Nach Terroranschlägen von Paris: Wachsamkeit statt Selbsttäuschung

Nach den Attentaten in Paris stellt sich auch in Deutschland die Sicherheitsfrage neu. Die Illusion einer völlig grenzenlosen Gesellschaft ist nicht länger aufrecht zu erhalten. Der Islamische Staat steckt hinter den Anschlägen, sagt Präsident Hollande.

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Gestern war noch so ein Abend der Selbsttäuschung. Die Regierung weiß nicht einmal, wie viele Flüchtlinge im Land sind. Aber: Merkel behauptet: “Die Bundeskanzlerin hat die Lage im Griff.“ Wenn man diese Zeile heute etwa als Schlagzeile der FAZ liest, klingt sie frivol, wie aus einer anderen Zeit. Über Nacht hat sich die Lage dramatisch geändert. Und Frankreichs Präsident Hollande nennt den Islamischen Staat als Verantwortlichen.

Diplomatische Beziehungen zum IS?

Kann sie wirklich die Lage im Griff haben, wenn sie die Lage nicht kennt? Diese Frage stellt sich neu und brutal. Frankreich hat jedenfalls noch in der Nacht seine Grenzen geschlossen – auch nach Deutschland. Denn längst ist dieses Land ein europäisches Sicherheitsrisiko geworden. Wir wissen ja schlicht nicht mehr, wer da ist, nicht einmal wie viele Gerechte oder Ungerechte, und all` dies geschieht ohne öffentliche Debatte, als ginge es nur um eine schnellstmögliche Aufstockung der Bevölkerung.  Dabei wurde auch auf der Autobahn Richtung München ein Fahrzeug beschlagnahmt, in dem eine Vielzahl von Waffen versteckt waren. Deutschland hat sich schutzlos gemacht, weil die neue Ideologie lautet: Unsere Grenzen sind nicht kontrollierbar. Die Frage der Sicherheit stellt sich auch für Deutschland neu. Viele unserer Nachbarn haben längst ihre Besorgnis übermittelt; die Sicherheitsfrage stand in den USA im Zentrum der Betrachtung über Deutschlands offene Grenzen.

Sind sie wirklich nicht kontrollierbar, wie uns mehrfach amtlich beteuert wurde? Auch wenn es schwer ist: Warum wird nicht einmal der Versuch unternommen? Weil wir es nicht sehen wollen? Es ist wie bei Kindern, die die Hände vor das Gesicht halten, um Unangenehmes dadurch zu vertreiben, dass man es nicht wahr nimmt. Für Terroristen ist es einfacher, Anschläge in einem Land zu planen und zu verüben, in dem ein hoher Teil der Bevölkerung arabisch spricht, wie die Einwanderer aus ehemaligen französischen Kolonien, und die selbst wiederum die Landessprache Französisch beherrschen – im Gegensatz zu Deutschland.

Das ist ein Menetekel auch für Deutschland, das nach den Vorstellungen der Bundesregierung auch in wenigen Jahren Millionen arabischer Bewohner haben wird. Die Polizei und Geheimdienste sind in Frankreich an sich besser – aber die Lage ungleich schwieriger. Und in Deutschland hat sich ausgehend vom Beispiel der Bundesregierung eine seltsame Stimmung breit gemacht: So laden in Frankfurt ausgerechnet katholische Verbände wie Pax Christi in das kirchensteuerfinanzierte “Haus am Dom” der Diözese Limburg, um darüber zu diskutieren, ob man nicht doch zu der Terrororganisation vom IS besser diplomatische Verbindungen aufnehmen solle, statt diese Verbrecher entschieden zu bekämpfen – ein seltsamer Akt der Selbstaufgabe und Unterwerfung einer ganzen Gesellschaft unter den Islamismus.

Kältesturz in der Welt

Denn die Anschläge gelten nicht nur den Menschen in Paris, sie gelten uns allen und sie treffen uns alle – unsere freie Welt soll einfrieren. Wir leben davon, dass wir einander vertrauen. Miteinander feiern, miteinander streiten, miteinander leben, miteinander teilen, handeln, uns austauschen.

Die Welt hat den mörderischen Hass darauf schon einmal erlebt – am 11. September 2001. Damals lenkten Terroristen Jumbo-Jets in das World Trade Center, das Herz des Welthandels, das Symbol der Globalisierung und der Freiheit. Es war kein zufälliges Ziel. Die Terroristen wollten die freie Welt treffen.

Seither sind die USA, und damit ist die Welt eine andere geworden: Es wurden Sicherheitskontrollen hochgezogen, Geheimdienste aufgerüstet, der Krieg gegen Terror hat viele Opfer. Gerade Deutschland hat sich immer deutlicher von den USA abgewandt, deren Sicherheitswahn kritisiert. Jetzt holt uns dieser Leichtsinn ein.

Vieles, was uns heute belastet, hat in den Anschlägen von 9/11 seine Ursache: Kontrolle durch Geheimdienste, Abhöraktionen, NSA und gegenseitiges Misstrauen. Aber die Konsequenz damals war auch eine schwächere Weltwirtschaft. Mit fragwürdigen Methoden wurde sie wieder angekurbelt: Sogar die Finanzkrise kann teilweise darauf zurückgeführt werden – irgendwie sollte die erfrierende Welt und Wirtschaft durch künstliche Kredite befeuert werden, wurde Geld in die Märkte geschüttet. An dieser Verschuldungswoge haben einige verdient, fast alle dafür teuer bezahlt. An ihren faulen Krediten und Währungsmanipulation leiden wir noch heute, zahlen wir noch immer Kredit ab, konfrontiert mit einer beständigen Krise des Euro, die uns wirtschaftlich und politisch belastet.

Die Welt wurde kälter, und dabei ging es nicht nur um unsere politischen Freiheiten. Unsere wirtschaftliche Freiheit gehört dazu – denn diese Anschläge der Islamisten –  darum handelt es sich wohl – sind immer auch der Versuch, unseren Wohlstand zu zerstören. Unser Wohlstand hängt davon ab, dass es fast nichts mehr gibt auf unserem Frühstückstisch, was nicht mindestens eine der früheren Grenzen einmal oder mehrfach überschritten hat. Und dabei geht es nicht nur um Einkommen und Konsum. Es geht um Arbeitsplätze, um das Gefühl von Sicherheit und um Zukunftsvertrauen.

Es geht wieder um Freiheit und Selbstbehauptung

Werden diese Säulen angegriffen, dann droht auch politische Unruhe, gefährden schnell Radikale und Populisten von Links und von Rechts unsere Gesellschaft. Das wissen die Terroristen, sie kennen unsere Verletzlichkeit. Da überall setzen sie an, mit mörderischer Perfektion und Präzision. Die Welt ist umso verwundbarer, je globalisierter sie ihre Errungenschaft, ihre Erfolge bis in das kleinste Dorf bringt und die religiösen Eiferer in ihrer Dummheit vorführt. Unsere grenzenlose Freiheit, der Austausch von Wünschen, Sehnsüchten und Hoffnungen soll zerstört werden.

Lassen wir es nicht zu. Bleiben wir wachsam. Sie wollen unsere Welt verdüstern. Aber genau das lassen wir nicht zu. Wir können uns nur wehren, wenn wir unsere Illusionen aufgeben, dass das Böse irgendwie durch nette Erklärungen, Naivität und Teddybären zu stoppen sei. Freiheit braucht Wachsamkeit und die Bereitschaft auch zur Härte gegen die Feinde der Freiheit. Und die Bereitschaft, der Wahrheit ins Gesicht zu schauen: Die Welt verändert sich nicht durch Wille und Vorstellung. Der Staat hat seine Rolle nicht eingebüsst. Er muss lernen, sie wieder auszuüben. Mit Augenmaß statt Blindheit, mit Verstand statt mit Selbsttäuschung.

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Kommentare {66}

  1. Das Aufgeben von Illusionen ist immer gut. Zu den gefährlichen Illusionen gehört aber auch, wir, der Westen, könnten wie im 20. Jahrhundert der arabischen (und islamischen) Welt eine Ordnung nach unserem Gusto und Bedürfnissen aufoktroyieren, notfalls und gerne mit Diktatoren, die das für uns mit harter Hand exekutieren.
    Mit Ausnahme Ägyptens kann kein arabischsprachiger Staat seine Existenz begründen oder historisch herleiten. Egal ob Algerien (nach einer Stadt benannt – was soll so ein Land, heißt Deutschland denn „Berlinien“?) oder Libyen oder die Staaten der Levante oder der arabischen Halbinsel – alles sinnlose Kunststaaten, am grünen Verhandlungstisch ehemaliger europäischer Kolonialmächte erdacht.
    Man kann gegen den IS vieles anführen, wie er funktioniert und auftritt – allein: Er ist in der Tat das erste originär von Arabern (sic Moslems) selbst erschaffene Staatsgebilde seit Saladin. Nicht eine Restitution Syriens steht an, sondern seine Aufteilung, analog beim Irak. De facto besteht sie eh längst.
    Damit ginge aber auch einher, den Anspruch auf Universalität des westlichen Gesellschaftsmodells aufzugeben. Denn während unsere Eliten libertär, internationalistisch, individualistisch-hedonistisch sind und selbiges propagieren, scheint gerade die Rigorosität des Islams auf Linke im Westen eine seltsame Faszination auszuüben. Unsere aktuelle Gesellschaftsform scheint tatsächlich der Reichtumsmaximierung am ehesten zu dienen, doch sie lässt steigende Zahlen ihrer Mitglieder ratlos zurück. Die einen weichen auf Verzichts- und Geißelungskulturen aus wie Veganismus, Pazifismus, Radfahren, Technikfeindlichkeit allgemein und importierter verballhornter Spiritualität a la Yoga, die anderen suchen Zuflucht in der tradierten Altkultur, das wären die „Rechten“. Auch hier gibt es Ansätze zu Askese und Selbsterniedrigung, man befasse sich nur mal mit Phänomen wie der Querfront.

    In dieser Selbsterniedrigung des Westes liegt die Chance für weniger satte, junge und nicht kinderlose, hungrige und glaubensstarke Völker. Will der Westen nicht untergehen, dann hat er nur noch sehr wenig Zeit für eine Umkehr.

  2. Der Schutz unserer Freiheit.

    Es wird sich die Erkenntnis durchsetzen müssen, dass – angesichts der weltweiten sicherheitspolitischen Lage – die Sicherung des Gebietes der Europäischen Union und auch unseres Staatsgebietes eine notwendige Bedingung unseres freiheitlichen Lebens ist.

    Mit der Vorgehensweise, Meinungen mit einem bestimmten Etikett zu belegen, wird derweil der Versuch unternommen, im Wege der Inszenierung eines Schaukampfes über politische Richtungen, die Verantwortung für die Durchführung vernünftiger Maßnahmen wegzurationalisieren. Dies tut der Debatte nicht gut und beschränkt die Suche nach vernünftigen Maßnahmen.

    Die Freiheiten und Werte unserer Gesellschaften haben sich über viele Jahrhunderte in Staaten entwickelt, die durch Grenzen geschützt waren. Die französische Demokratie hat sich in einem souveränen von Grenzen umgebenen Staat entwickelt. Auch das freiheitliche demokratische Deutschland der Nachkriegszeit hat sich während des kalten Krieges in einem durch Grenzen gesicherten Staatsgebiet entwickelt.

    Die innerhalb des Staatsgebietes gewährte Freiheit wurde durch politische und territoriale Abgrenzung nach außen gestärkt und gefördert. Grenzen stehen dem freiheitlichen Leben in dem durch sie geschützten Gebiet nicht entgegen. Die Grenzen haben dessen Entwicklung nicht verhindert, sondern erst ermöglicht. Freiheitliches Leben kann nur existieren, wenn es gegen Bedrohungen von außen geschützt und verteidigt wird.

    Das schließt nicht aus, dass Menschen, die Asyl brauchen, auch Asyl gewährt wird. Zwischen der Politik der offenen Grenzen und vollständiger Abschottung gibt es einen Mittelweg. Auf der anderen Seite erfordert es aber, dass die Bevölkerung in ihrem Staatsgebiet das Gefühl hat, freiheitlich Leben zu können und sicher zu sein. Dazu gehört, dass die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, feststellen zu können, wer Anspruch auf Asyl hat, wer einwandern will und wer eine Gefahr für die Sicherheit darstellt. Das macht eine Rückkehr zu Rechtsstaatlichkeit absolut notwendig. Deutschland muss seine Grenzen sichern und kontrollieren, wer einreisen darf und wer nicht.

    Der radikale islamische Staat betreibt einen asymmetrischen Krieg, der sich nicht allein durch grenzenlose Offenheit und Toleranz gewinnen lässt. Grenzschließungen erschweren es Terroristen unser Staatsgebiet zu infiltrieren und uns in unserem freiheitlichen Leben zu bedrohen. Sie sind eine äußere Bedingung unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung, unserer Werte und Rechtsgüter als auch unserer persönlichen Freiheit!

  3. Mit dieser SPD kann man bei der Asylkrise nichts vernünftiges anfangen

    Zum einen: selbstverständlich sind unter den Asylanten auch Terorristen.
    Zum anderen: De Maziere hat vor wenigen Tagen eine Beschränkung des Familiennachzugs der Asylanten gefordert: SPD: sofort: nicht mit uns.
    Die Deutschen haben bei der letzten Bundestagswahl eine rot/rot/grüne Mehrheit gewählt. Und, wenn sich die CDU/CSU Fraktion nicht den Vorstellungen der SPD nachkommt. da steht die Drohung der SPD: Wir können auch mit rot/rot/grün regieren.
    Irgendwo habe ich gehört: Jedes Volk verdient die Regierung, die es hat.
    Und ich befürchte, daß auch bei der kommenden Bundestagswahl ein ähnliches Ergebnis kommt.
    Ich werde, so bald ich die Rente bekomme, auswandern.

  4. Die SPD verhindert eine vernünftige Politik bei der Asylkrise

    Selbstredend ist unter den Asylanten der eine und andere Terrorist.
    De Maziere wollte vor wenigen Tagen den Familiennachzug einschränken. Sofort die Reaktion der SPD: Nicht mit uns.
    Bei der letzten Bundestagswahl wurde eine rot/rot/grüne Mehrheit gewählt. Wenn die CDU nicht auf SPD-Linie einschwenkt, dann bekommen wir eben eine rot/rot/grüne Bundesregierung. Deshalb stürzt auch niemand die Merkel, weil man mit dieser SPD nichts halbwegs vernünftiges anfangen kann.
    Und ich befürchte, daß bei der kommenden Bundestagswahl wieder CDU/SPD rauskommt. Daher sind die Deutschen selbst schuld.
    Gott sei Dank habe ich einen guten Freund in Budapest, und ich lerne gerade Ungarisch, damit ich mich als Rentner nach Ungarn absetzen kann.
    Der Orban ist nicht so verrückt wie die Deutschen.

  5. Die SPD verhindert vernünftige Politik

    Es liegt in der Natur der Sache, daß unter den Millionen moslemischen Asylanten auch Terroristen sind.
    De Maziere wollte kürzlich den Familiennachzug stoppen. Sofort die Reaktion der SPD: auf keinen Fall.
    Niemand stoppt die Merkel, denn mit dem Koalitionspartner SPD gibt es keine vernünftige Asylpolitik.
    Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient, habe ich irgendwo gehört.
    Die Deutschen haben bei der letzten Bundestagswahl eine Mehrheit von SPD, Linken und Grünen gewählt. Sollte die CDU/CSU nicht nach der Pfeife der SPD tanzen, dann haben wir eben eine rot/rot/grüne Regierung, mit Mehrheit.
    Und ich befürchte, daß bei der kommenden Bundestagswahl wieder eine große Koalition herauskommt.
    Selbst Schuld.

  6. Wir dürfen also keine Rechtspopulisten wählen, weil dann die Terroristen gewonnen hätten? Die Terroristen setzen darauf, dass wir Rechtspopulisten wählen, um unsere freie Gesellschaft zu zerstören? Also bitte, das könnte ja direkt aus der Feder eines Linksgrünen stammen.

    Wer sind denn diese ominösen Rechtspopulisten? Wo fängt Rechtspopulismus an? Bei der NPD, bei der AfD oder schon bei der CSU? Sind der grüne Tübinger Oberbürgermeister Palmer oder SPD-Sarrazin auch schon Rechtspopulisten?

    Wen dürfen wir denn dann noch wählen, wenn die AfD oder der französische Front National den Terroristen in die Hände spielt? Dann bleiben ja nur noch Parteien zur Auswahl, die uns gerade mit Flüchtlingen und Terroristen fluten.

    Wir sollten mit den osteuropäischen Ländern wie Polen, Ungarn oder Slowenien solidarisch sein, denn dort gab es noch keinen einen islamistischen Terroranschlag. Nur sind dort dummerweise fast überall Rechtspopulisten an der Regierung.

    Ich finde ihre Artikel ansonsten ja sehr gut, Herr Tichy. Aber diesen Gedankengang sollten sie nochmal überdenken.

  7. Zu Grisogono:
    Bitte nochmal in Ruhe nachdenken, bin ziemlich sicher, der von Ihnen kritisierte
    Kommentar trifft zu und die dort kritisierte Richtung ist des Pudels Kern….
    Nachdenkhilfe: Wer war offiziell für den 1., den 2. Weltkrieg und auch sonst alle Unbill dieser Welt “verantwortlich”?
    Dann bitte diesen Maßstab auf die aktuelle Stuation, mit den tatsächlichen Verursachern anwenden….
    Man muss nicht jede Meinung teilen, aber auf http://www.hartgeld.com bekommt man alternative Sichtweisen geboten, gibt auch noch andere Seiten.