Maybrit Illner – Gähn! Ächz! Schnarch! Stöhn!

Sind ein Lobbyist, ein "linksradikaler" Politiker, ein renommierter Journalist, ein Regierungsvertreter, ein dem Geschlechterproporz verpflichtetes nettes Mädel und der Gastgeber total einer Meinung – ist man auf der falschen Party oder beim ZDF.

Screenshot: ZDF/maybrit illner

Verdammt! Wir hätten uns auch krank melden sollen wie Maybrit Illner: Schon wieder ein Geschwätzkreis über Trump, Mauern und was „wir“ jetzt alles dagegen machen können und müssen. Das einzig Gute: Unser einwöchiger Parforceritt durch alle Polittalkshows hat damit sein Ende gefunden. Will mit Schulz, Plasbergs Volkshochschulstunde und Maischberger als dem Fischer sin Fru fanden mit der Krankenvertretung durch Herrn Fornoff und seine Freunde ein zähes Ende.

Peter Altmaier war wohl froh, dass Angies Ohrfeigen beim Sultan nicht zur Sprache kamen. Jürgen Trittin (Pfadfinder, Kommunist, Diplom-Sozialwirt), derzeit nur noch auswärtiger Ausschuss, will noch mal einen richtigen Job bei Rot-Rot-Grün, deshalb nimmt er jede Einladung im Gesinnungsbereich an. Bernhard Mattes, früher Ford, heute Präsident der amerikanischen Handelskammer in Deutschland, sprach super deutsch, weil er Deutscher ist. Wer Gabor Steingart nicht kannte, war sicherlich verwundert, dass er für das Handelsblatt und nicht für die taz sprach, und bei Mareike Nieberding dachten wir zuerst, sie sei Fähnleinführerin bei der Merkel-Jugend in Vechta, aber das war falsch, außer das mit Vechta. Mareike hat eine andere Bewegung gegründet, irgendwas mit Demokratie und Demonstrationen. Zudem schreibt sie in der Zeit. Etwa, dass sie während der WM im Suff („nach zwei Gläsern Wein, oder drei“) Deutschland-Papierfahnen von Autos rupfte und zerriss.

Sie merken schon, lieber Leser, dass wir uns mit Mareike ein bisschen länger beschäftigen. Das geschieht nicht aus Galanterie, sondern weil die bunten Sprechblasen der Runde alle aus dem Polit-Discounter in Ihrer Nähe stammten, die sie mithin eh alle zur Genüge kennen. Mareike war während des Wahlkampfs in den USA, und sogar bei einer Trump-Rallye in Pennsylvania. Was ist ihr davon hängengeblieben? „Es waren nur weiße Menschen da.“

Peter Altmaier hatte nur Allgemein-Plätzchen dabei, davon aber jede Menge. Quintessenz: Wir müssen uns nicht entschuldigen, dass unsere Produkte toll sind, und wir der ganzen Welt helfen. Nebenbei kam heraus, dass sie im Auswärtigen Amt Tage brauchen, um die Dekrete von Präsident Trump zu übersetzen! Was wohl bedeutet, dass die Besetzung von Frau Chebli durch Herrn Steinmeier kein Einzel-, sondern der Regelfall geworden ist.

Siggi ist gerade in den USA und erinnert den neuen Außenminister Tillerson an die gemeinsamen Werte – hoffentlich hat er einen begabteren Übersetzer dabei. Trittin, bei dem einem immer Kermit, der grüne Frosch, in den Sinn kommt, unterschied sich keinen Deut von Steingart, der dem US-Präsidenten wohl eine riesige Hilfe wäre, würde er dort gefragt. Denn er weiß so ziemlich alles (US Geschichte: Der Präsident ist wie ein König auf Zeit/ Globalisierung: Deutsche Wirtschaft nicht nur in USA auf Anklagebank wegen Überschuss. Globalisierung überall Akzeptanzprobleme, usw.), vor allem weiß er: Donald Trump weiß das nicht, der fühlt das aber. Am Ende gab er Trump in nahezu allen Punkten Recht, hatte das aber selber nicht bemerkt.

Kermit wollte noch hinzufügen, dass dem Populismus egal ist, was die New York Times schreibt. Mareike konnte wohl gar nicht fassen, dass sie mit ihren Kommentaren auf Proseminar-Niveau in Geschwätzwissenschaften mit all den berühmten Zaungästen als ebenbürtig aufgenommen wurde.

Deshalb schlug sie auch am Ende im Überschwang vor, „wir müssen wieder aufs Land fahren, und den Leuten das Gefühl vermitteln …“. Welches Gefühl sie vermitteln wollte, ist mir entfallen, aber der Gedanke, dass die alle zusammen aufs Land fahren, lässt Erinnerungen an den herrlichen Film mit Peter Sellers „Whats new, Pussycat?“ aufsteigen – deutscher Titel des Streifens von Woody Allen: „Was gibt’s Neues, Pussy?“.

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