Der Westen hat das Helfersyndrom

Auf dem freien Arbeitsmarkt wertlose Universitätsabschlüsse, aber dafür mit der richtigen Gesinnung finden in politisch korrekten Nichtregierungs-Organisationen (NGOs) einträgliche Jobs mit Akademikergehältern. Gerne auch in öffentlichen oder parteinahen Einrichtungen , so Axel Göhring.

Vor einiger Zeit unterhielt ich mit einer älteren Dame über das im Bau befindliche Asylheim gleich neben dem Haus, in dem sie eine Eigentumswohnung besitzt, in der sie auch selber wohnt. Ich fragte sie, ob sie sich keine Sorgen mache. Sie verneinte und meinte stattdessen, dass sie bedaure, dass der Bau so lange dauere, weil sie den Flüchtlingen doch helfen will. Auf meine Frage „Wie denn?“ meinte sie, dass sie „den Kindern“ deutsch beibringen wolle.

Diese Bemerkung fand ich merkwürdig, weil die Dame bestimmt schon über 80 war und wahrscheinlich keinen Unterricht mehr geben wird für ausländische Kinder, die nur arabisch, kurdisch oder Paschtu sprechen. Abgesehen davon, dass die Zahl der Kinder unter den Asylanten gering ist; die meisten sind bekanntlich erwachsene junge Männer.

Haben wir das Helfersyndrom?

Daher fragte ich mich, was diese Dame tatsächlich umtrieb. Menschen mit acht Jahrzehnten Lebenserfahrung, teils in gleich zwei Diktaturen und im Krieg erworben, sollten den Zeitläuften und der Politik gegenüber ja eigentlich skeptischer als naive Zwanzigjährige sein. Kann es sein, dass diese Dame konformistisch und imitatorisch etwas wiedergibt, was ihr via Medien und Zeitgeist eingebimst wurde?

In der Tat ist Helfen in der westlichen Welt heutzutage der ultimative gesellschaftliche Wert, der Besitz und Status toppt. Wer hat nicht schon einmal für die Dritte Welt gespendet, Bettlern etwas geschenkt oder etwas in die Kleidersammlung getan? Wer würde rundheraus zugeben, überhaupt noch nie einem Schwachen oder Armen geholfen zu haben?

Bei einem derart gesellschaftlich relevanten Wert ist nicht wirklich zu erwarten, dass das Helfen wirklich völlig uneigennützig ist. Gibt es da noch andere, viel schwerwiegendere Motive?

Eigennütziges Helfen – unsere Kirchen und „NGOs“

Ein Narr, wer sich das nicht fragt. Neben dem in der letzten Zeit häufig erwähnten Distinktionsgewinn, den das Ausleben des Helfersyndroms vor allem in der bürgerlich-gesättigten Schicht bringt, spielen ganz materialistische Hintergründe eine gewichtige, wenn nicht die wichtigste Rolle. Anabel Schunke hat in diesem Zusammenhang vor kurzem sehr hellsichtig auf die Verstrickungen der römischen wie der protestantischen Kirche in die milliardenschwere Asylindustrie hingewiesen, die so manch groteske Wortmeldung und Aktion des Kölner Erzbischofs Woelki und seiner Amtsbrüder erklärt.

Die wuchernde Helfer-Industrie
 Der Ablauf des eigennützigen Helfens ist dabei stets recht ähnlich, wie Birgit Kelle es beschreibt: Erfinde ein Problem, bausche eines auf, oder schaffe eines. Dann biete Dich selbst als Lösung an und fordere Millionen und Milliarden an öffentlichen Mitteln für Deine „Arbeit“. Gelöst werden kann das Problem natürlich nie, sonst wäre man arbeitslos. Auf diese Weise kommt es dann zur Schaffung Hunderter, wenn nicht Tausender von Stellen in der Klima- und Genderforschung, Gleichstellungs- und Frauenberatung, Asyl-, Öko- und Sozialindustrie. Die „Arbeitnehmer“ auf diesen fragwürdigen bis nutzlosen Posten sind in der Regel Angehörige der bildungsbürgerlichen Intelligenzija, die „dies und das“ studiert haben (Zitat Jan Fleischhauer) und dann mit ihren auf dem freien Arbeitsmarkt wertlosen Universitätsabschlüssen, aber der richtigen Gesinnung im öffentlichen Dienst oder den politisch korrekten Nichtregierungs-Organisationen (englisch NGOs) von Gleichgesinnten einträgliche Jobs mit Akademikergehältern zugeschanzt bekommen. Dass die Helfer-Arbeit der NGOs alles andere als effizient und finanziell verantwortungsvoll ausfällt, ist zu erwarten und wird in den letzten Jahren von Journalisten immer häufiger kritisiert.

Coole Objekte, aber keine echten Opfer 

Zudem sind die Objekte des Helfersyndroms aus Sicht der satten Intelligenzija meist ziemlich „cool“: Frauen, LSBTTIQ-Menschen (lesbisch-bi-schwul-transsexuell-transgender-intersexuell-queer. Oder so.), Natur und Einwohner und exotischer Länder, in die man so einmal gratis und sogar bezahlt gelangt, kuschelige Tiere und kulleräugige Kinder. Dass viele Helfer-Organisationen hingegen darum rangeln, z.B. den hiesigen Pflegenotstand in Altersheimen zu beenden, ist nicht bekannt.

Eine interessante Beobachtung, die ich als Student bei ATTAC und anderen Gruppen zudem machte, war, dass meine hilfswilligen Kommilitonen am liebsten rein politisch arbeiteten: Demos für dieses und jenes, Infostände, Solikonzerte, „VoKüs“ („Volxküchen“), etc. Konkrete Hilfe am Objekt, oder gar Spenden nennenswerter Geldbeträge, das gab es selten bis gar nicht. Im Vordergrund stand stets der soziale oder pekuniäre Profit; wirkliche Opfer brachte niemand.

Katastrophale Folgen des Helfersyndroms: Verlernen wir die Selbsthilfe?

Nun könnte man sagen, dass die Spinnerei anstrengungsunwilliger, aber hochmoralischer und teils „christlicher“ Helfer*innen vielleicht etwas Geld kostet, aber nicht weiter schlimm ist. Weit gefehlt: Am Beispiel der milliardenschweren kirchlichen Asyl- und der NGO-Industrien zeigt sich, dass immer größere Anteile der öffentlichen Haushalte in diesen Helfer-Arbeitsbeschaffungsprogrammen verbrannt werden. Und nicht nur das: Damit die Helferindustrien immer genügend bedürftige Objekte haben, werden diese zum Beispiel massenhaft importiert, wie wir nun in der Asylkrise beobachten können. Die Existenz von Millionen überwiegend lebenslanger Sozialfälle wird unserer Gesellschaft gewaltige Schäden zufügen – in der Wirtschaft, im Bildungssystem, auf dem Wohnungsmarkt und im Bereich der öffentlichen Sicherheit. Eins aber ist sicher: Die „moralischen“ Arbeitnehmer der Helferindustrie werden immer ein Auskommen haben.

Auf ein vielleicht noch verheerenderes Problem des Helferwahns weist mittelbar Jesse Hughes hin, der als Sänger der Eagles of Death Metal die islamistischen Attentate im Pariser Bataclan knapp überlebte. Im Interview meinte er vor kurzem, dass die „großen Scharen weißer Jugendlicher“ dazu erzogen seien, sich nicht mehr selbst zu helfen. „Das sind diese reichen […] Kids, die mit einem linken Lehrplan aufgewachsen sind von der Zeit an, als sie im Kindergarten waren, überflutet mit hochtrabenden Ideen, die nichts als heiße Luft sind.“ Kann es sein, dass unser Helfersyndrom dazu führt, dass wir die Fähigkeit verloren haben, uns selbst zu helfen, unser Leben abseits des bemutternden Staates selber zu meistern?

Axel Robert Göhring ist Biologe und freier Journalist.

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