E.on-Mülltrennung: Und die Politik klatscht dazu

Die Freude ist groß bei den Befürwortern des Atomausstiegs: E.on trennt seine Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke von der eigentlichen Firma. Endlich, jubelt der Wirtschaftsminister: “Mit seiner Entscheidung stellt sich E.on konsequent auf und zieht als erstes Unternehmen die Konsequenz aus einer sich völlig gewandelten Welt der Energieversorgung. Das schafft durchaus neue Chancen”, sagte Gabriel der Rheinischen Post.

So macht Kapitalismus Spaß

Aber was bedeutet das wirklich? Unter E.on laufen dann Solar- und Windkraftwerke sowie Übertragungsnetze. Das klingt modern, super. Ist es auch – denn diese Bereiche sind so hoch subventioniert, dass es praktisch unmöglich ist, Verluste zu machen. Es gibt Garantiepreise, Abnahmegarantien, Mindestverzinsung – so macht Kapitalismus Spaß. Staats-Kapitalismus. Die Zeche zahlen die Stromverbraucher. Wohl dem, der eine solche Aktie sein eigen nennt.

Und dann gibt es da den angeblich so schmutzigen Bereich; Kohle, Gas, und das Teufelszeug Atom. Damit lässt sich nichts mehr verdienen. Die Subventionen für den Grün-Strom lassen alle anderen Energieerzeugungsarten alt aussehen. Dabei sollen sie nicht nur Strom erzeugen, sondern auch jene Milliarden verdienen, mit denen Atommeiler zurückgebaut werden; das dürfte nach bisherigen Erfahrungswerten bis zu 5 Milliarden je Atom-Ei sein. Wehe dem, der auf einer solchen Aktie sitzt. Sie ist nichts wert, und das ist unausweichlich so. Die subventionierte grüne Gewinnmaschine wird von den alten Anlagen getrennt. Wenn dort die Kohle nicht mehr stimmt, wird sich E.on-Grün die Hände in Unschuld waschen.

Und sie wird nicht stimmen. Denn viele der Milliarden, die E.on für den Rückbau der Kernkraftwerke angesammelt hat, wurden gewinnbringenden investiert – in eben jene Kohlekraftwerke, die jetzt durch die Energiewende zu rauchenden Ruinen wurden. Die Energiewende zerstört so nebenbei auch die wirtschaftliche Basis für den Rückbau der Kernenergie.

Wer das Unternehmen ruiniert soll darüber bezahlen

Dieser Schritt der Aufteilung von E.on ist fair. Hier die Guten (grün), dort die Bösen (Kohle, Atom) – das paßt politisch, aber nicht wirklich. Wenn die Politik die Bösen immer weiter ruiniert, muß sie am Ende die Kosten eben selbst tragen. Nun will Gabriel aufpassen, dass es genau dazu nicht kommt. Sosososo. Wir werden sehen. Denn dahinter steckt noch ein zweiter Plan: Macht doch euren Strom alleine. Denn bisher haben die Stromkonzerne gut verdient  – aber auch viel geleistet. Sie waren und fühlten sich für die Sicherheit der Stromversorgung zuständig. Ich kenne viele Beschäftigte, die das sehr ernst genommen haben. Sie fühlten sich nicht der Bilanz, sondern dem Bürger verantwortlich. Das ist vorbei. Kohle hat keine Zukunft, und so werden die Kraftwerke behandelt – und deren Mitarbeiter auch. Diese erfahren eine Ächtung, wie die Atom-Stromer. Sie gelten nicht mehr als Garanten der Versorgungssicherheit, sondern sind zur Abwicklung freigegeben.

Jetzt wird getrennt und dreimal verdient

Unternehmen passen sich der Politik an. Wenn der Wind mal steht und die Sonne mal scheint, verdient die grüne E.on prächtig, und der Stromkunde wird geschröpft. Wenn nicht – Pech. Kein E.on-Problem mehr. Schrittweise werden die Kohlenmeiler vom Netz gehen. Wenn E.on-Kohle Glück hat, platzt irgendwo ein Kessel, sorry aber auch. Dann ist zwar ein Kraftwerk hinüber – aber wirtschaftlich gesehen werden sowieso nur noch rote Zahlen produziert. Denn mit Kohle wird jeden Tag Geld verbrannt. Also wird zukünftig die Schrottgesellschaft vor sich hin machen, bis unter dem großen Jubelschrei der grünen Massen die maroden Mühlen ihren Geist aufgeben. Der Strom kommt dann von irgendwoher, aus österreichischen Öl-Kraftwerken (superschmutzig), aus polnischen Kohlekraftwerken (supersuperdreckig) oder aus Frankreichs Atommeilern (supersupersupergefährlich).

Und wen er nicht kommt? Kollabiert dann die Wirtschaft?

Nein. Hier kommt die dritte Stufe des E.on-Konzepts in´s Spiel. Weil das einfach nicht sein darf, wird Gabriel bald auch die Kohlekraftwerke subventionieren. Die neue E.on-Kohle steht schon mit offenen Händen da. Sie ist dafür konstruiert, diese Subventionen dankend entgegen zunehmen. Die Pläne dazu werden unter dem schönen Begriff „Dezentrales Energiemarkt-Design“ entwickelt. Da fließt dann die Kohle vom Stromkunden in die Kohlekraftwerke, damit die irgendwie weitermachen. Und E.on ist fein heraus. Dann wird der grüne Strom subventioniert, der Kohlestrom auch, Gas sowieso, und die atomaren Altlasten werden irgendwann vom Staat übernommen. Ein sauberer Plan. Der Müll wird getrennt, und es wird teuer. Für die Stromkunden, für den Staat.

Und die Politik? Klatscht dazu. Sie hat das Schlamassel ja auch angerichtet.

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Kommentare {4}

  1. hallo herr tichy,
    sie übersehen, das die neue öko-eon ca. 31mrd. an verbindlichkeiten behalten wird und damit die alte-böse-eon quasi schuldenfrei sein wird.

    wie die öko-eon nun diese 31mrd. abbezahlen und gleichzeitig zig mrd. an neuen investitionen in den ausbau der zufallsstromerzeuger investieren will ist für mich ein rätsel.

    und sollte die eeg-blase,was absehbar ist, irgendwann mal platzen, was macht die öko-eon dann?

  2. Hallo Herr Tichy,

    ein gute Analyse der Vorgänge. Nur in einem stimme ich nicht zu. Ich halte das, was die Politik derzeit im Energiesektor anrichtet, in seinen längerfristigen Folgen für weit aus mehr als nur ein Schlamassel. Da wird aus ideologischer Verblendung und/oder technischer und ökonomischer Verblödung bzw. EE-Gier unser Energiesystem und insbesondere das Elektrizitätssystem (wertvollste Energieform), dass einen Kernpfeiler für das Existieren unserer heutigen Gesellschaft darstellt, fundamental zerstört. Meiner Meinung werden die Folgen, bei weiteren Festhalten am eingeschlagenen Weg,wesentlich größer sein; das geht an der Kern einer G7-Industrienation.

  3. Vielen Dank an Herrn Tichy,

    mit diesem Artikel haben Sie es genau durchleuchtet. Leider haben die in der Politik bis heute nicht verstanden, wie Strom dauerhaft und zuverlässig erzeugt, bzw. sie verstehen es langsam, und verkaufen einem jetzt das Bemühen um Versorgungssicherheit als grüne Neuausrichtung.

    Nach der Neuausrichtung der WIWO mit neuem Chefredakteur(in) und ohne Röhl ist die nur noch ein Blatt unter vielen.
    Hoffentlich geht die bald ein.

    MFG