Flüchtlinge, Miniröcke und deutsche Willkommenskultur

BettinaRoehlDirekt

Ein Streitgespräch zwischen irgendeiner Flüchtlingsbeauftragten, nennen wir sie Constanze Böse, 39 Jahre alt, parteilos und irgendeinem Querdenker, nennen wir ihn Tilman Guth, 36 Jahre alt, Mathematiker, über Willkommenskultur und Ankommenskultur.

Böse: Es gibt 50 Millionen Flüchtlinge weltweit und …
Guth: Sie wissen genauso gut wie ich, dass diese Zahl eine reine Kampfzahl ist, ganz unseriös, überhaupt nicht belastbar.
Böse: Hören sie auf mit solchen …
Guth: Es können viel weniger Flüchtlinge sein auf dieser Welt und es können auch viel mehr sein, das ist ja auch Definitions-und Geschmacksache, wen man Flüchtling nennt, was ein Flüchtling ist und aus welchem Grund jemand von A nach B zieht, zum Beispiel sein Heimatdorf in Afrika verlässt.
Böse: Wer vor politischer oder religiöser Verfolgung flieht ….
Guth: Die wirklich in ihren Heimatländern Verfolgten schaffen es regelmäßig nicht hierher, das war schon immer so. Und nicht jeder, der Asyl schreit, ist ein Asylant.
Böse: Zynisch!
Guth: Realität!
Böse: Es geht um eine humanitäre Katastrophe und da müssen wir die Menschen, die es unter Einsatz ihres Lebens, geschunden und entkräftet, hierher schaffen, aufnehmen!
Guth: Müssen?
Böse: Das ist eine historische, eine moralische Pflicht, die nach dem Holocaust auch eine besondere deutsche Pflicht ist. Und im Übrigen können wir froh sein, dass die Flüchtlinge zu uns kommen! Wer soll sonst den fehlenden Nachwuchs in Deutschland und Europa ersetzen? Wir brauchen jeden Flüchtling, für die Versorgung der alten Menschen, für das Erwirtschaften der Renten und als qualifizierte Nachwuchskräfte für unsere Wirtschaft.
Guth: Nach ihren Motiven für ihren „Ellerbecker Rundumschlag“, mit dem sie nichts erklären können, frage ich Sie mal nicht. Ich beschränke mich auf die Feststellung, dass die „Argumente“, die Sie anführen, nicht lauter sind. Von der sachlich durcheinander gequirlten …..
Böse: Jetzt werden Sie persönlich, noch bevor die Diskussion über die notwendige Willkommenskultur, die den Deutschen fehlt, überhaupt begonnen hat. Und wer persönlich wird, hat es wohl …
Guth: Wenn Sie mit Ihren Stereotypen die Intelligenz des Zuhörers beleidigen, dann werden Sie mir einen persönlichen Angriff sicher nachsehen.
Böse: Wollen Sie die Tatsachen bestreiten?
Guth: Sie nennen Ihre Behauptungen Tatsachen? Ich bitte Sie! Sie sagen 50 Millionen Flüchtlinge, aber außer Ihrem gefühlten Wissen haben Sie nichts auf der Pfanne.
Böse: Oho!
Guth: Sie haben so viele Flüchtlinge, wie Sie haben wollen. Je mehr “Flüchtlinge” Europa und die Bundesrepublik aufnehmen, desto mehr Flüchtlinge wachsen nach. Ich behaupte, dass jeder Ihrer Flüchtlinge, der hier Ihre Vollversorgung erlebt, von der er in seiner Heimat nicht einmal geträumt hat, nach Hause telegrafiert: Bin im Schlaraffenland angekommen. Dann wächst nicht ein neuer Flüchtling nach, es wachsen zwei, drei und vier Flüchtlinge nach.
Böse: Nun machen Sie mal halblang! Von Vollversorgung kann leider keine Rede sein. Nun gut, manche bekommen eine, meist fast menschenunwürdige, Unterkunft gestellt, etwas zu essen und zu trinken, vielleicht freie Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Krankenversicherung und ein Taschengeld und vielleicht demnächst freien Internetzugang, aber sie werden von einer bösen deutschen Volksseele, von üblen Populisten verfolgt und gejagt. Sie dürfen nicht arbeiten, sie fühlen sich fremd, fern ab der Heimat, mussten womöglich Frau und Kind zurück lassen, mussten ihren Beruf aufgeben, sehen sich einer rassistisch basierten Aberkennung ihrer Schul- und Universitätsabschlüsse ausgesetzt.
Guth: Naja, 100.000ende Nobelpreisträger, auch wenn sie Flüchtlinge sind, will eben keiner nach Deutschland importieren.
Böse: Das ist ja ein widerwärtiger Sarkasmus.
Guth: Wenn sie falsche Tatsachen behaupten und die Leute für dumm verkaufen, dann gilt der Sarkasmus, den Sie ausgemacht haben wollen, allein Ihrer Person. Viele Flüchtlinge sind Analphabeten und haben in ihrer eigenen Muttersprache, die ihrerseits oft nicht auf dem Stand der Zeit ist, in dem die Sprache, die Tools, die für Wirtschaft, Wissenschaft, Technik, komplexe Rechtsgebiete benötigt werden, gar nicht zur Verfügung stehen, eher nicht den höchsten Level erreicht. Und dann sollen Sie mal eben, wie aus Ihren Kreisen zu hören ist, ein akademisches Deutsch lernen und sofort an den Universitäten studieren.
Böse: Das wäre das Beste.
Guth: Mit dem Wort „wäre“ bringen Sie jetzt selber den Irrealis. Wollen wir uns angesichts der Not, die es auf dieser Welt gibt, über ideologischen Quatsch unterhalten?
Böse: Sie sind doch in Wahrheit ein verkappter Populist.
Guth: Nee, Sie sind Mainstream-Populistin!
Böse: Der Rassismus ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, ich meine den alltäglichen Rassismus – und gegen den kämpfe ich tatsächlich. Check your Privilege! Und deswegen bin ich, obwohl verbeamtet, eigentlich in der Position eines Widerstandskämpfers gegen eine dumpfe Volksseele.
Guth: Heute haben Sie vergessen Ihre Fieberkurve zu messen. Vermutlich deswegen fallen Sie auf den Unsinn, den Sie hier stramm verkünden, rein und glauben zu allem Überfluss auch noch an das, was Sie sagen.
Böse: Sie sind, ehrlich gesagt, ein ganz schön abgewichster Typ.
Guth: Wenn einer in Afrika sein Dorf verlässt, nachdem seine ganze große Familie das Vermögen zusammen gebracht hat, das der Flüchtling den Schlepperbanden bezahlen muss, wenn er die nordafrikanischen Staaten mit den dortigen sehr speziellen Verhältnissen durchquert hat, und immer noch Bargeld (?) bei sich hat und einen Koffer(?), um sich zu ernähren, zu kleiden und die Bootspassage übers Mittelmeer zu bezahlen…
Böse: Ja, was dann??
Guth: Dann kommen wir endlich zum Thema der von Ihnen notorisch verlangten Empfangskultur, die Sie den Deutschen – frei aus dem Nichts – abnötigen. Und in dem Zusammenhang meinen sie mit den Deutschen die eingeborenen Deutschen – leicht rassistischer Anflug, merken sie noch was? – die Sie endgültig und für immer erziehen oder wie manche sagen, umerziehen wollen. Oder wie andere sagen, denen sie das Deutschsein austreiben wollen.
Böse: Jetzt werden Sie aber paranoid!
Guth: Na, klar, Paranoia muss wohl im Spiel sein. Und Sie vergessen das beliebte Wort “Verschwörungstheorie”. Doch schon etwas Schaum vor dem Mund, Frau Böse?
Böse: So können wir nicht weiter diskutieren, beim besten Willen nicht.
Guth: Sie haben den Begriff “Paranoia” nicht verstanden. Wenn sich eine kleine Minderheit hinstellt und sich als politisch links, grün, korrekt anheischig macht hinter jedem deutschen Busch in diesem unserem Lande einen eingeborenen deutschen Rassisten auszumachen, dann ist genau das die “Paranoia”, die zum Gesellschaftsspiel geworden ist. Sie werden ihre Paranoia nicht los, in dem sie diese, ihre Paranoia, versuchen anderen anzukleben. Das Wort “Willkommenskultur”…

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Kommentare {19}

  1. Schade, dass einige Argumente schlicht als “Ellerbeker Rundumschlag” abgeblockt werden. Statt den Schein-Alternativen “paranoide Abschottung” vs. “naive Willkommenskultur” lautet doch die Frage, wie die Flüchtlings- und Migrationsbewegung im “mare nostrum” human bewältigt werden kann. Gestoppt wird sie ohnehin nicht.

  2. Der Versuch einer satirischen Betrachtung des ernsten Themas mislingt. Guth und Boese bleiben beide in einfachsten, schematischen Argumenten verhaftet. Eine differerenzierte Betrachtung mit dem Thema sieht anders aus.

    Immerhin ist mit Guth ein Beispiel gelungen wie statt Argumente gerne Beleidigungen in Diskussionen verwendet werden.

    Das ist insgesamt ziemlich duenne. Fail.

  3. Liebe Frau Röhl,
    ich habe jeden Dienstag Ihre Kolumne in WiWo gelesen. Aber diesen Dialog kann ich nicht GUTH finden. Seien Sie mir darum nicht BÖSE!

  4. Liebe Frau Röhl, sie kennen wohl noch nicht die neue Deutschlanddoktrin der regierenden Clique: Wer selber denkt ist Nazi! Da sollten sie aber mal überlegen, ob sie sich solche Beiträge leisten können, ohne Gefahr zu laufen das sie medial zur Vogelfreien erklärt werden. Von mir ein herzliches Dankeschön für diesen Artikel.

  5. Wenn Satire die Wirklichkeit nicht mehr zu toppen vemag sondern als Tatsachenbericht daherkommt, dann ist etwas oberfaul im Staate Deutschland. Alles wandelnde Satiriker, unsere selbsternannten Eliten mitsamt gutmenschigem Fußvolk. Zuoberst unser “angewiderter” Bundespräsident mit dem Hang, grundsätzlich die Akteure in diesem Trauerspiel zu verwechseln und damit sein ihn mitsamt Ehefrau und Nebenfrau fürstlich alimentierendes, demütiges Volk zu beleidigen.

    1. Kurz, knapp und sehr gut.

  6. Leider zu authentisch, um als bittere Satire durchgehen zu können. Derartige Argumente werden realiter ausgetauscht, nur dass sich kaum jemand den Phrasen der Frau Bös noch zu widersprechen traut.
    Letztlich ist es genau diese Wunde, auf die Sie den Finger legen: Die antideutsche Perversion der herrschenden Klasse hat sich längst verselbständigt (und wird von den Medien weitgehend widerstandslos hingenommen oder gar als “humane Einstellung” gerühmt). Für mich alles unverständlich…
    Respekt jedenfalls, Frau Röhl. Sie sind eine sehr mutige Frau, solche diffizilen Themen anzupacken..

  7. Top, leider ist Satire dann am lustigsten, wenn man sich danach entspannt zurücklehnen kann weil es ja nich sooo schlimm ist… und es scheint mir mindestens sooo schlimm zu sein. Hoffentlich gibt es, trotz allen Anscheins, mehr Guthe als Böse Menschen.

  8. Man gewinnt den Eindruck, die sog. “Frau Böse” ist eine Dreijährige! Nach dem Motto: “Noch ein Eis bitte für meinen schwarzen kleinen Freund Papa bezahlt alles.”- “Herr Guth” spricht sicher vielen Bürgern aus der Seele. Es gibt ein Buch das heißt: Böse Gutmenschen. – -Ich finde es müsste heißen: Treudoofe Gutmenschen. Bettina Röhls Artikel ist köstlich und zutreffend, erschreckende Realität.