Fidel Castro – Hasta Siempre, Comandante

Barack Obama würdigt, und Donald Trump verurteilt ihn. Fidel Castro spaltet über den Tod hinaus. Während Bettina Röhl hier den Tod des letzten Massenmörders des Sozialismus beschreibt, vergießt Alexander Wallasch Tränen auf den Revolutionär. Dazu Fakten, Videos und Reaktionen.

© Jorge Rey/Getty Images

Der Überlebende ist tot. Fidel Castro konnten hunderte von Mordanschlägen des CIA und anderer nichts anhaben. Nun ist er friedlich eingeschlafen. Wer über Fidel Castro im Vokabular des Kalten Krieges spricht, hat seine Hausaufgaben nicht gemacht.Nachruf auf einen Revolutionär, der jahrzehntelang dem Aggressor die Stirn geboten hat. Auf einen großen Staatsmann, so wie ihn die Linke sieht.

„Warum müssen einige Menschen barfuß gehen, damit andere in Luxusautos fahren? Warum leben einige 35 Jahre, damit andere 70 Jahre werden können? Warum müssen einige unsäglich arm sein, damit andere übermäßig reich sein können? Ich spreche im Namen der Kinder dieser Welt, die nicht einmal ein Stück Brot besitzen. Ich spreche im Namen der Kranken, die keine Medizin haben. Ich spreche im Namen derjenigen, denen man das Recht auf Leben und Menschenwürde verweigert hat.“ Fidel Castro 1979 vor den Vereinten Nationen.

Havanna weint. Gestern ist Fidel Castro gestorben.

Stellen Sie sich einmal vor, es gäbe heute einen syrischen Fidel Castro, die westliche Welt würde ihn hofieren, hoch finanzieren, hoch bewaffnen, bejubeln und am Ende sogar noch zur Ikone der Freiheit hoch stilisieren. Zu einem Gerechten.

Aber was hat der Westen in Ermanglung einer solchen Figur getan? Seine Vasallen haben gelogen, betrogen, intrigiert, verleumdet, gemordet, gemetzelt, gebrandschatzt. Und es wurden Revolutionen inszeniert unter Mithilfe von Gruppen, die man solange ihre Blutspur ziehen ließ, bis die betroffenen Staaten vollkommen destabilisiert und im Chaos versunken sind. Die Unterdrückung der mittel- und südamerikanischen Staaten lieferten hier die hässliche Blaupause. Nach bewährtem Muster erklärte man anschließend diese Capotruppen zum Staatsfeind No 1.

Cuba libre
Fidel Castro ist tot
Schauen wir in diesem ersten Quartal des 21. Jahrhunderts nach beispielsweise Tunesien, Libyen, Ägypten, Irak und Syrien, dann schauen wir auf weit über eine Million ziviler Opfer. Und täglich kommen weitere hinzu! Und während Havanna um einen ihrer ganz großen Köpfe trauert, nennt ein journalistischer Kollege Fidel Castro den „Schlächter von Havanna.“ So weltvergessen, so zynisch, als hätte es eine Klaus Barbie, als hätte es den Schlächter von Lyon nie gegeben. Kann es denn sein, dass der Lider Máximo mit seinem friedlichen Tod im Greisenalter immer noch das Potential hat, längst überholte Stereotypen aus den Zeiten des Kalten Krieges wieder zu beleben?

Es scheint tatsächlich so, wenn sogar die geschätzte Kollegin Bettina Röhl ausgerechnet bei Tichys Einblick einen Rückfall in die Dialektik des 20.Jahrhunderts erleidet, der sich in einem bemerkenswert postfaktischen Intro verfestigt:
„Mit Castros Tod stirbt auch ein Stück der antiwestlichen Revolutionsromantik im Westen selbst. Castros Abgang ist ein Segen für die von ihm ein halbes Jahrhundert lang geschundene Insel Kuba.“

Mit Handbremse auf der Seele

Das ist nicht nur a-historisch, sondern leider auch furchtbar tiefenpathologisch anti-links. Geschrieben mit merkwürdiger Handbremse auf der guten Seele. Hier wenden sich dann alle jene ab, die noch in der Lage sind, jenseits konservativer, vom Kalten Krieg geprägter Stereotype den großen politischen Zusammenhang zu denken. Und es ist sogar leider ein stückweit pietätlos. So dürfte man tatsächlich nach dem Tod des Schlächters von Lyon schreiben. Aber doch nicht über einen Fidel Castro. Über einen Überlebenden.

Was für eine letzte Großtat dieses Fidel Castros gegenüber seinem Erzfeind, den USA, einfach so friedlich und ihm hohen Alter im Bett für immer einzuschlafen, wo ihm diese USA doch Killerbande um Killerbande vorbeischickte, ihn und seine anhaltende Revolution per Killfahndung hinzurichten. Natürlich: So einen Dauerkriegszustand abzuwehren kosten Menschenleben. Und es waren nicht nur Angriffe auf Castro selbst, diese Mordlust der Weltmacht-Nachbarn wurde begleitet von massivsten Wirtschaftssanktionen und – blockaden, von offenen wie verdeckten militärischen Operationen gegen das 150 Kilometer entfernten Kuba.

Fidel hat sie alle überlebt. Er ließ hunderte Spione einfangen, verurteilen, hinrichten oder einsperren. Und er hat eine Paranoia entwickelt, die man angesichts von diesen hunderten von Attentatsversuchen vielleicht nicht einmal Paranoia nennen kann. Jedenfalls fielen seinen Präventivmaßnahmen gegen diese Feinde der Revolution auch tausende Unschuldige zum Opfer. Jeder einzelner einer zu viel. Aber ohne Zweifel müssen auch die potentiellen Angreifer darunter gewesen sein, denn keiner dieser Mordkomplotte gelang.

Ein weiterer journalistischer Kollege vergleicht Castro heute mit Tito und erinnert daran, wie dieses zersplitterte Jugoslawien über ein Jahrzehnt nach dessen Tod aufgeblüht sei. Mit Verblüffung angesprochen auf die verheerenden Balkankriege spricht der Kollege von „Kollateralschäden“. Wir erinnern uns, der Balkankrieg forderte allein in Bosnien um die 100.000 Todesopfer. Wie friedlich also verliefen dagegen die Revolutionsjahrzehnte eines Fidel Castro. Glückliches Kuba.

Natürlich nicht. Denn wie kann man glücklich sein, wenn der Feind vor der Tür steht, wenn Wirtschaftssanktionen der USA beweisen wollen, dass das sozialistische System nicht funktionieren kann und dabei wiederum als Kollateralschaden eine hungernde und leidende kubanische Bevölkerung in Kauf nimmt.

Exportschlager auch in die westliche Welt

Aber was für eine Überraschung: Dieses kleine Kuba kann heute eine Analphabetenquote von gerade einmal zwei Prozent vorweisen, während in der freien Welt gleich nebenan beinahe jeder Fünfte kaum lesen oder schreiben kann. Das gleiche gilt für das Sozial- und Gesundheitssystem. Denkt man nun diese massiven Wirtschaftssanktionen gegen Kuba mit – was muss dieser verhasste Sozialismus doch für ein überragendes politisches System sein, das es beispielsweise schafft, dass auf eintausend Einwohner 6,12 Mediziner kommen, während es beispielsweise in Deutschland nur 3,73 sind. Nebenbei bemerkt ist auch die medizinische Forschung erstklassig. „Das Land zählt zu den ersten, in denen Impfstoffe gegen Meningitis B und C sowie Hepatitis B entwickelt wurden.“ Ein Exportschlager in die westliche Welt! „Nach offiziellen Angaben arbeiten inzwischen allein in Brasilien mehr als 11.000 kubanische Ärzte.“, weiß 3sat zu berichten.

Klar, nun könnte man sagen, ein hochsubventionierter Propagandatrick. Aber wenn Bildung, wenn Gesundheit und Soziales nur Propaganda sind, dann wünscht man den US-Amerikanern eine Propaganda nach Vorbild dieser verhassten Insel direkt vor der Haustür. Fidel Castro hat seine Arbeit jedenfalls erledigt. Er ist nun friedlich eingeschlafen. Das muss wie eine Ohrfeige sein für seine Häscher. Und die USA haben nun fast zeitgleich einen Donald Trump bekommen. Ausgerechnet einen exzentrischen demokratieskeptischen Multimilliardär aus New York und die Linke in den USA und weltweit tobt, während gleichzeitig das Establishment schlottrige Knie bekommt. Was für eine Ironie der Geschichte.

Havanna weint. Gestern ist Fidel Castro gestorben. Und Millionen in der Welt weinen mit diesem stolzen und so lebensfrohen Inselvolk. Für manche war er der Tyrann, aber für viele Kubaner blieb er der Hoffnungsträger, der große Baumeister ihrer nationalen, ihrer sozialistischen Identität. Die Geschichte hat Castro jetzt schon freigesprochen. Insbesondere die Armen, die Entrechteten, die Unterdrückten, die Inhaftierten und die vergessenen Menschen Südamerikas konnten in den düstersten jahrzehnten der Unterdrückung hinüberschauen auf diese Insel vor Florida und Hoffnung schöpfen. Das war wahrscheinlich die wichtigste Aufgabe Fidel Castros und seiner seiner Mitkämpfer die wichtigste Aufgabe dieses unsterblichen kubanischen Bollwerkes.

Und in den USA kehren die Slums zurück

Ja doch, wer heute mit dem Finger in Richtung der Opfer Castros zeigt, der macht das mit Recht. Aber dann kommt er nicht umhin, auch dorthin zu zeigen, wo die Freiheit für viele zu einer Unfreiheit der Armut geworden ist. Die ZEIT berichtete 2015: „In den USA kehren die Slums zurück“, „13,8 Millionen Amerikaner leben derzeit in Gegenden mit extremer Armut. Myron Orfield, Direktor an der Universität von Minnesota, spricht von einer „Ghettoisierung der Armen.“ „Fast die Hälfte aller Bürger kann sich eine Autoreparatur von 400 Dollar nicht leisten.“ Was für Aussichten für das ehemalige Armenhaus, für das einstige „Bordell der USA“.

Gesine Lötzsch und Klaus Ernst von der Partei Die Linke hatten Castro ein herzliches Glückwunschschreiben zum 85.Geburtstag geschickt. „Sie gratulierten dem Revolutionsführer zu einem ‚kampferfüllten Leben‘ und ‚erfolgreichen Wirken an der Spitze der kubanischen Revolution‘.“ Fidel Castro ist nun Geschichte. Und diese Geschichte wird ihm recht geben. Das festzustellen obliegt allerdings zuallererst dem kubanischen Volk. Nun ist alles gesagt. Spannend wäre es allenfalls, zu erfahren, was wohl Che Guevara, Fidels alter Kampfgefährte dort oben nach fast genau Fünfzig Jahren mit dem Spätankömmling zu besprechen hat … Hasta la victoria siempre Comandantes!

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Kommentare

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  • gregor Leip

    Der Braunschweiger Betriebsratsvorsitzende von Volkswagen hatte eine Todesanzeige geschaltet für Castro.

  • Wien1683

    Sehr geehrter Herr Wallasch,
    ich mag Ihre Kolumnen sonst ganz gern, hier aber liegen Sie m.M. weit daneben. Einen Verbrecher zu lobhudeln kann ich nicht verstehen. Sie mögen mit Frau Röhl in verschiedenen Dingen nicht übereinstimmen, das ist in Ordnung. Aber bei den unzweifelhaften Verbrechen dieses Menschenschinders gibt es keine Entschuldigung. Das Sie vielleicht in Ihrer sozialistischen Sturm- und Drangzeit ein Che-Foto über dem Bett hängen hatten, geschenkt. Aber als nun lebenserfahrener Mann sollten Sie wissen, wo elende Typen wie Stalin, Mao, Pol Pot und eben auch Castro einzuordnen sind.
    Nichts für ungut, ich freue mich auf Ihren nächsten Beitrag.
    Siehe heute Vera Lengsfeld auf der Achse des Guten.

  • Jan M.

    Sorry, es tut mir „leid“, ABER ihr Kolumne passt eher in die TAZ. Dieses „aber“, die Relativierungen, das Vermischen mit anderen Sachverhalten, der Zweck scheint die Mittel zu heiligen, a-historisch usw. Genau so kann man noch ganz andere Sachen rechtfertigen, wenn man freiheitliche Prinzipien und Werte aufweicht.

    Castro wollte schlicht ein Diktator sein und beim 2. Anlauf hat es dann auch funktioniert. Versprochen hat er Demokratie, aber nach „Freundschafts“-Besuchen in den USA, hat er sogleich nur noch seine persönliche, krankhafte, ideologische Machtgier im Sinn gehabt – ohne Rücksicht auf Verluste. 50 Jahre lang nutzte er den Kommunimus für Unterdrückung, Macht, Reichtum und um sein Ego zu befriedigen, indem er die Richtigkeit einer Ideologie beweist. Alles hätte anders laufen können – besser – hätte er nur gewollt…

    Wallasch: „Aber wenn Bildung, wenn Gesundheit und Soziales nur Propaganda sind, dann wünscht man den US-Amerikanern eine Propaganda nach Vorbild dieser verhassten Insel direkt vor der Haustür.“

    Vielleicht sollten Sie sich noch mal genauer informieren – abseits romantischer Darstellungen – wie es in dem 3-Klassensystem war, im Krankenhaus zu landen. Die Top-Universität Kubas war Afrika-Niveau. Bitte kein Cherry Picking.

  • Max Mustermann

    Sehr geehrter Herr Walasch,

    mich bestürzt weniger die Ausrichtung Ihres Artikels, sondern vielmehr, dass Sie anderen vorhalten entweder die geschichtlichen Zusammenhänge nicht zu sehen oder gleich ganz geschichtsvergessen zu sein.

    Kehren wir doch lieber zu einigen Aspekten der Geschichte zurück:

    Batista war es, der sich den Kommunisten angenähert hat. Fidel konnte sich für der marxistisch -leninistischen Lehre erst so gar nicht erwärmen. Daher haben die Amerikaner ihn ja dabei unterstützt Batista los zu werden. Man erinnert sich noch gerne an Fidele Siegeseinzug in New York.

    Erst als klar war, dass Castro gar kein Interesse hatte dem Volk die Freiheit und Demokratie zu bringen, haben die Amis ihn fallen lassen.

    Dann wurde er natürlich zum gefunden Fressen für die Sowjets. Ökonomisch war Fidel nicht so bewandert, dann gab es halt aus der Hemisphäre Nachhilfe. Frei nach dem Motto: Wes Brot ich ess.

    A-historisch ist insbesondere der Verweis auf Castro´s Leistungen im Bildungsbereich und Gesundheitswesen. Das schreiben diese Tage alle. Ich für meinen Teil halte das auch nicht für besonders schwierig, wenn man weiss, dass Cuba unter Batista schon das zweitbeste Gesundheits- und Schulsystem in Südamerika hatte. Fidel hat nur dafür gesorgt, dass es kein Aspirin mehr zu kaufen gab.

    Klassenbester in diesen Kategorien war Chile. Seltsamerweise wird das Pinochet nie zu Gute gehalten. Ich vermute, diese Asymmetrie ergibt sich eben gerade nicht aufgrund der intellektuellen Kontextualisierung der historischen Bezüge, sondern ist Produkt des stereotypen Lagerdenkens der Linken.

    In dieselbe Kerbe schlägt auch die Mystifizierung der ewigen Opferrolle. Die mit einer Volte vorwärts auch noch in der Glorifizierung endet, welche besondere Leistung es sein soll, amerikanischer Blockaden getrotzt zu haben.

    Nun dann darf die objektive Frage erlaubt sein, was das eigentlich für eine Dialektik sein soll?

    Mit welchem Recht macht man den USA Vorwürfe, nicht mit Cuba Handel zu treiben? Gibt es den darauf einen Anspruch?

    Ist doch jedem Land selber überlassen mit wem es Handel treibt.

    Weil man aber trotzig Diktator bleiben möchte, schliesst man sich dann halt den Roten an. Und die sind ja nun wirklich nicht vom Vorwurf des Imperialismus freizusprechen. Witzige Anekdote am Rande: Cuba ist ja nicht einfach nur ein Polizeistaat. Es verfügt darüber hinaus über ein ausgeklügeltes Spitzelsystem Made in Germany.

    Es waren nämlich die Stasi aus der DDR, die Castro die nötige Schulung hierin gab. Deutsche Gründlichkeit eben.

    Die Stasioffiziere haben die genaue Vorgabe gemacht, es bräuchte exakt 60´000 inoffizielle Mitarbeiter, um das System aus Angst und Unterwürfigkeit zu stabilisieren. Dafür hatten sie auch eine genaue Erklärung. Das Verhältnis käme aus wissenschaftlichen Untersuchungen, wieviele Schäferhunde es braucht um eine Schafsherde zu kontrollieren. Auch wenn das wohl kreativ gelogen war, so wurde es doch zumindest geglaubt.

    Und bis zum heutigen Tage funktioniert es auch. Alleine 2016 wurden 1000 Menschen wegen „politischem“ ins Gefängnis gesteckt. Die Anzahl Mordanschläge auf Castro ist aber nun seit ziemlich vielen Jahren bei 0. Daher ist Ihre Gegenüberstellung nicht einfach nur stossend, sondern wirklich a-historisch.

    Besten Gruß

  • Poco100

    Ich habe lediglich deren Freude (Exilkubaner) verstanden/nachvollzogen, daß damals hauptsächlich Reiche weggingen und in Kuba eine korrupte Clique das Land regierte, bestreite ich damit nicht. (Gloria Estefan)

  • Hartwig Meier

    Herr Wallasch, Politik ist die Kunst, sich zwischen den Fronten geschickt zu bewegen. In dieser Welt gibt es verschiedene Pole, sich ausschließlich auf Russland zu konzentrieren war falsch. Die Revolution nach Südamerika zu tragen war dumm. Eine direkte Invasion der USA hat es nie gegeben. Diplomatie ist ein schwieriges Geschäft, für Castro zu schwierig. Die Armut in Kuba ist Spitze in der Welt, wer trägt dafür wohl die Verantwortung?

  • Det

    Das dürfen Sie selbst entscheiden. Ich bin da altersmilde geworden. Aber ein brutaler Diktator bleibt ein brutaler Diktator – auch wenn er Sozialist war und seine erreichten Leistungen fürs Volk, z.B. gegenüber den chinesischen Diktatoren, geradezu lächerlich armselig sind.

  • Erik

    Interessante Sichtweise. Ich sehe das eher wie die Damen Röhl uns Lengsfeld, auch wenn ich vor 35 Jahren so ein deppes Che – Poster im Jugenzimmer hatte. Jugend darf so Vieles und das revolutionäre Wirken des jungen Castro mag ich auch gar nicht bewerten. Was danach kam, war dann allerdings das, was leider so ziemlich alle Revolutionen auszeichnet. Das Volk leidet. Oft mehr und nachhaltiger als vorher. Da hilft auch die zutreffende Überlegung von Herrn Wallasch zu den Zuständen in den Nachbarländern wenig. Trotzdem: Danke für diese differenzierte Betrachtung.

    Weniger Respekt habe ich für viele andere Beiträge, die einen Kriminellen zum Heiligen machen. Dass so viele linke Ideologen den späten Castro loben, der Generationen von Menschen jegliche persönliche Entfaltung und jegliches Streben nach Glück verwehrt hat, der diesen Menschen, die halt auch nur ein Leben hatten, ein solches in tiefster Armut und Elend zumutete, während er selbst alle Annehmlichkeiten genoss, zeigt, dass linke Ideologie und Menschenverachtung auch in diesem Fall Hand in Hand gehen. Man sollte – bei aller differenzierten Betrachtung – nicht Castro nachtrauern, sondern den vielen, vielen Menschen, die seine Opfer waren. Aber so, wie die Mauertoten vergessen werden, während die SED und Stasileute wieder in Amt und Würden kommen, interessiert sich so gut wie keine Sau für die Opfer, wenn die Täter „Linke“ waren.

  • Eugen Karl

    Nee klar, und damit sind alle Mörder und Schlächter rehabilitiert. Einen Mörder und Schlächter nennt man Mörder und Schlächter, weil er ein Mörder und Schlächter ist/war. Man soll die Dinge beim Namen nennen. Und merkwürdeigerweise waren das alle Sozialisten, das ist systemimmanent: Schon Marx empfahl „revolutionären Terrorismus“; denn anders kann Unterdrückung auch wohl nicht funktionieren. Was Castro an Kuba verbrochen hat, müssen nun andere wieder aufrichten. Schwer genug wird es werden. Trauer angesichts des Todes dieses Barbaren ist jedenfalls überall unangebracht.