidität auf dem Tagesgeldkonto vor, um bei passender Gelegenheit Schnäppchenkurse für besonders günstige Käufe zu nutzen. Zu all dem gehören: eiserne Disziplin, starke Nerven und viel Geduld.

Das Internet ist eine wahre Aktien-Informations-Fundgrube

Was für Aktien kommen infrage? Es gibt zig Möglichkeiten, die richtigen zu finden. Die interessantesten gehören nicht zu den Standardwerten aus Dax oder Dow Jones, sondern zu den Neben- und Spezialwerten, deren Kursentwicklung viel dynamischer verläuft. Wie findet man sie? Dazu erweist sich – nachdem man entschieden hat, ob sie eher Kursgewinne oder hohe Dividendenrenditen bescheren sollen – zunächst das Internet als wahre Fundgrube für allerlei Anregungen. Hier ein paar Beispiele:

Interview
Hans-Werner Sinn: "Machen Sie der Enteignung ein Ende"
 Während Anleger die Chance haben, sich wie beschrieben in Aktien zu vertiefen und dadurch mit einigem Geschick vor Inflation zu schützen, sieht die Sache bei Gold und Silber etwas anders aus. Vorab ist zu unterscheiden zwischen einerseits Gold als Edelmetall zur Geldanlage bzw. Hortung bei nur geringfügiger industrieller Verwendung außerhalb der Schmuckindustrie und andererseits Silber als zur Hälfte Industrie-, zur anderen Hälfte Anlage- bzw. Spekulationsmetall. Doch die Verwendung mag noch so unterschiedlich sein, der Preistrend beider Edelmetalle zielt mittel- bis langfristig in dieselbe Richtung, wobei die kurzfristigen Ausschläge des Silberpreises heftiger sind.

Konzentrieren wir uns aufs Gold, das – über mehrere Jahrzehnte betrachtet – seine Kaufkraft erhält und damit als Schutz vor Inflation geeignet ist. Das schließt indes nicht aus, dass sein Preis schwankt: In den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts ging es mit ihm kräftig aufwärts, danach zwei Jahrzehnte lang abwärts, dann ein Jahrzehnt lang aufwärts und in der Folge für viereinhalb Jahre abwärts mit anschließender Preiserholung, die nur ein halbes Jahr anhielt und zuletzt in eine neue Erholung mündete – alles in allem sicher nichts für schwache Nerven.

Eine Wette gegen Papiergeld

Aber wie konnte es unter solchen Umständen dazu kommen, dass ein gestandener Ex-Banker wie Oswald Grübel, früher Chef der Großbanken Credit Suisse und UBS, im Manager Magazin vom vergangenen Oktober empfahl, den Goldanteil bei Anlagen auf 30 Prozent zu erhöhen? Grübels Antwort: Angesichts der Geldschwemme vonseiten der Zentralbanken sei Gold günstig zu haben. Also eine Wette gegen Papiergeld in all seinen Varianten (Bares, Konten, Anleihen, Rentenfonds, Kapitallebensversicherungen), auch fiat money genannt (übersetzt: es werde Geld) oder Helikoptergeld (Symbol dafür, dass Zentralbanker es beliebig aus dem Hubschrauber werfen können). Kurzum, der Wert des Geldes (Dollar, Euro, Franken, Yen, Yuan und so weiter) und damit seine Kaufkraft schwindet, weil Zentralbanken es nach Gusto vermehren und so den Schuldenberg ins Unendliche wachsen lassen können. Dagegen ist Gold nicht beliebig vermehrbar.

Dadurch erfährt Gold seit Jahrtausenden eine Wertschätzung über alle Kontinente hinweg. Es dient gewissermaßen als global anerkannter Wertspeicher. Doch damit haben sich seine Funktionen noch nicht erschöpft. Gold bedeutet auch: internationale Liquidität, Währungsreserve, Versicherung, Rohstoff für die Schmuckindustrie, Spekulationsobjekt, Mythos – und nicht zu vergessen seine Funktion als Geldanlage, die zwar zinslos bleibt, aber zu bestimmten Zeiten erfolgreich gegen andere Anlageklassen konkurriert. Wie jetzt, da die Inflationsrate steigt. Gold kann man nicht allein bei Banken und Sparkassen, sondern – einschließlich einer empfehlenswerten Beratung – bei spezialisierten Edelmetallhändlern kaufen und auch wieder verkaufen. Platzhirsche im Filalgeschäft sind nach einem aktuellen Test von Focus Money: proaurum.de, degussa-goldhandel.de, mp-edelmetalle.de und gfmshop.de. Weitere Informationen zu Edelmetallhändlern kann man auf goldseiten.de finden.

Das Märchen vom Betongold

Die Wertschätzung des Goldes manifestiert sich auch in einem Begriff, der mit dem Edelmetall rein gar nichts nichts zu tun hat: Betongold. Damit sind Immobilien gemeint. Welche, bleibt allerdings unklar. Zur Auswahl stehen: selbst genutzte oder vermietete Wohnhäuser bzw. einzelne Wohnungen, Bürohäuser, Einkaufszentren, Hotels und sonstige überwiegend in offene oder geschlossene Fonds verpackte Gewerbeimmobilien, Ferienhäuser in Deutschland und anderswo, Ackerland und Wald. Noch heterogener geht es wahrlich nicht. Trotzdem ist das Märchen vom Betongold als solchem nicht aus den Köpfen derer zu bekommen, die mit dem Verkauf von Immobilien und ihrer Finanzierung viel Geld verdienen und das Märchen ihren Kunden einfach ungefiltert weitererzählen.

Zugegeben, die Preise der Wohnimmobilien sind während der vergangenen Jahre in deutschen Metropolen, in Universitätsstädten und mittlerweile auch in sogenannten B- und C-Lagen so kräftig gestiegen, dass hier und da schon von einer Blase gesprochen wird. Öffentlich weniger beachtet und noch viel mehr in die Höhe geschossen sind die Preise von gutem Agrarland und Wald. Doch diese Entwicklung in die Zukunft fortzuschreiben, ist unseriös, zumal die Mietrenditen von Wohnimmobilien ebenso wie die Pachten von Agrarland und Wald inzwischen viel niedriger sind als die Dividendenrenditen der meisten deutschen Aktien. Wer zu teuer kauft, kauft sich Unglück -und bei teuren Immobilien demgemäß großes  Unglück.

Steuern führen zum Immobilien-Tohuwabohu

Vergleicht man die Wertsteigerung deutscher Aktien mit der von Wohnimmobilien in attraktiven Lagen seit Bewältigung der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 bis heute, ergibt sich in etwa ein Gleichstand. Eine konkretere Aussage ist allein schon deshalb kaum möglich, weil Immobilienpreise im Gegensatz zu Aktienkursen nicht börsentäglich ermittelt werden, sondern erst beim Verkauf ihren Marktwert preisgeben. Und was den Vergleich zusätzlich erschwert: Aktien sind eine der liquidesten Anlageklassen, können also heute gekauft und morgen wieder verkauft werden. Dagegen dauert es in der Regel mindestens mehrere Tage, eher Wochen und in manchen Fällen sogar Monate, bis der Notartermin zum Immobiliendeal steht. Im Übrigen bergen Immobilien für die meisten Menschen ein Klumpenrisiko, weil sie einen Großteil von deren Vermögen ausmachen.

Die FED hat den Hebel umgelegt
Inflation – Das Raubtier ante Portas
Total kompliziert wird die Bewertung von Wohnimmobilien einschließlich ihrem Vergleich mit Aktien durch das Steuerrecht. Während Kursgewinne und Dividenden aus Aktien seit Einführung der Abgeltungsteuer im Jahr 2009 mit 25 Prozent zuzüglich Soli und ggf. Kirchensteuer belastet werden, ist es bei Immobilien ungleich komplizierter: Im Zuge des Kaufs wird Grunderwerbsteuer fällig (je nach Bundesland bis zu 6,5 Prozent). Selbst genutzte Immobilien haben, abgesehen von solchen unter Denkmalschutz, nur wenig bis gar nichts mit Steuern zu tun; ihre Wertsteigerungen bleiben unabhängig von der Haltedauer steuerfrei. Wertsteigerungen aus vermieteten Immobilien unterliegen hingegen bei einer Haltedauer unter zehn Jahren der Einkommensteuer zum persönlichen Steuersatz; bei einer Haltedauer von mehr als zehn Jahren sind sie steuerfrei. In diesem Tohuwabohu eine präzise Antwort auf die Frage zu finden, ob und inwieweit Immobilien vor Inflation schützen, ist schlicht und einfach unmöglich. Die einzig mögliche Antwort: Kann sein, kann nicht sein.

Anleihen: Inflationsindexiert bedeutet kompliziert

Eine in Deutschland bislang eher stiefmütterlich behandelte, aber allmählich im Kommen begriffene Anlageklasse sind inflationsindexierte Anleihen, auch Linker genannt. Sie können unter bestimmten Voraussetzungen tatsächlich vor Inflation schützen, sind jedoch komplizierter konstruiert, als auf Anhieb zu vermuten wäre. Hier nur so viel: Ihr Nominalzins wird mit einem Quotienten verrechnet, der die Inflation widerspiegelt. Je höher die Inflation steigt, desto mehr steigt mit ihr der Quotient. Dadurch bewirkt er, dass Anleger laufend und am Ende der Laufzeit eines Linkers mehr Geld erhalten, als wenn sie eine nicht inflationsindexierte Anleihe gekauft hätten.

So weit die Theorie. Nun zur Praxis, dargestellt an sechs Linkern des Bundes, die zurzeit im Umlauf sind (Wertpapier-Kennnummern in Klammern). Laufzeit bis April 2018 (103053), bis April 2020 (103052), bis April 2023 (103054), bis April 2026 (103056), bis April 2030 (103055), bis April 2046 (103057). Faustregel Nummer eins: Je länger die Laufzeit, desto stärker schwanken die Kurse dieser Anleihen, im Extremfall bei der zuletzt genannten seit ihrer Emission im Jahr 2015 zwischen etwas über 100 bis zu mehr als 130 Prozentpunkten. Faustregel Nummer zwei: Linker funktionieren als passables Liquiditätspolster, abgesehen von ihrer Laufzeit, nur unter der Bedingung, dass die Inflation kräftig anzieht. Faustregel Nummer drei: Ihre Kurse steigen mit fallenden und fallen mit steigenden Anleihrenditen. Alles in allem also eine wirklich komplizierte Angelegenheit. Dennoch: Wer Linker zu günstigen Kursen erwischt – Broker wie comdirect.de erstellen jeweils aktuell die dazugehörigen Charts – und bei den Restlaufzeiten die Jahre bis 2020 und 2023 bevorzugt, kann nicht allzu viel falsch machen. Dagegen sind längere Restlaufzeiten eher für spekulativ orientierte Anleger geeignet.

Es wird höchste Zeit

Wie nicht anders zu erwarten, gibt es auf die Frage, welche Anlagen vor Inflation schützen, keine allgemein gültige Antwort. Es kommt halt auf die individuellen Lebensumstände, auf Anlageziele, auf das Timing und darauf an, wie intensiv man sich mit dem Thema Geld in all seinen Varianten beschäftigen kann. Immerhin ist eines klar: Geldwerte taugen lediglich als kurzfristige Parkplätze, etwa in Form von Tagesgeld als zwischenzeitliche Barreserve, nicht dagegen als Daueranlage. Und Sachwerte sind zwar auf lange Sicht attraktiver, aber nur dann, wenn das Timing einigermaßen stimmt.

Wer der Inflation dauerhaft ein Schnippchen schlagen will, sollte sich für das Studium aller Anlageklassen viel Zeit nehmen, aktuell wie auch potenziell besonders für das Verfolgen von Gold und Aktien. Vermietete und verpachtete Immobilien eignen sich zurzeit in erster Linie als Beimischung zum Vermögen besonders reicher Anleger, nicht dagegen für Amateurvermieter. Gegen selbst genutzte Wohnimmobilien in attraktiven Lagen ist nichts einzuwenden, allerdings müssen sich Nicht-Millionäre des mit ihnen verbundenen Klumpenrisikos bewusst sein. Summa summarum: In Anbetracht der kommenden Inflationsentwicklung wird es höchste Zeit, sich intensiv mit dem Thema Geld zu beschäftigen. Denn die EZB betreibt ihre Geldpolitik weiter.

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Kommentare

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  • Franz Bettinger

    So viele Märchen!

    „Zu all dem (Aktien) gehören: eiserne Disziplin, starke Nerven und viel Geduld.“ Also genau das, Herr Tichy, was Stress verursacht und krank macht. Deshalb bin ich keineswegs der Meinung, dass man Aktien halten sollte. Dieser Mark ist ein Spiel mit gezinkten Karten. Ich persönlich habe ausschließlich Termingeld. Damit bin ich 30 Jahre lang viel viel besser gefahren als alle meine Bekannten. Und ganz wichtig: Ich bin gesund geblieben.

    Und was Gold betrifft, empfehle ich jedem, der mit dem Gedanken spielt, versuchsweise mal mit einer kleinen Summe Gold zu kaufen und dann wieder zu verkaufen oder umgekehrt, dann wird ihm der Gold -Zahn sofort gezogen! Festes Gold ist nahezu nicht handelbar, schon gar nicht in Krisenzeiten. Die Auf- und Abschläge der Goldhändler sind bei einem Hin -Her-Geschäft 20%. Einen größeren Betrug gab es nie. Einfach mal machen!

  • Andreas Bartholomäus

    Wo hab ich denn gesagt das es nicht so ist? Ich habe gesagt das Keynes definition der „Inflation“ so nicht mehr möglich ist, weil wir keine Nationalwährung mehr haben.

    • Cooper8

      Es gibt eine hohe Korrelation zwischen der Lohnentwicklung und der Inflationsrate.
      Die Lohnentwicklung ist der wichtigste Treiber der Inflationsrate.
      Dieser Zusammenhang war zu Lebzeiten von Keynes von nicht bekannt.

      • rolfi

        Und was macht die europaeische Zentralbank? Und glauben Sie der offiziellen Inflationsrate?
        Dann muss meine Geldboerse ja luegen! Wieder so ein wissenschaftlicher Kauderwelsch um klare Fakten zu verwischen.

      • Cooper8

        Statistik lügt nicht!
        Ansonsten glauben Sie einfach, was Sie wollen und basteln sich ihre Welt, wie sie ihnen gefällt.

  • Regina

    Jepp, aber warum nur im Dax / MDax? Auch im Dow finden sich solide Werte, die sich halten werden… Egal wie schief die Lage wird.

  • Alfred Ost

    Liebe Leute,so Ihr noch bare Mittel habt, rate ich lächelnd, geniesst jetzt das Leben und haut die Gelder dafür raus.
    Wenn ich den vorstehenden und ähnliche Artikel lese wird mir regelmäßig übel. Es sind immer die gleichen, nicht praktikablen Ratschläge an deren Ende das Geld dann doch fort ist. „Fort“ meint, es ist nicht mehr in Ihrem Besitz.

    • Franz Bettinger

      Sie reden mir aus der Seele, Herr Ost. Ich sage: die beste Investition ist die in die Vergangenheit. Die kann dir keiner mehr nehmen. Wie geht das, in die V investieren? Ganz einfach, indem man in die Gegenwart investiert. Denn die ist morgen schon Vergangenheit.

  • Alfred Ost

    Gab es schon alles: Nannte sich im geschilderten Fall Hypothekengewinnabgabe, im Falle nicht vorhandener Hypotheken Vermögensabgabe. In jedem Falle eine Steuer. Und Immobilien sind, der Name deutet es schamhaft an, nicht beweglich und damit dem Zugriff der Steuer gegenüber gut sichtbar!

  • Andreas Bartholomäus

    Selbstverständlich betreibt die EZB als das befugte Währungsorgan die Geldpolitik der Supernationalen Währung Euro in der Europäischen Währungsunion auch weiterhin so, wie man es für richtig hält. Die monetaristische These, die Ursache der Inflation läge bei der Geldmenge welcher mit einer restriktiven Geldmengensteuerung entgegenzutreten ist um das Ziel der genannten Inflationsrate zu erreichen, hat schlussendlich nur dazu geführt das aus Angst vor restriktiven Maßnahmen die Tarifparteien ihr Lohn- und Preissetzungsverhalten geändert haben. Denn eine strikte Geldmengenpolitik ist von den Zentralbanken aus gutem Grund niemals umgesetzt worden: Die Geschichte des Finanzsektors zeigt, dass ein starres Geldangebot die Geldnachfrage destabilisiert.

    Inzwischen gilt die Sorge der Notenbanken fast überall stärker der Gefahr von Deflation als der Gefahr einer Rückkehr der Inflation. Außerdem hat die von wichtigen Notenbanken seit der Finanzkrise 2008/09 betriebene Ausweitung der Zentralbankgeldmenge gezeigt, dass die monetaristische Vorstellung eines engen Zusammenhangs zwischen der Zentralbankgeldmenge (Geldbasis) und der Geldmenge (M1 oder M3) nicht der Realität entspricht, weil Geschäftsbanken die gestiegene Geldbasis nicht nutzen können, um verstärkt Geld- und Kreditschöpfung durch Vergabe von mehr Krediten an Unternehmen zu betreiben. Mit dieser Geldpolitischen Neuausrichtung haben sich die Zentralbanken von der monetaristischen Lehre verabschiedet. Das wurde von der Vorsitzenden Ökonomin der US-amerikanische Notenbank (FED) auch offen bekundet. Janet Yellen hat klar gemacht,
    „dass in ihrem geldpolitischen Denken die Geldmenge überhaupt keine Rolle mehr spielt“. Vielmehr stellte sie als Faktoren für die kurzfristige Inflationsentwicklung, neben Importpreisen oder externen Schocks wie dem Ölpreisrückgang, vor allem den Auslastungsgrad der Produktionskapazitäten und den Arbeitsmarkt heraus: ,,Ist die Arbeitslosigkeit gering, kann der resultierende Lohndruck zu einem Preisanstieg führen. Längerfristig werde sich die Inflationsrate jedoch um die Inflationserwartungen herum bewegen. Diese Inflationserwartungen könne die Zentralbank prägen“.(FAZ vom 30.9.2015).

    Der Monetarismus spielt für die Notenbanken in der Geldpolitischen Diskussion keine Rolle mehr. Genau so sind die Volkswirtschaften in der EU Währungsunion auch nicht mehr, an eine Inflations-/Deflationsfähige Nationalwährungsbindung gekoppelt.

    So langsam aber sicher oder besser vor 10 Jahren als morgen, sollte gerade die Deutsche Wirtschaftspolitik mal realisieren das wir keine Nationalwährung mehr haben und das es eine systematische Fehlentscheidung war den Monetarismus 1974 als Wirtschaftstheoretische Konzeption einzuführen, weil die Theorie von beginn an nicht der Realität entsprochen hat. Ansonsten kommt die Deutsche Volkswirtschaft nicht aus der, durch die Indifferente Fiskalpolitik geschaffene, Liquiditätsfalle wieder heraus.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Liquidit%C3%A4tsfalle
    https://de.wikipedia.org/wiki/Fiskalpolitik

    mfg