Burka passt nicht zu Deutschland

Vollverschleierung passt nicht zu Deutschland und zu keiner demokratischen Gesellschaft. Es wäre falsch, an dieser Stelle zu tolerant zu sein. „Political Correctness“ ist hier ein schlichter Irrtum. Auch Religionsfreiheit wäre mit einem Burka-Verbot nicht betroffen.

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Udo Lindenberg, einer meiner Lieblingssänger, brachte im Jahr 1989 das Album „Bunte Republik Deutschland“ heraus. Damals habe ich auch mitwirken können. „Belalim“, der 11. Titel im Album wurde von der türkischen Sängerin Sezen Aksu gesungen und für Udo Lindenberg ins Deutsche übersetzt. Ich hatte Sezen und Udo in Hamburg zusammengebracht. Wir haben viele schöne Stunden verbracht. Und in der Tat, Deutschland ist bunt. Deutschland ist tolerant. Deutschland hat meiner Meinung nach auch die höchste Willkommenskultur. Aber: Über falsch verstandener Toleranz und Multikulti-Romantik sehen wir Probleme und Gefahren in unserer Gesellschaft nicht. Wir möchten die Probleme nicht sehen, geschweige denn sie beim Namen nennen. Wir sind eine Gesellschaft geworden, die Angst hat, Fässer aufzumachen. Wir spielen ganz gerne die drei Affen: nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Was passiert aber eigentlich so alltäglich in Deutschland?

Schauen sie sich einfach mal um. Das Bild in den Fußgängerzonen und Straßen in Deutschland ist vielfältig. Frauen und Männer sind alle unterschiedlich gekleidet. Doch aus der Masse heraus sticht mittlerweile in vielen Städten ein bestimmtes Kleidungssignal – Burka oder Niqab. Als Vollverschleierung verhüllt sie Frauen komplett, sodass bestenfalls nur ihre Augen zu sehen sind. Doch diese Verhüllungen tragen viele Frauen nicht freiwillig. Für mich bedeutet eine Burka ein mobiles Stoffgefängnis und die Unterdrückung der Frau. Sie schränkt das Recht der Frau auf Selbstbestimmung ein, ist ein durch alte Geschlechterrollen geprägtes Überbleibsel der Unterdrückung der Frau und ist Ausdruck einer menschenverachtenden Ideologie. Die Burka entrechtet die Frau und nimmt ihr das Gesicht.

Kein Rabatt für religiösen Extremismus

Viele sagen jetzt vielleicht, dass die Frauen die Burka oder Niqab aus freien Stücken tragen, sie als ein religiöses Symbol sehen und dass nur wenige zum Tragen gezwungen werden. Doch für mich geht es um weit mehr. Es geht um unsere sämtlichen demokratischen Grundwerte. Die Burka ist eine Provokation gegenüber den Menschen, die vor Terror und Unterdrückung geflohen sind. Sie zeugt von Abgrenzung gegenüber unserer gesellschaftlichen Ordnung. Integration, Kommunikation, Interaktion all das wird durch eine Verhüllung erschwert. Menschen sind verunsichert, Reaktionen sind nicht erkennbar, Teilhabe in der Gesellschaft nicht möglich. Übrigens: Weder Burka, Niqab noch sonstige Verhüllungstücher sind religiöse Symbole im Islam.

Berlin gegen religiöse Verhüllung
Das Kopftuch ist nicht bloß ein „Stück Stoff“
So etwas dürfen wir nicht zulassen. Die Vollverschleierung passt nicht zu Deutschland und sollte in einer demokratischen Gesellschaft auch keinen Platz haben. Das sollten wir ganz offen und ehrlich sagen. Es wäre falsch, an dieser Stelle zu tolerant zu sein. „Political Correctness“ ist hier fehl am Platz. Es geht nicht darum, die Religionsfreiheit einzuschränken. Die Burka ist Ausdruck einer menschenverachtenden Ideologie, die besagt, dass sich Frauen verhüllen müssen, um keine Begehrlichkeiten beim Mann zu wecken. Damit ist sie ein Zeichen des fundamentalistischen Islam und wird als islamisches Symbol hoffähig gemacht. In Fragen des religiösen Extremismus dürfen wir keinen Rabatt geben.

Es sollte unser Anliegen sein, unsere Gesellschaft und unsere Werte zu schützen und vor dem Salafismus, Fundamentalismus und Dschihadismus zu bewahren. Prävention wird überall großgeschrieben und Workshops und Aufklärung sollen Jugendliche vor der Rekrutierung bewahren. Das ist gut, aber das ist nicht genug, wenn das augenscheinlichste zugelassen wird. Vollverschleierung, Koranverteilung an den Lies-Ständen all das gehört schon fast zum Bild in unseren Straßen. Es vermittelt den Jugendlichen aber ein ganz falschen Zeichen: Wenn diese Dinge hier, gerade in Deutschland erlaubt sind, dann kann es nicht so schlimm und gefährlich sein. Und genau das darf nicht passieren. Dann hilft auch alle Prävention und Warnung nichts. Nur wenn wir ein klares politisches Signal setzen und all diese Dinge verbieten, können wir diese Bilder aus unseren Straßen verbannen. Was mich immer wieder ärgert ist die Aussage: „Wegen 2.000 Burka-Trägerinnen können wir das Grundgesetz nicht ändern“. Es ist für mich unerklärlich, wie manche auf die Zahl 2.000 kommen. Um die Wahrheit zu sehen und zu verstehen, muss man nur genau hin schauen.

Gegen die Freiheit handeln darf nicht toleriert werden

Es geht aber nicht nur um den Schutz unserer Kinder und Jugendlichen. Es geht um die Sicherheit der Bevölkerung. Denn wir dürfen dabei nicht vergessen, dass die Burka als Vollverschleierung auch ein sicherheitsrelevantes Kleidungsstück darstellt. Es gibt Menschen mit bösen Absichten, die vor nichts zurückschrecken. Sie könnten die Burka missbrauchen, um unentdeckt an Orte zu gelangen, Waffen mit sich zu führen und durch Tarnung unbemerkt das Ziel für ein Attentat zu erreichen. Wir müssen uns davon lösen, ein Burka-Verbot unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit zu diskutieren. Sie steht für weit mehr und birgt Gefahren.

Der Europäische Gerichtshof hat uns den Weg geebnet und das Gesetz zum Burka-Verbot in Frankreich als rechtmäßig anerkannt. Wir haben damit die Möglichkeit ein solches Gesetz ins Leben zu rufen, ohne gegen das Neutralitätsgebot des Grundgesetzes oder gegen die Religionsfreiheit zu verstoßen. Doch wir müssen endlich den Mut haben zu handeln. Es geht nicht nur um ein paar hunderte Frauen, es geht um die persönlichen Freiheiten der Bürgerinnen und Bürger und um alles was unsere Demokratie, unsere Werte und unseren Rechtsstaat ausmacht. Jetzt ist es an uns, diese Dinge, für die auf dieser Welt schon hart gekämpft wurde und für die viele Menschen ihr Leben gelassen haben, zu verteidigen und dafür zu kämpfen.

Wenn wir die Details unserer Demokratie und Rechtsstaatlichkeit nicht durchsetzen, dann können wir den großen Rahmen unserer Ordnung nicht wahren. Doch gerade diese Details sind es, die unsere Werte, die Demokratie und Rechtsstaatlichkeit bedrohen. Wir müssen eine Grundsatzentscheidung treffen und uns gegen die Burka, Vollverschleierung und somit für die Integration, die persönliche Freiheit der Bürgerinnen und Bürger, die Demokratie und den Rechtsstaat einsetzen.

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Kommentare

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  • Alex

    Gilt in Deutschland denn das „Vermummungsverbot“ nicht mehr?

  • Klaus

    Ich halte Herrn Tipi für einen mutigen Politker. Gerade als integrationspolitischer Sprecher der CDU in Hessen und gebürtiger Türke mit deutscher Staatsbürgerschaft wirkt er auf mich authentisch und damit glaubwürdig.
    Auf Reaktionen brauchte Ismail Tipi nicht lange zu warten. So werfen ihm die Linken im hessischen Landtag „Hetze und Stimmungsmache gegen Muslime“ vor.
    Ich bin davon überzeugt, dass die Grünen genauso denken, sich aber dieses Mal als Teil der hessischen Regierungskoalition zurückhalten.
    Es ist überfällig, die von Herrn Tipi aufgeworfenen Fragen breit in unserere Gesellschaft und vor allem in den Parlamenten zu debattieren.

    http://www.islamiq.de/2014/07/31/forderung-nach-burkaverbot-scharfe-kritik-cdu-politiker-ismail-tipi/

  • Mussa

    Die „Welt“ hat dazu einen tollen Artikel veröffentlicht, der genau das Gegenteil von dem behauptet was Herr Tipi so behauptet. Mein Lieblinszitatat daraus: „Der Hauptgrund das Burka-Verbot Frankreichs zu akzeptieren ist, so das Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR), der Umstand, dass geltende Normen des Zusammenlebens verletzt werden. Dieser Logik zufolge bestimmt die Mehrheit, wie sich eine Minderheit zu kleiden hat.

    Der Politikwissenschaftler Rainer Forst fragt daher zu Recht: „Leben wir in einer politischen Gemeinschaft, in der die ,Hausordnung‘ der Konvention oder der Mehrheit gilt, oder leben wir in einer Gesellschaft, die sich den in den Grundrechten manifestierten Gerechtigkeitsprinzipien so verpflichtet weiß, dass sie Minderheiten als Gleiche respektiert und sie zugleich verschieden sein lässt?“

    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article129979438/Warum-ein-Burka-Verbot-kontraproduktiv-ist.html

    • Lothar

      gut, lassen wir sie Burka tragen, aber treten wir ihnen massiv auf die Füße wenn sie in ihren Moscheen Hass und Verachtung verkünden oder wenn sie die Teilnahme am produktiven Teil des gesellschaftlichen Lebens verweigern. Im Übrigen: können Sie sich vorstellen, dass in der Forschungsabteilung eines deutschen Hightech-Unternehmens eine vollverschleierte Frau sitzt, oder ein Mann, der seine Frau zuhause so verschleiert? Oder vielleicht dasselbe im Operationssal eines Krankenhauses. Läuft es nicht am Ende immer, immer, immer darauf hinaus, dass wir für diese Leute sorgen, aber nicht umgekehrt? Ehrliche Antwort?

    • marsfeld

      Kleidung/Stilrichtungen nach vielfältigsten ästhetischen Prinzipien können liberal behandelt werden, auch wenn sie aus dem Rahmen fallen, politisch/religiös aufgeladene symbolhafte Kleidungsstücke eben nicht. Wir können einem Rockertypen seine Lederkutte und seine langen Haare lassen oder einem Gothic-Fan seine auftoupierten Haare, auch wenn sie nicht der allgemeinen Norm entsprechen, weil sie nur einem deviantem Stilempfinden entspringen.

      Wir sollten aber keine verfassungs- oder menschenfeindliche Symbolik zulassen. Wenn jemand als Skinhead mit Hakenkreuzbinde auftritt und als Geste den rechten Arm hebt, verbieten wir es natürlich. Wenn ein Kleidungsstück als Geste religiöser Suprematie, der Missachtung einer nicht islamisch-theokratisch verfassten Gesellschaftsordnung und der Geringschätzung von Frauen, die sich nicht den eigenen religiösen Regeln unterwerfen, einzuordnen ist, haben wir es mit einem ähnlichen Fall zu tun. Die Symbole sind nicht mehr individueller Natur, sondern drücken eine soziale und politische Attitüde sowie einen gesellschaftspolitischen Willen aus, der auch eine Art aggressiver politisch-symbolischer Kommunikation an Außenstehende einschließt, ggf. als Geste religiöser Verachtung.

      Insofern stimme ich dem pseudo-toleranten „virtue signalling“ von Islamismus-Appeasern wie Forst in keiner Weise zu, die selbstverständlich keinen blassen Schimmer von den Bedeutungswelten islamistisch-fundamentalistischer Symbolik haben – und von denen in der deutschen Medienlandschaft ohnehin schon viel zu viele herumspringen. Dass Leute wie Maryam Hübsch gleich wieder eine Chance wittern, solche wachsweichen Texte daraufhin abzuklopfen, ob sie Legitimationen für die zweifelhaften Forderungen ihrer zweifelhaften Ahmadiyya-Gemeinde enthalten könnten, überrascht mich in keiner Weise. Das ist nämlich exakt das, wofür die Schwachbrüstigkeit solcher „Gesellschaftswissenschaftler“ immer wieder ausgenutzt wird.

    • Peter Christian Nowak

      Die Minderheit zwingt der Mehrheit eine Toleranz auf, die sie selbst nicht bereit ist zu erbringen. Und nur darum geht es. Und darum, dass wir als Mehrheit solch eine Minderheit ablehnen, die nicht bereit ist die Konventionen der Mehrheit zu akzeptieren. Die Kleiderordnung der Muslime sind daher eine Provokation an die Mehrheitsgesellschaft und nicht ihrem religiösen Empfinden geschuldet.

  • Philoktet

    Herzlichen Dank für diesen Artikel, Herr Tipi! Sie haben vollkommen recht! Es geht um das, was wir uns in Europa in den letzten Jahrhunderten hart erkämpft haben. Um die Freiheit und die Selbstbestimmung des einzelnen.
    Ich wundere mich, warum das so viele Menschen nicht sehen, geschweige denn begreifen, daß alles bedroht ist.
    Es sind doch sonst die Frauenrechtsorganisationen bei allem möglichen sofort auf dem Plan! Warum in dieser Sache nicht?

    • Susan

      Ich fühle mich als Frau extrem bedroht von Frauen, die sich Verschleiern aber auch von denen die Kopftuch tragen. Ich fühle meine Freiheit und Selbstbestimmung bedroht. Vor dem September 2015 war dies nicht der Fall. Durch die massenhafte Einwanderer aus islamischen Ländern hat sich bei mir eine Abwehrhaltung gegenüber Frauen mit Kopftüchern, Burka, weitgehüllte Kleidung… eingestellt. Ausserdem werden Männer dadurch auf sexistische Wesen reduziert, die keiner unverschleierten Frau widerstehen können. Haben wir hier nicht einen Rechtsstaat bzw. eine Polizei, die diese Dinge regelt? Wir brauchen keine Scharia. Das Problem ist doch, dass viele muslimische Neubürger ihre männliche Nachkommen weiterhin so erziehen, als wären sie die Krönung der Schöpfung und Frauen zweitrangig.
      Für mich ist ein Kopftuch oder Burka ein islamistisches Zeichen und daher eine Bedrohung für die freie westliche Welt.

  • Sabine Ehrke

    Mein Dank an Sie, Herr Tipi, von Frau zu Mann! Von ganzem Herzen!

  • Marc Janssen

    Ich würde übrigens auch sehr gerne Ihre Meinung zu *Halal*-/*Kosher*-Schächtung hören, und/oder was Sie über die religiös begründete, und erlaubte Verstümmelung von Babies/Jungen in Deutschland halten.

    Meiner Meinung nach werden modern und säkular lebende deutsche Juden und Muslime nämlich von der deutschen Gesetzgebung verraten und für primitiv verkauft – denn wenn orthodoxe Juden und Muslime meinten, daß unnötige gefährliche schmerzhafte Verstümmelung und Tierquälerei ihnen im Jahre 2016 in Deutschland geboten und erlaubt sein sollte – dann haben sie in diesem Land nichts verloren und sollten ihre primitiven, unmenschlichen Praktiken dort ausüben wo sie sich zugehörig fühlen = Irgendo „zuhause“, und NICHT in Deutschland.

    Mit *Antisemitismus* oder *Islamophobie* haben deutsche Tierschutzgesetze und das Recht auf körperliche Unversehrtheit überhaupt gar nichts zu tun!

    • NicoleGens

      Ich würde auch gerne wissen was Herr Tipi von „Halal“- Schächtung hält! Meiner Meinung nach nicht mit deutschen Gesetzen vereinbar, dafür sollten auch keine Ausnahmen gemacht werden!